Wovon sollte ich während einer Schwangerschaft die Finger lassen?

Jeder hat wohl schon davon gehört, dass Schwangere gewisse Lebensmittel nicht essen sollen. Sei dies nun Rohmilchkäse, Fisch oder rohe Eier, die Meinungen bezüglich des Konsums während der Schwangerschaft überschlagen sich. Jedoch herrscht durch diese Informationsflut bei vielen Frauen Unklarheit darüber, was denn nun tatsächlich erlaubt ist und was ein klares Tabu darstellt. Daher findest Du im Folgenden die wichtigsten Informationen zusammengefasst.


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Medizinische Expertin

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020

Warum ist das Erkrankungsrisiko in der Schwangerschaft erhöht?

Die meisten der aufgelisteten Lebensmittel sind aufgrund einer erhöhten Infektionsgefahr – beispielsweise mit Bakterien oder Parasiten – während der Schwangerschaft zu vermeiden. Während eine nicht schwangere Frau ohne Bedenken das Katzenklo säubern, Sushi oder Camembert essen kann, könnte eben dies bei einer Schwangeren fatale Folgen haben. Grund dafür ist eine Schwächung des Immunsystems. Dieses sorgt normalerweise dafür, dass der Körper Fremdstoffe (z.B. Bakterien, Viren) erkennt und diese bekämpft.
 
Da jedoch das Ungeborene auch Merkmale des Vaters aufweist, könnte ein vollständig aktiviertes Immunsystem das heranwachsende Kind als fremd verkennen. Um dies zu vermeiden, vermindert der Körper die Abwehraktivität. Hinzu kommt eine starke hormonelle Umstellung und bei manchen Schwangeren auch eine Mangelernährung, die ebenfalls für eine erhöhte Infektanfälligkeit sorgt.
 
Die meisten der aufgelisteten Lebensmittel sind aufgrund einer erhöhten Infektionsgefahr - beispielsweise mit Bakterien oder Parasiten - während der Schwangerschaft zu vermeiden

Wovon sollte ich während einer Schwangerschaft die Finger lassen?

Rohmilchprodukte
 
Beim Konsum von unpasteurisierter, also nicht hoch erhitzter Milch, kann es zu einer Infektion mit Listerien kommen. Dies sind Bakterien, die bei immungesunden Menschen meist keine Infektion oder im schlimmsten Falle grippeähnliche Symptome hervorrufen. Bei immungeschwächten Personen, Schwangeren und auch bei dem Ungeborenen während der Schwangerschaft können die Listerien jedoch zu einer Hirnhautentzündung oder Sepsis postpartal beziehungsweise zu einer Fehlgeburt führen.
 
Daher solltest Du während einer Schwangerschaft möglicherweise kontaminierte Lebensmittel auf jeden Fall meiden. Dazu zählen:
 

  • Weichkäsesorten aus roher Milch wie Camembert, Brie, Roquefort
  • Milchprodukte, die offen gelagert werden, da sich dabei Listerien vermehren können
  • Fertig geriebener Käse, der möglicherweise während des Reibens mit Listerien kontaminiert wurde

Obwohl Parmesan auch aus unpasteurisierter Milch besteht, birgt dieser aufgrund seiner langen Lagerungszeit keine Listeriengefahr und kann bedenkenlos von Dir konsumiert werden. Auch Hartkäse aus pasteurisierter Milch wie Gouda, Emmentaler und Ähnliches sind zum Verzehr während der Schwangerschaft geeignet.
 
Roher Fisch
Da sich Listerien auch gerne auf rohem Fisch befinden, solltest Du Sushi, Maki und Ähnliches strengstens vermeiden. Gleiches gilt für Räucherfisch, da dieser ebenso nicht vollständig durchgegart ist. Mit Raubfischen, wie beispielsweise dem Thunfisch oder Schwertfisch, geht meist eine Schwermetallbelastung einher, die in der Schwangerschaft fruchtschädigende Eigenschaften haben kann. Daher ist es besser, wenn Du auch von diesen Fischen absiehst.
 
Dennoch empfiehlt der Mediziner ein bis zwei Portionen pro Woche eines gut gekochten Fischs (z.B. Lachs, Forelle), da dieser wertvolle Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren enthält, die sich positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken.
 
Im Kontrast zu der europäischen Meinung wird in Japan der Verzehr von Sushi während der Schwangerschaft sogar empfohlen.
 
Fleisch und Wurstwaren
Rohes Fleisch und Wurstwaren gelten während der Schwangerschaft als ein weiteres Gefahrenlebensmittel. Denn neben Listerien können auch die sogenannten Toxoplasmen über unzureichend erhitztes Fleisch übertragen werden. Bei einer Infektion mit diesen Parasiten außerhalb der Schwangerschaft, bemerkt die betroffene Person meist keine Symptome. Findet jedoch eine Erstinfektion in der Schwangerschaft statt, kann es zu starken Fehlbildungen bis hin zum Abort des Kindes kommen.
 
Neben dem Fleisch stellen vor allem Katzen eine große Toxoplasmosegefahr dar. Sie sind nämlich der Hauptwirt von Toxoplasmen und scheiden diese vor allem durch ihren Kot aus. Aus diesem Grund ist es besser, wenn Du die Säuberung des Katzenklos jemand anderem überlässt und grundsätzlich den übermäßigen Katzenkontakt meidest.
 
Weiters solltest Du auf folgende Fleischwaren verzichten:
 

  • Beef tartar
  • Nicht durchgekochtes Steak
  • Rohwurst, wie Prosciutto oder Salami

Unbedenklich sind durchgegarte Fleischwaren, da durch das Erhitzen sowohl Listerien, als auch die Toxoplasmen absterben.
 
Zuletzt ist auch ein Verzicht auf Leber sinnvoll, vor allem während der Frühschwangerschaft, da diese einen hohen Vitamin-A-Gehalt aufzeigt und dieser fruchtschädigend wirken kann.
 
Rohe Eier
Nachdem Eier bekannterweise häufig Salmonellen aufweisen können, ist der Konsum während einer Schwangerschaft nicht geeignet. Denn obwohl eine Salmonelleninfektion per se keine Gefahr für das Ungeborene darstellt, ist sie durch das ausgelöste Erbrechen und den Durchfall kräfte-, energie- und nährstoffraubend. Auf folgende Lebensmittel solltest Du deswegen leider verzichten:
 

  • Tiramisu
  • Mousse au Chocolat
  • Softeis
  • Mayonnaise

Während eine nicht schwangere Frau ohne Bedenken das Katzenklo säubern, Sushi oder Camembert essen kann, könnte eben dies bei einer Schwangeren fatale Folgen haben. Grund dafür ist eine Schwächung des Immunsystems
 
Obst und Gemüse
Ein hoher Konsum von Obst und Gemüse ist in jeder Lebenslage zu empfehlen, jedoch bei Schwangeren aufgrund des erhöhten Nährstoffbedarfs besonders wichtig. Trotzdem können sich die Frauen auch über rohes Gemüse mit Listerien infizieren. Besonders zu beachten sind:
 

  • Salat und Ähnliches gut waschen vor dem Verzehr
  • Aufgrund der vermehrten Verarbeitung und dem dadurch einhergehenden erhöhten Kontaminationsrisiko, sind abgepackte Salate, vorgeschnittene Früchte oder vorgefertigte frische Kräuter zu vermeiden

Gewürze
Einigen Gewürzen oder Kräutern wird eine uterusstimulierende Aktivität nachgesagt. Um diese tatsächlich auslösen zu können, reicht aber der Normalgebrauch meist nicht aus. Solltest Du jedoch übermäßig viel von nachfolgenden Substanzen zu Dir nehmen, können vorzeitige Wehen und dadurch auch eine Frühgeburt oder ein Abort folgen. Dazu zählen:
 

  • Ingwer, vor allem roh oder als Tee
  • Basilikum
  • Petersilie
  • Kurkuma
  • Liebstöckel
  • Minze

und noch einige mehr. Der jeweils unbedenkliche Konsum ist abhängig vom Gewürz und Du solltest dies individuell mit Deinem Frauenarzt abklären.
 
Alkohol
Jeder hat wohl schon gehört, dass Alkohol während der Schwangerschaft ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko mit sich bringt. Dennoch hält sich der Mythos in der Gesellschaft, dass das kleine Gläschen ab und zu ungefährlich sei. Dies ist jedoch eine Unwahrheit, da selbst geringe Mengen Alkohol zum falschen Zeitpunkt folgenschwere Fehlbildungen im Rahmen des fetalen Alkoholsyndroms verursachen können. Dabei handelt es sich hauptsächlich um geistig-kognitive Einschränkungen, Verhaltensauffälligkeiten und gewisse Gesichtsveränderungen. Um diesem Syndrom vorzubeugen, hilft einzig und allein die absolute Alkoholabstinenz.
 
Nikotin
Auch das Laster des Rauchens solltest Du zumindest während der neun Monate aufgeben. Denn durch den Zigarettenkonsum kommt es zu einer Minderversorgung der Gebärmutter, was eine Entwicklungsverzögerung mit sich bringen kann. Die Babys von Raucherinnen sind daher verhältnismäßig kleiner und auch Geburtskomplikationen und Frühgeburten treten häufiger auf als bei nicht-rauchenden Schwangeren.
 
Sport
Die früher vorherrschende Meinung, dass Sport in der Schwangerschaft zu Schäden beim Kind führt, ist mittlerweile überholt. Denn Sport stärkt das Herz-Kreislauf-System, das während der Schwangerschaft stark beansprucht ist. Dennoch sind einige Dinge beim Sporteln zu beachten:
 

  • Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko (z.B. Hockey, Handball, Skifahren, Reiten) eher meiden, da Stürze beispielsweise zu einer vorzeitigen Plazentaablösung führen können
  • Die Schwangere sollte es ruhig angehen, beim Krafttraining die Gewichte reduzieren, keine intensiven Bauchübungen und den Puls am besten immer unter 130 Schlägen pro Minute halten
  • Schwimmen oder Yoga zeichnen sich durch ihre ruhigere Komponente als hervorragende Sportarten für Schwangere aus

Medikamente
Bei der Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft ist höchste Vorsicht geboten, denn bereits kleine Dosen von teratogenen (fruchtschädigenden) Substanzen, können Fehlgeburten oder Fehlbildungen auslösen. Besonders wichtig bei der Unterscheidung zwischen schädlichen und riskanten Medikamenten ist die sogenannte Plazentaschranke. Dabei handelt es sich um die Trennung zwischen dem kindlichen und dem mütterlichen Blutkreislauf und dem Stoffaustausch zwischen den beiden.
 
Bei der Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft ist höchste Vorsicht geboten, denn bereits kleine Dosen von teratogenen (fruchtschädigenden) Substanzen, können Fehlgeburten oder Fehlbildungen auslösen
 
Kann ein Medikament zum Beispiel aufgrund seiner molekularen Größe diese Schranke nicht passieren, gelangt es auch nicht zum heranwachsenden Fötus. Sollte es jedoch in den kindlichen Kreislauf gelangen, kann dies folgenschwer enden. Bei jedem Medikament, das Du einnehmen möchtest oder musst, solltest Du den behandelnden Gynäkologen kontaktieren und den Beipackzettel lesen, um eine kindliche Gefährdung auszuschließen.
 
Auch wenn eine Schwangerschaft im besten Fall eines der schönsten Erlebnisse sein kann, gibt es doch einiges, worauf man als schwangere Frau in diesen Monaten verzichten muss, und das fällt verständlicherweise nicht immer leicht. Solltest Du Dir unsicher sein, was Du nun zu Dir nehmen darfst und was nicht, dann kontaktiere am besten immer Deinen Frauenarzt und lass Dich von ihm beraten!


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Dr. med. Christine Chung, MPH

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