Wenn Stress krank macht

Wir alle kennen stressige Phasen, die einen nehmen es leichter hin, für andere kann es zur gesundheitlichen Gefahr werden. Stress bringt Körper und Geist auf Hochtouren und sollte uns eigentlich einen Schutz vor Bedrohungen gewährleisten. In der heutigen Zeit sind wir Gefahren, wie sie beispielsweise im Tierreich auftreten, deutlich seltener ausgesetzt, und viel mehr fürchten wir uns um unsere Existenz in der Arbeitswelt oder im sozialen Leben. Täglich sehen wir uns mit massenhaften Reizüberflutungen konfrontiert und fühlen uns deshalb von Stressoren überflutet. Fakt ist aber, dass für jede Person Stress etwas anderes bedeutet, und oftmals ist Stress viel mehr als eine körperliche Reaktion.


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 5. Mai, 2020

Was ist Stress eigentlich genau?

Zuerst müssen wir zwischen positivem und negativem Stress unterscheiden. Bereits hier kommt es auf die unterschiedliche Bewertung von Stress an. Was für den einen positiver Stress ist, kann für den anderen zur Qual werden. Aus medizinischer und psychologischer Sicht ist der richtige Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung gesundheitsfördernd. Als positiver Stress lässt sich daher eine ausgewogene Work-Life-Balance bezeichnen. Positiver Stress ist aufregend und macht zufrieden, erhöhte Leistungsfähigkeit, Motivation und Aufmerksamkeit sind die Folgen.
 
Im Gegensatz dazu gibt es negativen Stress. Negativer Stress ist belastend und hängt ebenfalls von der emotionalen und gedanklichen Bewertung jeder einzelnen Person ab. Negativ wirkt sich Stress dann aus, wenn wir zu viel davon erleben oder dauerhaft Stress ausgesetzt sind. Aber vor allem auch dann, wenn wir das Gefühl haben dem Druck nicht gewachsen zu sein. Ob wir Stress als positiv oder negativ wahrnehmen, hängt immer von unseren Erfahrungen und vom erlernten Verhalten ab.

Eine gesunde Portion Stress ist normal, doch kann zu viel Stress sich schnell negativ auf Deine Gesundheit auswirken.

Körperlicher und psychischer Stress

Was passiert in unserem Körper, wenn wir unter Stress stehen? Die Symptome von Stress sind vielfältig und betreffen den gesamten Organismus. Hormone wie Adrenalin und Kortisol werden freigesetzt und der Körper bereitet sich auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vor.
 
In Stresssituationen weiten sich die Bronchien, eine schnelle Flachatmung setzt ein. Der Blutdruck steigt und das Herz schlägt schneller und auch die Muskeln werden besser durchblutet. Der Körper benötigt einen höheren Energieverbrauch. Die Schmerzempfindlichkeit nimmt ab und die Verdauung verzögert sich. Sobald die Stresssituation abklingt, nimmt auch die Hormonproduktion wieder ab und der Körper beruhigt sich.
 
Stress betrifft ebenfalls unsere Psyche. Wenn wir das Gefühl haben, dass Anforderungen und Erwartungen der Umgebung die eigenen Kapazitäten übersteigen, entsteht psychischer Stress. Die Hauptursachen für psychischen Stress sind oftmals Überbelastungen in Familie, Beruf und Freizeit. Auch wenn die Belastung objektiv gesehen, zu bewältigen wäre, kommt es vielmehr darauf an, wie die Belastung individuell erlebt wird.

Durch welche Symptome kann sich Stress bemerkbar machen?

Die Stressreaktion auf körperlicher Ebene definiert sich wie bereits erwähnt durch einen schnelleren Herzschlag und Atmung, sowie erhöhte Muskelspannung. Diese Reaktion trifft meist ein, wenn Gefahr droht oder besondere Aufmerksamkeit gefordert ist.
 
Die Stressreaktion auf der behavioralen Ebene (Verhaltensebene) macht sich durch beobachtbare Verhaltensweisen einer Person bemerkbar. Darunter fällt beispielsweise hastiges und ungeduldiges Verhalten, Betäubungsverhalten, unkoordiniertes Arbeitsverhalten oder konfliktreicher Umgang mit anderen Menschen.
 
Die Stressreaktion auf kognitiv-emotionalen Ebene, beeinflusst die Art und Weise wie wir denken, wie wir Informationen verarbeiten und wie sich Emotionen auswirken. Dieser Stress ist psychisch und zeigt sich beispielsweise in Form von innerer Unruhe, Nervosität, Ärger und Unzufriedenheit, Angst, Hilflosigkeit, Selbstvorwürfen, Konzentrationsschwierigkeiten und Denkblockaden.

Stress kann verschiedene Krankheiten auslösen und stellt eine psychische und physische Belastung für uns dar.

Welche Folgen hat Stress?

Wenn Stress dauerhaft besteht oder nicht ausreichende Erholung möglich ist, wirkt sich dies negativ auf unsere Gesundheit aus. Langanhaltender Stress schwächt den Körper und sein Immunsystem.
 
Typische körperliche Erkrankungen, welche durch Stress hervorgerufen werden, sind:
 

  • Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkt
  • Magen-Darmprobleme wie Magenschleimhautentzündungen, Sodbrennen oder Verdauungsbeschwerden
  • Kopfschmerzen wie Migräne und Spannungskopfschmerzen
  • Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis
  • Viruserkrankungen wie Lippenherpes und Gürtelrose
  • Allergien oder Asthma können durch Stress verstärkt werden
  • Schlafstörungen
  • Erhöhte Infektanfälligkeit durch ein geschwächtes Immunsystem (Abwehrschwäche)

 
Zudem schadet Stress der Seele. Typische Beispiele für psychische Erkrankungen, die durch Stress ausgelöst oder begünstigt werden, sind:
 

  • Burnout: Entsteht meist schleichend und führt oft zu weiteren Erkrankungen
  • Angst und Angststörungen
  • Tinnitus und Hörsturz, weil der Stress die Sinnesorgane beeinflusst
  • Depressionen
  • Nervosität, Unruhe
  • Konzentrationsstörungen
  • ADS und ADHS

 
Chronischer Stress kann also zu lang anhaltenden oder dauerhaften emotionalen und psychischen Reaktionen und Verhaltensänderungen führen. Stress macht sich im ganzen Körper bemerkbar und nicht selten wirken sich die psychischen Erkrankungen, auf den körperlichen Zustand aus, und die körperlichen Erkrankungen schlagen wiederum auf das Gemüt.

Zu viel Stress überfordert den Körper und wir fühlen uns antriebslos.

Wie kann ich gegen Stress vorgehen?

Stress lässt sich in der Regel nicht von jetzt auf gleich abstellen. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, um weniger Stress zuzulassen und um Stress abzubauen.
 
Vorbeugung von Stress
 
Versuche Belastungen in Beruf, Familie und Freizeit besser zu organisieren, bitte andere Freunde oder Angehörige um Hilfe oder einfach nur um ein offenes Ohr. Und sage auch mal Nein, wenn die Aufgaben nicht mehr zu bewältigen zu sein scheinen.
 
Durch Sport und gesunde Ernährung steigerst Du die eigene Leistungsfähigkeit und hältst Deinen Körper im Gleichgewicht. Vor allem Yoga tut Körper und Geist gut, aber oft reicht auch einfach nur ein Spaziergang zwischendurch um Deinen Kopf wieder freizubekommen. Es ist wichtig für ausreichend Entspannung als Gegenpol von Stress zu sorgen.
 
Stress entgegenwirken
 
Du selbst kannst entscheiden, ob es sich um positiven oder negativen Stress handelt. Indem Du Dich mit dem Umgang Deiner Gefühle beschäftigst, kannst Du auch wieder Kontrolle über die Situation erlangen. Lerne positiv und lösungsorientiert zu denken und probiere Entspannungsübungen aus.
 
Stressige Situationen müssen auch nicht vermieden werden, viel wichtiger ist es, Methoden zu finden, um mit ihnen besser umzugehen. Neben Hunderten an Büchern und Kursen zum Thema Stress, gibt es auch die Möglichkeit sich bei stark belastendem Stress professionelle Hilfe zu holen. Bei einer Psychotherapie werden die Situationen und Probleme mit Stress aufgearbeitet.
 
Auch wenn chronischer Stress mittlerweile schon als Zivilisationserkrankung bezeichnet wird, musst Du vorsichtig sein. Hast Du ein oder mehrere der genannten Symptome bei Dir festgestellt, so solltest Du Dir vielleicht ein paar Gedanken darüber machen. Denn es ist wichtig, die stressigen Phasen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern rechtzeitig zu handeln.

Wenn Dir der Stress zu viel wird, kann ein Gespräch mit Freunden oder Spezialisten helfen.

Österreich:
 
Gesundheit. GV. AT: Liste wichtiger Beratungshotlines
 
Burnout Notruf: 142 (kostenlos, rund um die Uhr)
 
Deutschland:
 
Aktionsbündnis Seelische Gesundheit: Liste wichtiger Beratungshotlines
 
Schweiz:
 
Notruf Burnout: 0900 000 118 (rund um die Uhr)

 



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