Coronavirus: Eine Welle überschwemmt Europa

Was vor nicht einmal zwei Monaten noch in weiter Ferne in China lag und von vielen nicht ernst genommen wurde, hat jetzt nicht nur Italien, sondern ganz Europa fest im Griff: das Coronavirus. Die Krankheit wurde nun von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, offiziell als Pandemie eingestuft. Angesichts der momentanen rasanten Verbreitung in einigen Ländern, ist es wichtig, sich mit dem aktuellen Stand der Dinge sowie der möglichen Zukunft des Coronavirus zu beschäftigen.


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Zuletzt aktualisiert: 18. März, 2020

Wie ist die aktuelle Lage in Europa?

Das Leben in Italien wurde auf das Mindeste beschränkt: Schulen und Universitäten wurden geschlossen, Arbeitnehmer ins Home-Office geschickt, Skigebiete mussten die Saison einen Monat früher als geplant beenden und Restaurants und Geschäfte mussten den Betrieb einstellen – einzig Apotheken, Drogerien und Lebensmittelgeschäfte haben noch geöffnet.
 
Innerhalb kurzer Zeit sind die Coronavirus-Fälle in Italien rasant gestiegen. Das Land meldet mehr als 12.000 Infizierte und mehr als 600 Todesfälle. Damit rutscht Italien auf Platz zwei der Covid-19-Infektionen weltweit. Doch auch in anderen Ländern häufen sich die Meldungen, weshalb Länder wie Polen alle Universitäten und Schulen geschlossen haben.
 
Die Grenzen zu Italien sind dicht. Viele Länder haben Menschen aus Italien und anderen Krisengebieten mit einem Einreisestopp belegt – Donald Trump hat sogar für alle Europäer für mindestens 30 Tage ein Einreiseverbot ausgesprochen. Auch Österreich hat seine Grenzen zum Nachbarland Italien dichtgemacht und viele Länder holen Touristen, die in den Sperrgebieten Urlaub machen, wieder zurück – diese müssen bei ihrer Heimkehr jedoch für zwei Wochen in Quarantäne.

Viele Länder haben Menschen aus Italien und anderen Krisengebieten mit einem Einreisestopp belegt

Wie konnte es so weit kommen?

Viele Menschen stellen sich die Frage, wie sich das Virus in Ländern wie Italien so rasant verbreiten konnte, obwohl bereits viele Informationen zu Covid-19 bekannt waren und der Bevölkerung ausreichend kommuniziert wurden. Dafür gibt es mehrere Gründe, die diese Tatsache erklären (können).
 
Ein entscheidender Faktor ist, dass eine Infektion häufig ohne Symptome einhergeht und Betroffene das Virus dadurch unbewusst verbreiten können. Ehe ein Ausbruch der Krankheit dann als solcher identifiziert werden kann, haben sich Dutzende Menschen mit Covid-19 angesteckt und an ihre Mitmenschen weitergegeben. Rund 26 Prozent der Ansteckungen passieren, bevor der Infizierte überhaupt erste Symptome zeigt. Auch haben sich viele Menschen lange Zeit nicht testen lassen, da entweder die Symptome als Grippe- oder Erkältungsanzeichen oder das Coronavirus an sich als harmlos eingestuft wurden.
 
Bereits offizielle Zahlen sind besorgniserregend und lassen Teile der Bevölkerung in Panik geraten und zu Hamsterkäufen verleiten. Die geschätzte Dunkelziffer in jedem Land sind laut Experten jedoch deutlich höher als die offiziellen Zahlen. Manche Experten halten es deshalb für unwahrscheinlich, den Erreger vollständig zu stoppen. Das Ziel ist deshalb momentan, die Ausbreitung zu verlangsamen und verringern.

Welche Maßnahmen werden getroffen?

Wie bereits erwähnt, hat Italien das Leben auf ein Minimum beschränkt. Einwohner müssen in ihren Heimatgemeinden bleiben und dürfen diese nur mit einem entsprechenden Schreiben, das entweder auf berufliche oder gesundheitliche Gründe verweist, verlassen. Einkäufe dürfen nur mehr von einer Person pro Haushalt erledigt werden – Dörfer und Städte wirken wie ausgestorben.

Auch Österreich und andere Länder treffen Schritt für Schritt Maßnahmen, um das Coronavirus und seine rasante Ausbreitung einzudämmen

Auch Österreich und andere Länder treffen Schritt für Schritt Maßnahmen, um das Coronavirus und seine rasante Ausbreitung einzudämmen. In Österreich wurden alle Universitäten geschlossen beziehungsweise der Präsenzunterricht auf E-Learning umgestellt und auch Bundesländer in Deutschland verschieben nach und nach den Semesterstart. Schulen in Österreich werden ab dem 16. März von der Oberstufe abwärts staffelweise geschlossen und die Bundesregierung empfiehlt Arbeitgebern, wenn möglich, ihren Angestellten Home-Office zu anzubieten.
 
Auch viele Clubs und Museen wurden geschlossen sowie Konzerte und Messen abgesagt, da Outdoor-Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen und Indoor-Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen verboten wurden. Die wirtschaftlichen Einbußen sind in vielen Bereichen der Gesellschaft enorm.

Wie wird sich die Situation entwickeln?

Noch ist es schwierig vorherzusagen, wie die Situation in einem Monat ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass sich, über den gesamten Verlauf der Covid-19 Epidemie, rund 60-70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland infizieren könnte. Werden diese und andere Studien und Analysen, die sich mit der möglichen Ausbreitung der Pandemie beschäftigen, auf beispielsweise Österreich übertragen, würde dies 5,3 bis 6,2 Millionen Infektionsfälle bedeuten.
 
Eine Ausbreitung der Pandemie zu verringern erscheint momentan nur mehr mit drastischen Maßnahmen möglich. Dafür braucht es jedoch nicht nur sinnvolle Anweisungen, Richtlinien und Empfehlungen der verschiedenen Regierungen, sondern die Bereitschaft der Bevölkerung, auf Dinge zu verzichten und ihr gesellschaftliches Leben einzuschränken, denn das Coronavirus zeigt, dass es auf jeden Einzelnen ankommt.
 
Ressourcen werden auf Dauer immer weniger und wertvoller. In allen Ländern in Europa sind Desinfektionsmittel, Mundmasken, Klopapier und bestimmte Lebensmittel vergriffen. Apotheken stellen Desinfektionsmittel mittlerweile selbst her, da keine Nachlieferungen mehr möglich sind. Auch Krankenhäuser leiden unter der Ressourcenknappheit, denn Ärzte müssen ihren Mundschutz etc. nach jedem Kontakt mit infizierten Personen wegwerfen.

Was Du jetzt tun kannst, ist, Dich an unsere Hygieneempfehlungen zu halten, und auch Deine sozialen Kontakte auf das Minimum zu beschränken

Die klassischen Epidemie-Gleichungen, wie das SIR-Modell von Kermack-McKendrick, zeigen, dass bereits eine leichte Reduktion der Kontaktrate den Höhepunkt der Epidemie deutlich geringer ausfallen lassen würden. Deshalb empfehlen viele offizielle Personen und Institutionen, Sozialkontakte um 25 Prozent zu verringern – der Peak (Höhepunkt) würde sich demnach fast halbieren.

Wie kann man die Entwicklung noch bremsen?

In der aktuellen Lage kommt es auf jede einzelne Person und ihre Taten an. Das Coronavirus ist zu einer ernst zu nehmenden Pandemie geworden – weltweit. Die große Dunkelziffer und die unvorhersehbare Verbreitung der Krankheit macht es umso schwieriger und wichtiger die richtigen Maßnahmen zu treffen.
 
Was Du jetzt tun kannst, ist, Dich an unsere Hygieneempfehlungen zu halten, und auch Deine sozialen Kontakte auf das Minimum zu beschränken. Auf alles, was nicht lebensnotwendig ist, sollte verzichtet werden, denn nur so ist es noch möglich, das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Diese Maßnahmen werden von allen offiziellen Stellen empfohlen.
 
Für viele ist soziale Distanz sogar der einzige, noch effektive, Schritt in Richtung einer erfolgreichen Eindämmung des Coronavirus. Auch viele Regierungen unterstützen diese Vorgehensweise, weshalb Universitäten, Clubs etc. geschlossen werden.
 
Die Politik steht nun vor der Herausforderung, die Bürger nicht ihrer Freiheit zu berauben und gleichzeitig eine unkontrollierte Epidemie zu verhindern. Deshalb kommt es auf jeden Einzelnen an. Wenn Deine Regierung empfiehlt, nicht am öffentlichen Leben teilzunehmen, dann versuche Dich, so gut wie möglich, daranzuhalten.
 
Auch wenn nach wie vor gilt, nicht in Panik zu geraten und einen kühlen Kopf zu bewahren – das Coronavirus nicht ernst zu nehmen, ist ebenfalls ein Fehler. Fakt ist, dass die Ausbreitung schwer einzudämmen ist, bereits viele Menschen infiziert wurden, wobei die Dunkelziffer deutlich über den offiziellen Zahlen liegt, und die Zahl der Toten ebenfalls steigt. Deshalb: Pass auf Dich und Deine Mitmenschen auf, sei vorsichtig und halte Dich an die Empfehlungen Deiner Regierung.

Du solltest soziale Kontakte dringend einschränken

 

Quellen:
 
Bundesministerium  für Gesundheit
 
WHO
 
AGES
 
Medium



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