Trichterbrust

Eine Trichterbrust ist eine Veränderung des Brustkorbs, bei der der untere Brustbeinanteil eingesenkt ist. Diese Einsenkung ist trichterförmig und betrifft das Brustbein, aber auch die Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen.


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 3. Dezember, 2019



Was versteht die Medizin unter einer Trichterbrust?

Eine Trichterbrust, lat. pectus excavatum, ist eine angeborene Deformität des Brustkorbs. Hierbei ist das Brustbein eingesunken und der Brustkorb schaut wie ein Trichter aus. Meist ist die Fehlbildung schon bei der Geburt bemerkbar, jedoch kann sie auch erst während der pubertären Wachstumsschübe auftreten. Beeinträchtigungen der Lungenfunktion sind bei einigen Betroffenen auch die Folge, da durch die Fehlbildung das Brustkorbvolumen verringert ist.

Trichterbrust

Wie sehen die Symptome bei einer Trichterbrust aus?

Die Trichterbrust im Allgemeinen stellt meist kein gesundheitliches Risiko dar. Jedoch leiden die Betroffenen oft unter einer verminderten Leistungsfähigkeit, speziell bei körperlicher Anstrengung. Außerdem wirkt sich eine Trichterbrust auch auf das Herz aus. Je nach Ausprägung kann das dahinter liegende Herz weniger Platz haben, dadurch kann es zu Atemnot oder Herzrasen kommen. In der Regel macht sich dies aber nur bei körperlicher Belastung bemerkbar. Zudem weisen die Betroffenen häufig ein vermindertes Lungenvolumen auf, da der Lunge wenig Platz zur Verfügung steht.

Welche Ursachen hat eine Trichterbrust?

Bei einer Trichterbrust sind meist vier oder fünf Rippenknochen und das Brustbein betroffen. Aber auch die Knochen bzw. Knorpel weisen ein abnormales Wachstum auf. Jedoch sind die tatsächlichen Ursachen einer Trichterbrust noch unzureichend erforscht. Ärzte sind sich jedoch einig, dass eine genetische Komponente zu der Entstehung beiträgt. In der Regel tritt eine Trichterbrust jedoch isoliert auf, das heißt nur in seltenen Fällen findet man sie in Kombination mit weiteren Skelettveränderungen oder Organfehlbildungen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Die häufigste Fehlstellung des Brustkorbs ist die Trichterbrust. Im Allgemeinen sind jedoch nur zwei Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Jungen sind aber etwa dreimal häufiger von einer Trichterbrust betroffen als Mädchen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Trichterbrust?

Eine ärztliche Blickdiagnose ist meist ausreichend, um eine Trichterbrust diagnostizieren zu können. Somit kann der Arzt die Ausprägung und die Flexibilität der Brustwand beurteilen. Außerdem misst er die Tiefe der Brustdeformität, um die richtige Behandlung zu einer Verbesserung des Erscheinungsbildes bestimmen zu können. Blutabnahmen und der Einsatz von bildgebenden Verfahren, wie Röntgen oder CT sind meist nur dann erforderlich, wenn eine Operation geplant ist.

Welche Folgen hat die Trichterbrust für die Patienten?

Die Folgen einer Trichterbrust sind je nach Ausprägung unterschiedlich. Bei vielen Betroffenen entwickelt sich ein seelischer Leidensdruck und daher entwickeln die meisten Jugendlichen ab Pubertätsbeginn soziale Strategien, um sich von der Gesellschaft fernzuhalten. Nur in seltenen Fällen kommt es bei höhergradiger Ausprägung zu einer Beeinträchtigung der Herz- und Lungenfunktion. Fehlentwicklungen der weiblichen Brust entstehen im Rahmen einer Trichterbrust jedoch sehr häufig.

Welche Formen der Trichterbrust gibt es?

Man unterscheidet bei einer Brustdeformität hauptsächlich zwischen zwei Formen. Zum einen gibt es die Trichterbrust, die nur mithilfe einer Operation behandelt werden kann. Vor allem, wenn die Deformität sehr stark ausgeprägt ist, so ist der operative Eingriff die einzige Behandlungsmethode. Zum anderen gibt es die Kielbrust, die einer Trichterbrust sehr ähnelt. Die Kielbrust ist eine kielförmige Vorwölbung des Brustkorbs. Wie die Trichterbrust kann auch die Kielbrust sehr stark ausgeprägt sein.

Trichterbrust

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Konservative Behandlungsmethoden sind vor allem physikalische Maßnahmen, wie Atem- und Gymnastikübungen. Aber auch auf die Kräftigung der Rücken-, Bauch- und Brustmuskulatur steht bei einer Physiotherapie im Vordergrund. In schweren Fällen müssen diese konservativen Maßnahmen jedoch durch eine operative Korrektur ergänzt werden.

Wann muss eine Trichterbrust operiert werden?

Eine Trichterbrust kann durch einen operativen Eingriff korrigiert werden. Dies bietet sich an, wenn eine schnelle Korrektur notwendig ist oder falls eine konservative Therapie nicht zufriedenstellend war.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Obwohl die Deformität der Brust äußerlich sichtbar ist, kann das Ausmaß der Trichterbrust nur durch bildgebende Verfahren genau beurteilt werden. Der Arzt untersucht die Lungenfunktion und durch ein EKG fahndet er nach Störungen der Herzfunktion und Beeinträchtigungen der Atmung. Die Untersuchungen werden meist an den Kliniken durchgeführt, die auch eine Trichterbrust-OP durchführen, wobei Du sie auch an anderen Kliniken machen kannst. Die Ergebnisse werden dann zur Vorbereitung auf eine Trichterbrust-Operation an die entsprechende Klinik übersandt.

Etwa 14 Tage vor dem Eingriff solltest Du auf den Konsum von Alkohol und Nikotin verzichten, das gilt ebenfalls für Medikamente, welche sich auf die Blutgerinnung auswirken, wie beispielsweise Aspirin, Marcoumar, Plavix, ASS oder Thrombo ASS. Nimmst Du Schlafmittel, dann setze diese bitte auch etwa zwei Wochen davor ab. Am besten besprichst Du dies mit Deinem Arzt, denn unter Umständen kann er Dir Medikamente verschreiben, welche Du trotz Operation einnehmen kannst.

Welche Operations-Techniken gibt es und wie verläuft die OP?

Ärzte unterscheiden zwischen verschiedenen Operationsmethoden, jedoch zu lassen sie sich auf zwei unterschiedliche Vorgehensweisen reduzieren. Einerseits gibt es die offene chirurgische Methode und andererseits das minimal-invasive Verfahren.

Minimal-invasiver Eingriff (nach Nuss)

Bei der minimal-invasive Korrekturmethode benötigt der Chirurg einen speziellen C–förmig gebogenen Bügel. Dieser Bügel hebt das Brustbein an und bleibt über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren im Körper. Der gebogene Bügel zwingt den Brustkorb zurück zu seiner normalen Form und wird erst in einer zweiten Operation wieder entfernt.

Offener Eingriff (nach Ravitch)

Ein offenes Vorgehen hingegen wird bei Patienten mit stark asymmetrischen Deformitäten angewandt. Denn in diesem Fall reicht das Einbringen des Bügels für eine zufriedenstellende Korrektur nicht aus. Somit wird der Knorpel neben dem Brustbein, welcher die Deformität verursacht durchtrennt, aufgerichtet und mit Nähten fixiert. Dadurch gelangt das Brustbein in seine Normalstellung. Jedoch werden auch bei dieser Methode Metallimplantate zur Stabilisierung eingesetzt. Bei diesem Eingriff kann das Metall bereits nach einem Jahr wieder entfernt werden.

Trichterbrust

Was muss ich nach der Operation beachten?

Du musst darauf vorbereitet sein, dass Du während der ersten Woche nach der OP Schmerzmittel einnehmen musst. Denn in dieser Phase, wo der Brustkorb zu seiner typischen Form gezwungen wird, ergeben sich immer wieder Schmerzschübe, die einer medikamentösen Behandlung bedürfen. In der Regel reduzieren sich die Schmerzphasen nach einigen Wochen deutlich. In den ersten zwei Wochen solltest Du es vermeiden, die Arme über den Kopf zu heben und Du solltest zudem in den ersten vier Wochen nach der Operation nur auf dem Rücken schlafen

Wann kann ich nach der Operation wieder Sport betreiben?

Eine normale Belastung des Oberkörpers ist in dem meisten Fällen nach acht bis zwölf Monaten möglich. Bei einer geplanten starken körperlichen Belastung, solltest Du jedoch die Stabilität der Trichterbrustkorrektur überprüfen lassen. Starke Bewegungen des Oberkörpers bzw. sportliche Aktivitäten solltest Du mindestens zwölf Wochen nach der Trichterbrust-OP vermeiden.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Eine Trichterbrust-Operation bringt wie jede andere Operation auch gewisse Risiken und Komplikationen mit sich. Im Rahmen des operativen Eingriffs kann es vor allem zu Wundheilungsstörungen kommen. Nur in seltenen Fällen kommt es zu schweren Infektionen oder allergischen Reaktionen. Wenn beispielsweise eine Nickelallergie bekannt ist, so können bei dem minimal-invasiven Eingriff auch spezielle Bügel aus Titan eingesetzt werden.

Kann ich die Trichterbrust vorbeugen?

Einer genetisch bedingten Trichterbrust kannst Du nicht vorbeugen. Jedoch kannst Du das Risiko für eine Organbeteiligung minimieren, indem Du im Rahmen einer Physiotherapie Deine Rücken- und Brustmuskulatur stärkst. Außerdem sollten Frauen während der Schwangerschaft auf einen erhöhten Alkoholkonsum verzichten, um ein fetales Alkoholsyndrom zu vermeiden. Denn auch dadurch kann es zu Fehlbildungen, wie bei einer Trichterbrust kommen.

Trichterbrust

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

In der Regel wird die Korrektur einer Trichterbrust von den Krankenkassen nicht übernommen, da sie meist kein gesundheitliches Risiko darstellt. Vielmehr empfinden die Betroffenen das ästhetische Erscheinungsbild als störend und entscheiden sich für eine Operation. Wenn die Brustdeformität jedoch eine funktionelle Beeinträchtigung der Organe mit sich zieht, so erfolgt die Kostenübernahme durch die Krankenkasse.


Dauer Dauer

1-2 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 12 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 7 Tagen

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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Trichterbrust ist eine Deformität des Brustkorbs, bei der der untere Brustbeinanteil eingesenkt ist. Dabei sind meist vier oder fünf Rippenknochen und das Brustbein betroffen


Die Trichterbrust im Allgemeinen stellt meist kein gesundheitliches Risiko dar


Eine Trichterbrust kann durch einen operativen Eingriff vollständig korrigiert werden, indem ein Bügel eingesetzt wird


Frauen während der Schwangerschaft sollten auf einen erhöhten Alkoholkonsum verzichten, um ein fetales Alkoholsyndrom, zu vermeiden

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