Therapiemöglichkeiten bei einer wiederkehrenden Blasenentzündung ohne Ursache

Die meisten von uns haben es schon einmal erlebt, ein verstärkter Harndrang und das Gefühl dauernd auf die Toilette laufen zu müssen, obwohl die Blase leer ist. Darauf folgen Brennen beim Wasserlassen und krampfartige Schmerzen im Unterleib. Das sind die typischen Symptome einer Blasenentzündung. In den meisten Fällen, lässt sich die Blasenentzündung, auch Harnwegsinfekt oder Zystitis genannt, durch bekannte Hausmittel und Antibiotika innerhalb weniger Tage heilen. Aber was, wenn die Blasenentzündung immer wieder kommt? Wir haben Dir wichtige Informationen zusammengestellt und zudem gibt Dr. med. Simone Hermanns noch einen interessanten Expertentipp ab!


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 3. Juli, 2020

Ab wann ist eine Blasenentzündung chronisch?

Von einer chronischen Blasenentzündung spricht man, wenn sie dreimal pro Jahr oder zweimal pro Halbjahr auftritt. Der korrekte medizinische Begriff für dieses Phänomen ist der “rezidivierende Harnwegsinfekt” und bedeutet so viel wie “eine wiederkehrende Blasenentzündung”.

Wie unterscheiden sich die Symptome zwischen akuter und chronischer Blasenentzündung?

Die Symptome bei einer chronischen Blasenentzündung unterscheiden sich von einer akuten Blasenentzündung nicht. Charakteristisch dafür sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang, obwohl die Blase leer ist. Dazu können Unterleibsschmerzen kommen, der Geruch des Urins kann unangenehm sein, er ist häufig getrübt, manchmal auch blutig.
 
Bei einer Blasenentzündung kann sich der Urin rot färben

Was sind die Auslöser einer Blasenentzündung

Der häufigste Auslöser für eine Blasenentzündung sind die sogenannten E.coli Bakterien (Bakterium Escherichia coli) aus dem eigenen Darm, etwa 80% der Fälle sind darauf zurückzuführen. Frauen sind wesentlich häufiger davon betroffen, da sie eine kürzere Harnröhre besitzen als Männer.
 
Eine Verengung oder Fehlbildung der Harnröhre, Fremdkörper, Blasensteine oder gutartige sowie bösartige Tumore in Harnblase und Harnröhre begünstigen das Risiko einer Entzündung. Ebenso sind Schwangere und Diabetiker, aufgrund des höheren Zuckergehalts im Urin, mehr gefährdet.
 
Weitere Auslöser einer Blasenentzündung können Unterkühlung, ein geschwächtes Immunsystem und psychische Einflüsse wie Stress sein. Und auch beim Geschlechtsverkehr können Bakterien in die Harnröhre gelangen und dort die Entzündung auslösen.

Wieso bekomme ich immer wieder eine Blasenentzündung?

Unsere Harnblasenwand ist durch eine Schleimschicht geschützt. Diese verhindert, dass irritierende Substanzen aus dem Urin auf die sensible Blaseninnenwand treffen. Bei einer chronischen Blasenentzündung ist diese Schleimschicht zum Schutz, oft geschädigt. Reizstoffe können eindringen und Schmerz- und Entzündungsreaktionen auslösen. Das Problem dabei ist, dass je öfter eine Blasenentzündung in Folge auftritt, desto gereizter sind die Schleimhäute, welche dadurch noch anfälliger für die nächste Zystitis werden. Damit diese Spirale gar nicht erst entstehen kann, ist es umso wichtiger eine Blasenentzündung richtig ausheilen zu lassen und alle Erreger auszuspülen.
 
Mitschuld können auch Antibiotika-Therapien sein. Obwohl Du eine Blasenentzündung mithilfe von Antibiotika behandeln lassen kannst, können sie auch Auslöser einer wiederkehrenden Blasenentzündung sein. Bei einem zu frühen Abbruch des Antibiotikums können frühere Infekte beispielsweise erneut entfachen. Andere Antibiotika zeigen vielleicht, aufgrund des zuvor eingenommenen Antibiotikums, keine Wirkung. Das Antibiotikum schwächt das Immunsystem: Das Antibiotikum belastet die Darmflora bei der Einnahme und eine schwache Darmflora begünstigt wiederum Blasenentzündungen. Es ist daher wichtig, die Medikamente wie vom Arzt verordnet einzunehmen. Wir empfehlen Dir eine Behandlung mit Antibiotika, auch immer mit einer Kur, zur Stärkung der Darmflora, zu unterstützen.
 
Antibiotikum kann eine Blasenentzündung heilen, jedoch auch der Auslöser sein

Tipps, um Blasenentzündungen vorzubeugen

  • Viel Trinken, durch die „Spülung“ der Blase wird das Festsetzten von Bakterien an der Blasenwand verringert.
  • Probiotische Bakterien senken das Risiko für Harnwegsinfekte und sind in Beeren und Milchprodukten enthalten.
  • Achte auf eine gesunde Darmflora, eine Darmsanierung kann eventuell im Falle einer Darmerkrankung helfen.
  • Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr, dies hilft dabei unerwünschte Bakterien auszuscheiden.
  • Reinige und trockne Deinen After nur nach hinten, in Richtung Rücken, um das Eindringen von Darmbakterien zu vermeiden.
  • Eine trockene Scheide kann ein höheres Risiko darstellen.
  • Ebenso solltest Du ph-neutrale Reinigungsprodukte für den Intimbereich verwenden.
  • Vermeide Kälte und Nässe im Genitalbereich, wechsle beispielsweise nach dem Schwimmen die Bikinihose, nachdem Du aus dem Wasser kommst

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wenn man keine Ursache findet?

Neben der Behandlung mit Antibiotika, kann auch eine Immuntherapie, oder biologische Arzneimittel angewendet werden.
 
Immuntherapie: das Immunsystem wird stimuliert und soll die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken. Unser Darm ist mit unserem Immunsystem eng verbunden und eine  ausgewogene Darmflora verhindert die Besiedelung der Darmschleimhaut durch krank machende Keime. Da es sich bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten meisten um Darmbakterien handelt, soll bei der Immuntherapie die Darmflora gestärkt werden.
 
Immunmodulatoren: Sind oral eingenommene Kapseln oder Tabletten, die über drei Monate lang eingenommen werden und zählen zu den biologischen Arzneimitteln.  Mikroorganismen aktivieren die Immunzellen der Darmschleimhaut und stärken die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers.
 
Eine Blasenentzündung geht mit starken Schmerzen einher
 
Autovakzine
Das sind individuell hergestellte Therapeutika aus inaktivierten, körpereigenen Bakterien des Patienten zur Vorbeugung und Behandlung chronischer Infektionskrankheiten. Diese Art der Therapie dauert ca. sechs Wochen. Der Wirkstoff kann oral, als Nasenspray oder per Injektion verabreicht werden.
 
Injektionsimpfstoffe
Wenn schmerzhafte wiederkehrende Harnwegsinfekte das Sozialleben und die Partnerschaft stark belasten und herkömmliche Therapien versagen, besteht auch die Möglichkeit einen Impfstoff zu verabreichen. Die Impfstoffe zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündungen werden aus inaktiven Keimen, die am häufigsten für Blasenentzündungen verantwortlich sind, hergestellt.

Soforthilfe-Tipps bei Blasenentzündung

Solltest Du an einer Blasenentzündung erkrankt sein, solltest Du den Arzt aufsuchen, um die Entzündung nicht zu verschleppen und um sie zu lindern. Achte zusätzlich auf:
 

  • Viel Flüssigkeitszufuhr, trinke mindestens zwei Liter am Tag. Auch Cranberry, Heidelbeer- oder Preiselbeersäfte aus der Apotheke können helfen.
  • Auch wenn es schmerzt und Deine Blase eigentlich leer ist, versuche das Gefühl des ständigen Wasserlassens nicht zu unterdrücken, und geh ruhig auf die Toilette.
  • Leg Dich mit Wärmekissen hin und versuche Dich zu entspannen, falls möglich.
  • Auch wenn sich Dein Intimbereich noch so unwohl anfühlt, solltest Du es gerade jetzt mit Intimhygiene nicht übertreiben, benutze ph-neutrale Pflege.
  • Halte Füße und Nieren möglichst warm, trage beispielsweise ein Unterhemd.
  • Nimm ein warmes Bad, um Dich zu entspannen und um Krämpfe zu lindern.
  • Vermeide Zitrussäfte, Kaffee und Alkohol.
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Dr. med. Simone Hermanns - Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Neueste wissenschaftliche Ergebnisse bieten Ansatzpunkte warum einige Frauen häufiger erkranken als Andere. Man geht davon aus, dass  E. Coli Bakterien aus dem Darm in den Harntrakt verschleppt werden und sich dort einige der Mikroben in die Blasenwand einnisten und an diesem Ort geschützt vor Antibiotikum und Co überdauern. Kommt zusätzlich ein Vaginalkeim Gardnerella vaginalis ins Spiel, können die inaktiven E.Coli Bakterien wieder aktiviert werden und es kommt zur erneuten Harnwegsinfektion. Gardnerella vaginalis verursacht dabei keine Beschwerden und eine kurze Anwesenheit des Keims reicht dabei anscheinend aus, um Zellen der Blasenwand zu schädigen und E. Coli Bakterien frei zusetzen.
 
Solltest Du also an immer wiederkehrenden Blasenentzündungen leiden, ohne ersichtliche Ursache, lohnt es sich Deine Frauenärztin aufzusuchen und ggf. Deine Vaginalflora auf krank machende Keime wie Gardnerella vaginalis mittels Abstrich untersuchen zu lassen.

 

Dr. med. Simone Hermanns – Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe



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