Schnarchen? Hole dir Deinen erholsamen Schlaf zurück!

Im Durchschnitt schnarchen rund 60% der Männer und 40% der Frauen. Besonders hoch ist der Anteil bei den über 60-Jährigen. Es gibt unterschiedlichste Mittel, wie Du dem Schnarchen Einhalt gebieten kannst. Eine dieser Methoden ist die Schnarchschiene. Was es damit auf sich hat und mit welchen Tricks Du das Schnarchen generell vermeiden kannst, haben wir in diesem Blogpost für Dich.


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 29. Mai, 2020

Wenn der Schlaf flöten geht.

Grundsätzlich ist Schnarchen gesundheitlich unbedenklich, aber Beziehungen können unter lautem und regelmäßigem Schnarchen sehr leiden. Ein lautes Schnarchen kann bis zu 90 Dezibel erreichen, das ist tatsächlich so laut wie ein vorbeifahrender LKW. Partner von Schnarchern leiden daher oft durch die Geräuschkulisse unter nicht ausreichendem Schlaf.
 
Schnarchen kann kann die eigene Schlafqualität deutlich mindern
 
Schnarchen kann aber auch gefährlich werden, nämlich dann, wenn die Schlafqualität oder die Sauerstoffzufuhr beeinträchtigt wird. Bei einer sogenannten Schlafapnoe hat der Schnarchende nächtliche Atemaussetzer und das Gehirn wird nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Am Morgen danach fühlen sich die Betroffenen oft schwach und unkonzentriert. Auf Dauer kann der Sauerstoffmangel das Risiko für Herzerkrankungen, Altersdiabetes oder auch für einen Schlaganfall erhöhen. Zusätzlich können Depressionen oder Störungen des Sexualtriebs Folgen einer Schlafapnoe sein. Etwa 1,2 Mio. Deutsche leiden unter der Schlafapnoe.
 
Wenn Du Dich immer öfter nach dem Schlafen nicht ausgeruht fühlst oder Dein Partner auffälliges Schnarchen sogar bestätigen kann, könnten das Hinweise für eine Atemwegsstörung sein. Bleibt die Schlafapnoe über einen längeren Zeitraum unbehandelt, können schwerwiegende Folgeerkrankungen entstehen. Daher solltest Du bei einem Verdacht einen Arzt aufsuchen. Zahnärzte, Kieferorthopäden und HNO-Ärzte sind Spezialisten auf diesem Gebiet und können der Ursache Deines Schnarchens auf den Grund gehen. Eventuell wird Dein Schlafverhalten zusätzlich in einem Schlaflabor überprüft.

Welche Ursachen hat das Schnarchen?

Schnarchen entsteht meistens durch eine Verengung der Atemwege. Grund dafür kann das Erschlaffen des Zungenmuskels sein. Dabei sinkt die Zunge während des Schlafes in den Rachenraum zurück und verengt so den Luftweg. An den Engstellen kommt es schließlich zu Luftverwirbelungen und Vibrationen. Dadurch ergibt sich das Schnarchgeräusch. Diese Form des Schnarchens nennt sich Zungengrundschnarchen. Jedoch gibt es noch weitere Auslöser, die zum Schnarchen führen können:
 

  • Eine Verkrümmung der Nasenscheidewand
  • Allergien
  • Große Mandeln
  • Weicher Gaumen und großes Zäpfchen
  • Kiefer- oder Zahnfehlstellungen

Besonders anfällig für Schnarchen sind Personen, die zu Übergewicht neigen. Alkoholkonsum, Rauchen, aber auch Entspannungsmedikamente oder Schlaftabletten begünstigen Schnarchen ebenfalls. Auch beim Schlafen am Rücken, oder bei einer Schwangerschaft tritt Schnarchen häufiger auf. Mit zunehmendem Alter ist fast jeder zweite Erwachsene davon betroffen.

Was kann ich gegen das Schnarchen unternehmen?

Wenn Dir auffällt, dass Du häufig schnarchst, solltest Du Dein Problem ärztlich abklären lassen. Je nach Ursache gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die gegen Schnarchen helfen können. In manchen Fällen lässt sich Schnarchen nur mittels operativer Eingriffe, wie beispielsweise durch eine Mandeloperation oder Nasenscheidewand-Operation, beseitigen. Bei einer Schlafapnoe wird meist eine Therapie verschrieben. Durch ein nasales Atemgerät, welches mit Überdruck arbeitet, wird dem Schlafenden nachts Sauerstoff zugeführt. Das Atemgerät wird auch Schlafmaske bezeichnet und muss die ganze Nacht getragen werden. Der Nachteil einer Schlafmaske ist, dass sie von vielen Personen als sehr störend empfunden wird.
 
Fllt die Zunge während des Schlafens zu weit nach hinten, kann es zum Schnarchen kommen
 
Viele Patienten profitieren daher von einer Schnarchschiene. Das ist eine vom Zahnarzt individuell angepasste Aufbissschiene für den Ober- und Unterkiefer. Dabei wird der Unterkiefer leicht nach vorne geschoben, sodass Zunge und Gaumen verlagert werden. Die Atemwege sollen dadurch offenbleiben. Die Schnarchschiene sorgt für Spannung in Muskeln und Gewebe und verhindert dadurch die Vibration des vorher erschlafften Gewebes.

Welche Arten von Schnarchschienen gibt es und wie werden sie angewendet?

Schnarchschienen gibt es in verschiedenen Standardgrößen und bestehen aus unterschiedlich harten Kunststoffen. Die etwas teureren Modelle werden individuell angefertigt. Schnarchschienen gibt sie in Form von Monoblock-Schienen, diese bestehen aus einem Stück für Unter- und Oberkiefer. Eine weitere Form sind die Biblock-Schienen – das sind zwei getrennte Teilstücke für jeweils eine Kieferhälfte und sind damit um einiges flexibler. Zusätzlich gibt es noch „Boil and Bite“-Schienen, diese sind thermoplastisch verformbar.
 
Bei einem ausführlichen Gespräch mit Deinem Arzt kannst Du herausfinden, welche Schiene am ehesten für Dich geeignet ist. Obwohl sie recht teuer sind, sind individuell angepasste Schnarchschienen meist empfehlenswerter, da die richtige Anatomie eine wichtige Rolle für den Erfolg der Schnarchschiene spielt. Standardschienen gibt es zu einem günstigeren Preis auch schon im Internet zu kaufen.
 
In den meisten Fällen brauchst Du ein paar Tage, bis Du Dich an die Schiene gewöhnt hast. Häufige Nebenwirkungen sind anfangs ein Fremdkörpergefühl, ein trockener Mund oder Muskelschmerzen im Kiefer. Manchmal fallen auch vermehrter Speichelfluss und die Veränderung der Bissstellung auf.
 
Je nach Anschaffungskosten und Material ergibt sich auch die Lebensdauer einer Schiene. Bei günstigeren Modellen erschlafft das Material meist schneller und sie sind daher nur einige Monate in Verwendung. Bei einer Schnarchschiene vom Zahnarzt ist eine Nachjustierung jederzeit möglich und sie hält in der Regel zwischen 4 und 7 Jahren. Es wird empfohlen die Schnarchschiene ein- bis zweimal pro Woche mit einem speziellen Reinigungsmittel zu pflegen. Ansonsten sollte die Schiene immer nach dem Gebrauch unter fließend warmen Wasser gereinigt, mit einem sauberen Tuch getrocknet und in der dafür vorgesehene belüfteten Box aufbewahrt werden.

Für wen ist eine Schnarchschiene geeignet?

Eine Schnarchschiene ist nicht für jeden geeignet, aber eignet sich meistens dann, wenn Dein Schnarchen in der Rückenlage und bei Mundatmung auftritt. Sie ist nicht geeignet, wenn im Unterkiefer weniger als acht Zähne vorhanden sind oder ein chronischer Unterbiss besteht. Außerdem wird Patienten mit entzündetem Zahnfleisch meist abgeraten. Das gilt auch dann, wenn sich die Kieferknochen noch im Wachstum befinden.
 
Bedenken solltest Du auch, dass eine Schnarchschiene häufig nur zur Symptombehandlung hilft, aber nicht unbedingt die Ursache des Schnarchens bekämpft. Wird die Schiene abgesetzt, tritt das Schnarchen höchstwahrscheinlich wieder auf. Allerdings kann es in wenigen Fällen vorkommen, das Mund- und Rachengewebe durch langes Tragen der Schiene gestrafft werden und das Schnarchen verschwindet. Der langfristige Erfolg einer Schnarchschiene ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
 
Eine vom Zahnarzt auf den Patienten angepasste Schnarchschiene kann für einen erholsamen Schlaf sorgen

Welche weiteren Tipps gibt es gegen das Schnarchen?

  • Bei Übergewicht ist Abnehmen die wirksamste Methode gegen Schnarchen. Mit den Kilos schwindet auch das Fett im Halsbereich, welches das Schnarchen fördert.
  • Verzichte 1 – 2 Stunden vor dem Schlafengehen auf Alkohol. Denn dieser reduziert die Atmungsaktivität
  • Versuche auf dem Bauch bzw. in Seitenlage zu schlafen
  • Erlerne ein Blasinstrument, das trainiert Deine Rachen- und Gaumenmuskulatur

Wie viel kostet eine Schnarchschiene und zahlen die Krankenkassen einen Teil?

Günstige Standard-Schnarchschienen aus Kunststoff gibt es bereits zwischen 20 und 50€. Individuell an Dein Gebiss angepasste Schnarchschienen kosten je nach Zahnarzt zwischen 150-700€. Die Kosten für eine Schnarchschiene werden nur bedingt von den Krankenkassen übernommen. Wenn das Schnarchproblem aber medizinisch indiziert ist, werden je nach Ermessen sogar bis zu 100% von der Krankenkasse übernommen.
 
Die erste Anlaufstelle bei starkem Schnarchen ist auf jeden Fall immer der Arzt, denn dieser kann Dir wertvolle Tipps geben und vor allem herausfinden, was die genaue Ursache ist. Wir hoffen, dass Du bald wieder einen erholsamen Schlaf hast!



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