Verhütungsmittel

Schon 1870 begann die Massenproduktion von Kondomen, 1960 wurde die Pille als Verhütungsmittel zugelassen. Lange Zeit galten diese beiden Methoden der Empfängnisverhütung als die einzigen zuverlässigen am Markt. Doch bald folgten andere und heute können Frauen und Männer zwischen einer Vielzahl an Möglichkeiten, eine Schwangerschaft zu verhindern, wählen. Eingeteilt werden die Verhütungsmittel in hormonelle, hormonfreie, chemische und operative Methoden. Die Zuverlässigkeit ist unterschiedlich und wird mithilfe des Pearl-Index gemessen. Dieser gibt an, wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode verhüten, trotzdem schwanger wurden. Das bedeutet, dass bei einem Pearl-Index von eins das Verhütungsmittel bei einer Frau von hundert versagt hat. Generell gilt: Je niedriger die Zahl, desto sicherer ist die Verhütungsmethode. Doch nur zwei schützen auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten, nämlich das Kondom für Männer und das für Frauen. Wir haben uns die unterschiedlichen Verhütungsmittel genauer angesehen und die Vor- und Nachteile zusammengefasst.


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Medizinische Expertin

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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020



ICD-10-GM-2020 Z30

Was versteht die Medizin unter Verhütungsmitteln?

Unter Verhütungsmitteln verstehen Ärzte Methoden der Empfängnisverhütung, die zwar Geschlechtsverkehr ermöglichen, eine Schwangerschaft jedoch verhindern. Dazu stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, wobei Mediziner zwischen natürlichen, mechanischen, hormonellen und hormonfreien sowie operativen Methoden unterscheiden. Der empfängnisverhütende Effekt beruht bei all diesen Methoden darauf, dass entweder die Befruchtung der Eizelle oder die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle verhindert wird.
 
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Verhütungsmittel auf dem Markt

Wo kann ich mich über Verhütungsmittel beraten lassen?

Es gibt viele Stellen, wo Du Dich über Verhütungsmittel beraten lassen kannst. So kann Dir Dein Haus- oder Frauenarzt sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber auch spezielle Beratungseinrichtungen für Frauen und Männer sowie Jugend- und Familienberatungsstellen und zahlreiche Beratungsangebote im Internet können Deine Fragen zum Thema beantworten. In Österreich gibt es zudem die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung oder Rat auf Draht unter der Nummer 147 und zahlreiche Mutter-Kind Zentren, an die Du Dich wenden kannst. In Deutschland kannst Du Dich mit Deinen Fragen unter anderem an den Verein profamilia oder direkt an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wenden. In der Schweiz gibt es in etwa das Zentrum für sexuelle Gesundheit im Inselspital Bern oder die Online-Beratung unter „tschau.ch“.

Was ist der Pearl-Index?

Der Pearl-Index wurde 1933 vom amerikanischen Biologen Raymond Pearl entwickelt und gibt die Zuverlässigkeit und Sicherheit einer Verhütungsmethode an. Sein Wert wird theoretisch errechnet. Dabei wird jeweils 100 sexuell aktiven Frauen ein bestimmtes Verhütungsmittel zugeteilt. Nach einem Jahr schaut man, wie viele dieser Frauen trotzdem schwanger geworden sind. Dieser Wert fließt dann in den Pearl-Index ein, was bedeutet, dass wenn eine Frau schwanger geworden ist, der Pearl-Index bei 1 liegt, wenn 15 Frauen ein Kind erwarten, der Wert bei 15 liegt.
 
Generell gilt: Je niedriger der Wert, desto sicherer ist die Verhütungsmethode. Zum Vergleich: Der Pearl-Index einer Sterilisation liegt bei 0,2 bis 0,5, das heißt, dass zwei bis fünf Frauen von 1000 schwanger geworden sind und die Methode damit als sehr sicher eingestuft werden kann. Bei einem Kondom liegt der Wert mit zwei bis zwölf schon wesentlich drüber, sodass das Kondom nicht sehr zuverlässig wirkt. Werte über 10 gelten generell als unzuverlässig. Bei einem ungeschützten Sexualverkehr liegt der Pearl-Index sogar bei 60 bis 80.

Welche hormonfreien Verhütungsmittel gibt es?

Da hormonelle Verhütungsmethoden oft eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringen, greifen viele Frauen auf hormonfreie Verhütungsmittel zurück. Dabei unterscheiden Mediziner unterschiedliche Methoden. Darunter zählen:
 
Das Diaphragma und Muttermundkappe
Diese Verhütungsmitteln bestehen aus Silikon oder Latex und müssen individuell vom Frauenarzt auf die Frau angepasst werden. In Kombination mit einem spermientötenden Gel oder einer Creme sollen sie das Eindringen der Spermien in den Muttermund verhindern. Dabei hemmt die im Gel enthaltene Milch- oder Zitronensäure die Beweglichkeit der Spermien. Das Set kostet etwa 50 Euro und die Kosten muss man selbst tragen. Eingesetzt wird es von einem dafür ausgebildeten Frauenarzt. Sitzen das Diaphragma oder die Muttermundkappe gut, bieten sie mit einem Pearl-Index von eins einen relativ zuverlässigen Schutz. Dieser Wert kann jedoch bis 20 steigen, wenn das Verhütungsmittel schlecht angepasst wurde.
 
Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie sofort wirkt und man sie nur während des Geschlechtsverkehrs einsetzen muss. Sie zieht keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach sich und kann auch während des Stillens zum Einsatz kommen. Solltest Du jedoch eine starke Gebärmuttersenkung oder häufige Blasenentzündungen haben, solltest Du auf ein anderes Verhütungsmittel zurückgreifen. Auch kann es in manchen Fällen zu Nebenwirkungen wie Blasenentzündungen oder einem Brennen an der Scheide oder dem Penis kommen. Das Diaphragma und die Muttermundkappe müssen gepflegt und präzise eingesetzt werden.
 
Kupferkette, -spirale, -perlenball
Alle drei Kupferverhütungsmittel werden während der Periode vom Frauenarzt unter örtlicher Betäubung direkt in die Gebärmutter eingeführt und führen dort zu einer Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich keine Eizelle mehr einpflanzen kann. Zudem geben die Verhütungsmittel laufend kleine Kupferteile ab, welche eine Befruchtung der Eizelle durch Spermien verhindern. Die Kupferspirale kann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben, kann der Arzt jedoch jederzeit wieder entfernen. Die Kosten betragen je nach Modell zwischen 200 und 400 Euro und sind selbst zu tragen. Mit einem Pearl-Index zwischen 0,1 und 0,8 bieten diese Verhütungsmitteln einen sehr guten Schutz.
 
Die Kupferspirale gehört zu den hormonfreien Verhütungsmitteln
 
Frauen mit einem erhöhten Risiko für Unterleibsentzündungen, Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter sowie mit einer Kupferallergie oder Blutgerinnungsstörungen sollten von diesem Verhütungsmittel Abstand nehmen. Sie eignet sich mittlerweile auch für jüngere Frauen. Zu beachten ist allerdings, dass sie häufig zu stärkeren Regelblutungen und –schmerzen führen kann. Darüber hinaus kann es passieren, dass die Kupferkette oder der Ball unbemerkt ausgestoßen wird (Der Kupferperlenball ist aufgrund gehäufter Ausstoßung aktuell vom Markt genommen worden).  Der Vorteil ist, dass Du nicht mehr an Verhütung denken musst und die Spirale sofort wirksam ist. Außerdem kannst Du sie auch während des Stillens tragen und bist auch bei Durchfall oder Erbrechen geschützt.
 
Kondome 
Kondome werden in der Medizin auch Präservative genannt und bestehen meist aus Latex oder vulkanisiertem Kautschuk. Aufgrund von Allergien gibt es sie auch aus Kunststoff. Das Kondom besteht aus einer dünnen Hülle und dem sogenannten Hütchen vorne an der Spitze, in dem die Samenflüssigkeit eingesammelt wird. Es wird über den Penis gestülpt und verhindert so ein Eindringen der Samenzellen. Kaufen kannst Du sie in verschiedenen Größen, Geschmacksrichtungen und Formen. Der Preis variiert je nach Ausführung, beträgt aber in etwa einen Euro pro Kondom.
 
Bei einer korrekten Anwendung gilt das Kondom mit einem Pearl-Index von zwei recht sicher, jedoch kann dieser bei einer falschen Anwendung des Kondoms bis auf zwölf steigen. Jedes Kondom ist nur einmal verwendbar. Neben der Schutzwirkung vor einer Schwangerschaft schützt es auch vor Geschlechtskrankheiten. Weitere Vorteile sind die sofortige Wirkung und dass es leicht und rezeptfrei überall erhältlich ist, keine Nebenwirkungen hat und Du es auch während der Stillzeit einsetzen kannst. Doch musst Du jedes Mal an Verhütung denken und die Anwendung üben, damit es zu keinen Fehlern kommt. Zudem sind Kondome hitze- und wärmeempfindlich und können leicht kaputtgehen. Grundsätzlich kann es jeder verwenden, doch braucht es oft viel Vertrauen und Mut, den Gebrauch des Kondoms einzufordern.
 
Frauenkondom oder Femidom
Anders als beim Kondom für Männer zeigt sich die Anwendung des Frauenkondoms als recht kompliziert, da Du den 17 bis 18 Zentimeter lange Kunststoffschlauch schon einige Stunden vor dem Sexualverkehr in die Scheide einführen musst, wo er den Muttermund abdichten soll. Dazu musst Du das geschlossene Ende leicht mit zwei Fingern zusammendrücken und in die Scheide einführen. Dabei sollte sich das Kondom nicht verdrehen oder durch einen Fingernagel beschädigt werden. Nach dem Geschlechtsverkehr musst Du die offene Seite zudrehen und es langsam herausziehen. Dafür ist viel Übung nötig, um das geschlossene Ende exakt zu platzieren. Wie auch das Männerkondom schützt diese Variante vor Geschlechtskrankheiten und erreicht bei guter Anwendung einen Pearl-Index von fünf, kann jedoch ebenso auf 25 steigen. Die Kosten sind ähnlich wie beim Männerkondom, jedoch kannst Du das Frauenkondom nur im Internet bestellen.
 
Neben diesen Verhütungsmitteln gibt es auch natürliche Methoden, welche im Wesentlichen darin bestehen, dass an fruchtbaren Tagen kein ungeschützter Sexualverkehr stattfindet. Natürliche Verhütungsmethoden sind grundsätzlich für jede Frau mit regelmäßigem Zyklus geeignet und kostenlos. Doch bei diesen Methoden braucht es ein hohes Maß an Geduld und Disziplin sowie Wissen um den eigenen Körper, denn unterschiedliche Faktoren wie Alkohol, Medikamente oder Schlafmangel können den Zyklus beeinflussen. Zu den natürlichen Verhütungsmethoden zählen:
 
Temperaturmessung – Basaltemperaturmethode 
Bei dieser Methode musst Du jeden Tag zur gleichen Zeit Deine Temperatur messen und in ein Tagebuch notieren. Am Verlauf der Kurve kannst Du die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs ablesen. Ein Anstieg der Temperatur sowie eine erhöhte Temperatur für drei Tage bestätigen diesen. Mit einem Pearl-Index von 0,8 bis 3 gilt diese Methode als relativ sicher. Experten empfehlen sie jedoch eher in Kombination mit herkömmlichen Verhütungsmitteln.
 
Die Basaltemperaturmethode gehört zu den natürlichen Verhütungsmitteln
 
Verhütungscomputer
Diesen Minicomputer bekommst Du aus der Apotheke. Er kann entweder die Körpertemperatur oder den Hormongehalt im Urin messen und somit fruchtbare Tage anzeigen. Je nach Modell musst Du mit Kosten von etwa 90 Euro rechnen. Die Sicherheit hängt von der Methode ab, sodass sich ein Pearl-Index-Wert von zwei bis fünf ergibt.
 
Knaus-Ogini-Methode
Die Zyklen werden bei dieser Methode in einen Kalender notiert. Daraus errechnest Du dann einen Durchschnittswert. Mit einem Pearl-Index von 9 gilt die Methode aber als nicht so sicher, was anhand der möglichen Zyklusschwankungen zu erklären ist.
 
Zervixschleimmethode oder Billings-Methode
Solltest Du diese Methode anwenden wollen, musst Du die Konsistenz Deines Schleims untersuchen. Ein flüssiger, spinnbarer und insgesamt in der Menge vermehrt auftretender Schleim zeigt sich an den kritischen Tagen kurz vor dem Eisprung. Der Pearl-Index beträgt fünf, jedoch ist diese Methode nur in Kombination mit anderen Verhütungsmitteln zu empfehlen.
 
Symptothermale Methode
Die Kombination aus der Basaltemperaturmethode und der Zervixschleimmethode gilt nur bei Frauen mit einem regelmäßigen Zyklus als sicher.
 
Coitus interruptus
Diese Verhütungsmethode gilt als die unsicherste, da der Mann erst kurz vor dem Höhepunkt seinen Penis aus der Scheide zieht. Spermien können jedoch schon vor dem Samenerguss aus dem Penis austreten. Zudem verlangt die Methode ein hohes Maß an Disziplin.
 
Neben natürlichen Methoden der Schwangerschaftsvermeidung gibt es noch chemische Verhütungsmittel:
 
Spermizide Gels/Cremen/Zäpfchen
Chemische Verhütungsmittel enthalten chemische Substanzen, welche Spermien entweder abtöten oder sie in ihrer Aktivität hemmen. Da sie jedoch eine eher geringe Wirksamkeit hatten und auch die Nachfrage stark abgenommen hat, wurden sie in manchen Ländern wie Österreich komplett vom Markt genommen.
 
Als sehr sicher gelten operative Methoden. Dazu zählen:
 
Sterilisation der Frau
Darunter verstehen Mediziner einen chirurgischen Eingriff, welcher dauerhaft unfruchtbar macht. Im Fachjargon wird dieser Vorgang als Tubensterilisation bezeichnet. Dabei entfernt der Arzt die Eileiter teilweise, verödet diese oder klemmt sie mit Titan- oder Kunststoffclips ab. Die Operation kostet in etwa 500 bis 1000 Euro und wird nur bei einer medizinischen Notwendigkeit von der Krankenkasse übernommen. Der Pearl-Index von 0,2 bis 0,3 zeigt die hohe Sicherheit. Als mögliche Nebenwirkungen kann es zu einer Störung der Hormonproduktion in den Eierstöcken kommen, was Schmierblutungen zur Folge haben kann. Auch der Wechsel kann frühzeitig einsetzen (eher selten).
 
Jedes Verhütungsmittel hat einen eigenen Pearl-Index
 
Sterilisation des Mannes
Dieser Vorgang wird medizinisch Vasektomie genannt. Unter örtlicher Betäubung durchtrennt der Spezialist die Samenleiter des Mannes, wobei die sexuelle Erregbarkeit des Glieds weiter bestehen bleibt. Es braucht einige Samenergüsse, bis der Verhütungsschutz gegeben ist. Der Pearl-Index liegt ähnlich wie bei Frauen bei 0,1 bis 0,2.

Welche Verhütungsmittel funktionieren mithilfe von Hormonen?

Solltest Du ein hormonelles Verhütungsmittel verwenden wollen, kann es zu Nebenwirkungen wie Kopf- und Bauchschmerzen, unregelmäßigen Blutungen, Schmierblutungen, Übelkeit, Schwindelgefühl oder einem Spannungsgefühl in den Brüsten kommen. Manche Frauen berichten auch über eine Veränderung der Libido, der sexuellen Lust, depressive Verstimmungen, Akne oder einer Gewichtszunahme. Auch das Risiko für gefährliche Nebenwirkungen wie Thrombosen oder Lungenembolien ist bei einer Hormoneinnahme erhöht. Die Dreimonatsspritze in etwa kann bei einer längeren Anwendung sogar zu einer geringeren Knochendichte führen und auch das spontane Absetzen ist nicht möglich. Im Normalfall sollten die meisten Beschwerden nach einigen Wochen oder Monaten aber verschwinden, ansonsten ist es ratsam, auf eine andere Verhütungsmethode zu wechseln.
 
Der Vorteil hormoneller Methoden liegt in der sofortigen und sehr sicheren Wirkung, sowie in der Reduktion der Monatsblutung und der Regelschmerzen. Der Schutz besteht bei einigen auch bei Durchfall und Erbrechen. Außerdem brauchst Du nicht mehr an die Verhütung denken und kannst die meisten hormonellen Verhütungsmittel sogar während des Stillens verwenden.
 
Pille
Bei der Pille handelt es sich um ein hormonelles Verhütungsmittel, das je nach Sorte eine andere Menge und Art an Hormonen beinhaltet. Die meisten Pillen jedoch kombinieren die Hormone Östrogen und Gestagen. Auch das Einnahmeschema kann unterschiedlich sein, so nehmen manche Frauen die Pille jeden Tag ein, also auch an den Tagen ihrer Periode, andere machen nach 21 Tagen eine siebentägige Pause. Solltest Du die Pille vergessen haben, musst Du diese innerhalb von zwölf Stunden einnehmen, da ansonsten die Wirksamkeit nicht mehr gegeben ist. Die Kosten variieren je nach Präparat zwischen vier und 15 Euro monatlich. Mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 gilt die Pille als eines der sichersten Verhütungsmethoden.
 
Minipille
Im Gegensatz zur Antibabypille enthält die Minipilli nur das Hormon Gestagen und wird ohne Unterbrechung eingenommen. Das Gestagen beeinflusst den Schleim in der Gebärmutter und verhindert so ein Eindringen von Spermien. Die Kosten belaufen sich auf rund fünf bis 15 Euro im Monat. Vor allem für Frauen mit einer Östrogen-Unverträglichkeit oder für stillende Frauen stellt sie eine wirksame Alternative zur Pille dar. Der Pearl-Index liegt mit 0,5 bis drei etwas höher als der der Pille. Auch bei der Minipille gilt, dass Du sie regelmäßig einnehmen musst, damit sie vor einer Schwangerschaft schützt.
 
Dreimonatsspritze
Die Dreimonatsspritze enthält eine hohe Dosis des Gelbkörperhormons Gestagen und hemmt die Empfängnis über einen Zeitraum von drei Monaten. Der Frauenarzt injiziert Dir das Präparat entweder in die Muskulatur des Gesäßes oder des Oberarms, in den Bauch oder den Oberschenkel. Solltest Du nach der Geburt eine Dreimonatsspritze erhalten wollen, solltest Du dies frühestens sechs Wochen danach machen. Mit einem Pearl-Index von 0,3 – 0,88 ist sie sehr sicher. Pro Spritze musst Du mit etwa 30 Euro rechnen, jedoch verlangen manche Ärzte etwa 15 Euro für den Spritzvorgang. Solltest Du an einer schweren Lebererkrankung, Diabetes oder Tumoren leiden oder ein Risikopatient für Osteoporose sein, solltest Du von diesem Verhütungsmittel jedoch Abstand nehmen.
 
Die meisten Verhütungsmittel sind so konzipiert, dass eine Frau sie regelmäßig anwenden muss. Für Männer allein gibt es nur das Kondom oder die Sterilisation
 
Hormonspirale oder Verhütungsschirmchen
Die Hormonspirale besteht aus Kunststoff in einer T-Form. Sie beinhaltet eine geringe Dosis Gestagen und ist so für Frauen mit einer Östrogenunverträglichkeit geeignet. Auch für Mädchen und Frauen, die noch kein Kind bekommen haben, stellt die Hormonspirale eine geeignete Verhütungsmethode dar. Frauen mit einer schweren Lebererkrankung, Tumoren oder akuten Infektionen sollten lieber auf ein anderes Verhütungsmittel zurückgreifen. Da die Spirale den natürlichen Zyklus nicht beeinflusst, kommt es weiterhin zu regelmäßigen Monatsblutungen. Die empfängnisverhütende Wirkung entsteht direkt in der Gebärmutter, wo der Schleimpfropf des Gebärmutterhalses verschlossen, die Spermienbewegung gehemmt und der Aufbau der Schleimhaut reduziert wird. Die Spirale muss vom Frauenarzt eingesetzt werden und kostet in etwa 500 Euro. Mit einer Wirkungszeit von bis zu fünf Jahren und einem Pearl-Index von 0,16 bis 0,33 zählt sie zu den sichersten Verhütungsmitteln. Beim Einsetzen muss der Gebärmutterhals gedehnt werden, was schmerzhaft sein kann. Auch die Entfernung muss ein Frauenarzt vornehmen.
 
Das Verhütungsstäbchen Implanon®
Das Implantat ist ein vier Zentimeter langes und zwei Millimeter dünnes Kunststoffstäbchen und zählt zu den Langzeitverhütungsmethoden, da es über einen Zeitraum von drei Jahren durch eine kontinuierliche Freisetzung des Hormons Gestagen einen sicheren Empfängnisschutz bietet. Zwischen dem ersten und dem fünften Zyklustag setzt der Frauenarzt das Stäbchen an der Innenseite des Oberarms unter die Haut ein. Dazu wird die Stelle lokal betäubt. Der Vorgang selbst dauert nur wenige Minuten. Für Frauen mit einer schweren Lebererkrankung, Diabetes oder Tumoren ist das Implantat nicht geeignet. Aufgrund der relativ hohen Kosten von 250 Euro solltest Du vorab überlegen, ob Du innerhalb der nächsten drei Jahren wirklich nicht schwanger werden möchtest. Denn mit einem Pearl-Index von 0 bis 0,08 bietet das Stäbchen einen sehr sicheren Schutz.
 
Verhütungspflaster
Bei diesem Verhütungsmittel handelt es sich um ein dünnes, beigefarbenes oder transparentes Pflaster, das eine Kombination aus den Hormonen Östrogen und Gestagen enthält. Das Pflaster gibt die Hormone für circa eine Woche direkt über die Haut ab, danach muss es erneuert werden. Du kannst das Pflaster selbst am ersten Tag der Monatsblutung auf eine trockene Hautstelle anbringen, nach sieben Tagen solltest Du jedoch eine andere Stelle am Körper wählen. Der Schutz dieser Methode ist mit einem Pearl-Index von 0,7 bis 0,9 sehr hoch. Auch aus medizinischer Sicht kann das Verhütungsmittel gerade bei Essstörungen eine geeignete Methode darstellen, da sie nicht über den Mund aufgenommen wird. Nicht geeignet ist das Pflaster jedoch für Frauen, die rauchen und ein erhöhtes Bluthochdruck-Risiko sowie Venenentzündungen haben und für Frauen, die am Beginn der Stillzeit sind. Das Pflaster ist rezeptpflichtig und kostet etwa 20 Euro.
 
Verhütungsring / Scheidenring
Dieser fünf Zentimeter große Kunststoffring wird am ersten Tag der Regelblutung direkt in die Scheide wie ein Tampon eingeführt. Dort verbleibt es drei Wochen. In dieser Zeit gibt der Ring kontinuierlich die Hormone Östrogen und Gestagen frei, die dann über die Vaginalwand in den Körper aufgenommen werden und dort den monatlichen Eisprung verhindern. Du musst den Ring jeden Monat erneuern und dafür etwa 20 Euro zahlen. Der Pearl-Index liegt bei 0,4 bis 0,65, was dieses Verhütungsmittel sehr sicher macht.

Was ist unter einem Notfallverhütungsmittel zu verstehen?

Eine Notfallverhütung solltest Du direkt nach dem ungeschützten Sexualverkehr einsetzen, um eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern. Zu den möglichen Methoden zählen „die Pille danach“ sowie „die Spirale danach“:
 
Die Pille danach zählt zu den Notfallverhütungsmitteln und dient nicht zur regelmäßigen Anwendung
 
Die Pille danach
Diese Methode kann eingesetzt werden, wenn Du ein Verhütungsmittel vergessen hast oder das verwendete Verhütungsmittel versagt hat. Je nach Pille sollte sie nach spätestens 72 bis 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Das Präparat verschiebt dabei den Eisprung und verhindert so eine Schwangerschaft. Du kannst sie rezeptfrei in der Apotheke bekommen.
 
Die Spirale danach
Bei der Spirale danach handelt es sich um die normale Kupferspirale, die von einem Frauenarzt eingesetzt werden muss, um ein Einnisten der Eizelle zu verhindern.

Welches ist das sicherste Verhütungsmittel?

Der sicherste Weg, nicht schwanger zu werden, ist auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Doch, da Du wahrscheinlich weiterhin Sex haben möchtest, ist es wichtig, alle Verhütungsmethoden genau unter die Lupe zu nehmen. Aufgrund der Pearl-Index-Werte von meist unter eins zählen Sterilisation, Hormonimplantate, Hormon- und Kupferspirale, die Pille, Minipille, das Hormonpflaster und die Drei-Monatsspritze zu den sichersten Methoden. Dies setzt natürlich voraus, dass Du die Verhütungsmittel sachgemäß einsetzt und verwendest. Das Kondom für den Mann und das für die Frau sowie das Diaphragma gelten als weniger wirksam.

Welche Verhütungsmittel eignen sich für den Mann?

Derzeit gibt es nur das Kondom für den Mann. An der Pille für Männer wird noch geforscht, jedoch stehen Wissenschaftler hier immer wieder vor einem neuen Problem, da sie bei der Entwicklung eines „Medikaments“ im Normalfall von einer kranken Person und nicht von einem gesunden Menschen ausgehen. Da aber jedes Medikament Nebenwirkungen haben kann, muss ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis angestrebt werden. Häufig werden Forschungen dazu deshalb gestoppt. Bisher wurden verschiedene Präparate getestet, welche die Spermienproduktion entweder unterdrücken oder deren Beweglichkeit reduzieren sollen. Grundlegend sollte der Wirkstoff jedoch den Mann nur vorübergehend und nicht dauerhaft unfruchtbar machen, weshalb auf die Pille für den Mann sicher noch gewartet werden muss.

Welche Verhütungsmittel schützen auch vor Geschlechtskrankheiten?

Die einzigen zwei bekannten Verhütungsmittel, die derzeit vor Geschlechtskrankheiten schützen sind das Kondom für Männer und das Kondom für Frauen. Daneben gibt es noch das recht unbekannte Lecktuch, eine Folie, die beim oralen Geschlechtsverkehr über die Scheide oder den Anus gelegt wird. Bei den übertragbaren Krankheiten unterscheiden Mediziner zwischen nicht-meldepflichtigen übertragbaren Infektionen wie Filzläuse, HIV, Chlamydien, Krätze, Herpes, Hepatitis B und C oder HPV. Zu den meldepflichtigen Krankheiten gehören Tripper, Syphilis, Ulcus molle und Lymphogranulomavenereum. Unbehandelt können diese Infektionen zu Komplikationen führen, beziehungsweise bei Schwangeren auch auf das Kind übertragen werden. Bei Verdacht solltest Du deshalb baldmöglichst einen Frauenarzt aufsuchen.

Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, welches auch vor übertragbaren Geschlechtskrankheiten schützt

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Verhütungsmittel?

Die Kosten sind in der Regel selbst zu tragen. Es kann jedoch sein, dass die Krankenkassen die Kosten mancher Verhütungsmittel für junge Menschen bis zu einem gewissen Alter übernimmt oder sich zumindest daran beteiligt

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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MOOCI Siegel
Dr. med. univ. Alexander Just

Dr. med. univ. Alexander Just

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Währinger Straße 39 , Wien

MOOCI Siegel
Dr. med. Christine Chung, MPH

Dr. med. Christine Chung, MPH

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Babenbergerstraße 9/11 , Wien

Das Wichtigste zusammengefasst

Insgesamt gib es eine große Auswahl an Verhütungsmitteln. Diese unterscheidet die Medizin in natürliche, mechanische, hormonelle und hormonfreie sowie operative Methoden


Jedes Verhütungsmittel verfügt über einen Pearl-Index. Je höher dieser Pearl-Index ist, desto unsicherer ist das Verhütungsmittel. Ein wichtiger Faktor spielt hierbei vor allem auch die richtige Anwendung


Nur das Kondom für Männer und für Frauen und das Lecktuch schützt auch vor übertragbaren Geschlechtskrankheiten. Alle anderen verhindern lediglich eine Schwangerschaft


Die Kosten sind in der Regel selbst zu tragen. Es kann jedoch sein, dass die Krankenkassen die Kosten mancher Verhütungsmittel für junge Menschen bis zu einem gewissen Alter übernimmt oder sich zumindest daran beteiligt

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