Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Schönheitsideale gibt es wie Sand am mehr und viele Menschen versuchen, diesen nachzueifern und alles dafür zu tun, dem vermeintlichen Ideal zu entsprechen. Wir haben mit Holger Fuchs, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, gesprochen, wie sich das Bild vom angeblich perfekten Aussehen in den letzten Jahren geändert hat und welche Rolle die sozialen Medien dabei spielen.


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 13. März, 2020

Haben sich die Wünsche der Patienten in den letzten Jahren verändert?

„Definitiv! Immerhin hat sich auch das Schönheitsbild gewandelt: Statt Barbie und Ken ist bei beiden Geschlechtern längst der natürliche Casual-Look in. Deutlich weniger Frauen wünschen sich eine besonders große Oberweite. Es geht häufiger darum, ein natürlich schönes Gesamtbild zu erschaffen, und das ist beispielhaft für alle Wünsche unserer Patientinnen und Patienten. Not to make someone beautiful but to beautify – das ist, was immer stärker anklingt. Die natürliche Schönheit soll unterstrichen werden und das ist die hohe Kunst in unserem Beruf.“

Schönheitsideale wandeln sich stets im Laufe der Zeit

„Im Verhältnis zu den letzten Jahrzehnten operiere ich deutlich weniger als früher. Ein Trend geht auf jeden Fall zu den minimal- und nicht-invasiven Behandlungsmethoden, durch die man schon vieles stark verbessern kann. Patientinnen und Patienten interessieren sich heute mehr als früher für die gesundheitlichen Folgen und fragen nach schonenderen Alternativmethoden, zum Beispiel ist für viele heute CoolSculpting interessanter als eine echte Fettabsaugung. Außerdem fällt auf, dass gerade Behandlungen, die den Lebensalltag stressfreier gestalten, hoch im Kurs sind: miraDry®, mit der sowohl das Schwitzen verhindert als auch eine dauerhafte Haarentfernung erreicht werden kann, ist eine dieser Behandlungsmethoden. Der größte übergreifende Trend ist aber der zur Natürlichkeit und ich gehe stark davon aus, dass er sich eine ganze Weile halten wird.“

Werden Patienten immer jünger?

„Mit Sicherheit kann man sagen, dass wir häufiger als vor einigen Jahren noch auch jüngere Patientinnen und Patienten behandeln. Das liegt aber auch daran, dass heute nicht jeder Eingriff operativ ist und die Methoden schonender sind – da sinkt bei jungen Menschen schneller die Hemmschwelle. Nichtsdestotrotz liegt das höchstwahrscheinlich auch daran, dass jüngere Generationen mit nahezu perfekten Idealen in den sozialen Medien viel stärker in Berührung kommen und diesen nachzueifern versuchen, als es bei den früheren Generationen der Fall gewesen ist.“

Wie stehen Sie zu dem Selfie-Wahn und der Verwendung von Filtern und Bearbeitungs-Apps, um das Aussehen zu verändern?

„Nun, das Aussehen lässt sich mit Sicherheit mit solchen Apps nicht verändern, nur die Fotos und das ist auch gut so. Der Gang in eine plastisch-ästhetische Klinik ist da schon eine andere Hürde. Ich glaube, dass die Selfie-Generation auf Messers Schneide steht. Einerseits scheinen Filter- und Bearbeitungs-Apps den jungen Leuten ja ein gutes Gefühl zu vermitteln, wenn sie ihr so verändertes Ich in den sozialen Medien teilen. Vielen können solche Apps dabei helfen, sich selbst mehr zu akzeptieren. Ich finde es in Ordnung, ein paar Pickel zu retuschieren und die Haut durch einen Filter reiner aussehen zu lassen, aber es muss eben auch eine klare Grenze gezogen werden, denn diese Sphäre der sozialen Medien sollte mit der Realität nicht zu stark verschwimmen. Der tägliche Blick in den Spiegel kann schnell zur Qual werden, wenn man sich selbst lieber durch die gefilterte Handykamera betrachtet. Wie gesagt: Es ist ein zweischneidiges Schwert.“

Vor allem soziale Medien haben eine nicht unwesentliche Wirkung auf Schönheitsideale

Kommen Patienten in Ihre Praxis und zeigen Ihnen Selfies mit Filtern und wünschen sich, so auszusehen?

„Ja, das ist durchaus schon vorgekommen. Es ist dann meine Aufgabe als Arzt zu analysieren, welche Probleme vorliegen und womit die Patienten genau unzufrieden sind. Selbstverständlich liegt es da auch in unserer Verantwortung, solchen Patienten zu erklären, dass ein Skalpell kein Photoshop-Werkzeug ist und wir behalten es uns vor, übertriebene Veränderungswünsche abzulehnen. Schlimmer finde ich es jedoch, wenn mir eine Patientin ein Bild von J-Lo unter die Nase hält und sagt: So einen Po will ich! Letzten Endes ist der Filter immer nur Indikator für eine Problemzone, mit der Frauen und Männer auch schon vor den Selfies unzufrieden waren. Ich glaube, man sollte das nicht dramatisieren. Zeitgleich ist es aber ebenso wichtig, gerade jungen Leuten zu erklären, dass Instagram nicht die Realität ist und kein Mensch aussieht wie sein Selfie-Ich – viele von ihnen verlieren das aus den Augen.“

Wann ist eine ästhetische Operation/Behandlung gerechtfertigt?

„Darüber streiten sich die Menschen schon so lange, wie es ästhetische Behandlungen gibt und das ist schon sehr, sehr lange. Ich denke, dass ein solcher Eingriff – egal ob operativ oder minimal-/nicht-invasiv – immer dann gerechtfertigt ist, wenn er meinen Patientinnen und Patienten in irgendeiner Weise körperliche Abhilfe oder seelischen Frieden verschafft. Wir alle haben nur eine begrenzte Zeit auf der Erde; wieso sollten wir sie also nicht als genau der Mensch verbringen dürfen, der wir sein wollen? Wer bin ich, zu entscheiden, ob sich Patientin XY mit Körbchengröße C wohler fühlt als mit Größe A?

 

Wir diskutieren in der heutigen Zeit so viel über das Thema Selbstbestimmung, dass ich es müßig finde, manche Behandlungen zu legitimieren und andere nicht. Selbstverständlich erfahren einige Eingriffe in der Öffentlichkeit mehr Akzeptanz als andere (zum Beispiel medizinische Fettabsaugungen beim Lipödem), aber niemand würde Geld für Behandlungen ausgeben, fühlte er sich pudelwohl in seiner Haut. Ich bin plastisch-ästhetischer Chirurg geworden, um den Menschen zu helfen und sie glücklich zu machen, nicht um ihre Entscheidungen zu beurteilen, oder nach Wichtigkeit zu bewerten. Jeder setzt seine Prioritäten anders und niemand steckt da drin.“

Die meisten Menschen streben nach einer äußerlichen Selbstoptimierung

Wann raten Sie Patienten von einer OP oder Behandlung ab?

„Ich nehme meinen Beruf und die damit einhergehende Verantwortung sehr ernst. Bei Patientinnen und Patienten mit extremen Veränderungswünschen versuche ich mit viel Einfühlungsvermögen zu erfahren, was der Grund hierfür ist und sie in eine weniger übertriebene Richtung zu lenken. Die eingehende Beratung gehört ebenso zu meinem Job wie das Durchführen des Eingriffes. Mit meinem Gewissen kann ich es nicht mehr vereinbaren, wenn ich aus einem schönen Menschen einen komplett anderen machen soll: Das ist nicht meine Aufgabe – ich unterstreiche die Schönheit, ich bin kein Maskenbildner geworden. Selbstverständlich verhält es sich ebenso mit allen Behandlungen, die aufgrund der körperlichen oder seelischen Konstitution des Patienten nicht gesundheitsförderlich sind. In erster Linie bin ich immer noch Arzt und für die Gesundheit meiner Patientinnen und Patienten verantwortlich.“

Holger Fuchs, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Holger Fuchs studierte Humanmedizin an der Universitätsklinik Eppendorf in Hamburg. Anschließend entschied er sich für die Ausbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, welche er an namhaften Krankenhäusern und Privatkliniken absolvierte. 2007 gründete er die Praxis Klinik Pöseldorf in Hamburg. Die Klinik zählt zu den führenden Fachkliniken im Bereich der plastisch-ästhetischen Chirurgie in Deutschland. Holger Fuchs verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie und sein Behandlungsspektrum ist aufgrund seiner Aus- und Weiterbildungen breit gefächert.

Neben der regelmäßigen Teilnahme an nationalen sowie internationalen Kongressen ist Holger Fuchs Mitglied der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) sowie der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-, Plastischen Chirurgen (VDÄPC)

Holger Fuchs, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie



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