Mythen rund um die Zahngesundheit – Teil II

Vor wenigen Tagen haben wir Dir ein paar der gängigsten Mythen rund um die Zahngesundheit vorgestellt. Wie angekündigt, war dies jedoch längst nicht alles. Auch in Teil zwei beschäftigen wir uns für Dich mit bekannten Mythen und prüfen diese auf ihren Wahrheitsgehalt. Den ersten Teil haben wir zum Schluss des Beitrages nochmals verlinkt!


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Zuletzt aktualisiert: 25. September, 2020

Kaffee, Schwarztee und Fluorid schaden Deinen Zähnen

Der Mythos, dass schwarzer Tee oder Kaffee schädlich für die Zähne sind, stimmt nicht. Schwarztee ist sogar gesund für den Zahnschmelz und die Mundflora, da er Fluorid und Tannine enthält. Tannine sind Bitterstoffe, die das Enzym Amylase hemmen, welches im Speichel vorkommt und Stärke zu Zucker umwandelt. Tannine wirken damit außerdem der Vermehrung von karies- und mundgeruchfördernden Bakterien entgegen. Kaffee und Schwarztee sind also nicht schädlich, jedoch können sie Deine Zähne dunkel färben, weshalb eine gründliche und regelmäßige Mundhygiene umso wichtiger ist.
 
Ein weiterer Mythos besagt, dass Fluoride schädlich für Zähne und Gesundheit sind. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Eine konsequente Zahnpflege und eine ausgewogene Ernährung reichen nicht aus, um die Zähne vor Karies zu schützen. Fluorid schützt den Abbau von Mineralien aus dem Zahnschmelz und fördert gleichzeitig den Wiedereinbau von Mineralien in den Zahnschmelz. Fluoride sind also ein essenzieller Bestandteil einer guten Zahnpflege, da sie die Entstehung von Karies verringern. Fluoride können zum Beispiel durch entsprechende Zahnpasten oder spezielle Tabletten zugeführt werden.

Der Mythos, dass schwarzer Tee oder Kaffee schädlich für die Zähne sind, stimmt nicht

Nicht nur eine zu geringe Aufnahme von Fluorid, sondern auch eine Überdosierung kann Deine Zähne schwächen. Zu viel Fluorid ist zwar nicht gefährlich für Dich und Deinen Körper, dennoch spüren Deine Zähne die Auswirkungen. Bei einer Überdosierung an Fluorid können sich weiße Flecken auf Deinen Zähnen bilden (Zahnfluorose). Besonders bei Kindern ist oft eine Zahnfluorose festzustellen, weshalb es eigens Kinderzahnpasten mit einem angepassten Fluoridgehalt gibt.

Alles halb so schlimm?

Zahnfleischbluten kann ignoriert werden, Zähneknirschen ist harmlos und ein Besuch beim Zahnarzt ist erst notwendig, wenn es wehtut. Menschen, die diese Mythen glauben, schaden ihren Zähnen dadurch umso mehr. Schmerzen im Mund sind ein klarer Hinweis darauf, dass Probleme schon weit fortgeschritten sind. Du solltest mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt – wenn Du die Mundhygiene zu Hause nicht so ernst nimmst oder häufiger Probleme mit Deinen Zähnen hast, solltest Du den Zahnarzt zumindest zweimal im Jahr aufsuchen. Neben Schmerzen können auch Zahnfleischbluten oder Zähneknirschen ein Warnhinweis von Deinem Körper sein.
 
Blutendes Zahnfleisch ist oft ein Zeichen für Verletzungen des Zahnfleischs durch falsches Zähneputzen oder für eine Entzündung des Zahnfleischs oder des Zahnhalteapparats (Parodontitis). Bei erstmaligen oder seltenen Gebrauch von Zahnseide oder Interdentalbürsten kann es auch zu Blutungen des Zahnfleischs kommen. Diese sind jedoch unbedenklich, solange sie bei dauerhafter Anwendung verschwinden. Auch Zähneknirschen sollte nicht ignoriert werden, da dabei Schäden an Deinen Zähnen entstehen können. Unter anderem kann Zähneknirschen Risse im Zahnschmelz, Entzündungen der Kiefergelenke, Kopfschmerzen oder Nackenschmerzen verursachen. Oft sind Stress, Ängste, Depressionen oder veränderte Zahnstellungen Ursache für dieses Problem.

Süßes sonst gibt’s Karies – alle süßen Mythen auf einen Blick

Viele Lebensmittel werben damit, dass sie keinen Zucker enthalten. Solche Produkte enthalten in vielen Fällen dann einfach andere Formen von Zucker, nämlich Glukose (Traubenzucker), Glukosesirup, Fruktose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker) oder Maltose (Malzzucker). Auch diese Substanzen können Karies fördern, weshalb Du auf versteckte Zucker in Nahrungsmittel achten solltest. Die meisten Menschen nehmen an, dass Zucker die Zähne regelrecht auffrisst und Auslöser für Karies ist. Doch das stimmt nicht so ganz. Der Hauptgrund für Karies ist nicht der Zucker selbst, sondern die Bakterien, die sich auf den Zähnen befinden. Zucker dient Kariesbakterien als Nahrung und wird von Fäulnisbakterien in Säuren umgewandelt, die den Zahnschmelz direkt angreifen und eine Entstehung von Karies begünstigen.

Zucker dient Kariesbakterien als Nahrung und wird von Fäulnisbakterien in Säuren umgewandelt, die den Zahnschmelz direkt angreifen und eine Entstehung von Karies begünstigen

Ein weiterer Mythos ist, dass nur Süßes den Zähnen schadet. Um Übergewicht und Zahnschäden vorzubeugen, sollte mit Zucker auf jeden Fall sparsam umgegangen werden. Doch auch Saures ist schädlich für die Zähne, wie etwa die Zitronensäure, die in vielen Lebensmitteln versteckt ist und als besonders aggressiv gilt. Eine sehr aggressive und in vielen Lebensmitteln versteckte Säure, ist die Zitronensäure.

Gesunde Zähne in der Kindheit

Der beste Weg, um die Wahrscheinlichkeit auf gesunde Zähne im Erwachsenenalter zu erhöhen, ist, bereits im Kindesalter auf eine gründliche und regelmäßige Zahnpflege zu achten. Viele sind der Meinung, dass die Pflege von Milchzähnen vernachlässigt werden kann, da diese nach ein paar Jahren sowieso ausfallen und vorhandener Karies dadurch automatisch der Vergangenheit angehört. Doch ist der Milchzahn erst einmal von Karies befallen, können sich die Kariesbakterien vermehren und sogar die später durchbrechenden bleibenden Zähne angreifen. Wenn Milchzähne aufgrund von Karies frühzeitig ausfallen, kann es sein, dass die nachkommenden Zähne schief oder ungünstig durchbrechen und dadurch Zahnfehlstellungen entstehen. Deshalb ist es wichtig, die ersten Zähne von Anfang an zu reinigen. Für die Zähne von Babys gibt es dafür spezielle Babyzahnbürsten.
 
Eltern, deren Zähne nicht im besten Zustand sind, können aufatmen. Der Mythos, dass Karies und schlechte Zähne vererbbar sind, stimmt nicht ganz. Karies kann nicht direkt vererbt werden, da es sich dabei um eine Infektionskrankheit handelt. Jedoch können Faktoren, die Karies begünstigen, weitervererbt werden. Dazu gehören unter anderem die Speichelflussrate, die Mineralienzusammensetzung des Speichels und der pH-Wert im Mund. Zahnform- und Zahnstellung sowie Fehlbildungen der Zahnhartsubstanz können ebenfalls erblich bedingt sein, doch der genetische Faktor ist nicht die einzige Ursache für Zahnerkrankungen. Wie hoch das Risiko für Zahnerkrankungen ist, kannst Du durch Dein eigenes Verhalten stark beeinflussen, auch wenn Deine Eltern nicht die besten und gesündesten Zähne haben. Ebenfalls sind Eltern mit perfekten Zähnen keine Garantie dafür, ebenfalls gesunde Zähne zu haben.
 
Der Mythos, dass jede Schwangerschaft einen Zahn kostet, ist wohl der absurdeste von allen. Zwar ist eine besonders sorgfältige Zahn- und Mundhygiene in der Schwangerschaft wichtig, doch gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Kinder und der verlorenen Zähne. Durch die Hormonumstellung wird das Zahnfleisch stärker durchblutet, ist besonders empfindlich und manchmal auch angeschwollen. Um Entzündungen des Zahnfleischs, eine sogenannte Schwangerschaftsgingivitis, zu vermeiden, ist eine gute Pflege mit einer weichen Zahnbürste, Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten essenziell.

Der Mythos, dass jede Schwangerschaft einen Zahn kostet, ist wohl der absurdeste von allen

Oft ist es schwierig, einzuschätzen, ob es sich bei bestimmten Aussagen um einen Mythos handelt, oder ob doch etwas Wahres dahinter steckt. Deswegen empfehlen wir, einfach mit Deinem Zahnarzt zu sprechen, der beantwortet Dir gern alle Fragen rund um die richtige Zahnpflege und klärt Dich über Fakten und Mythen auf.
 
Hier findest Du Teil I der Mythen rund um die Zahngesundheit!



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