Infektionen aus dem Schwimmbad

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, ist ein erholsamer Abend in der Therme oder ein Wellnesswochenende genau das Richtige für unsere müden und kalten Knochen. Leider kann ein entspannter Schwimmbadbesuch in manchen Fällen unangenehme Folgen nach sich ziehen - sowohl im Sommer als auch im Winter. Wenn Du jedoch einige Dinge beachtest, kannst Du das Risiko für diese Erkrankungen senken und eine sorgenfreie Auszeit in der Therme genießen. Nutzen selbst alle Vorsichtsmaßnahmen nichts und Du bringst von Deinem Besuch im Schwimmbad Fußpilz oder eine Blasenentzündung mit, kann Dir ein Dermatologe oder Gynäkologe weiterhelfen.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 4. November, 2020

Welche Gründe gibt es, dass man sich im Schwimmbad Krankheiten zuziehen kann?

Wieso das Schwimmbad eine solche Keimschleuder ist? Vor allem, weil ein öffentliches Schwimmbad eigentlich nichts anderes, als eine übergroße Badewanne für eine Vielzahl an Menschen darstellt. Mit den Besuchern gelangen auch Schmutz, Sonnenschutzmittel, Schweiß, Mikroorganismen und Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Parasiten ins Wasser. Meistens geschieht dies über Fäkalreste oder Wunden. In der Regel fügen die Verantwortlichen dem Wasser zwar Chlor zur Desinfektion hinzu, allerdings können auch dadurch nicht alle Krankheitserreger sofort eliminiert werden. Zwar desinfiziert Chlor das Wasser, jedoch greift es die Scheidenflora an und stört das physiologische Scheidenmilieu, wodurch Frauen anfälliger für Harnwegsinfekte sind.
 
Wichtig ist zudem zu wissen: Die Infektionen geschehen meist nicht aufgrund der Wasserqualität, welche in österreichischen, aber auch in deutschen und schweizerischen Schwimmbädern hohe Qualitätsstandards aufweist. Wo dann die Gefahr lauert? Vor allem in den Nassräumen wie Umkleiden, Duschen oder Toiletten. Sicher ist Dir auch schon aufgefallen, dass sich dort oft Pfützen befinden. Das warme, stehende Wasser ist leider ein Eldorado für Keime wie Erreger von Fußpilz oder Warzen.

Die Augen sind durch das Chlor besonders anfällig für Infektionen wie Bindehautentzündungen.

Welche Krankheiten zieht man sich am häufigsten im Schwimmbad zu?

Es gibt vielerlei Erkrankungen, die Du Dir im Schwimmbad zuziehen kannst. Es handelt sich dabei um grippeähnliche Beschwerden durch respiratorische Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, welche sich zum Beispiel durch Durchfall und Übelkeit äußern, Hautausschläge oder Ohreninfektionen wie beispielsweise eine Otitis Externa. Tubenfunktionsstörungen, Fußpilz, Warzen (meist Dell– oder Dornwarzen), Blasenentzündungen, Infektionen der Genitalien, zum Beispiel mit Garnerella, Candida, Herpes oder Feigwarzen und bakterielle Bindehautentzündungensind weitere Erkrankungen, die Du Dir im Schwimmbad einfangen kannst. Kontaktlinsenträger können sich zudem Abschürfungen an der Hornhaut zuziehen.
 

Wo treten Krankheiten aus dem Schwimmbad am häufigsten auf?

Krankheiten aus dem Schwimmbad wie respiratorische Erkrankungen oder Magen-Darm-Infektionen können den ganzen Körper betreffen. Warzen treten zum Beispiel meist an den Händen oder den Füßen auf. Fußpilz betrifft – wie der Name schon sagt – die Füße oder die Zehen(-zwischenräume). In seltenen Fällen kann der Erreger auch andere Körperstellen befallen. Der Hautausschlag kann sich je nach Auslöser und betroffenem Gebiet unterschiedlich äußern. Besonders Frauen sind häufig von Infektionen des Unterleibs wie Scheidenpilzinfektionen, Blasenentzündungen oder Ähnlichem betroffen.
 
Da die Harnröhre bei Männern länger ist, sind sie seltener von solchen Infektionen betroffen. Heilt eine Blasenentzündung nicht aus, können die Erreger in die Nieren wandern und dort eine Nieren(becken)entzündungauslösen. Auch die Ohren können von einer Infektion aus dem Schwimmbad betroffen sein. Meist ist dabei allerdings nicht das Innenohr, sondern das Außenohr betroffen. Auch die Augen können sich im Schwimmbad infizieren. Meist handelt es sich um eine Reizung oder eine Entzündung bakteriellen Ursprungs.
 

Wie lassen sich die unterschiedlichen Krankheiten am besten behandeln?

Respiratorische Erkrankungen kannst Du mit symptomlindernden Medikamenten wie Lutschtabletten oder Gurgellösungen lindern. Gegen Magen-Darm-Infektionen hilft eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Bei Bedarf kannst Du Medikamente gegen Durchfall oder Erbrechen einnehmen. Bedenke allerdings, dass Dein Körper dadurch Schadstoffe aus Deinem Körper entfernen will und Du dies daher nur im Notfall unterbinden solltest.
 
Fußpilz kannst Du ganz leicht selbst mithilfe von Gels, Salben oder Sprays behandeln. Du kannst Dir diese Medikamente meist rezeptfrei in der Apotheke besorgen. Ist der Fußpilzbefall schon sehr ausgeprägt, solltest Du Dich von einem Dermatologen untersuchen lassen. Auch Warzen solltest Du so früh wie möglich behandeln lassen. Je kleiner die betreffende Warze ist, desto einfacher kann der Arzt sie durch Vereisung, Verätzung oder eine Lasertherapie entfernen. Gegen Hautausschlag helfen meist bestimmte Cremes, Salben oder Gels. Dein Dermatologe sieht sich den betreffenden Ausschlag genau an und verordnet Dir das passende Mittel.
 
Scheidenpilzinfektionen lassen sich meist problemlos mit einer Kombination aus Vaginalzäpfchen und einer Creme behandeln. Du bekommst das Medikament rezeptfrei in der Apotheke. Bei Blasenentzündungen hilft viel trinken, um die Bakterien aus dem Körper herauszuspülen. In schwereren Fällen verschreibt Dir Dein Gynäkologe ein Antibiotikum.
 
Sowohl gegen Augen- als auch Ohrenentzündungen verschreibt der Arzt meist Tropfen. Diese können sowohl ein Antibiotikum enthalten, als auch pflegend wirken. Bei Symptomen wie Brennen, Jucken und Schmerzen in und um den Augen, kann es sich um eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Chlor handeln. Solltest Du diese Anzeichen regelmäßig bei Dir beobachten, kann ein Arzt, wie beispielsweise ein Dermatologe, die Ursache klären und eine entsprechende Therapie einleiten.
 

Welche Krankheiten lassen sich NICHT über das Wasser übertragen?

Krankheiten wie HIV, Hepatitis A oder B können nicht über das Wasser übertragen werden. Lediglich in Schwimmbecken, welche nicht ausreichend gechlort wurden, und gleichzeitig stark durch Fäkalien verschmutzt waren, wurden Fälle von Hepatitis-A-Ausbrüchen dokumentiert, hier handelt es sich allerdings um Einzelfälle.
 

Wie lässt sich eine Ansteckung im Schwimmbad am besten vermeiden?

Eine Augenentzündung kannst Du dadurch vermeiden, dass Du eine Schwimmbrille trägst. Wenn Du eine Sehschwäche hast, verwende lieber eine Schwimmbrille mit geschliffenen Gläsern als Kontaktlinsen. Diese können sich nämlich am Auge festsaugen. Außerdem können sich Keime und Pilze in das Material einnisten und dort Infektionen verursachen.
 
Eine Ohrenentzündung lässt sich abwenden, indem Du Deine Ohren nach dem Schwimmen mit Leitungswasser ausspülst und sie danach mit einer Fettcreme einreibst. Außerdem gibt es spezielle Badewatte oder Ohrstöpsel, die das Ohr trocken halten und somit Viren und Bakterien fernhalten. Außerdem gibt es spezielle essigsaure Tropfen, die Du nach dem Baden in Deine Ohren gibst und die das verblieben Wasser austrocknen.
 
Einer sogenannte Whirlpool-Dermatitis kannst Du vorbeugen, indem Du gründlich duschst und Dich danach mit einer feuchtigkeitsspendenden Körperlotion einreibst. Du merkst, viele Erkrankungen aus dem Schwimmbad entstehen auf Grund einer zu trockenen Haut. Diese schwemmt im Wasser viel leichter auf und macht es den Keimen leichter, in sie einzudringen. Creme daher auch zum Schutz vor Warzen Deine Haut vor dem Baden gründlich ein.
 
Gegen Scheideninfektionen solltest Du Deinen Intimbereich vor dem Schwimmen mit einer leicht desinfizierenden und schützenden Hamamelis-Salbe eincremen. Außerdem empfiehlt es sich, den nassen Badeanzug so bald wie möglich auszuziehen oder zu wechseln. Die Gefahr einer Blasenentzündung lässt sich zudem durch viel Flüssigkeitszufuhr und dem Vermeiden von kalten Sitzflächen verringern. Wenn Du trotz aller Vorsichtsmaßnahmen regelmäßig an Harnwegsinfekten leidest, kannst Du versuchen, mit probiotischen Arzneien für Scheidenflora oder harnansäuernden Mitteln einer Infektion vorzubeugen. Um die Schutzfunktion der Vaginalflora aufrechtzuerhalten, hat sich – neben den allgemeinen Hygienemaßnahmen – die vaginale Anwendung von Laktobazillen bewährt.
 
Um Dir keinen Fußpilz zuzuziehen, solltest Du Deine Füße und Zehenzwischenräume nach dem Schwimmen gründlich abtrocknen. Trage am besten Badeschuhe. Schwieriger ist es dagegen, Durchfall und Erbrechen durch Badewasser vorzubeugen. Vermeide es am besten, Poolwasser zu schlucken.

Fußpilz lässt sich besonders oft auf einen Schwimmbadbesuch zurückführen, weshalb eine gründliche Hygiene dieser umso wichtiger ist.

Fazit.

Wenn Du Dir dieser Tatsachen bewusst bist und auch die Ratschläge berücksichtigst, steht einem entspannten Tag im Schwimmbad nichts mehr im Weg. Zusammengefasst solltest Du Dir drei Dinge einprägen:
 

  • Dusche Dich sowohl vor als auch nach dem Schwimmen gründlich ab.
  • Schlucke auf keinen Fall Wasser aus dem Schwimmbecken.
  • Wenn Du gerade an einer ansteckenden Krankheit wie zum Beispiel Fußpilz leidest, solltest Du auf den Besuch im Schwimmbad verzichten. Auch wenn Du vor Kurzem krank warst (z.B. mit Durchfall, einer Augenentzündung oder einer Pilzerkrankung), solltest Du noch mindestens zwei Wochen vergehen lassen, bevor Du wieder zum Schwimmen gehst. In dieser Zeit könntest Du nämlich noch ansteckend sein und über das Wasser die anderen Badegäste anstecken.

 


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