Mythen rund um die Zahngesundheit – Teil I

Über die richtige Pflege der Zähne ranken sich viele Mythen und Halbwahrheiten. Auch wenn viele dieser Gerüchte durchaus plausibel erscheinen, gibt es einige, die ziemlich absurd klingen und dennoch von vielen Menschen geglaubt und verbreitet werden und dadurch zu falschen Angewohnheiten bei der Mundhygiene führen können. Wir haben uns für Dich mit verschiedenen Mythen rund um die Zahngesundheit beschäftigt und räumen hinter den gängigsten Gerüchten auf.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 25. Februar, 2020

Äpfel, Kaugummis und Mundspülung als Ersatz für die Zahnbürste

Du hast gerade etwas gegessen, bist aber unterwegs und kannst deswegen Deine Zähne nicht putzen? Viele Menschen greifen in einer solchen Situation gerne zum Apfel, zur Mundspülung oder zu Kaugummis – im Glauben, einen äquivalenten Ersatz zur Zahnbürste gefunden zu haben. Doch nichts davon ist eine Alternative zum Zähneputzen, auch nicht zuckerfreie Zahnpflegekaugummis. Im Gegenteil! So enthalten Äpfel Säure und Fruchtzucker und manche Zahnpflegekaugummis Zitronensäure, welche den Zahnschmelz schwächen kann.

Zuckerfreie Kaugummis können das Putzen zwar nicht ersetzen, dafür aber eine gute Mundhygiene unterstützen und die Zahngesundheit fördern, da beim Kauen Speichel produziert wird, der die Säure im Mund neutralisiert. Äpfeln wird häufig attestiert, Karies zu verhindern. Zwar ist es korrekt, dass der Verzehr von harten Lebensmitteln, wie Äpfeln oder Karotten, die oberen Beläge auf den Zähnen abreiben können, die schädlichen bakteriellen Zahnbeläge kannst Du jedoch nur mit Zahnbürste und Zahnseide entfernen. Auch Mundspülungen können zwar dank verschiedener Wirkstoffe zu einer guten Mundhygiene beitragen, doch sind auch Mundspülungen kein Ersatz fürs Zähneputzen, sondern sollten nur als ergänzende Maßnahme verwendet werden.

Äpfel sind keine Alternative zum Zähneputzen

Richtiges Zähneputzen leicht gemacht

Die Tatsache, dass man bei hartnäckigen Flecken oft einfach nur fest schrubben braucht, um diese zu entfernen, lässt sich leider nicht auf das Zähneputzen übertragen – auch wenn das ein weitverbreiteter Irrglaube ist. Beim Zähneputzen solltest Du vorsichtig sein, denn zu viel Kraft oder zu harte Borsten schaden Zähnen, Zahnschmelz und Zahnfleisch. Das Zahnfleisch kann sich durch den Druck zurückziehen, was freiliegende Zahnhälse, ein verletztes Zahnfleisch und einen geschädigten Zahnschmelz zur Folge haben kann. Ist der Zahnschmelz abgetragen, schimmert das darunter liegende Dentin durch und die Zähne sehen gelblich statt weiß aus und weitere Verfärbungen kommen eventuell noch dazu. Um saubere und gesunde Zähne zu bekommen, ist also die Technik entscheidend und nicht, wie viel Druck ausgeübt wird.

Zur richtigen Technik gehört auch, wie lange Du die Zähne putzt. Damit sind wir bei einem weiteren Mythos, der besagt, dass zwei bis drei Minuten Zähneputzen ausreichen. Diese pauschale Aussage kann auf Dich zutreffen, muss aber nicht, da die individuelle Situation im Mund bei jedem anders ist. Es gibt Menschen, bei denen zwei Minuten ausreichen, andere sollten wiederum fünf Minuten für ihre Zahnreinigung aufwenden. Wichtig ist, dass Du die bakterielle Plaque entfernst und auch die Zwischenräume mit Zahnseide und Interdentalbürsten säuberst, um Approximalkaries vorzubeugen.

Wie viel Zeit jeder einzelne in seine Mundhygiene investieren sollte, kann unter anderem von der Anzahl der Zähne, der Zahnstellung, einem vorhandenen Zahnersatz oder der persönlichen Geschicklichkeit abhängen. Und um mit noch einem Mythos zur korrekten Zahnpflege aufzuräumen: Zahnseide unbedingt vor dem Zähneputzen verwenden und nicht erst danach. Die Zahnseide bringt Essensreste aus den Zahnzwischenräumen zum Vorschein, deren Bakterien sich dann an den Zähnen festsetzen. Benutzt Du die Zahnseide also vorher, kannst Du diese Essensreste ganz einfach beim Zähneputzen entfernen.

Eine weitverbreitete Meinung ist, dass Du die Zähne sofort nach dem Essen putzen solltest

Eine weitverbreitete Meinung ist, dass Du die Zähne sofort nach dem Essen putzen solltest. Zwar ist es wichtig, dass Du Deine Zähne nach dem Essen säuberst, aber eben nicht direkt danach. Viele Getränke und Lebensmittel enthalten Säuren, die den Zahnschmelz vorübergehend aufweichen und empfindlicher machen. Dieser Prozess ist als Entmineralisierung bekannt. Ein aufgeweichter Zahnschmelz lässt sich beim Zähneputzen leichter abgetragen und Karies somit mehr Angriffsfläche bieten. Wir empfehlen deshalb, nach dem Essen den Mund nur gründlich zu spülen und mindestens eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen zu warten. So lange braucht der Speichel in etwa, um die Säure im Mund zu neutralisieren, und es setzt automatisch der Remineralisierungsprozess ein, bei dem sich der Zahnschmelz wieder aufbaut.

Das richtige Equipment

Nicht nur die richtige Technik ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche und effektive Zahnreinigung, sondern auch das Equipment. Zu diesem Bereich gibt es ebenfalls viele Mythen. Beispielsweise sollen Weißmacher-Zahncremes gut für jeden Tag sein und es soll egal sein, welche Zahnpasta und Zahnbürste verwendet werden. Stimmt jedoch alles nicht so ganz.
Weißmacher-Zahncremes eignen sich auf keinen Fall für den täglichen Gebrauch, da durch den hohen RDA-Wert, der den Abrieb angibt, Schäden an der Zahnhartsubstanz entstehen können.

Auch normale Zahnpasten haben verschieden hohe RDA-Werte und Inhaltsstoffe, die für jede Person unterschiedlich geeignet sind. Bei empfindlichen Zähnen empfiehlt sich beispielsweise eine Zahnpasta mit geringem RDA-Wert und speziellen Inhaltsstoffen, die Beschwerden lindern können. Worauf Du bei der Auswahl einer Zahnpasta unbedingt achten solltest, ist, dass sie Fluorid enthält, da dieser Inhaltsstoff eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Karies spielt.

Den Kauf Deiner Zahnbürste solltest Du auch nicht dem Zufall überlassen. Es gibt zum Beispiel verschiedene Härtegrade und vor allem bei empfindlichen Zähnen ist es wichtig, dass Du eine weiche Zahnbürste verwendest. Zusätzlich gibt es noch elektrische Zahnbürsten, verschiedene Bürstenköpfe und verschieden angeordnete Borsten. Viele Menschen können sich scheinbar von ihren Zahnbürsten nur schwer trennen und tauschen diese erst aus, wenn die Borsten in alle Richtungen abstehen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum einer Zahnbürste, die so aussieht, ist längst überschritten. Die Zahnbürste, oder bei elektrischen Zahnbürsten der Bürstenkopf, solltest Du nach vier bis sechs Wochen wechseln.

Den Kauf Deiner Zahnbürste solltest Du auch nicht dem Zufall überlassen

Oft ist es schwierig, einzuschätzen, ob es sich bei bestimmten Aussagen um einen Mythos handelt oder ob doch etwas Wahres dahinter steckt. Deswegen empfehlen wir, einfach mit Deinem Zahnarzt zu sprechen, der beantwortet Dir gern alle Fragen rund um die richtige Zahnpflege und klärt Dich über Fakten und Mythen auf. Du denkst, dass dies alle Mythen waren? Weit gefehlt. In wenigen Tagen haben wir einen zweiten Teil für Dich, sei gespannt!



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