Interessante Fakten rund um die Narkose

Wir erklären Dir im heutigen Blog, wie eine Narkose abläuft und was dabei mit Deinem Körper passiert.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 6. August, 2019

Die Narkose ist aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken. Bei diversen Behandlungen erhält der Patient entweder eine Vollnarkose, eine örtliche Betäubung oder wird in einen Dämmerschlaf versetzt, um die Operation oder den möglichen schmerzhaften Eingriff nicht bewusst miterleben zu müssen und angst- sowie stressfrei durchlaufen zu können. Wir erklären Dir im heutigen Blog, wie eine Narkose abläuft und was dabei mit Deinem Körper passiert. Zudem gibt Dr. Wolfgang Klug, Facharzt für Anästhesie und Intensivemedizin, von “meine Anästhesie” einen Expertentipp ab, welcher Dir die Angst vor der Narkose etwas nehmen soll!

Die Geschichte der Narkose

Die Narkose wird in der Medizin auch als Anästhesie bezeichnet. Beide Begriffe kommen aus dem Altgriechischen: Narkose (narce = Starre) bedeutet „Schläfrigkeit“ oder „Betäubung“ und Anästhesie setzt sich aus „nicht“ und „Wahrnehmung“ zusammen und meint die Empfindungslosigkeit. Die Geschichte der Narkose geht bis in mittlere 19. Jahrhundert zurück. Der US-amerikanische Zahnarzt H. Wells experimentierte bereits 1844 mit Lachgas zur Schmerzunterdrückung beim Ziehen eines Weisheitszahns. Er ging mit seiner Entwicklung an die Öffentlichkeit und wollte in einem Bostoner Spital eine schmerzlose Zahnextraktion durchführen. Dieser Versuch ist jedoch misslungen und H. Wells wurde verspottet. Doch die Weiterentwicklung der Narkose war nicht mehr aufzuhalten: Wells ehemaligen Mitarbeiter W. Morton gelang 1846 die erste klinische Narkose und ein Jahr später führte J. Simpson in Edinburgh, Schottland Chloroform als Narkosemittel ein. Wenige Jahre später operierten alle Ärzte nur mehr unter Narkose.

Die Anästhesie in der heutigen Medizin

Aufgrund fortschrittlichster Technologien und modernster Medizin ist die Auswahl an verschiedenen Narkoseformen groß. Diese Tatsache ermöglicht es, auf den Patienten individuell einzugehen und ein maßgeschneidertes Konzept zu erstellen, um den Patienten möglichst schonend durch den Eingriff zu führen. Je nach Art und Größe des Eingriffes, kommt entweder ein regionalanästhesiologisches Verfahren (örtliche Betäubung) oder eine Allgemeinnarkose (Vollnarkose) zur Anwendung. Dabei geht der Arzt nach Möglichkeit auch auf Deinen Wunsch ein.

Bei einer Vollnarkose wirst Du in eine Art Tiefschlaf versetzt bei welchem sowohl Schmerzwahrnehmung als auch Bewusstsein ausgeschaltet sind. Der Anästhesist verabreicht Dir hierfür mehrere Medikamente, um diesen Zustand zu erreichen und überwacht die Vitalfunktionen wie Herzaktion, (Be)-Atmung sowie Blutdruck während der gesamten Operation. Die Vollnarkose wird vor allem bei größeren und lang andauernden Operationen angewandt, bei welchen es nicht möglich ist nur durch eine regionale Schmerzausschaltung zu operieren, wie beispielsweise Bauch- oder Brustoperationen.

Beim Dämmerschlaf oder der Sedierung wird mithilfe von Medikamenten das Schmerzempfinden und das Bewusstsein gedämpft. Dabei kannst Du selbstständig atmen und auf äußere Reize reagieren. Dein Anästhesist überwacht die Vitalwerte und kann bei Komplikationen eingreifen. Diese Methode wird häufig mit der örtlichen Betäubung kombiniert und findet in der Zahnmedizin oder in der inneren Medizin bei Darm- und Magenspiegelungen Anwendung.

Für die Lokalanästhesie oder örtliche Betäubung ist kein Anästhesist notwendig, da der behandelnde Arzt diese selbst injizieren darf. Die schmerzstillenden Medikamente werden direkt in die zu behandelnde Körperregion gespritzt und betäubt. Du bist bei vollem Bewusstsein und nimmst nur ein Taubheitsgefühl wahr. Dieses hält noch bis zu einigen Stunden nach der Behandlung an. Die Lokalanästhesie wird häufig in der Zahnmedizin eingesetzt.

Was bei einer Vollnarkose im Körper passiert

Die Vollnarkose oder Allgemein-Anästhesie schaltet die Schmerzempfindung, das Bewusstsein, die Abwehrreflexe und die Muskelspannung reversibel, also vorübergehend, aus. Der Anästhesist verabreicht Dir eine Kombination aus einem Schlafmittel, einem Schmerzmittel und manchmal auch Muskelrelaxantien (Mittel zur Erschlaffung der Muskulatur). Du wirst in einen schmerzunempfindlichen Tiefschlaf versetzt und mit einem Beatmungsschlauch  (Tubus) oder anderer Behelfe durch Nase oder Mund künstlich beatmet, da die natürlichen Reflexe Deines Körpers, wie Atmung, Schlucken oder Husten, vorübergehend stillgelegt wurden. Manche Patienten empfinden die Einleitung der Vollnarkose als unangenehmen Kontrollverlust, aber die meisten als entspanntes Einschlafen. Der Anästhesist überwacht während dem gesamten Eingriff Deine Vitalfunktionen, wie Puls, Blutdruck, Sauerstoffgehalt im Blut und die Lungenfunktion. Der Facharzt dosiert die Medikamente so, dass Du während der Operation nicht zu Bewusstsein kommst und nachher bald wieder aufwachst.

Dr. Wolfgang Klug, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin

In meiner jahrelangen Erfahrung als Anästhesist werde ich sehr häufig mit zwei Fragen konfontiert: “Bekomme ich trotz Narkose etwas von dem Eingriff mit?” und “Wache ich nach der Narkose auch wirklich wieder auf?”

Hier kann ich guten Gewissens sagen: Ich verwende ausschließlich kurz wirksame Narkosemedikamente, d.h. meine Patienten schlafen in der Regel sehr tief und werden aufgrund der guten Steuerbarkeit dieser Medikamente auch rasch wieder munter. Dies gewährleistet, dass man absolut nichts während der Operation mitbekommt und aufgrund der kurzen Wirkdauer der Medikamente im Regelfall auch rasch wieder aufwacht.

Der Verlauf einer Narkose

Im Vorfeld einer Operation wirst Du von einem Anästhesisten persönlich und umfangreich aufgeklärt, befragt und untersucht. Hierbei musst Du einige Formulare ausfüllen. Der Arzt macht sich ein Bild von Deinem allgemeinen Gesundheitszustand, um die Vollnarkose optimal vorbereiten zu können und individuell an Dich anzupassen. Nenne alle Medikamente, die Du regelmäßig nimmst, mögliche Allergien (auf Medikamente, Latex/Gummi, Nahrungsmittel) und Vorerkrankungen und halte relevante Befunde bereit. Der Anästhesist stellt Größe, Gewicht, Blutdruck und Puls fest, hört Dein Herz und Deine Lunge ab und inspiziert Deine allgemeine körperliche Verfassung.

Für den geplanten Eingriff unter Vollnarkose musst Du nüchtern sein. Bis sechs Stunden vorher darfst Du feste Nahrung und bis zwei Stunden vor dem Eingriff darfst Du Tee oder Wasser zu Dir nehmen. Es ist wichtig, dass Du nüchtern bist, um Erbrechen während der Narkose zu verhindern. Kurz vor der Behandlung besteht die Möglichkeit ein Beruhigungsmittel von Deinem Anästhesisten zu erhalten, um Stress und Angst zu mildern. Im Operationssaal angekommen, wird Dir eine Venenkanüle in den Handrücken oder in den Unterarm gelegt. Anschließend wirst Du an die Monitore zur Herz-Kreislaufüberwachung angeschlossen. Die Vollnarkose wird entweder mit Medikamenten intravenös oder über eine Atemmaske eingeleitet, ehe Du sanft einschläfst. Nach der Operation wirst Du in ein Aufwachzimmer gebracht, wo Deine Vitalfunktionen von den Ärzten beobachtet werden. Anschließend bringen Dich die Pfleger in Dein Zimmer oder Du darfst, je nach Behandlung, nach Hause gehen.

Risiken und Nebenwirkungen einer Narkose

Viele Patienten beunruhigt die Vorstellung des Kontrollverlustes über ihren Körper während einer Vollnarkose und dass sie anschließend nicht mehr aufwachen. Doch wir können Dich beruhigen, denn die Sterblichkeit bei einer Vollnarkose ist heute sehr gering. Es können Komplikationen während der Behandlung auftreten, wie eine Arzneimittelallergie, eine Medikamentennebenwirkung, Herz-Kreislauf-Probleme oder Verletzungen im Nasen-, Rachen- und Halsbereich durch den Beatmungsschlauch. Der Anästhesist überwacht Dich jedoch während dem gesamten Eingriff und sorgt für Deine Sicherheit. Schon während der Narkose bekommst Du ausreichend Schmerzmittel und eine Prophylaxe gegen Übelkeit, sodass Du schmerzfrei und ohne Erbrechen aufwachen wirst. Nach dem Aufwachen wirst Du möglicherweise ein Kältegefühl wahrnehmen. Diesem kann man aber durch ausreichende Wärmezufuhr nach der Operation entgegenwirken. Es ist äußerst wichtig, dass Du im Vorgespräch genaue und richtige Angaben zu Deinem Gesundheitszustand gibst, damit Dich die Ärzte optimal versorgen können. Solltest Du Dich trotzdem noch sorgen, dann kannst Du natürlich jederzeit mit Deinem Arzt und Anästhesisten darüber reden.

Weitere Informationen über Dr. Wolfgang Klug und “meine Anästhesie” findest Du hier!