Du schnarchst? Wir haben die Lösung!

Weltweit dringen nachts knatternde Geräusche aus den Schlafzimmern, die die Wände förmlich zum Wackeln bringen. Was sich oft anhört wie ein Sägewerk sind im Grunde genommen harmlose Atemgeräusche, die jedoch eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel erreichen können. Schnarchen an sich ist zwar keine Krankheit, trotzdem kann es die Betroffenen und deren Umfeld stark belasten. Dabei ist nicht nur der Schönheitsschlaf betroffen, sondern auch die Gesundheit, denn Schnarchen kann sowohl Ausdruck einer schwerwiegenden Erkrankung sein als auch gesundheitliche Störungen nach sich ziehen. Welche das ist und was Du gegen Schnarchen tun kannst, erfährst Du in diesem Beitrag, den wir gemeinsam mit PD Dr. med. Dr. med. dent. Christine Jacobsen, Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, erstellt haben.


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Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

CO-AUTOR

Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 11. November, 2020

Wie entsteht Schnarchen?

Schnarchen ist ein Atemgeräusch, das während des Schlafens in den oberen Luftwegen entsteht – diese reichen von der Nasenspitze bis zu den Stimmbändern. Das Schnarchen hat meist mehrere Ursachen, die sich oft sogar noch gegenseitig verstärken. Häufig stecken verengte Atemwege hinter dem Schnarchen. Wird der obere Atemweg nämlich eingeengt, bremst dies automatisch den Atemstrom ab und der notwendige Luftpolster hinter den Weichteilen wird kleiner. Diese beginnen in Folge zu vibrieren, was sich in den für uns typischen Schnarchgeräuschen äußert.
 
Häufig stecken verengte Atemwege hinter dem Schnarchen. Wird der obere Atemweg nämlich eingeengt, bremst dies automatisch den Atemstrom ab und der notwendige Luftpolster hinter den Weichteilen wird kleiner
 
Es gibt viele verschiedene Ursachen für das Schnarchen. Die sogenannten lokalen Ursachen liegen alle im Bereich der oberen Atemwege:
 

  • Im Bereich der Nase kann eine Behinderung der nasalen Atemwege vorliegen durch Schwellungen der Schleimhaut, meist der Nasenmuscheln (z.B. durch Allergien) oder weil die Nasenscheidewand gekrümmt ist.
  • Auch eine Vergrößerung von Gaumen-, Zungengrund-, Rachenmandeln oder Gaumenzäpfchen können die Atemwege verengen und Schnarchgeräusche auslösen. Bei Kindern sind häufig vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln die Ursache für Schnarchen.
  • Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Position des Kiefers. Bei einem zurückliegenden Oberkiefer oder Unterkiefer liegen der weiche Gaumen und die Zunge ebenfalls weit hinten, die Atemwege sind eng und Schnarchen ist nahezu immer ein Begleitsymptom.

Es gibt auch allgemeine oder systemische Faktoren, die Schnarchen begünstigen können:
 

  • Übergewicht durch Einlagerung von Fett, das heißt Zunahme der Masse im Bereich der oberen Atemwege.
  • Alkohol und verschiedene Medikamente, die die Muskelspannung schwächen. Das Gewebe ist dann „schlaffer“ und Schnarchen wird verstärkt.

Welche Auswirkungen hat Schnarchen auf die Gesundheit?

Es ist gut möglich, dass Du ein chronischer Schnarcher bist, Du Dir dessen aber nicht bewusst bist. Denn viele Betroffene erfahren erst von ihren nächtlichen Konzerten, wenn genervte Angehörige sie darauf ansprechen. Bist Du trotz einer ordentlichen Mütze voll Schlaf schlapp und müde, solltest Du herausfinden, ob Du schnarchst oder vielleicht sogar unter einem Sauerstoffmangel in der Nacht leidest. Denn Menschen, die regelmäßig schnarchen, sind am nächsten Tag oft weniger ausgeruht.
 
Schnarchen ist zwar in vielen Fällen harmlos, doch kann es auch eine Vorstufe für eine obstruktive Schlafapnoe darstellen. Dabei handelt es sich um eine ernsthafte Erkrankung, die mitunter lebensbedrohlich sein kann. Starke Schnarcher mit Sauerstoffabfall sind zudem anfälliger für Herzkreislauferkrankungen und das Risiko für einen Schlaganfall ist doppelt so hoch. Dies liegt am eingeschränkten Luftfluss während des Schnarchens, da die Blutgefäße durch den vorübergehenden Sauerstoffmangel und den permanent erhöhten Blutdruck Schaden nehmen können.
 
Deshalb ist eine genaue Analyse des Schnarchens umso wichtiger. Typische Symptome bei dieser Krankheit sind Tagesmüdigkeit, ein Druck im Kopf, ein trockener Mund, verstärktes Schwitzen in der Nacht, nächtliches Sodbrennen, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen. Bei morgendlichen Kopfschmerzen, Ein- und Durchschlafstörungen sowie einer Konzentrationsstörung oder Leistungsminderung besteht ebenfalls der Verdacht auf eine obstruktive Schlafapnoe.
 
Es ist gut möglich, dass Du ein chronischer Schnarcher bist, Du Dir dessen aber nicht bewusst bist. Denn viele Betroffene erfahren erst von ihren nächtlichen Konzerten, wenn genervte Angehörige sie darauf ansprechen

Die sanfte Art und Weise Schnarchen zu behandeln.

Grundsätzlich ist eine Behandlung des reinen Schnarchens aus medizinischer Sicht nicht zwingend notwendig. Da sich Schnarchen dennoch belastend auf den Alltag auswirken kann, suchen viele Betroffene medizinische Hilfe. Erste Lösungsversuche sollten dabei immer nicht- oder minimal-invasive Verfahren sein.
 
Bevor Du gemeinsam mit dem Arzt mit der Therapie Deines Schnarchens beginnst, kannst Du mit diesen Tipps versuchen, Dein Schnarchen selbst in den Griff zu bekommen:
 

  • Vermeidung von Schlafmitteln und abendlichem Alkoholkonsum
  • Nikotinverzicht
  • Einhaltung eines stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus mit entsprechende Schlafhygiene
  • Gewichtsreduktion für stark übergewichtige Personen
  • keine üppigen Mahlzeiten vor dem Schlafengehen
  • Kräftigung der Mundbodenmuskulatur
  • Verhinderung der Rückenlage
  • Nasenpflaster
  • Hochlagerung des Oberkörpers
  • Schnarchbandage
  • Naseneingangserweiterer (Naseneingangsdilatatoren)
  • abschwellende Nasensprays (nicht zum längerfristigen Gebrauch geeignet)
  • Vermeidung von Beruhigungsmitteln oder Antihistaminika

Schnarchen kann vielseitige Ursachen haben, die alle unterschiedlich therapiert werden können. Bei vielen Schnarchern ist das Schlafen in Rückenlage der Auslöser für die nächtlichen Sägegeräusche. Wenn Du auf dem Rücken liegst, entspannt sich der Körper und der Unterkiefer rutscht zurück, dasselbe gilt für die Muskulatur in Mund und Rachen. Dadurch können sich die Atemwege im Hals verengen und zum Schnarchen führen.
 
Eine Schnarchbandage kann bei Schnarchen Abhilfe verschaffen. Dabei handelt es sich um eine Schleife aus Stoff, also ein Kinnband, das Du Dir um Kopf und Kinn bindest. Die Schnarchbandage stabilisiert den Unterkiefer und hält den Mund geschlossen, wodurch Du automatisch durch die Nase atmest.
 
Eine Schnarchbandage kann bei Schnarchen Abhilfe verschaffen
 
Wenn Du auf dem Rücken schläfst und schnarchst, kannst Du den sogenannten Anti-Schnarch-Rucksack, eine Art Polster für den Rücken, testen. Dieser wird wie eine Bandage um den Rücken gebunden, die Rückenpolsterung verhindert dann die Rückenlage und Du rollst automatisch in die Seitenlage. Der erzwungene Seitenschlaf soll die Atemwege entlasten und so Schnarchen verhindern. Bei vielen Patienten stellt sich nach einigen Wochen ein Trainingseffekt ein und der Körper nimmt die neue Seitenschlafposition automatisch ein.
 
Bei Patienten, die an einer schwachen Nasenatmung leiden, kann ein Nasenpflaster Abhilfe verschaffen. Dabei handelt es sich um ein Pflaster aus Kunststoff, das quer über die Nase geklebt wird. Dieses besteht aus einem biegsamen Kunststoff und wir in gebogenen Zustand über die Nase geklebt. Die Eigenspannung des Pflasters versucht dann, diese Beugung aufzuheben, wodurch die Nasenflügel angehoben werden. Die erweiterten Nasenflügel führen dazu, dass die Luft verstärkt durch die Nase statt den Mund strömen kann.
 
Ein Nasenschmetterling (Nasendilatator), auch Naseneingangserweiterer genannt, weitet die Nasenlöcher, wodurch mehr Luft durch die Nase strömen kann. Er besteht aus zwei kreisrunden Plastikteilen, die Du Dir in beide Nasenlöcher einführst. Der Nasenspreizer klemmt sich durch den Gegendruck fest und weitet dadurch die Nasenflügel.
 
Die genannten Tipps und Hilfsmittel können helfen, müssen aber nicht. Einige Patienten entscheiden sich dann für eine Schnarchschiene – eine Aufbissschiene für Ober- und Unterkiefer, die individualisiert angepasst wird.

Wann eine Operation sinnvoll ist.

Du hast alles probiert, doch das Schnarchen bleibt? Dann stehen Dir immer noch – je nach Ursache – verschiedene operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine CPAP-Maske, ein Gerät, das mit Druck Luft in die oberen Atemwege pumpt, ist eine dieser Behandlungen. Eine Operation ist nur dann sinnvoll, wenn sie auch wirklich eine genaue Ursache therapiert.
 
Es gibt jedoch eine Vielzahl an kleinen und schonenden operativen Behandlungsmöglichkeiten. Zu den beliebtesten operativen Eingriffen gegen Schnarchen zählen eine Mandeloperation, eine Operation der Nasennebenhöhlen oder Nasenscheidewand, Weichgaumenplastiken oder eine Nasenmuscheloperation.
 
Ist Dein nächtliches Konzert von Atemstillständen begleitet? Leidest Du tagsüber unter einer extremen Müdigkeit und unter depressiven Verstimmungen? Bemerkst Du bei Dir eine Konzentrations- oder Libidostörung? Musst Du nachts mehrfach auf die Toilette und kannst Dir Deinen hohen Blutdruck nicht erklären? Dann könnte es sich um eine Form der obstruktiven Schlafapnoe handeln. Es gibt verschiedene Arten und Schweregrade der Schlafapnoe. Dies solltest Du stets von einem spezialisierten Arzt abklären lassen.
 
Dabei ist oft die Position des Kiefers Schuld an den verengten Atemwegen, die zum Schnarchen führen. In diesem Fall kommt zum Beispiel eine Kieferoperation infrage, also ein chirurgisches Erweitern der Atemwege durch Verlagerung des Ober- und Unterkiefers.

Alles, was Du zur Kieferoperation wissen musst.

Wie bei allen Behandlungsmöglichkeiten, musst Du gemeinsam mit Deinem Arzt herausfinden, was möglich ist und was nicht. Damit sich der Arzt vergewissern kann, dass eine Kieferoperation die richtige Wahl für Dich ist, verschafft er sich einen Überblick über Deine anatomische Beschaffenheit. Mithilfe eines dreidimensionalen Bildes Deiner Nase, Deines Kiefers, Deines Zungenbeins und Deiner Atemwege kann der Arzt eine Atemwegsanalyse durchführen. Dabei kann er auch den Durchmesser Deiner oberen Atemwege bis ins Detail ermitteln und vermessen.
 
Vor einer Operation verschafft sich der Arzt oder die Ärztin einen genauen Überblick über di Ausgangssituation
 
Kommt eine Umstellung des Kiefers für Dich grundsätzlich infrage, führt Dein Arzt ein ausführliches Gespräch mit Dir und klärt Dich über alle Aspekte des Eingriffes auf. Beim Eingriff selbst werden die Atemwege wie ein Zelt aufgespannt und ein Zusammenfalten verhindert. Durch diese Erweiterung ist die Spannung im Gewebe und vor allem in den Seitenwänden viel höher und die Atemwege sind frei.
 
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und dauert – je nach Ausgangslage – in etwa drei Stunden und Du wirst anschließend zwei bis drei Tage im Krankenhaus verbringen müssen und Dich anfangs nur von püriertem Essen ernähren können. Im Rahmen einer Nachsorgeuntersuchung werden etwaige Klammern, Schrauben oder Platten entfernt. Patienten berichten meist von wenig Schmerzen, sondern eher einem Druck und Ziehen. Erfolgsrate und Prognose sind bei diesem Eingriff sehr positiv und Patienten spüren eine enorme Besserung ihrer Lebensqualität.
 
Wie bei jedem operativen Eingriff können jedoch auch bei einer Kieferoperation Nebeneffekte und Komplikationen auftreten. Unter anderem kann es zu einer Veränderung des Gespürs der Unterlippe und des Kinns kommen. Bei allen Patienten kommt es zu einer moderaten (häufig sehr positiven) Veränderung des Aussehens.

Warum schnarchen Frauen verstärkt in der Schwangerschaft?

Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft berichten Frauen häufig, dass sie plötzlich angefangen zu schnarchen. Der Grund dafür liegt in den Nasenschleimhäuten, die in der Schwangerschaft stärker durchblutet und deshalb angeschwollen sind. Zusätzlich sorgen Schwangerschaftshormone, vor allem Progesteron, dafür, dass das Gewebe im ganzen Körper aufgelockert ist – auch im Nasen-Rachenraum. Hinzu kommt eine Gewichtszunahme und der steigende Druck im Bauchraum. Das verstärkte Schnarchen ist für Mutter und Kind jedoch ungefährlich und verschwindet nach der Schwangerschaft.

Was kostet die Behandlung von Schnarchen und übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen wie beispielsweise einer notwendigen Operation. Steckt hinter Deinem Schnarchen also beispielsweise eine Schlafapnoe, kommt Dein Versicherungsträger für die Behandlung auf. Informiere Dich am besten im Vorfeld bei Deiner Krankenversicherung über die Abdeckung der Kosten.
 
Steckt hinter Deinem Schnarchen also beispielsweise eine Schlafapnoe, kommt Dein Versicherungsträger für die Behandlung auf
 
Wenn Dein Versicherungsträger keine der anfallenden Kosten übernimmt, musst Du, je nach Behandlungsmethode, mit unterschiedlichen Preisen rechnen. Eine individuelle Schnarchschiene kostet beispielsweise zwischen 400 und 700 Euro. Die Preise für eine CPAP Maske liegen zwischen 1500 und 5000 Euro. Nasenpflaster und Nasenschmetterling gibt es hingegen ab 20 Euro aufwärts. Diese Methoden sind jedoch womöglich nicht so effektiv gegen das Schnarchen und können nicht jede Ursache bekämpfen.

PD Dr. med. Dr. med. dent. Christine Jacobsen ist Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und ist spezialisiert auf die Schlafchirurgie.

 

Von 2009 bis 2015 war Dr. Jacobsen Oberärztin an der Klinik für Mund-, Kiefer, und Gesichtschirurgie Universität Zürich. Anschließend war sie bis 2019 leitende Ärztin der Klinik Professor Sailer in Zürich. Im Jahr 2019 erfüllte sich Dr. Jacobsen den Traum einer eigenen Praxis: The FacialSurgery Team. Sie hat sich auf die Behandlung von Gesicht und Schädel fokussiert.

 
Als Teaching Surgeon bildet sie Kollegen im Bereich der craniofazialen Fehlbildungen an der Universität Zürich aus. Außerdem veröffentlichte sie bereits zahlreiche Fachartikeln sowie Kapitel und hält regelmäßig Vorträge auf nationalen sowie internationalen Kongressen rund um die Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie.
 

PD Dr. med. Dr. med. dent. Christine Jacobsen


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