Mund auf! So hängen Mundgesundheit und Körper zusammen

Ein gesunder Mund ist eine wichtige Voraussetzung für einen gesunden Körper, zudem bilden gesunde Zähne oder eine gut sitzende Prothese die Grundlage für eine problemlose und schmerzfreie Nahrungsaufnahme. Sie ermöglichen eine verständliche Aussprache und spielen selbst im Alter noch eine kosmetische Rolle. In den letzten fünf bis zehn Jahren ist das Interesse an möglichen Zusammenhängen zwischen Mund- und Körpergesundheit gewachsen. Zahlreiche Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Karies beziehungsweise Parodontitis und anderen Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Erkrankung eines Zahns beschränkt sich daher nicht nur auf diesen selbst, sondern kann laut neuesten Erkenntnissen auch zu Schäden an anderen Bereichen des Körpers führen und umgekehrt.


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Zuletzt aktualisiert: 25. September, 2020

Welche Auswirkungen kann eine schlechte Mundhygiene auf den Körper haben?

Der Mund ist das Eingangstor zu unserem Körper und zahlreiche Bakterien und Viren gelangen dadurch auch in den menschlichen Organismus. Besonders beeinflusst davon können Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden. Eine Zahnfleischentzündung greift den Zahnhalteapparat an und baut diesen schleichend ab. Das erleichtert es Bakterien und Mikroorganismen sich im Zahnfleisch einzunisten, was für eine andauernde Entzündung sorgt. Bei einer intensiven Zahnfleischentzündung kann der Blutkreislauf beeinflusst werden und schädigt über einen langen Zeitraum langsam die Blutgefäße in Herz und Gehirn, wodurch eine Grundlage für Gefäßverschlüsse entsteht.

Zu viel Zucker und Säure wirken sich negativ auf Deine Mundgesundheit aus.

Wieso leiden Parodontitis-Erkrankte häufiger an Herzkrankheiten?

Laut einer Studie der Universität Edinburgh besteht ein Zusammenhang zwischen der Zuckerkrankheit Diabetes und Parodontitis. Bei einer Diabeteserkrankung wird die Mikrozirkulation, also die Durchblutung kleinster Blutgefäße, gestört. Eine Folge dessen ist das häufige Auftreten von Parodontitis. Die Behandlung der Parodontitis soll die Entzündung des Blutzuckerspiegels nun reduzieren. Entzündungen im Mund können die Einstellung der Blutzuckerwerte beeinflussen, so kommt es oft zu unerwünschten Schwankungen. Oftmals sind Diabetes-Patienten nach einer Parodontose Beseitigung besser auf ihre Behandlung einstellbar. Ein rechtzeitiges Eingreifen und eine gute Mundhygiene können Folgeschäden wie Herzerkrankungen verhindern.

Neben Diabetes gibt es noch andere Krankheiten, die im Zusammenhang mit Erkrankungen im Mund stehen

Parodontitis kann eine Herz-Kreislauf-Erkrankung begünstigen. Liegt diese vor, kann es zu einem verminderten Speichelfluss kommen, der zu Mundtrockenheit führt. Damit steigt das Risiko für Karies, da sich Bakterien ohne die reinigende Funktion des Speichels leichter im Mundraum vermehren. In diesem Fall können zuckerfreie Bonbons aus Anis, Fenchel oder Salbei oder das Trinken von Zitronenwasser den Speichelfluss anregen.
 
Ebenfalls können Zahnerkrankungen in Zusammenhang mit Schlaganfällen stehen. Infolge eines Schlaganfalls ist oftmals die Bewegungs- und Schluckfähigkeit beeinträchtigt und damit die Fähigkeit zur selbstständigen Zahnpflege stark eingeschränkt, sodass Betroffene auf Unterstützung bei der Mundhygiene angewiesen sind.
 
Laut einer Studie aus den USA besteht auch eine Beziehung zwischen Parodontitis und Rheuma. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bei Rheuma-Patienten, die ihre Parodontitis konsequent behandeln, auch die Entzündungsmarker im Blut sinken.
 
Weitere Studien bringen Fettleibigkeit mit Zahnfleischerkrankungen in Verbindung. Die Forscher kamen zu dem Entschluss, dass bei vorhandener Parodontitis auch das Körperfett schneller fortschritt.
 
Bei Parkinson leidet oftmals die Mundhygiene mit, da die Patienten häufig in ihrer Feinmotorik eingeschränkt sind. Durch das Zittern ihrer Hände ist die selbstständige Zahnpflege meist beeinträchtigt. Die Zahnbürste kann nicht so gut gehalten und bewegt werden, eventuell erschweren Schluckstörungen die Reinigung zusätzlich. Auch in diesem Fall benötigen Betroffene Hilfe bei der täglichen Mundhygiene.
 
Und auch bei einem zunehmenden Stadium der Demenz ist eine ausreichende Mundhygiene manchmal nicht mehr gewährleistet. Alltägliche Dinge, wie die Fähigkeit zum eigenständigen Zähneputzen, nimmt mit fortschreitender Erkrankung immer weiter ab. Die Folge sind Karies und Co.
 
Regelmäßige Zahnarztbesuche helfen, verschiedenste Erkrankungen vorzubeugen.

Wie kann sich ein erkrankter Zahn auf meinen Körper auswirken?

Neben Krankheiten, die eine Zahnentzündung begünstigen, können auch Symptome wie Nacken-, Rücken- oder Kopfschmerzen sowie Ohrgeräusche, genannt Tinnitus, durch Zahnprobleme ausgelöst werden. Ursache für die genannten Beschwerden ist meistens eine Störung des Kiefergelenks. Aber auch Unverträglichkeitsreaktionen auf Dentalmaterialien (Plomben, Zahnspangen, Prothesen, etc.) können allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Allergienoder chronische Abwehrschwächen verursachen.
 
Langwierige Zahnerkrankungen, oder wenn der Zahnarztbesuch zu lange hinausgezögert wurde, kann schwere Folgen haben und chronische Entzündungen im Bereich der Zähne und im Kiefer können entstehen. Andauernde Zahnschmerzen können die generelle Leistungsfähigkeit erheblich reduzieren.

Kann sich schlechte Mundgesundheit auch auf Schwangere auswirken?

Nicht nur Personen mit Vorerkrankung oder unzureichender Mundhygiene sind von den Wechselwirkungen zwischen Zahn und Körper betroffen. Neueste Erkenntnisse sehen einen weiteren Zusammenhang zwischen Parodontitis und untergewichtigen Frühgeburten. Die Prävention von Zahnerkrankungen sollte auch bei werdenden Müttern nicht zu kurz kommen. Durch eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung ist auch während einer Schwangerschaft nichts einzuwenden.
 
Bei vielen Frauen treten hormonell bedingt auch Zahnfleischerkrankungen im zweiten Drittel ihrer Schwangerschaft auf. Diese klingen in der Regel problemlos ab. Dennoch sollte man die Gingivitis beobachten, denn unbehandelte Zahnfleischentzündungen können sich auch zu Zahnfleisch-Tumoren entwickeln.
 
Um eine problemlose Schwangerschaft zu garantieren, sind umfassende Untersuchungen vor und während der Schwangerschaft zu empfehlen. Somit kann ein Risiko für Zahnfleischerkrankungen schon frühzeitig ausgeschlossen werden.

Viel Flüssigkeit hilft, den Speichelfluss anzuregen und Bakterien aus dem Mundraum zu spülen.

10 Tipps, um Deinen Mund gesund zu halten:

 

  1. Achte auf eine tägliche Mundhygiene. Das tägliche Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide sind wichtiger, als Du vielleicht denkst. Putze Deine Zähne mindestens zweimal täglich und verwende eine Fluorid-Zahnpasta.
  2. Benutze zusätzlich Mundspülungen, um Speisereste und Beläge zu entfernen, die nach dem Zähneputzen und Reinigen mit Zahnseide zurückgeblieben sind. Beachte aber, dass eine Mundspülung niemals das Zähneputzen ersetzen kann.
  3. Beschränke Deinen Konsum von Zucker, da dieser bekanntlich schneller Karies verursacht.
  4. Verwende Deine Zahnbürste nicht länger als drei Monate und wechsle sie immer, wenn die Borsten gespreizt oder abgenutzt sind oder nachdem Du krank warst.
  5. Gehe regelmäßig zum Zahnarzt und nimm im Bedarfsfall auch eine Mundhygiene Behandlung in Anspruch.
  6. Trinke viel! Eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit trägt dazu bei, den Speichelfluss anzuregen. Dadurch werden Bakterien abtransportiert, Mundtrockenheit wird vermieden und somit auch das Kariesrisiko verringert. Empfohlen ist eine Trinkmenge von mindestens 2 Litern pro Tag, am besten eignen sich Wasser oder ungesüßte Tees.
  7. Auch säurehaltige Lebensmittel solltest Du mit Bedacht konsumieren. Lebensmittel wie Wein, Fruchtsäfte und Softdrinks können Deinen Zahnschmelz lösen. Zudem solltest Du nicht direkt nach dem Konsum von säurehaltigen Getränken Deine Zähne putzen.
  8. Zuckerfreie Bonbons aus Anis, Fenchel oder Salbei können den Speichelfluss anregen und somit dazu beitragen, den Säuregehalt im Mund zu neutralisieren. Ebenfalls kann zuckerfreier Kaugummi nach dem Essen seine Arbeit tun.
  9. Deine Mahlzeit muss nicht immer püriert oder weich gekocht sein. Durch die Kautätigkeit bleibt Dein Kauapparat beweglich, der Speichelfluss wird gefördert und Deine Zähne und Zahnfleisch werden dadurch gestärkt.
  10. Vermeide Tabak. Rauchen ist ein typischer Risikofaktor für Entzündungen des Zahnhalteapparates und des Zahnfleisches. Ebenfalls setzt bei Rauchern eine Parodontitis häufig früher ein als bei Nichtrauchern und der Heilungsprozess verläuft schlechter, vor allem dann, weiter geraucht wird.


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