Entropium und Ektropium

Wie sehr wir darauf vertrauen, gut zu sehen, fällt uns normalerweise erst auf, wenn die Sehstärke weniger wird und eine Brille nötig ist. Genauso verhält es sich mit der Abwesenheit von Schmerz und störenden Gefühlen: Wie toll es war keinen Schmerz zu empfinden, wird oft erst klar, wenn es anders ist. Dies ist auch bei Lidfehlstellungen, die Mediziner Entropium und Ektropium nennen, der Fall. Kleine Veränderungen der Lidstruktur können hierbei zu Missempfindungen und auch Entzündungen im Auge führen. Vor allem das permanente Fremdkörpergefühl, das Betroffene häufig empfinden, kann eine dauerhafte Belastungsprobe darstellen. Deshalb ist eine zeitnahe und effiziente Behandlung wichtig. Welche Therapien es gibt und was die Ursache von einem Entropium und einem Ektropium darstellt, erfährst Du in diesem Artikel.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 12. November, 2019



Was versteht die Medizin unter einem Entropium und einem Ektropium?

In der Medizin versteht man unter den Begriffen Entropium und Ektropium Fehlstellungen des Augenlids. Hierbei bezeichnet man ein nach innen gestülptes Lid als Entropium, während ein nach außen gedrehtes Augenlid Ektropium heißt. Am häufigsten ist bei beiden Formen das Unterlid betroffen, dessen Muskulatur weniger kräftig ist.

Entropium und Ektropium

Wie sehen die Symptome bei einem Entropium und bei einem Ektropium aus?

Ein nach innen gedrehtes Lid, ein Entropium also, sorgt vor allem für starke Fremdkörpergefühle im Auge durch die nach innen gedrehten Wimpern und Haut. Die über die Hornhaut reibenden Wimpern können diese außerdem angreifen und zu Entzündungen führen, indem sie die äußerste Schicht der Hornhaut verletzen. In weiterer Folge können sich in diesen Bereichen Narben bilden, die dann auch die Sehschärfe beeinflussen. Außerdem führt die chronische Reizung durch das einwärts gedrehte Lid in der Regel zu mittelstarken bis starken Rötungen des Auges und dauerhaftem Tränenfluss, denn mit den Tränen versucht das Auge normalerweise Fremdkörper zu entfernen und den schützenden Flüssigkeitsfilm auf der Augenoberfläche zu erhalten. Die dauerhafte Reizung des Auges durch ein Entropium ist außerdem sehr schmerzhaft, weil die Hornhaut die schmerzempfindlichste Stelle des Auges darstellt. Zusätzlich kann ein Entropium auch aus kosmetischer Sicht als störend empfunden werden, gerade wenn es mit der dauerhaften Rötung eines Auges einhergeht.

Bei einem Ektropium besteht das Problem in einer starken Außendrehung des Augenlids, sodass die normalerweise das Auge schützende Bindehaut freiliegt. Dort, wo das Auge sonst von Bindehaut bedeckt wäre, kommt es bei einem Ektropium in der Folge zu einer Reizung. Betroffen sind hierbei sowohl die Hornhaut des Auges als auch die Bindehaut selbst. Weil sich im bedeckten Bereich des Auges die Tränenflüssigkeit normalerweise gut sammeln kann und sowohl Bindehaut als auch Hornhaut benetzt werden, kommt es bei einem Ektropium zum Austrocknen des betroffenen Gebiets. Dies kann eine unangenehme Bindehautentzündung, von Medizinern Konjunktivitis genannt, mit geröteten Augen, Juckreiz und Fremdkörpergefühl zur Folge haben. Und auch die Hornhaut trocknet bei einem Ektropium aus, was ebenfalls zu einer Entzündung führen kann. Hierbei sind die Hauptsymptome in der Regel Lichtempfindlichkeit, Schmerzen und Einschränkung des Sehvermögens.

In den weitaus meisten Fällen ist das Unterlid von einem Ektropium betroffen. In fortgeschrittenen Stadien hängt das Unterlid dann soweit außen, dass die Tränenflüssigkeit auch nicht mehr normal durch die Trabekel ablaufen kann. Stattdessen bahnen sich die Tränen dann ihren eigenen Weg und es bildet sich ein sogenanntes Triefauge, Epiphora genannt. Gerade dies empfinden Betroffene schließlich auch aus kosmetischen Gründen als störend.

Welche Ursachen haben ein Entropium und ein Ektropium?

Die häufigste Ursache von Entropium und Ektropium sind altersbedingte Veränderungen der Lidstruktur. Diese Struktur besteht aus Bindegewebe und den Ringmuskeln des Augenlids, den sogenannten Musculi orbicularis oculi. Sowohl das Bindegewebe, als auch die Muskulatur des Lids verändern sich aber im Alter. Geben sie gleichmäßig nach und erschlaffen, bildet sich ein Ektropium. Wenn aber nur der lidöffnende Muskel schwächer wird, dreht sich das Lid aufgrund der Spannung in den lidschließenden Muskeln reflektorisch nach innen. Dann ist also von einem Entropium die Rede.

Eine weitere, aber viel seltenere Ursache für ein Entropium kann ein sogenannter Blepharospasmus, ein Lidkrampf, sein. Hält dieser länger an, bildet sich ein durch diesen Krampf verursachtes Entropium spasticum. Schließlich kann auch Narbenbildung in der Bindehaut die Bildung eines Entropiums begünstigen, da sich hierbei Einziehungen bilden, die die Spannung des Lids vergrößern. Aber auch ein Ektropium kann durch Narbenbildung begünstigt werden, nämlich dann, wenn diese auf der Außenhaut liegen, wie es zum Beispiel bei Lidoperationen der Fall ist. Weitere Ursachen eines Ektropiums können Lähmungen des Gesichtsnerven darstellen, dann ist von einer Fazialisparese die Rede. Ist der Gesichtsnerv gelähmt, sind auch die Muskeln, die für den Lidschluss zuständig sind, betroffen.

Eine so verursachte Außendrehung des Lids bezeichnen Ärzte als Paralytisches Ektropium. Ebenfalls können Tumore im Augenbereich für Ektropien sorgen, in dem sie das Lid mechanisch vom Auge wegziehen. Schließlich können sowohl Ektropium als auch Entropium angeboren sein und sich im Rahmen der Gesichtsentwicklung gebildet haben. Das bezeichnen Experten dann als kongenital.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Entropium oder ein Ektropium?

Entropium wie Ektropium erkennt der Arzt in der Regel durch eine Blickdiagnose. Ist der Fall nicht so offensichtlich, das Auge aber dauerhaft gerötet und schmerzhaft, hilft ein Blick durch die Spaltlampe, das wichtigste diagnostische Werkzeug der Augenärzte. Diese besteht aus einem Mikroskop mit gerichtetem Lichtstrahl, eine Untersuchung ist also nicht schmerzhaft. Außerdem sollte auch eine Sehschärfenprüfung nicht in der Diagnostik fehlen, um die schon bestehenden Folgen der Lidfehlstellung absehen zu können.

Entropium und Ektropium

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

In den allermeisten Fällen sind ältere Menschen von Ektropium wie Entropium betroffen. Aber auch Kinder können durch angeborene Fehlstellungen zu den Patienten gehören.

Welche konservativen Behandlungsmethoden gibt es?

Als konservative, also nicht-chirurgische Eingriffe bieten sich verschiedene, von der Ursache der Fehlstellung abhängende Methoden an: Ist die Ursache nur eine vorübergehende Entzündung, die beispielsweise durch Schwellung zu einer verstärkten Spannung des Lids geführt hat, bieten sich Augentropfen und -salben für die Behandlung an. Je nach Entzündungsursache sollten auch antibiotische Inhaltsstoffe enthalten sein. Außerdem kann bei einem Entropium schon ein Heftpflaster auf dem Unterlid Linderung bringen und die Rückbildung der Fehlstellung begünstigen. Das Pflaster übernimmt in diesem Fall die Aufgabe der lidöffnenden Augenmuskeln bis sich diese regeneriert haben.

Bei einem Ektropium sind vor allem befeuchtende Augentropfen ein wichtiges Therapiemittel. Mittelfristig kann der Arzt auch auf einen schützenden Verband, den sogenannten Uhrglasverband, zurückgreifen. Dieser gewährleistet die ausreichende Flüssigkeitsversorgung des Auges. Auch bei einem paralytischen Ektropium ist zunächst ein konservatives Therapievorgehen Uhrglasverband und befeuchtenden Augentropfen indiziert. Denn Lähmungen des Gesichtsnerven bilden sich häufig von selbst zurück. Bleibt die konservative Therapie allerdings ohne Erfolg, sollten Betroffene einen kleinen chirurgischen Eingriff in Erwägung ziehen.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Wenn es sich bei der Lidfehlstellung um ein chronisches Problem handelt, ist eine Operation das Mittel der ersten Wahl, da Augentropfen und -salben zwar die Symptome lindern, allerdings nicht die Ursache bekämpfen. Solange die Lidfehlstellung nicht für Beschwerden sorgt, ist eine Operation nicht notwendig. Falls das betroffene Auge aber häufig entzündet ist oder die Lidfehlstellung dauerhaft stört, ist eine Operation empfehlenswert.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Da es sich bei den Lidfehlstellungsoperationen in den meisten Fällen um kleine, unter Lokalanästhesie vorgenommene Eingriffe handelt, ist keine weitere Vorbereitung nötig. Die Behandlung durch einen mit Lidoperationen erfahrenen Facharzt ist aber angeraten. Etwa 14 Tage vor der Behandlung solltest Du jedoch Medikamente absetzen, die sich auf Deine Blutverdünnung auswirken. Dazu gehören beispielsweise Aspirin, Marcoumar, Plavix, ASS oder Thrombo ASS. Nimmst Du Schlafmittel zu Dir, dann lasse diese bitte ebenfalls zwei Wochen vor dem Eingriff weg.

Entropium und Ektropium

Wie verläuft die Operation bei einem Entropium und bei einem Ektropium?

Die operative Therapie eines altersbedingten Entropiums gehört zu den Routine-Eingriffen und wird normalerweise ambulant vorgenommen. Hierbei kommen vor allem zwei Methoden zum Einsatz: Zum einen können eingelegte Zugnähte die schwächeren lidöffnenden Muskeln verstärken und das Lid wieder in Form bringen. In anderen Fällen besteht die Methode der Wahl in einer waagerechten Lidspaltung und darauffolgenden Vernähung. Diese Nähte üben dann ebenfalls Spannung aus und ziehen das Lid in die ursprüngliche Form zurück. In der Regel erfolgt eine Überkorrektur, denn in einigen Fällen kommt es zu einem erneuten Entropium. Durch die Überkorrektur kann dem oftmals vorgebeugt werden.

Das Ziel einer Ektropium-Operation ist das erneute Anliegen der Lidkante am Augapfel. Bei einer sogenannten lateralen Zügelstraffung wird der seitliche Rand des Lids eingeschnitten und einige Millimeter weiter wieder an der Knochenhaut der Augenhöhle fixiert. Eine Korrektur des Tränenpünktchens kann damit verbunden sein.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach dem Eingriff legt der Arzt einen Verband an, den man nach einem Tag entfernen lassen kann. Die Nähte können dann mit einer augenärztlichen Salbe gepflegt werden, bevor ungefähr zehn Tage nach der Lidkorrektur die Fäden gezogen werden. Wenn der Operateur selbstauflösende Fäden verwendet hat, ist dies natürlich nicht nötig.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Bei Ektropium- und Entropium-Operationen handelt es sich um Routine-Eingriffe, die der Chirurg unter einer lokalen Betäubung und ambulant vornimmt. Deshalb gibt es vergleichsweise wenige Risiken und Komplikationen. Nichtsdestotrotz kann es nach einer Operation zu Schwellungen des Auges sowie Nachblutungen kommen. Auch Entzündungen können in der Folge einer Lid-Operation entstehen. Mit dem Ausprägungsgrad der Lidfehlstellung erhöht sich zudem das Rezidiv-Risiko, also die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens der Fehlstellung. Außerdem kann es zu einer Umkehr der Lidfehlstellung durch Überkorrektur des Entropiums oder Ektropiums kommen, was eine zweite Operation zur Folge haben kann.

Wie lange hält das Ergebnis und sind die Narben sichtbar?

Grundsätzlich gilt, dass es deutlich weniger zu Rezidiven der Lidfehlstellungen kommt, wenn diese nicht stark ausgeprägt sind. In diesen Fällen ist nur eine einmalige Operation nötig und das Ergebnis hält ein Leben lang. Auch Narben sind in der Regel nach Abheilung nur noch minimal sichtbar. Allerdings kann eine postoperative Entzündung die Narbenbildung verstärken und diese in der Folge sichtbar bleiben.

Entropium und Ektropium

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Auch wenn ästhetische Gründe ebenfalls eine Rolle in der Entscheidung für eine Lidfehlstellungs-Operation spielen, führen fortgeschrittene Ektropien und Entropien häufig zu starken Entzündungen und eingeschränktem Sehvermögen. Somit liegt eine eindeutige medizinische Indikation vor, weshalb die Krankenkassen die Kosten übernehmen.

 

Quellen

UKS

Universitätsklinik Erlangen

MSD Manual


Dauer Dauer

90 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Entropium und Ektropium verstehen Mediziner Lidfehlstellungen, die entweder in einem nach innen oder nach außen gedrehten Lid bestehen


Die häufigste Ursache von Entropium und Ektropium besteht in einer altersbedingten Lidveränderung


Zu den Symptomen des Entropiums zählen Fremdkörpergefühl, übermäßige Tränenproduktion, Rötung und chronische Hornhaut-Entzündung. Ein Ektropium kann zu trockenen Augen, Bindehaut- und Hornhaut-Entzündungen und eingeschränktem Sehvermögen führen


Die Therapiemöglichkeiten reichen von befeuchtenden Augentropfen und kurzfristigen Verbänden bis hin zu Lidstraffungsoperationen