Unliebsame Mitbringsel aus dem Urlaub!

Sonne, Strand, Meer, Abenteuer, neue Leute, fremde Kulturen, exotisches Essen. Ob Städtereise oder Actiontrip – wer genießt es nicht zu verreisen und unbekannte, ferne Länder zu erkunden? Leider bringt man aus dem Urlaub ab und an nicht nur sommerliche Bräune, Souvenirs und vollgeschlagene Bäuche mit nach Hause, sondern auch Juckreiz und gerötete, aufgekratzte Stellen. Wir geben hier daher einen kompakten Überblick über Haut- und Infektionskrankheiten, mit denen Du in beliebten Urlaubsregionen konfrontiert werden könntest, wie Du sie erkennst, ob ein sofortiger Arztbesuch notwendig ist und wie Du sie vermeiden kannst. 


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 1. August, 2019

Sonne, Strand, Meer, Abenteuer, neue Leute, fremde Kulturen, exotisches Essen. Ob Städtereise oder Actiontrip – wer genießt es nicht zu verreisen und unbekannte, ferne Länder zu erkunden? Leider bringt man aus dem Urlaub ab und an nicht nur sommerliche Bräune, Souvenirs und vollgeschlagene Bäuche mit nach Hause, sondern auch Juckreiz und gerötete, aufgekratzte Stellen. Wir geben hier daher einen kompakten Überblick über Haut- und Infektionskrankheiten, mit denen Du in beliebten Urlaubsregionen konfrontiert werden könntest, wie Du sie erkennst, ob ein sofortiger Arztbesuch notwendig ist und wie Du sie vermeiden kannst. 

Larva migrans

Erreger dieser häufigen Dermatose ist die namensgebende Larva migrans, Larve aus der Familie der Hakenwürmer, die vor allem in warmen Gebieten mit tropisch-feuchtem Klima, beispielsweise in Südamerika, auf den Karibikinseln, in Südostasien, Afrika, selten auch im Mittelmeerraum heimisch sind. Die Larven dringen meist durch kleine Hautwunden ein und bewegen sich dann unter der Haut fort. Die dadurch entstehenden rötlich-entzündeten Wanderungsgänge der Larven kann man mit freiem Auge sehen. Abgesehen von diesen nach Tagen bis Wochen auftretenden, sichtbaren Hautreaktion geht eine Infektion mit Larva migrans mit starkem Juckreiz einher. Typische Infektionsstellen sind die Füße (durch Barfußlaufen), aber auch Rücken und Gesäß (durch Sitzen/Liegen am Strand). Nach ein bis drei Monaten sterben die Larven für gewöhnlich ab, wodurch sich die Erkrankung selbst limitiert. Um jedoch eine Superinfektion zu vermeiden und den belastenden Juckreiz schnell zu stoppen, solltest Du bei Verdacht dennoch auf jeden Fall einen Dermatologen aufsuchen, der mit einer speziell antiparasitären Medikation die Genesung beschleunigen kann.

Leishmaniose

Die Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die sich je nach Immunstatus der betroffenen Person neben Haut und Schleimhaut auch an inneren Organen manifestieren kann. Erreger sind Leishmanien, Parasiten, die durch den Stich der Sandmücke übertragen werden. 
Bei der kutanen, also in der Haut manifestierten, Leishmaniose (auch Orientbeule genannt) vermehren sich die Erreger vor allem in Makrophagen des Hautgewebes. Die Läsionen können unterschiedlich ausgeprägt sein, bleiben allerdings auf die Haut beschränkt. Symptom sind rötlich gefärbte Flecken und leicht erhabene, juckende Knötchen in der Haut, die über Wochen und Monate in ein bis fünf Zentimeter große Geschwüre übergehen. Die Infektion heilt nach mehreren Monaten narbig aus.

Verbreitungsgebiet der Leishmaniose sind vor allem tropische und subtropische Zonen. Durch den Klimawandel bedingt werden auch Leishmaniose-Fälle in Europa, primär in Südspanien, Italien und Malta immer häufiger. Um sich vor der Erkrankung zu schützen, ist – wie bei allen durch Mücken übertragenen Infektionskrankheiten – der richtige Schutz das A und O! Informiere Dich also vor Reiseantritt in der Apotheke über wirksame Mückenschutzsprays, sorge für an Türen und Fenstern angebrachte Moskitonetze und achte auf möglichst hautbedeckende Kleidung!

Tungiasis

Verursacher der Erkrankung Tungiasis ist der vor allem in afrikanischen Wüstengebieten, in Südamerika und in der Karibik vorkommende Sandfloh Tunga penetrans.

Das Weibchen dieser Flohart durchbohrt die Epidermis des Menschen und verweilt hier während der Eiproduktion, gibt die Eier nach außen hin ab und stirbt dann. Im Anfangsstadium zeigt sich eine rundliche, gerötete Stelle mit einem zentralen roten Punkt, der im Verlauf eine bräunlich bis schwarze Färbung annimmt und eine Kruste ausbildet. Der Verlauf dauert meist vier bis sechs Wochen und limitiert sich durch Absterben des Flohweibchens in der Regel selbst. Allerdings kann der besonders ausgeprägte und quälende Juckreiz durch Aufkratzen der Eintrittspforte das Eindringen von Bakterien begünstigen, wodurch es zu einer großflächigen Infektion kommen kann. Bei Verdacht auf eine Sandfloh-Infektion solltest Du es also unbedingt vermeiden zu kratzen und rasch einen Arzt aufsuchen, der den Floh entfernt und eine desinfizierende und eventuell antibiotische Behandlung einleitet. Am häufigsten kommen Sandfloh-Bisse an den Füßen vor, eine Vorbeugung kannst Du daher am besten durch geschlossenes Schuhwerk treffen.

Cimikose (Bettwanzen-Befall)

Die Bettwanze ist ein blutsaugender Parasit, der vor allem Menschen, seltener auch andere Warmblüter beispielsweise Haustiere, befällt. Die Bettwanze ist äußerst widerstandsfähig, daher auch in beinahe allen Klimazonen vertreten. Der Einstich der Wanzen wird oftmals nicht wahrgenommen, erste Symptome für einen Bettwanzenbefall sind der durch den Speichel ausgelöste Juckreiz und unspezifische Hautreaktionen, die von leicht geröteten Punkten, bis hin zu erhabenen Knötchen und Bläschen reichen können. Die Reaktionen unterscheiden sich von Person zu Person, können sich allerdings auch durch wiederholte Stiche und andauernden Befall ändern. Die Bettwanze verweilt in der Regel nur für die Zeit des Blutsaugens auf der menschlichen Haut und überträgt bisherigen Untersuchungen zufolge keine Infektionskrankheiten. Eine spezifische Therapie ist daher nicht notwendig, denn Komplikationen treten in der Regel nur durch starkes Kratzen in Form von bakteriellen Sekundärinfektionen auf. Der häufigste Kontakt mit Bettwanzen tritt an Orten mit viel Personenkontakt und hoher Fluktuation statt, beispielsweise in Hotels, Wohnheimen, Gesundheitseinrichtungen oder Transportmitteln. Bei wiederholten Symptomen in den eigenen vier Wänden, sollte unbedingt eine professionelle Schädlingsbekämpfung durchgeführt werden.

Candirú Befall

Der Candirú, oder auch umgangssprachlich Harnröhren- oder Penisfisch genannt, ist ein bis zu 15cm langer, aalartiger Süßwasserfisch, der im Amazonas heimisch ist. Er gilt als typischer Parasit, da er über die Kiemenöffnung in die Körper seiner Wirtsfische eindringt, sich an Blutgefäßen festbeißt, Blut saugt und dann wieder ablässt. Üblicherweise erkennt er seine Beute über die ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte und Harnstoffe, die ihn anlocken. 
Besonders gefürchtet ist der Candirú, da er in seltenen Fällen die Duftstoffe seiner Wirtfische mit denen des Menschen verwechselt und über die Harnröhre in den menschlichen Körper eindringt. Durch seine Widerhaken ist in solchen Fällen ein Rückzug unmöglich, wodurch nur durch einen operativen Eingriff eine Entfernung des Fisches möglich ist. Der Befall des Candirú soll nicht nur wahnsinnig schmerzhaft sein, sondern kann auch zu gefährlichen Infektionen führen. Zwar sind nur wenige Fälle von menschlichen Candirú-Befällen dokumentiert und die Wahrscheinlichkeit dem Penisfisch wirklich zu begegnen sehr gering, solltest Du allerdings eine Reise ins Amazonas-Gebiet und dennoch ein Bad im Fluss planen, wird meist geraten möglichst nicht ins Wasser zu urinieren, um den Candirú nicht anzulocken.

Trotz aller ekelerregender Tierchen und unliebsamer Symptome solltest Du Dir den nächsten Urlaub natürlich nicht verderben lassen. Das wichtigste ist wie immer, sich vorab genau zu informieren, welche typischen Reiseerkrankungen und Dermatosen es im Zielgebiet gibt, besonders exponierte Regionen zu vermeiden und stets ganzkörperbedeckende Kleidung, feste Schuhe und genügend Mückenschutz dabeizuhaben!