Mythen und Fakten über die weibliche Fruchtbarkeit

Der Kinderwunsch lässt manche Frauen verrückte Sachen anstellen. Umso länger die Schwangerschaft auf sich warten lässt, desto verzweifelter werden viele Frauen. Paare nehmen auf einmal die seltsamsten Dinge in Kauf, um ein Baby zu bekommen. Im Netz kursieren zahlreiche Ratschläge, die die Fruchtbarkeit erhöhen sollen. Darunter verstecken sich aber auch zahlreiche Mythen. Wir klären Dich über die spannendsten Themen rund um die Fruchtbarkeit auf.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 23. September, 2020

1. Bestimmte Stellungen oder ein Kopfstand nach dem Sex begünstigen die Befruchtung

Falsch. Im ersten Moment hört es sich logisch an, dass wenn die Beine angehoben werden, die Spermien einfacher in die Eierstöcke rutschen können. Dem ist aber nicht so. Denn das befruchtete Ei muss es danach auch noch in die Gebärmutter schaffen, für diesen Prozess wäre ein ziemlich langer Kopfstand nötig. Und selbst wenn Flüssigkeit aus der Scheide fließt, besteht kein Grund, beunruhigt zu sein. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Eiweiß und Vitamine. Nur ein Prozent des männlichen Samens ist fruchtbares Sperma.

2. Eine Schwangerschaft ist nur kurz vor oder nach dem Eisprung möglich.

Falsch. Das Zeitfenster zum Schwanger werden ist relativ klein, allerdings haben Spermien eine lange Ausdauer und können bis zu fünf Tage nach dem Samenerguss im weiblichen Körper überleben. Und auch Spermien die fünf Tage vor dem Eisprung in die Vagina gelangen, können tatsächlich noch ein Ei befruchten. Somit vergrößert sich das Zeitfenster für eine Schwangerschaft deutlich.

Die fruchtbare Phase ist bei jeder Frau unterschiedlich.

3. Bei Frauen sinkt mit dem Alter die Fruchtbarkeit, Männer hingegen können bis ins hohe Alter Vater werden.

Falsch. Rein biologisch betrachtet, ist das fruchtbarste Alter einer Frau zwischen 20 und 29 Jahren. Aber auch bei Männern geht das Älterwerden nicht schonungslos vorüber. Mit dem Alter eines Mannes nimmt auch die Zahl der beweglichen Spermien kontinuierlich ab. Sie schwimmen weniger geradeaus und kommen dadurch nicht so gut voran. Ein unerfüllter Kinderwunsch muss daher nicht immer an der Frau scheitern.

4. Sobald man den Kinderwunsch aufgibt, wird man schwanger.

Falsch. Ein unverkrampfter Umgang mit dem Kinderwunsch ist nicht verkehrt, jedoch gibt es keine Beweise dafür, dass eine gelassene Haltung die Fruchtbarkeit erhöht. Eine groß angelegte Studie untersuchte, ob Frauen, die aufgrund eines unerfüllten Kinderwunsches, ein Kind adoptieren, anschließend prompt selbst schwanger wurden. Dies geschah jedoch nur bei dreien von hundert. Grundsätzlich liegt die Schwangerschaftsrate bei Adoptiveltern zudem niedriger als in der übrigen Bevölkerung.

5. Stress macht unfruchtbar.

Falsch. Es gibt nur wenig solide Studien, ob Stress die Fruchtbarkeit beeinflusst. Noch gibt es keine Beweise dafür, dass ein stressiges Leben den Kinderwunsch unerfüllt lässt. Dafür sind jedoch Paare, die vergeblich versuchen ein Baby zu bekommen deutlich gestresster. Frauen haben dann im Schnitt mehr Cortisol im Blut als jene, die mühelos empfangen. Die Daueranspannung kann zu einem anderen Verhalten und anderen Lebensweise führen, die wiederum auch die Fruchtbarkeit beeinflussen können.

6. Nach dem Absetzen der Pille braucht die Frau länger, um schwanger zu werden.

Falsch. Auch nach dem Absetzen der Pille kann eine Frau genauso schnell schwanger werden wie etwa Frauen, die vorher nur ein Kondom benutzt haben. Während der Übergangsphase kann es bei manchen Frauen einige Zeit dauern, bis sich der Hormonhaushalt und die Periode wieder richtig einpendelt. Die Fruchtbarkeit wird davon allerdings nicht beeinflusst. Auch dass Frauen danach besonders schnell schwanger werden, ist ebenfalls ein Mythos.

7. Rauchen schadet der Fruchtbarkeit.

Wahr. Zigarettenkonsum wirkt sich negativ auf das Wachstum der Eibläschen und auf die Eizellen aus. Außerdem nimmt die Konzentration der Hormone Östradiol und Progesteron ab, welche beide wichtig für die Einnistung der Eizellen sind. Frauen, die rauchen, brauchen deshalb oft deutlich länger um schwanger zu werden. Und auch bei der künstlichen Befruchtung benötigen rauchende Frauen oft doppelt so viele Zyklen, um schwanger zu werden wie Nichtraucherinnen. Noch dazu setzt bei Raucherinnen die Menopause bis zu vier Jahre früher ein, was sie früher unfruchtbar werden lässt.

Viele Paare hegen einen Kinderwunsch, doch manchmal klappt es nicht so einfach, wie man gerne möchte.

8. Die Chancen auf ein Baby steigen, wenn man die Ernährung umstellt

Wahr & falsch. Ob die zusätzliche Einnahme von Vitaminen oder Spurenelemente die Fruchtbarkeit positiv beeinflusst, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Somit hat auch eine gesunde Ernährung keinen direkten Einfluss auf die Fruchtbarkeit einer Frau. Allerdings können sich Unter- oder Übergewicht negativ auf die Fruchtbarkeit einer Frau auswirken. So werden bei extrem untergewichtigen Frauen die Eierstöcke nicht mehr stimuliert, der Zyklus und die Regelblutung fallen daher aus. Hingegen produzieren übergewichtige Frauen im Fettgewebe mehr männliche Hormone, was ebenfalls zum häufigen Ausbleiben von Eisprung und Periode führen kann.

9. Bei Geschlechtsverkehr während der Periode kann man nicht schwanger werden.

Falsch. Es ist zwar relativ unwahrscheinlich während der Periode schwanger zu werden, aber nicht unmöglich. Die Frau ist in den Tagen vor und um den Eisprung herum fruchtbar. Wenn ihr Zyklus kurz ist, dann kann der Eisprung unmittelbar nach der Periode stattfinden. Aufgrund der Lebensdauer der Spermien kann dies zu einer Schwangerschaft führen. In diesem Fall ist die Frau zu einem frühen Zeitpunkt des Zyklus, wenn die Menstruation noch nicht abgeschlossen ist, fruchtbar.

10. Hustensaft erhöht die Chancen, schwanger zu werden.

Wahr. Obwohl dieser Mythos wie ein Märchen klingt, ist er wahr. Das Hausmittel kann tatsächlich unterstützend wirken, denn schleimlösender Hustensaft lockert den Zervixschleim auf und macht ihn so für Spermien empfänglich. Der Zervixschleim im Scheidenausfluss ist ein wichtiger Faktor, um schwanger zu werden. Die meiste Zeit verhindert er, dass Keime und somit auch Spermien in die Gebärmutter eindringen. Um die Zeit des Eisprungs verändert sich aber seine Konsistenz und Aufgabe: Das Sekret wird flüssig und klar und lässt die Spermien passieren.
 
Wir hoffen, dass wir Dir etwas Klarheit beim Thema “Fruchtbarkeit” verschaffen konnten und hoffen, dass Dein Kinderwunsch bald in Erfüllung geht!



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