Wie funktioniert die Beatmung von Corona-Patienten?

Das Coronavirus wird weiterhin von verschiedenen Institutionen und Organisationen weltweit untersucht und erforscht. Nach wie vor gibt es noch einiges an Wissen, das erst generiert, ermittelt und überprüft werden muss. Was man jedoch weiß, ist, dass es sowohl leichte als auch schwere Verläufe gibt. Intensivpatienten werden häufig mit Beatmungsgeräten behandelt. Doch was bedeutet es eigentlich, einen Patienten zu beatmen? Wie funktioniert die Beatmung? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich dieser Beitrag.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 24. April, 2020

Welche Arten der maschinellen Beatmung gibt es?

Für die moderne Intensivmedizin ist die maschinelle Beatmung essenziell. Grundsätzlich können Beatmungsgeräte für eine assistierte oder eine kontrollierte Beatmung verwendet werden.
 
Die assistierte Beatmung unterstützt Patienten bei ihrer Eigenatmung. Sie wird eingesetzt, wenn Erkrankte zwar noch alleine einatmen können, jedoch nicht das Volumen erreichen, dass ihr Körper benötigt. Eine kontrollierte Beatmung ist dann notwendig, wenn sich der Zustand des Patienten dermaßen verschlechtert, dass eine Unterstützung der Atmung sinnvoll ist.
 
Bei der nicht-invasiven Ventilation erfolgt die Beatmung mittels einer Nasen- oder Gesichtsmaske. Bei der invasiven Beatmung wird als erster Schritt eine Narkose eingeleitet. Anschließend wird ein Schlauch in die Luftröhre oder eine Maske auf dem Kehlkopf platziert. Dadurch kann das Beatmungsgerät die Atemarbeit des Patienten übernehmen.
 
Im Internet hört man immer wieder von den verschiedensten Beatmungstechniken, die angewandt werden. Dazu gehört beispielsweise die Sauerstoffgabe mit Maske, die Applikation von Sauerstoff mit höherem Fluss (High-Flow-Verfahren), andere nicht-invasive Beatmungstechniken wie CPAP (continuous positive airway pressure), Intubation und ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung).

Die Medizin unterscheidet zwischen assistierter und kontrollierter Beatmung.

Welche Patienten werden mit einem Beatmungsgerät behandelt?

Patienten, die wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus müssen, landen nicht immer auf der Intensivstation. In vielen Fällen können diese Patienten auch auf einer Normal- oder Zwischenstation behandelt werden. Dort werden sie gründlich überwacht und können, sofern notwendig, Sauerstoff über eine Maske oder Nasensonde erhalten.
 
Bei schweren Krankheitsverläufen jedoch müssen Betroffene künstlich beatmet werden. In Italien musste beispielsweise zum Teil jeder zehnte Patient künstlich beatmet werden. Die Entscheidung, ob eine (künstliche) Beatmung notwendig ist oder nicht, wird nicht an Laborwerten festgemacht, sondern daran, wie es dem Erkrankten effektiv geht und wie sehr seine Atemmuskulatur “erschöpft” ist.
 
Das klinische Bild von schwer erkrankten Covid-19-Patienten ist sehr komplex. Viele Erkrankte zeigen eine massive Sauerstoffunterversorgung, selbst dann, wenn sie Sauerstoff über eine Maske erhalten. Ist dies der Fall, ist eine künstliche Beatmung meist indiziert.
 
Auch eine erhöhte Atemfrequenz ist ein wichtiger Indikator für ein notwendiges Beatmungsgerät. Ein gesunder Erwachsener atmet pro Minute zwölf bis 18-mal ein und aus. Erhöht sich diese Frequenz auch mehr als 35 Atemzüge pro Minute, kann eine Unterstützung der Beatmung notwendig werden.

Was tut ein Beatmungsgerät?

Ziel der Beatmung durch hochmoderne Maschinen ist, die Sauerstoffsättigung im Blut auf mindestens 90 Prozent zu erhöhen. Ein gesunder Mensch erreicht unter normaler Eigenatmung Werte zwischen 97 und 100 Prozent.
 
Um dies zu erreichen, kann der Arzt an den Maschinen einstellen, wie oft der Patient beatmet werden soll und wie hoch der Anteil an zugeführtem Sauerstoff ist. Das Beatmungsgerät zeigt ebenfalls Druck, Frequenz, Ausatmung, die erhaltene Menge Luft pro Minute, die Sauerstoffkonzentration und die Feuchte der Luft.
 
Für die Behandlung von Covid-19-Patienten gibt es einige Empfehlungen bezüglich der richtigen Einstellung des Beatmungsgeräts, wie beispielsweise zur Einstellung des PEEP und zur Bauchlagerung des Patienten. PEEP steht für “Positive end-expiratory pressure”. Dabei werden Patienten oft auch in Bauchlage unter Überdruck beatmet, denn durch die Bauchlage sinkt der Druck auf die Lunge, wodurch die Sauerstoffversorgung verbessert werden kann.

Mit Beatmungsgeräten lassen sich unter anderem Atemfrequenz- und druck einstellen.

Wie lange werden Patienten an ein Beatmungsgerät angeschlossen?

Die Frage, wie lange Patienten an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden müssen, lässt sich nicht so leicht beantworten. Entscheidend ist hier immer der Zustand des Patienten.
 
Wenn sich der Zustand des Erkrankten verbessert, kann der Patient wieder auf eigene Atmung umgestellt werden. Dieser Vorgang ist sehr komplex und wird in der Fachsprache auch “Weaning” genannt. Dieser Prozess kann nur dann eingeleitet werden, wenn der Atemantrieb des Patienten wieder ausreichend vorhanden ist. Das Weaning ist ein langsamer Vorgang, der immer mit Bedacht durchgeführt werden muss.

 

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