Schönheitsoperationen: Eigenes Verlangen, Druck der Gesellschaft oder Eingriff in die Psyche?

Die Ästhetisch-Plastische Chirurgie boomt – und das nicht mehr nur bei Frauen. Zwar liegen weibliche Patienten mit rund 84 Prozent derzeit noch vorne, allerdings steigt auch der Anteil an Männern kontinuierlich. Aber was sind die Beweggründe für eine körperliche Optimierung? Warum legen sich jährlich mehr als 23 Millionen Menschen weltweit unters Messer und riskieren damit ihre Gesundheit?


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 11. Februar, 2020

Schönheitsoperationen.

Besser, schneller, höher, schöner – so lautet das Credo unserer Gesellschaft. Wir streben ständig nach mehr und sind stets damit beschäftigt, uns selbst zu optimieren. Nicht zuletzt, weil es von uns erwartet wird. Dieser andauernde Druck der Gesellschaft und die stetig wachsenden Forderungen an uns selbst hinterlassen ihre Spuren. Es entsteht ein psychischer Leistungsdruck, der sich mitunter durch subjektiv empfundene Schönheitsmakel noch verstärken kann und im schlimmsten Fall in einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung mündet.
 
Vor allem das Vergleichen mit anderen Personen und die mediale Vermittlung von unrealistischen Schönheitsidealen führt häufig zu Unzufriedenheit und dem Verlangen nach Selbstoptimierung. Die körperliche Aufwertung durch Schönheitsoperationen stellt heutzutage kein Tabuthema mehr dar und wird nicht länger verpönt. Der Drang nicht altern zu wollen, perfekt auszusehen oder sozial akzeptiert zu werden ist für viele Menschen so groß, dass sie einen chirurgischen Eingriff dafür gerne in Kauf nehmen.

Besser, schneller, höher, schöner – so lautet das Credo unserer Gesellschaft

Was steckt wirklich hinter dem Wunsch nach optischer Veränderung?

Dem Bedürfnis nach einer ästhetischen Körperkorrektur geht oft auch ein Verlangen nach generellem Wohlbefinden voraus. Wenn subjektiv ein Schönheitsmakel empfunden wird, kann eine Korrektur durchaus Abhilfe schaffen und für Zufriedenheit bei den Betroffenen sorgen. Studien belegen, dass korrigierte Schönheitsmakel zu mehr Lebensqualität verhelfen können. Wenn das eigentliche Problem jedoch tiefer sitzt und psychische Schwierigkeiten der Auslöser für das Anliegen eines chirurgischen Eingriffes sind, gilt Vorsicht. Für Patienten, die an psychischen Krankheiten leiden, führt eine schönheitschirurgische Operation nicht automatisch zu einer Besserung des geistigen Zustandes.
 
Im Gegenteil: In vielen Fällen kann sich die mentale Verfassung bei unrealistischen Erwartungen, wie, dass nach dem Eingriff alle Probleme gelöst seien, deutlich verschlimmern. Es ist nicht unüblich, dass Chirurgen aus diesen Gründen vor dem Eingriff ein psychologisches Gutachten anfordern. Diese Maßnahme soll die Patienten davor bewahren, einen Fehler zu begehen, der nur schwer bis gar nicht rückgängig gemacht werden kann und Betroffene im schlimmsten Fall noch tiefer in psychische Probleme verstrickt.

Was sind die Motive für einen schönheitschirurgischen Eingriff?

Zu den häufigsten Gründen für eine Schönheitsoperation zählen: Anti-Aging – also das Entgegenwirken von alterungsbedingten Veränderungen, Eitelkeit, Körperkontrolle, Scham, Reduzierung von Minderwertigkeitskomplexen, starke Orientierung an Schönheitsidealen, Selbstzweifel und/oder soziale Akzeptanz. Mit einer Operation wird meist eine Erhöhung des Selbstwertes angestrebt. Des Weiteren werden oft positive Nebeneffekte, wie etwa bei der Job- oder Partnersuche, erwartet.

Während viele körperliche Unsicherheiten durch die Behebung eines vermeintlichen Schönheitsmakels ausgeglichen werden können, bleibt oft eine Reihe an Hoffnungen unerfüllt

Dass soziale Anerkennung aber nicht zwangsläufig mit der Beseitigung eines subjektiven ästhetischen Makels einhergeht, lassen viele Betroffene außer Acht. Während viele körperliche Unsicherheiten durch die Behebung eines vermeintlichen Schönheitsmakels ausgeglichen werden können, bleibt oft eine Reihe an Hoffnungen unerfüllt. Zu hohe oder unrealistische Erwartungen führen oft zu noch mehr Verzweiflung. Wenn nach der Operation der WOW-Effekt ausbleibt oder die Betroffenen sich im eigenen Körper nicht mehr wiedererkennen, kann das Patienten in ein tiefes Loch werfen. Wenn sich nach der Operation das Verhalten vom sozialen Umfeld nicht verändert hat, wird schnell klar, dass der vermeintliche Makel nicht das Problem und die Operation nicht die Lösung war.

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Neben der Fettabsaugung, Brustvergrößerung und Lidkorrektur zählen auch Nasenkorrekturen sowie Bauch- und Bruststraffungen zu den häufigsten Eingriffen. Ein praller Busen, straffe Haut und ein makelloses Gesicht ­– viele Schönheitsideale vermitteln eine unrealistische Vorstellung von Attraktivität und lösen den Wunsch nach einem perfekten Aussehen aus. Ein Gespräch mit einem Psychologen kann helfen, um herauszufinden, ob ein ästhetischer Eingriff das Wohlbefinden verbessern würde, oder ob die Unzufriedenheit anders aufgearbeitet werden muss.

Schönheit um jeden Preis – ist es das wert?

Da es sich bei der Schönheitsoperation um einen chirurgischen Eingriff handelt, der medizinisch nicht notwendig ist und lediglich zur Verschönerung dient, ist er nicht zu unterschätzten. Eine Operation bringt viele Risiken und zudem hohe Kosten mit sich. Erfahrungsgemäß bleibt es oft nicht bei einer Behandlung. Wenn man erst mal eine Steigerung der Lebensqualität durch einen erfolgreichen ersten Eingriff verzeichnet, kann sich dies schnell zu einer Sucht entwickeln. Deshalb sollte ein Eingriff nicht nur gut überlegt sein, sondern auch vorab ausführlich mit einem Spezialisten (Psychologen und/oder Facharzt der Ästhetischen und Plastischen Chirurgie) besprochen werden.

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Es ist und bleibt eine individuelle Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Studien zeigen, dass es sowohl äußerst positive Effekte, wie beispielsweise körperliche und seelische Besserung nach Schönheitsoperationen gibt, aber belegen auch, dass ästhetische Eingriffe keine tieferliegenden Probleme lösen können und für viele Menschen daher keine Langzeitlösung bieten.
 
Die Erwartungen und Ziele sollten vor der Operation realistisch gesetzt sein, um für den Patienten erfreuliche Ergebnisse zu erzielen. Bei unrealistischen Erwartungen sind Patienten meist noch unzufriedener als davor, was psychische Probleme wie Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken zur Folge haben kann. Der treibende Faktor hinter der Entscheidung für oder gegen eine Schönheitsoperation sollte immer das eigene Bedürfnis und nicht das soziale Umfeld sein.

Der treibende Faktor hinter der Entscheidung für oder gegen eine Schönheitsoperation sollte immer das eigene Bedürfnis und nicht das soziale Umfeld sein

Your body – your choice!

Unabhängig davon, ob man sich für oder gegen einen ästhetischen Eingriff entscheidet: Wichtig ist, dass man das Umfeld außen vor lässt, die Entscheidung für sich selbst trifft und sich selbst dabei wohlfühlt. Es ist und bleibt DEIN Körper, für den Du alleine die Verantwortung trägst.



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