Die Gefahr von Zucker, Nikotin und Alkohol

Wir alle kennen es: Der Griff zu einer süßen Nachspeise nach einem ohnehin schon üppigen Mahl, das Feierabend-Bier oder der Cocktail mit Freunden, um den Arbeitstag ausklingen zu lassen oder die Anti-Stress-Zigarette nach einem langen Tag. Was stets nach einer Ausnahme oder nur einer kleinen Belohnung klingt, nimmt oftmals enorme Ausmaße an, die schnell zu einer nur schwer wieder in den Griff zu bekommenden Sucht werden und in den meisten Fällen auch drastische gesundheitliche Langzeitfolgen nach sich ziehen. Die wohl häufigsten Suchtmittel sind dabei Alkohol, Nikotin und der lange Zeit stark unterschätzte Zucker. Wir erklären, was diese Mittel so gefährlich macht und was sie mit unserem Körper anstellen.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 27. Februar, 2020

Alkohol

Bei der Beurteilung von Alkohol auf den menschlichen Körper muss man grundsätzlich die unmittelbaren Wirkungen von den Langzeitfolgen unterscheiden. Alkohol wird über den Darm aufgenommen und gelangt so sehr schnell ins Blut. Je schneller und je mehr Alkohol konsumiert wird und je weniger davor gegessen wurde, desto schneller steigt die Blutalkoholkonzentration. Dabei sind natürlich noch geschlechtsspezifische und individuelle Unterschiede ausschlaggebend. Unmittelbare Folgen zeigen sich je nach Promillegehalt und reichen von euphorischer Stimmung über Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Orientierungslosigkeit und Schläfrigkeit bis hin zu Bewusstseinsverlust und Koma.

Wiederholter und regelmäßiger Konsum führt früher oder später zu meist irreversiblen Organschäden, allen voran der Leber, die als Stoffwechselorgan für den Alkoholabbau verantwortlich ist, des Verdauungstraktes und des Gehirns. Durch die direkte Schädigung der Leberzellen entsteht eine Fettleber, die im schlimmsten Fall in eine Leberzirrhose und Leberkrebs übergehen kann. Der Verdauungstrakt reagiert auf das Zellgift Alkohol häufig mit reaktiven Entzündungen (Magenentzündung, Bauchspeicheldrüsenentzündung), aber auch die Entstehung von Speiseröhren-, Magen- und Darmkrebs wird begünstigt. Die Schädigung des Gehirns entsteht sowohl in Folge von mangelhafter Nährstoff- und Vitaminaufnahme des geschädigten Darms (Wernicke-Enzephalopathie), als auch durch die immer eingeschränktere Fähigkeit der Leber giftige Stoffwechselprodukte auszuscheiden (hepatische Enzephalopathie).

Auch äußerlich macht sich die negative Wirkung des chronischen Alkoholkonsums bemerkbar: Die Einschränkung der Leberfunktion resultiert in Schwellungen an den Beinen sowie Knöcheln und Wasseransammlungen um den Bauch. Grundsätzlich kommt es durch den hohen Energiegehalt von Alkohol, der jedoch kaum Nährstoffe liefert, zu einer Gewichtszunahme. Zusätzlich wird das Bindegewebe geschwächt, die Haut verliert an Elastizität und wirkt zunehmend ausgetrocknet, da Alkohol dem Körper Wasser entzieht. Außerdem wird die Haut anfälliger für entzündliche und autoimmunbedingte Erkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis.

Nikotin

Nikotin ist ein Wirkstoff der Tabakpflanze und nur einer von mehreren hundert Stoffen, die im Zigarettenrauch enthalten sind, dafür allerdings der wohl bekannteste. Nikotin wird durch Inhalation innerhalb nur weniger Sekunden über das Blut ins Gehirn transportiert. Dort führt es zur Ausschüttung von Adrenalin und Dopamin, wodurch es zur Durchblutungssteigerung, zur erhöhten Aufmerksamkeit und Wachheit aber auch zur Suchtauslösung kommt. Nikotin ist jener Inhaltsstoff, der am meisten für das Abhängigkeitspotenzial von Zigaretten verantwortlich ist.

Es handelt sich dabei sowohl um psychische als auch physische Abhängigkeit, dabei ist es gerade die Langzeitwirkung, die Nikotin so gefährlich macht: Als potenziell krebserregende Substanz erhöht jahrelanger Zigarettenkonsum nicht nur das Risiko Lungenkrebs zu entwickeln, sondern wirkt sich auch auf andere Organsysteme aus. Nikotin steigert den Blutdruck und trägt erheblich zur fortschreitenden Gefäßverkalkung bei, wodurch das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten steigt. Es reduziert die Libido, schwächt die Lunge und deren Kapazität, was eine Einschränkung sportlicher Leistungsfähigkeit bewirkt, beschleunigt die Hautalterung und führt zur Verfärbung von Haut und Zähnen.

Zucker

Zucker ist in den letzten Jahren zunehmend als süchtig machende und hoch gesundheitsschädigende Substanz in Verruf gekommen – bis zu einem gewissen Maß nicht ohne Grund. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass Zuckerverbindungen – im Gegensatz zu den Genussmitteln Alkohol und Nikotin – lebensnotwendige Stoffe, wichtige Energieträger für unseren Körper und unverzichtbare Zellbausteine sind. Eine angemessene Zuckeraufnahme ist also für das Funktionieren unseres Körpers absolut notwendig, allerdings eben nur eine bestimmte Menge. Die WHO (engl. World Health Organization; Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt 50g des „freien“, also den Lebensmitteln und Getränken künstlich hinzugefügten Zuckers, täglich.

Ein solches Limit ist leider schneller erreicht, als man denkt, da heutzutage fast allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln Zucker zugesetzt wird. Die Vermutung, dass industriell erzeugter Fruchtzucker, der natürlicherweise in den meisten Obstsorten vorkommt, die gesündere Alternative ist, konnte sich allerdings nicht bestätigen. Auch Obst selbst, das zwar gemeinhin als gesund gilt, da es den Körper mit wertvollen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt, kann durch den hohen Fructosegehalt gesundheitliche Risiken nach sich ziehen.

Die Auswirkungen dieses vor allem in der westlichen Gesellschaft massiv erhöhten Zuckerkonsum sehen wir jeden Tag, sind enorm vielfältig und betreffen unter anderem folgende Körperfunktionen:

Stoffwechsel

Die ständige Übersättigung des Körpers mit Zucker resultiert in einer verminderten Sensitivität der Muskulatur, wodurch weniger Zucker verbraucht werden kann und der Blutzuckerspiegel erhöht bleibt. Dieser Zustand nennt sich Diabetes mellitus (Typ2) und geht mit Adipositas und zahlreichen potenziellen Organschäden (Augen, Nieren, Gefäße) einher.

Zähne

Zuckerkonsum fördert die Entwicklung und Vermehrung von Bakterien, die den Zahnschmelz nach und nach zerstören. Das Resultat ist Karies, die bis zur völligen Zersetzung des Zahns führen kann.

Haut

Auch unser Gewebe wird durch ein zu viel an Zucker angegriffen. Denn dessen Ablagerung stört Feinstrukturierung und Stoffwechselvorgänge des Bindegewebes und führt zu Elastizitätsverlust der Haut und vorzeitiger Hautalterung.

Gefäße

Ständig erhöhter Blutzucker begünstigt die Entstehung von Bluthochdruck und die Bildung von Gefäßplaques, die zu Gefäßverschlüssen, Herzinfarkten und Schlaganfällen führen.

Leber

Vor allem Fruchtzucker, der Limonaden und Softdrinks zugesetzt wird, schädigt die Leberzellen und bewirkt die Ausbildung einer Fettleber.

Darm

Zu viel Zucker beeinflusst das Gleichgewicht unserer Darmbakterien und damit unserer Darmflora, wodurch das Immunsystem unseres Darms geschädigt wird, was chronisch entzündliche Darmerkrankungen und sogar Darmkrebs nach sich ziehen kann. Die gestörte Immunfunktion des Darms begünstigt darüber hinaus auch hormonelle Störungen und Hautunreinheiten.

Alle drei Substanzen, Alkohol, Nikotin und Zucker, sind in hohen Mengen süchtig machende Mittel mit durchaus auch lebensbedrohlichen Folgen. Die Dosis macht das Gift – versuche Dir dies vor der nächsten Zigarette, dem Abend mit Freunden in einer Bar und dem Griff zur Nachspeise, obwohl Du schon satt bist, in Erinnerung zu rufen!



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