Corona: Kommt jetzt die zweite Welle?

Wie eine Sintflut kam das Coronavirus. Es überschwemmte die ganze Erde und stellte die Welt wie wir sie kennen auf den Kopf. Zu Beginn war die Situation für alle neu. Inzwischen bist Du den medialen Rummel aber vermutlich gewöhnt und wärst bereit, wieder so weiterzuleben wie all die Jahre zuvor. Doch noch ist das Virus nicht verschwunden. Im Gegenteil – zurzeit breitet es sich wieder stark aus und die Fallzahlen steigen immens. Experten warnten von Anfang an vor solch einem erneuten Ausbreitungsschub. Hat uns die gefürchtete „zweite Welle“ nun eingeholt?


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020

Das Coronavirus hat unser Leben von Grund auf verändert.

Das Jahr 2020 startete mit ungewöhnlichen Neuigkeiten: In Wuhan hatten sich mehrere Personen mit einem neuartigen Coronavirus infiziert, das sich besonders schnell weiterverbreitete. Damals war Dir wahrscheinlich noch nicht klar, welche Ausmaße dieses sogenannte COVID-19 annehmen würde. Erst im Frühjahr bekam der deutschsprachige Raum die Auswirkungen der Pandemie dann deutlich zu spüren. Die Regierungen setzten strenge Maßnahmen – Maskenpflicht, Abstand, Hygienevorschriften, Quarantäne.
 
In den Sommer hinein sanken dadurch die Fallzahlen. Zurzeit infizieren sich aber wieder immer mehr Menschen mit dem Coronavirus. Die Kurve steigt in der DACH-Region immer weiter an. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz warnt: “Was wir gerade erleben, ist der Beginn der zweiten Welle.“ Aber was bedeutet das überhaupt? Wie konnte es dazu kommen? Und was hat das mit Dir zu tun?
 

Keine einheitliche Definition

Die Geister scheiden sich, was mit der Bezeichnung „zweite Welle“ gemeint ist. Das österreichische Gesundheitsministerium sieht darin beispielsweise einen überdurchschnittlichen Neuanstieg der Fallzahlen. Wie hoch dieser genau sein müsste, ist aber nicht geklärt. Andere Experten wiederum stufen erst eine Überforderung des Gesundheitssystems oder einen erneuten Lockdown als Welle ein.
 
Der Virologe Christian Drosten unterscheidet außerdem nach dem Ursprung der Infektionen: Zu Beginn hätten Personen aus anderen Ländern das Virus eingeschleppt. Jetzt verbreite sich COVID-19 allerdings aus der Bevölkerung heraus und verteile sich gleichmäßig über alle sozialen Schichten und Altersgruppen hinweg. Die WHO versucht den Ausdruck „zweite Welle“ hingegen generell zu vermeiden und spricht in diesem Zusammenhang eher von einem „zweiten Höhepunkt der ersten Welle“.
 

Reisen und fehlende Disziplin als Hauptursachen

Bereits während des Lockdowns forderten immer mehr Menschen eine Milderung der Vorschriften. Die Politik reagierte: Geschäfte durften öffnen, Reisen waren erlaubt und der normale Alltagstrott ging wieder los. Die Wirtschaft erfreute sich dieser Nachrichten, doch aus Sicht der Pandemie kamen die Lockerungen in der DACH-Region viel zu früh. Andere Länder verzichteten zudem gänzlich auf strenge Maßnahmen. So kam es, dass sich jeder relativ frei in und zwischen den Staaten bewegen konnte.
 
Genau darin liegt das Hauptproblem: Bleiben alle zu Hause oder zumindest nur im nächsten Umfeld, friert die Ausbreitung von COVID-19 quasi ein. Sobald die Leute allerdings in fremde Gebiete reisen, schleppen sie das Virus in bisher nicht befallene Regionen ein.
 
Von einer Herdenimmunität sind wir aktuell noch weit entfernt. Umso wichtiger ist es, dass jeder Einzelne einen Beitrag leistet und die Schutzmaßnahmen einhält. Gemeinsam mit den Fallzahlen sinkt dann allerdings auch die Risikowahrnehmung. Im Sommer lautete das Motto von vielen: Endlich wieder offline die Kontakte pflegen – und zwar ohne Maske, Abstand und Desinfektion. Diese fehlende Disziplin mündete schließlich in erneuten hohen Infektionsraten.
 
Um das in Zukunft zu verhindern, müsste der Staat die Ansteckungsketten genau nachverfolgen. Das ist aber leichter gesagt als getan. Bei vielen Infizierten brechen die typischen Symptome wie Husten oder Fieber nämlich gar nicht aus. Da sie sich fit fühlen, bleiben sie nicht zu Hause, sondern leben weiter wie bisher. So werden infizierte Personen unter Umständen zu sogenannten Superspreadern, die besonders viele Mitmenschen anstecken.
 
Ob sommerliche Temperaturen die Ausbreitung des Virus hemmen, ist umstritten. Klar ist allerdings, dass eine Infektion in Innenräumen leichter passiert als an der frischen Luft. Im Winter werden sich die meisten Zusammenkünfte wieder Indoor abspielen, was die Entstehung einer zweiten Welle im Herbst fördert. In diesem Fall könnte ein zweiter Lockdown notwendig sein und verheerende Folgen mit sich bringen.

Nur gemeinsam schaffen wir es, die Kurve wieder flach zu bekommen.

Der befürchtete Tod der Wirtschaft

Wenn die Fallzahlen drastisch ansteigen, könnte es zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen. Im Herbst beginnt auch wieder die Grippesaison, die ebenfalls viele Patienten liefert. Aktuell sind die durch das Virus ausgelösten Todesfälle im deutschsprachigen Raum aber noch sehr niedrig. Die Medizin weiß inzwischen, was im Ernstfall zu tun ist. Es gibt schnellere Tests und neue Behandlungsmöglichkeiten.
 
Die Wirtschaft würde eine zweite COVID-19-Welle laut Wirtschaftsforschungsinstitut jedoch nicht so einfach überleben. Bereits nach dem ersten Lockdown stürzten viele Länder in eine tiefe Rezession. Ein erneuter Stillstand des Handels – egal ob im eigenen Staat oder in den Exportmärkten – wäre das endgültige Aus für unzählige Unternehmen. Um das zu verhindern, rudern die Regierungen zurück und führen wieder striktere Vorschriften ein. Doch damit diese funktionieren, musst auch Du etwas beitragen.
 

Rettung vor dem zweiten Lockdown

Die Einhaltung der Maßnahmen kostet Geduld und Nerven. Gerade, wenn die Fallzahlen wieder steigen, musst Du aber erneut Disziplin beweisen. Auch wenn das Fernweh plagt – verzichte in nächster Zeit auf Urlaube in anderen Ländern. Abstandhalten, Handhygiene, die Reduzierung von sozialen Kontakten und das Tragen von Masken haben sich ebenso als sinnvoll bewährt. Sei achtsam und halte diese Aspekte so gut es geht ein.
 
Der Virologe Drosten rät außerdem zur Führung eines Kontakt-Tagebuchs. Notiere Dir, wo Du Dich über den Tag hinweg aufgehalten hast und mit welchen Personen Du länger in Berührung gekommen bist. Natürlich kannst Du das handschriftlich machen, noch besser eignen sich aber Corona-Warn-Apps – zum Beispiel „Stopp Corona“ des Roten Kreuzes. Nachdem Du Dir die App gratis heruntergeladen hast, kannst Du Deine sozialen Kontakte entweder selbstständig eintragen oder sie automatisch erfassen lassen. Gibt es eine Infektion in Deinem Umfeld, bekommst Du eine Benachrichtigung. Dann solltest Du Dich in Isolation begeben, um keine anderen Personen dem Ansteckungsrisiko auszusetzen. So ist es möglich, Infektionsketten schneller zu verfolgen, mögliche Cluster aufzudecken und zukünftige Übertragungen zu verhindern.
 
In vielen Ländern sollen außerdem Corona-Ampeln einen wichtigen Beitrag leisten. Einen einheitlichen Ansatz gibt es auch hierbei nicht, das Ziel ist aber überall dasselbe: Der Bevölkerung zu vermitteln, wie hoch das aktuelle Infektionsrisiko in den einzelnen Regionen ist. Je nachdem ob Rot, Organe, Gelb oder Grün, kann die Regierung dann auch die Strenge der Maßnahmen individuell anpassen.

Auch wenn es schhwer fällt, müssen wir uns alle weiterhin an die Coronamaßnahmen halten.

Deine Eigenverantwortung macht’s aus

Die vergangenen Monate waren in vielerlei Hinsicht sehr hart. Mit den sinkenden Fallzahlen kamen im Sommer die Hoffnungen auf eine Rückkehr ins Leben vor dem Coronavirus. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Egal was genau mit der „zweiten Welle“ nun gemeint ist, eines ist sicher: Ein Neuanstieg der Fallzahlen und ein erneuter Lockdown würden gravierende Folgen haben. Wie Du das verhindern kannst? Zeig Eigenverantwortung – trag Deine Maske, halte Abstand, wasch Deine Hände und bleib wenn möglich zu Hause. Nur wenn jeder einen Beitrag leistet, schaffen wir es, der Pandemie zu trotzen. Eine richtige Sintflut könnte die Regierung schließlich auch nicht allein bezwingen.

 


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