10 Mythen rund um Krebserkrankungen

Beinahe jeder hat jemanden im nahen Verwandten- oder Bekanntenkreis, der an einer der fast unüberschaubar vielen verschiedenen Krebsformen erkrankt ist und sich gerade mitten in einer langwierigen Behandlung befindet, die Erkrankung bereits überstanden hat oder, im schlimmsten Fall verstorben ist. Krebserkrankungen zählen zu den gefürchtetsten Diagnosen überhaupt, gleichsam befindet sich die moderne Medizin im ständigen Fortschritt mit dem Ziel, Diagnosen frühzeitig zu stellen und eine vollständige Heilung und Erholung immer wahrscheinlicher zu machen. Allerdings kursieren viele Mythen, die Ängste und Unsicherheiten noch mehr schüren. Wir wollen daher einige Mythen aufklären und gängige Fragen beantworten.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 25. Oktober, 2019

1. Krebs ist ein Todesurteil

Natürlich ist eine Krebsdiagnose eine ernst zu nehmende Sache und meist ein schwerer Einschnitt in den normalen Alltag. Doch Krebs ist längst kein absolutes Todesurteil mehr. Die Überlebensrate ist lange Zeit stetig gestiegen, blieb allerdings in den letzten 15 Jahren ungefähr unverändert. Dies liegt jedoch nicht an einem Versagen des medizinischen Fortschrittes, sondern an der gestiegenen Lebenserwartung und älteren Gesellschaft. Denn ein höheres Alter bringt naturgemäß auch ein größeres Risiko für potenziell gefährliche Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) mit sich, die den Gesamtzustand der Patienten generell verschlechtern können.

2. Krebserkrankungen werden immer häufiger

Rein statistisch gesehen ist das grundsätzlich richtig. Jedoch darf man hierbei nicht nur die absoluten Zahlen betrachten, sondern muss diese in einen Gesamtzusammenhang setzen. Die Gesamtzahl aller Krebsneudiagnosen und
-erkrankungen ist angestiegen, allerdings liegt dies nicht daran, dass die Erkrankung selbst zunimmt, sondern ist einerseits den etablierten Präventions- und Früherkennungsmethoden geschuldet, die eine frühere und daher häufigere Diagnosestellung begünstigen und liegt andererseits an der überwiegend älteren Gesellschaft.

3. Handystrahlung ist krebserregend

Das Gerücht ist so alt wie die drahtlose Telefonie selbst – doch ist etwas dran? Man unterscheidet zwischen nicht-ionisierender und ionisierende Strahlung (dazu gehören Gammastrahlung, kosmische Strahlung, UV-Strahlung und Röntgenstrahlung), wobei Letztere die menschliche DNA sowie ganze Zellen und Zellverbände verändern oder zerstören kann. Die Veränderung unserer Erbinformation führt dazu, dass die betroffenen Zellen mutieren und ihren eigentlichen Funktionen nicht mehr nachgehen, sondern unkontrolliert wachsen, was dann als Krebs bezeichnet wird. Mobiltelefone arbeiten allerdings mit elektromagnetischer Strahlung, die zur nicht-ionisierenden Strahlung zählt, können also die DNA der Zellen nicht so verändern, dass Krebs entsteht. Ob es andere, indirekte Effekte gibt, die das Krebsrisiko erhöhen, wird diskutiert und erforscht, bislang allerdings ohne konkrete Beweise.

4. Eine Prävention ist nicht möglich

„Andere rauchen 2 Schachteln am Tag und leben trotzdem bis ins hohe Alter – Prävention und Verzicht ist daher Blödsinn!“ Aussagen wie diese hast wahrscheinlich auch Du schon einmal als Argument für einen ungesunden Lebensstil gehört und natürlich gibt es auch Personen, die trotz Alkohol- und Nikotinkonsum, mangelnder sportlicher Betätigung und ungesunder Ernährung ein langes Leben führen können. Dies sind meist Einzelschicksale. Statistisch gesehen ist das Rauchen größter Risikofaktor für die Entstehung von Krebserkrankungen, 70% aller Lungentumore und 30% aller Tumore treten in Korrelation mit dem Rauchen auf. Rund ein Drittel aller Krebsdiagnosen könnte mit einfachen präventiven Methoden und gesundem Lebensstil vermieden werden.

5. Krebs ist erblich

Bei Krebsdiagnosen in der Familie liegt die Befürchtung stets nahe selbst ein ähnliches Schicksal erleiden zu müssen. Eine solche Angst kann durchaus lähmend sein und die Entscheidung selbst Nachwuchs zu bekommen maßgeblich beeinträchtigen. Doch ist diese Angst wirklich begründet? Grundsätzlich lässt sich die Aussage „Krebs ist erblich“ nicht so leicht pauschalisieren, denn es gibt sehr unterschiedliche Arten von Krebserkrankungen, wovon die meisten durch ein Zusammenspiel aus exogenen Faktoren (Ernährung, Strahlenexposition, Lebensstil, Umweltfaktoren, Infektionen) und endogenen Faktoren (Hormone, Immunsystem, Genetik) beeinflusst werden. Nur ca. 5-10% der Krebserkrankungen sind auf rein genetisch vererbte Veränderungen zurückzuführen, beispielsweise eine bestimmte Brustkrebsart, bei der das sog. BRCA-Gen defekt ist.

6. Fleischkonsum fördert die Krebsentstehung

Es ist schon wieder einige Jahre her, dass die WHO Fleisch als potenziell krebserregenden Stoff eingestuft hat und damit für Furore sorgte. Grundlage dieser Einschätzung waren mehrere großflächig durchgeführte Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Darmkrebs hinweisen. Allerdings gibt es bei dieser Empfehlung zwei Dinge zu beachten: Erstens bezieht sich diese Empfehlung vor allem auf verarbeitetes, also gegrilltes, geräuchertes oder gepökeltes Fleisch. Zweitens spricht sich die WHO keinesfalls für einen kompletten Verzicht aus, sondern empfiehlt eine Reduktion des Fleischkonsums auf maximal 600 Gramm pro Woche.

7. Trinken aus der Plastikflasche erhöht Krebsrisiko

Der Begriff „Mikroplastik“ ist derzeit in aller Munde, Tatsache ist, dass wir täglich mit Plastik in Berührung kommen und dass es sich um Materialien handelt, nur sehr schwer und langsam biologisch abgebaut werden können. In den letzten Jahren wurden nicht nur Plastikbestandteile in mit PET-abgepackten Flüssigkeiten gefunden, sondern auch Mikroplastik im menschlichen Stuhl nachgewiesen. Trotz dieser Entdeckung wird angenommen, dass diese Partikel den menschlichen Verdauungstrakt unverändert passieren und daher keine potenziell krebserregende Wirkung haben.

8. Deos sind krebserregend

Auch Aluminiumsalze, die in Antitranspirantien und einigen Deos enthalten sind, stehen unter Verdacht krebserregend zu sein. Auch in diesem Fall kann eine solche Wirkung weder bestätigt noch widerlegt werden. Man nimmt an, dass wiederum die Dosis das Gift macht, weshalb es gilt täglich mehrfaches Einsprühen und direktes Auftragen auf gereizte Haut (z.B. nach Rasur) zu meiden.

9. Die Antibabypille begünstigt Brustkrebs

Bei der Antibabypille handelt es sich um ein Präparat, das aus weiblichen Hormonen zusammengesetzt ist und den monatlichen Eisprung verhindern soll. Da hormonelle Störungen neben vielen anderen Faktoren auch eine Krebsentstehung begünstigen, geriet das Medikament immer wieder unter Verdacht krebserregend zu sein und wird daher auch vonseiten der Konsumentinnen immer kritischer gesehen. Mehreren Studien zufolge scheint die Pille das Brustkrebsrisiko allerdings nur minimal zu erhöhen und dies vor allem bei Frauen die entweder sehr früh (vor dem 18. Lebensjahr) mit der Einnahme begonnen haben oder eine langjährige durchgehende Einnahme (>10 Jahre) nachweisen können. Gleichzeitig sinkt das Risiko mit dem Absetzen wieder auf den Ausgangswert.

10. Mit gesundem Lebensstil und genügend Sport bekomme ich sicher keinen Krebs!

Auch diese Aussage ist leider so nicht richtig. Eine Garantie in diesem Sinne gibt es nicht, da bei der Entstehung von Tumoren zu viele unterschiedliche Faktoren beteiligt sind. Dennoch wirkt sich ein gesunder und ausgewogener Lebensstil durchaus positiv aus und schützt damit nicht nur vor Krebs, sondern auch vor kardiovaskulären Erkrankungen!