(Vorzeitiger) Blasensprung

Unter einem Blasensprung verstehen Ärzte den schwallartigen Abgang des Fruchtwassers nach einer Ruptur der Fruchtblase in der Schwangerschaft. Wie Du einen Blasensprung erkennen kannst, wie Du Dich in diesem Fall verhalten musst und welche Auswirkungen ein Blasensprung auf Schwangerschaft und Geburt hat, liest Du hier!


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Zuletzt aktualisiert: 5. Oktober, 2020



ICD-10-GM-2020 O42.

Was versteht die Medizin unter einem Blasensprung?

Von einem Blasensprung sprechen Ärzte, wenn bei einer schwangeren Frau die Fruchtblase platzt und das Fruchtwasser abgeht. Dieses tritt oft schwallartig in einer großen Menge aus, weshalb die Verwechslung mit einem unwillkürlichen Harnabgang normalerweise ausgeschlossen ist. Es kann aber auch vorkommen, dass das Fruchtwasser langsam und kontinuierlich in geringen Mengen abgeht.
 
Von einem Blasensprung sprechen Ärzte, wenn bei einer schwangeren Frau die Fruchtblase platzt und das Fruchtwasser abgeht
 

Welche Arten von Blasensprung gibt es?

Bei der Geburt eines Kindes unterscheiden Gynäkologen drei Phasen: die Eröffnungsphase, bei der sich der Muttermund öffnet und die Wehen einsetzen, die Austreibungsphase, in der Presswehen einsetzen und das Kind zur Welt gebracht wird, und die Nachgeburtsphase, in der sich die Gebärmutter zusammenzieht und die Nachgeburt ausgeschieden wird.
 
In zwei Drittel aller Geburten kommt es in der Eröffnungsphase bereits zum Blasensprung, dieser wird als rechtzeitiger Blasensprung bezeichnet. Allerdings besteht auch die Möglichkeit eines frühzeitigen Blasensprungs. Als solchen bezeichnen Mediziner einen Blasensprung, der bereits zu Beginn der Eröffnungsphase geschieht, wenn der Muttermund noch nicht vollständig geöffnet ist. Vom frühzeitigen Blasensprung unterscheiden Ärzte den vorzeitigen Blasensprung, der bereits vor der Eröffnungsphase eintritt.

Wie erkenne ich, ob es auch wirklich ein Blasensprung ist?

Es gibt bestimmte Anzeichen, an denen Du feststellen kannst, ob es sich bei Deinen Symptomen auch wirklich um einen Blasensprung handelt. Oft macht sich bei Frauen in den letzten Wochen der Schwangerschaft vermehrt Ausfluss bemerkbar, der sich allerdings stark von dem austretenden Fruchtwasser bei einem Blasensprung unterscheidet. Bei einem Blasensprung geht das Wasser häufig schwallartig ab, lässt sich nicht aufhalten und ist in der Regel so dünnflüssig und durchsichtig wie Wasser. Damit unterscheidet es sich von dem Ausfluss, den Frauen oft gegen Ende ihrer Schwangerschaft bemerken, denn dieser ist üblicherweise dickflüssig. Des Weiteren riecht das Fruchtwasser neutral.

Welche Ursachen hat ein vorzeitiger Blasensprung?

Ein vorzeitiger Blasensprung kann verschiedene Ursache haben. Als Auslöser gelten vorzeitige Wehen, eine vorzeitige Zervixreifung, ein geschwächter Gebärmutterhals, erhöhter Druck bei Mehrlingsschwangerschaften oder Infektionen, die aus der Scheide in die Gebärmutter aufsteigen, aber auch im Rahmen von ärztlichen Fruchtwasseruntersuchungen kann ein vorzeitiger Blasensprung vorkommen. Dazu zählen beispielsweise Fruchtwasseruntersuchungen oder Fruchtwasserspiegelungen.

Ist ein vorzeitiger Blasensprung gefährlich?

Ob ein vorzeitiger Blasensprung gefährlich ist, hängt davon ab, in welchem Entwicklungsstadium sich das ungeborene Kind befindet. Wenn der Blasensprung nach der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche auftritt und die werdende Mutter zur Geburt in eine Klinik eingeliefert wird, ist das in der Regel kein Problem.
 
Ob ein vorzeitiger Blasensprung gefährlich ist, hängt davon ab, in welchem Entwicklungsstadium sich das ungeborene Kind befindet
 
Komplikationen können hingegen auftreten, wenn der Blasensprung in einer früheren Schwangerschaftswoche entsteht. Ein besonders kritischer Verlauf kann entstehen, wenn der vorzeitige Blasensprung vor der 24. Schwangerschaftswoche eintritt und die werdende Mutter Wehen bekommt. Die meisten Kinder haben in diesem Entwicklungsstadium noch keine vollständig ausgereifte Lunge und können daher alleine nicht ohne Probleme atmen. Somit birgt eine Geburt in diesem Stadium hohe Risiken und sollte daher so lange wie möglich hinausgezögert werden.

Wie soll ich mich bei einem Blasensprung verhalten?

Wenn Du schwanger bist und bemerkst, dass ein Blasensprung eingetreten ist, ist es zunächst wichtig, dass Du Ruhe bewahrst. Unabhängig davon, ob es ein rechtzeitiger, frühzeitiger oder vorzeitiger Blasensprung ist, solltest Du zwar ruhig bleiben, aber sofort Deinen Arzt und Deine Hebamme informieren.
 
Du solltest Dich, am besten liegend, in die Klinik bringen lassen, in der Du zur Entbindung angemeldet bist. Du kannst Dich von Deinem Partner oder Deiner Familie in das Krankenhaus bringen lassen, sofern diese bei Dir sind, Du kannst aber auch einen Krankenwagen rufen, der Dich abholt und zur Entbindung transportiert.
 
Wenn in Deinem Fall ein vorzeitiger Blasensprung eingetreten ist, kannst Du Dir während des Transports ein Kissen unter den Po schieben, um zu vermeiden, dass Dein Kind zu tief in Dein Becken rutscht. Damit kannst Du die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls reduzieren.

Wie diagnostiziert der Arzt einen (vorzeitigen) Blasensprung?

Ein Arzt diagnostiziert einen vorzeitigen Blasensprung, indem er überprüft, wie viel Fruchtwasser bei der Untersuchung abgeht. Des Weiteren kann er eine Ultraschalluntersuchung durchführen, um zu kontrollieren, wie viel Fruchtwasser innerhalb der Fruchtblase im Bauch der werdenden Mutter verblieben ist. Zusätzlich kann er einen Vaginalabstrich machen und diesen auf Enzyme untersuchen, die sich nur im Fruchtwasser befinden.

Was macht der Arzt bei einem vorzeitigen Blasensprung?

In der Regel setzen nach einem vorzeitigen Blasensprung die Wehen ein. Sollte das nicht der Fall sein, kann ein Gynäkologe, je nach Schwangerschaftswoche, die Geburt einleiten. Wenn Du die 36. Schwangerschaftswoche bereits vollendet hast und ein vorzeitiger Blasensprung eingetreten ist, wird die Geburt  nach spätestens 24h von Deinem Arzt eingeleitet. Das ist wichtig, denn wenn die Fruchtblase geplatzt ist, können Keime aus der Scheide in die Gebärmutter aufsteigen und dort zu einer Gefahr für Plazenta, Eihäute und Kind werden.
 
Wenn Du Dich zum Zeitpunkt Deines Blasensprungs erst zwischen der 28. und der 36. Schwangerschaftswoche befindest, kann Dein Arzt mit der Einleitung der Geburt auf die vollständige Ausreifung der Lunge des Kindes warten, sofern keine Infektion der Eihäute auftritt.
 
Ob eine Entzündung entsteht, kann Dein Arzt anhand Deiner Blutwerte, sowie mittels eines Vaginalabstrichs feststellen. Wenn allerdings eine Infektion entsteht und die Lungen des Kindes bereits ausgereift sind, wird der Gynäkologe die Geburt einleiten.

Wann beginnen nach einem Blasensprung die Wehen?

Bei den meisten Frauen setzen die Wehen innerhalb von 24 Stunden nach dem vorzeitigen Blasensprung ein. Das ist kein Problem, wenn Du bereits die 36. Schwangerschaftswoche vollendet hast, denn dann ist Dein Kind bereits alleine lebensfähig, seine Lunge ist ausgereift und Dein Arzt kann somit die Geburt einleiten.
 
Bei den meisten Frauen setzen die Wehen innerhalb von 24 Stunden nach dem vorzeitigen Blasensprung ein
 
Da die Einleitung ohne eine vollständige Lungenausreifung des Kindes nicht möglich ist, gibt es auch Wehen hemmende Medikamente, die Dein Arzt einsetzen kann, wenn Deine Wehen bereits eingesetzt haben, um die Geburt so lange hinauszuzögern, bis die Lunge des Kindes komplett ausgereift ist. Diese kommen insbesondere dann zum Einsatz, wenn der vorzeitige Blasensprung bereits vor der 34. Schwangerschaftswoche eintritt.

 


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Das Wichtigste zusammengefasst

Ärzte unterscheiden zwischen einem rechtzeitigen, einem frühzeitigen und einem vorzeitigen Blasensprung. Während der rechtzeitige Blasensprung im ersten Drittel der Geburt eintritt, geht das Fruchtwasser bei einem frühzeitigen Blasensprung bereits ab, wenn der Muttermund bei der Geburt noch nicht vollständig geöffnet ist. Von einem vorzeitigen Blasensprung ist dann die Rede, wenn es schon vor der Eröffnungsphase der Geburt zu einer Ruptur der Fruchtblase kommt


Ob es sich bei den Symptomen auch wirklich um einen Blasensprung handelt, und nicht etwa um einen unwillkürlichen Harnabgang oder gewöhnlichen Ausfluss, kannst Du anhand verschiedener Kriterien beurteilen. Ein Blasensprung unterscheidet sich von normalem Ausfluss und Harn, da das Fruchtwasser meistens schwallartig und in großen Mengen abgeht.


Wenn Du schwanger bist und es zu einem Blasensprung kommt, ist es zunächst ganz wichtig, dass Du Ruhe bewahrst. Dann solltest Du Deinen Arzt und Deine Hebamme kontaktieren und Dich rasch in die Klinik transportieren lassen, in der Du zur Entbindung angemeldet bist


Ob ein Blasensprung gefährlich ist, hängt davon ab, in welcher Schwangerschaftswoche er vorkommt. Wenn Du die 36. Schwangerschaftswoche bereits vollendet hast, ist die Lungenreifung Deines Kindes abgeschlossen und die Geburt kann nach fehlendem Wehenbeginn eingeleitet werden. In früheren Entwicklungsstufen kann es sein, dass Dir Dein Arzt Wehen hemmende Medikamente verabreicht, um Deinem Kind zusätzliche Zeit zur vollständigen Ausreifung der Lunge zu verschaffen

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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