Zahnunfall – Was ist zu tun?

Ein Zahnunfall passiert schnell einmal und dann ist die Panik meist groß. Allerdings ist es wichtig, nun einen kühlen Kopf zu bewahren, denn damit steigert sich die Chance, dass der an- oder ausgeschlagene Zahn möglichst schnell wieder repariert oder angebracht werden kann. Wir haben die wichtigsten Informationen, was Du bei einem Zahnunfall beachten solltest, in diesem Beitrag zusammengefasst. Mit dabei: Ein Expertentipp von Dr. med. univ. et med. dent. Alexander Bogner!


CO-AUTOR

Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 18. März, 2020

Was passiert bei einem Zahnunfall?

Ein Zahnunfall beschreibt eine Verletzung des Zahnapparates durch plötzliche äußere Auswirkungen wie Stürze oder Schläge. Zahnärzte bezeichnen solche Zahnverletzungen oft als Zahntrauma, welches verschiedene Teile des Zahns betreffen kann. Oft sind neben dem Zahn auch äußere Weichteile wie Lippe, Wange oder Teile der Wundschleimhaut betroffen.
 
Lässt Du den Zahnunfall nicht baldmöglichst von einem Arzt untersuchen und behandeln, können die schwer verletzten Zähne häufig nicht erhalten bleiben, sodass sie absterben und für den Betroffenen lebenslange Folgen durch das Trauma und Kosten für Zahnersatz entstehen. Allerdings gibt es heutzutage gute Möglichkeiten, einen Zahnverlust zu vermeiden.

Ein Zahnunfall beschreibt eine Verletzung des Zahnapparates durch plötzliche äußere Auswirkungen wie Stürze oder Schläge.

Welche Arten von Zahnunfällen gibt es?

Verschiedene Arten des Zahnunfalls umfassen die Erschütterung (Konkussion), die Lockerung (Subluxation), die Verlagerung (Dislokation), die Hineinpressung (Intrusion), herausgebrochene Zähne (Avulsionsfraktur) sowie den Zahnbruch (Fraktur).
 
Bei einer Erschütterung kann es in der Alveole (dem Zahnfach) zu einem Bluterguss kommen. Dadurch ist der Zahn berührungs- und druckempfindlich. Bei einer Zahnlockerung bemerkst Du eine erhöhte Beweglichkeit des Zahns, er „wackelt“, verbleibt aber ansonsten in seiner bisherigen Position. Häufig kommt es dabei auch zu Blutungen aus dem Parodontalspalt. In manchen Fällen reagiert der Zahn vorübergehend nicht mehr auf Wärme oder Kälte. Zu einer Verlagerung des Zahns kommt es, wenn durch eine große Krafteinwirkung große Anteile des sharpeyschen Faserbündels zerrissen werden, sodass das knöcherne Alveolarfach gedehnt oder gestaucht wird.
 
Bei der Verlagerung kann der Zahn absterben, wenn die Nerven- und Gefäßverbindung zerstört werden. Wurde Dein Zahn durch die Zahnverletzung in den Kieferknochen hineingeschlagen, erscheint er kürzer. Der Zahn wird dadurch devital, stirbt also ab, da die Verbindung vom Zahn zum Nervengewebe und Gefäßbündel sowie zum Zahnfleisch getrennt wird. Herausgebrochene Zähne hingegen lassen sich meist reimplantieren und sterben nicht zwangsläufig ab. Der Zahnarzt spricht in einem solchen Fall von einer Abrissfraktur, da der Zahn komplett aus der Alveole herausgelöst wurde.
 
Es sind neben den parodontalen Fasern und dem Nerven- und Gefäßbündel meist auch die Zellen auf der Wurzeloberfläche beschädigt. Um die Heilungschancen nicht zu beeinträchtigen, solltest Du die Wurzeloberfläche niemals berühren und den Zahn am besten in einer Zahnrettungsbox lagern, bevor Dein Zahnarzt Dich behandelt. Zu einem herausgebrochenen Zahn kommt es, wenn der Zahn durch starke Gewalteinwirkung traumatisch verletzt wurde. Der Zahnbruch nun unterscheidet Frakturen nach der Art, also Kronenfraktur, Zahnhalsfraktur und Zahnwurzelfraktur. Meist sind hierbei die Schneidezähne oder Eckzähne und ihre benachbarten Strukturen betroffen.
 

Dr. med. dent. Florian Lanza, Zahnarzt

Das wichtigste zuerst: Ruhe bewahren! Das verletzte Kind und/ oder die geschockten Eltern beruhigen. Da bei Zahnunfällen zumeist die Front betroffen ist, sind abgebrochene Zähne relativ schnell erkennbar- daher sollte der Mundraum auf abgebrochene Stücke untersucht werden, damit diese nicht verschluckt werden können. Die Lippen vorsichtig anheben! Bei Blutungen auf ein Taschentuch oder eine Mullbinde beißen und von außen mit Coolpacks, Eis oder kalten und feuchten Tüchern kühlen.

Es gibt drei unterschiedliche Arten von Verletzungen, die auch unterschiedlich behandelt werden sollten:

1. Abgebrochener Zahn: Das abgebrochene Stück in einer Kunststofffolie (z. B. einem Gefrierbeutel oder saubere Frischhaltefolie) transportieren.

2. Gelockerter/verschobener/ intrudierter Zahn: Den Zahn in Ruhe lassen und nur vorsichtig oder gar nicht zusammenbeißen.

3. Ausgeschlagener Zahn: Den Zahn nur an der Krone anfassen, nicht an der Zahnwurzel. Den Zahn auf keinen Fall reinigen! In eine Zahnrettungsbox* legen oder – falls keine zur Hand ist – in kalte H-Milch einlegen oder in eine Kunststofffolie (z. B. einen Gefrierbeutel) wickeln.

Nachdem der Zahn oder das Zahnstück sicher aufbewahrt ist, möglichst innerhalb einer Stunde einen Zahnarzt oder eine Zahnklinik aufsuchen! Der/ die Zahnarzt/In wird den Zahn en detail untersuchen und entsprechende Maßnahmen setzen, die Art der Verletzung und den Unfallhergang dokumentieren, damit eventuelle Versicherungsansprüche nach einem Schul- oder Arbeitsunfall geltend gemacht werden können.

 

* Zahnrettungsbox:
Behälter, in dem der Zahn dank seiner speziellen Nährlösung bis zu 24 Stunden aufbewahrt werden kann. Erhältlich in Apotheken oder Zahnarztpraxen.

Dr. med. univ. et med. dent. Alexander Bogner, Zahnarzt

Was muss ich nach einem Zahnunfall beachten?

Direkt nach dem Zahnunfall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Blutet die Verletzung stark, solltest Du auf Gaze oder in ein Stofftuch beißen. Suche den Zahn beziehungsweise das Zahnbruchstück. Fasse den Zahn nur an der Zahnkrone (also an der „Kaufläche“), an, nicht an der Wurzel. Auch wenn der Zahn dreckig geworden ist, solltest Du ihn nicht säubern, am Zahn haftende Schmutzpartikel nicht entfernen und den Zahn nicht desinfizieren. Lege ihn einfach in die Zahnrettungsbox oder eine Alternative.
 
Essenziell ist, dass Du den Zahn immer feucht hältst und ihn nicht austrocknen lässt. Ansonsten trocknen ausgeschlagene Zähne innerhalb weniger Minuten aus, da die an der Wurzeloberfläche haftenden Zellen nach und nach absterben. In so einem Fall stehen dann nicht mehr genügend Zellen für ein funktionsgerechtes Einheilen des Zahns zur Verfügung. Begib Dich daher so schnell wie möglich zum Zahnarzt oder in eine Zahnklinik.

Wie muss ich den abgebrochenen Zahn transportieren?

Am besten sind die Heilungschancen, wenn Du den abgebrochenen Zahn in einer speziellen Zahnrettungsbox transportierst. Sie enthält eine spezielle Zellnährlösung, die das Austrocknen des Zahnes stoppt und ein Überleben der Zellen über einen recht langen Zeitraum gewährleistet. Darin kannst Du den Zahn für etwa 24 bis 48 Stunden lagern. Die oft empfohlene Lagerung in H-Milch verspricht eine Lagerungsdauer von etwa ein bis zwei Stunden.

Die oft empfohlene Lagerung in H-Milch verspricht eine Lagerungsdauer von etwa ein bis zwei Stunden.

Wenn Du weder eine Zahnrettungsbox noch H-Milch zur Hand hast, kannst Du den Zahn auch für etwa 30 Minuten in isotoner Kochsalzlösung aus der Apotheke lagern. Speichel, welcher in einem Gefäß gesammelt wurde, sowie Plastikfolie können den Zahn für etwa 15 bis 30 Minuten frisch halten. Trockenlagerung, Wasser, ein feuchtes Taschentuch und die Aufbewahrung in der Mundhöhle sind hingegen ungeeignet!

Kann man den Zahn wieder anbringen? Wenn ja, wie?

Ist nur ein Teil des Zahns abgebrochen, kann es der Zahnarzt mithilfe eines Spezialklebers wieder ankleben oder mit einer Frontzahnfüllung reparieren. Ist auch das Zahnmark durch den Unfall beschädigt, erholt es sich meist wieder vollständig. In manchen Fällen sterben jedoch die Gewebezellen immer mehr ab oder aber die Zahnwurzel wird beim Unfall verletzt. In solchen Fällen muss der Zahnarzt eine Wurzelkanalbehandlung durchführen.

Ist der Zahn verschoben, hineingepresst oder komplett ausgeschlagen, reinigt der Arzt die Wunde gründlich und bringt den Zahn wieder in die ursprüngliche Position. Dann stellt er ihn mithilfe einer Drahtschiene für bis zu vier Wochen ruhig. Verläuft die Heilung gut, wächst der Zahn normalerweise wieder an. Vollständig ausgeschlagene Zähne kann der Arzt bei guter Lagerung wieder reimplantieren.

Kann ein Zahnunfall bei Kindern auch noch im Erwachsenenalter Folgen haben?

In einigen Fällen unterschätzen Eltern Verletzungen an Milchzähnen. Allerdings solltest Du auch solche auf jeden Fall von einem Zahnarzt abgeklärt lassen, da sie die Entwicklung der bleibenden Zähne beeinflussen können. Die bleibenden Zähne können dann verfärbt oder verformt sein, auch Durchblutungsstörungen sind möglich.
 
Bei verletzten Milchzähnen ist die wichtigste Priorität, den dahinterliegenden Zahnkeim der bleibenden Zähne zu schützen. Deswegen entfernt der Zahnarzt verletzte Milchzähne oft beziehungsweise pflanzt er herausgeschlagene Milchzähne nicht mehr ein. Wurde ein Milchzahn durch einen Unfall tiefer in den Kieferknochen gedrückt, bricht er normalerweise nach einiger Zeit wieder durch.

Ist nur ein Teil des Zahns abgebrochen, kann es der Zahnarzt mithilfe eines Spezialklebers wieder ankleben oder mit einer Frontzahnfüllung reparieren.

Wer übernimmt die Kosten bei einem Zahnunfall?

Normalerweise übernimmt Deine Unfallversicherung die Behandlungskosten und auch Kosten für eventuell anfallende Nachbehandlungen. Dafür meldest Du Deiner Versicherung den Unfall und Dein Zahnarzt schickt ein diesbezügliches Zahnschadenformular.
 
Bist Du erwerbstätig, bist Du durch eine Arbeitgeberversicherung versichert, bist Du nicht erwerbstätig, durch die Gesundheitsversicherung. Wenn der Zahn allerdings schon durch Karies geschwächt und abgebrochen oder durch eine Erkrankung des Zahnfleischs vor dem Unfall bereits gelockert und vorgeschädigt war, übernehmen die Versicherungsträger die Kosten meistens nicht. Du solltest das daher bei Deinem Zahnarzt abklären lassen.



Ärzt*innen finden