10 Anzeichen für Alzheimer-Demenz

Jeder von uns verlegt hin und wieder seinen Schlüssel oder seine Geldtasche, kann sich einen Namen nicht merken oder vergisst, wo das Auto geparkt ist. Doch wenn Du Dich – vor allem im fortgeschrittenen Alter – sehr häufig an etwas nicht mehr erinnern kannst, das gerade erst vor Kurzem passiert ist, so könnte dies bereits ein Anzeichen für Alzheimer sein.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 22. September, 2020

Was ist unter Alzheimer zu verstehen?

Alzheimer – auch Alzheimer-Demenz oder Morbus Alzheimer genannt – ist die häufigste Form der Demenz und eine unheilbare Störung des Gehirns. Aus bisher noch ungeklärten Gründen kommt es dabei in fortgeschrittenem Alter zu einem zunehmenden Verlust an Nervenzellen und zu einem deutlichen Schrumpfen der Hirnmasse. Dadurch werden auch Übertragungsstellen zwischen Deinen Nervenzellen zerstört, die sonst der Informationsweiterleitung und -verarbeitung dienen. Außerdem produziert Dein Gehirn weniger neuronale Botenstoffe, die sich in Störungen der Informationsverarbeitung und in typischen Lern- und Gedächtnisproblemen zeigen.

Erinnerungslücken sind eines der typischen Anzeichen für Demenz.

10 wichtige Anzeichen für Alzheimer

 
Häufige Erinnerungslücken und Vergesslichkeit
Eines der häufigsten Anzeichen für Alzheimer-Demenz ist Gedächtnisverlust – also das Vergessen von Terminen sowie kurz zurückliegenden Erlebnissen und Gesprächen. Denn Deinem Gehirn fällt es immer schwerer, neue Informationen abzuspeichern. Dies führt dazu, dass Du häufig die gleichen Fragen nochmal fragst, obwohl Dir diese schon beantwortet wurden. Als Angehöriger solltest Du in diesem Fall wichtige Informationen öfter wiederholen. Außerdem kannst Du für die betroffene Person eine Liste mit den wichtigsten Telefonnummern parat legen.
 
Probleme bei gewohnten Abläufen
Ein weiteres Anzeichen ist das Durcheinanderbringen von alltäglichen Handlungen. Dabei kann es sein, dass Du ganz banale Handlungsabläufe wie das Kochen, das Anziehen oder das Autofahren durcheinanderbringst oder bestimmte Schritte dabei auslässt. Beim Autofahren zeigt sich dies zum Beispiel durch Vertauschen von Gas-Geben und Gang-Einlegen. Hierbei kannst Du als Angehöriger helfen, indem Du die häusliche Umgebung des Betroffenen so sicher wie möglich gestaltest – ohne Stolperfallen und andere Gefahrenquellen.
 
Sprachstörungen
Alzheimer-Demenz äußert sich außerdem dadurch, dass Dir zunehmend die einfachsten Worte nicht mehr einfallen, Du unpassende Füllwörter verwendest und Deine Sätze immer kürzer werden. Du neigst auch dazu, nur mehr Wortschöpfungen anstatt konkreter Begriffe zu verwenden – wie zum Beispiel „Kühlkasten“ oder „Gefrierdings“ für den Kühlschrank. Zusätzlich kann es Dir zunehmend schwerfallen, Gesprächen oder Unterhaltungen zu folgen oder an diesen teilzunehmen. Beispielsweise kann es passieren, dass Du während einer Unterhaltung aufhörst zu sprechen und nicht mehr weißt, wie Du fortfahren wolltest. Als Angehöriger kann es helfen, langsam, deutlich und bestimmt mit der betroffenen Person zu sprechen und das Gesagte mit Mimik und Gestik zu unterstreichen.
 
Orientierungslosigkeit
Zu Beginn kann es sein, dass Du Dich an unbekannten Orten sehr schlecht zurechtfindest, indem Du Dich beispielsweise verläufst oder nicht mehr nach Hause findest. In weiterer Folge tritt dies auch bei Dir bereits bekannten Plätzen auf. Jene erscheinen Dir dann zunehmend fremd. Schlussendlich kann es sein, dass Du Dich sogar in Deinem vertrauten Heim nicht mehr zurechtfinden kannst.
 
Zeitliche Verwirrung
Da Du bei Alzheimer-Demenz Deine Fähigkeit, abstrakt zu denken, zunehmend verlierst, kann es sein, dass Du auch Tageszeiten nicht mehr richtig deuten kannst und Dein Zeitgefühl verloren geht. Dies erkennst Du daran, indem Du zum Beispiel Dein Abendessen für Dein Frühstück hältst oder bestimmte Termine versäumst.
 
Probleme beim Verstehen von visuellen Eindrücken und räumlichen Zusammenhängen
Zunehmende Schwierigkeiten beim Lesen, beim Einschätzen von Entfernungen oder beim Bestimmen von Farben und Kontrasten können auch auf Alzheimer hinweisen. Wenn Du zum Beispiel an einem Spiegel vorbeigehst und Dich dabei nicht mehr selbst erkennst, sondern denkst, dass sich eine andere Person im Raum befindet, könntest Du bereits an Alzheimer erkrankt sein.
 
Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit
Zunächst fällt es Dir schwer, komplexe Handlungen wie Bankgeschäfte abzuwickeln. Schließlich kann es aber auch sein, dass Du sehr einfache Tätigkeiten, wie das Auswählen einer zum Wetter passenden Kleidung, nicht mehr richtig bewältigen kannst. Du wählst dann zum Beispiel eine dünne Bluse im Winter oder Stiefel und Schal im Sommer.
 
Verlorene oder falsch abgelegte Gegenstände
Solltest Du Alltagsgegenstände, Bankomatkarten, E-Card oder Ähnliches sehr häufig verlegen oder gar verlieren, kann dies bereits ein Anzeichen von Alzheimer sein. Auch das Ablegen von Gegenständen an völlig unorthodoxen Plätzen – wie Deinen Schmuck im Backrohr oder Deine Zahnbürste im Kühlschrank – kann auf Demenz hinweisen.
 
Charakter- und Stimmungsschwankungen
Als Alzheimer-Patient kannst Du zu völlig unvorhersehbaren Stimmungsschwankungen neigen, die sich im Tagesverlauf häufig ändern. Auch starke Persönlichkeitsänderungen sind oftmals ein Zeichen für Demenz. Hierbei fühlst Du Dich sehr oft unwohl, unsicher und reagierst teilweise mit sehr gegensätzlichen Verhaltensmustern: Freundliche Menschen werden dabei sehr aggressiv, laut und aufbrausend, während sie im nächsten Moment wieder unsicher, weinerlich und ängstlich sind. Als Angehöriger solltest Du die Gefühle sowie Äußerungen der betroffenen Person ernst nehmen und Respekt zeigen. Nimm Anschuldigungen nicht persönlich, sondern verhalte Dich möglichst ruhig, geduldig und verständnisvoll.
 
Lustlosigkeit und Rückzug von Arbeiten und sozialen Aktivitäten
Häufig verlieren demenzkranke Personen auch das Interesse an Hobbys, sozialen und sportlichen Aktivitäten sowie Arbeitsprojekten. Dabei fehlt Dir die Motivation oder Freude daran, bestimmte Arbeiten zu Ende zu bringen oder an bestimmten Aktivitäten teilzunehmen. Diese Symptomatik bezeichnen Fachärzte als „depressive Verstimmung“. Als Angehöriger ist es in diesem Fall wichtig, dass Du die betroffene Person in den Alltag integrierst. Gib ihr das Gefühl dazuzugehören, indem Du von gemeinsamen Erlebnissen erzählst, gemeinsam musizierst, malst, bastelst oder mit ihr spazieren gehst.

Schreibe Dir wichtige Sachen auf, um sie nicht zu vergessen.

Was kann man machen, um das Fortschreiten der Erkrankung zu hinauszuzögern?

Du kannst versuchen, eine Alzheimer-Erkrankung durch einen bestimmten Lebensstil vorzubeugen. Dabei solltest Du sehr gesund leben: Körperliche, geistige sowie emotionale Aktivitäten wie das Treffen mit Freunden und Familienmitgliedern können dabei hilfreich sein. Außerdem solltest Du auf eine gesunde Ernährung achten: Iss viel Obst und Gemüse – vor allem Blattgemüse wie Spinat und Feldsalate – und zwei bis dreimal wöchentlich Fisch. Darüber hinaus kann es Dir helfen, gewisse Medikamente und Nahrungsinhaltsstoffe wie Cholinesterase-Hemmer, Hormonersatztherapien und eine Überdosierung an Vitamin E, C, B1, B6, B12 und Folsäure zu vermeiden.
 

Stellen, an die man sich wenden kann, wenn man bei jemandem Symptome von Alzheimer entdeckt

Solltest Du bei einem Familienmitglied oder einer nahestehenden Person Symptome von Alzheimer wahrnehmen, so kannst Du Dich an folgende Stellen wenden:
 
Deutschland:

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

Tel: 030 259 37 95 14
 
Österreich:

Caritas Socialis

Beratungsservice Pflege und Betreuung

Tel: 01 71753 3800
 
Caritas Wien

Servicestelle für Angehörige und Demenz

 
Weitere Hilfsstellen und Plattformen findest Du hier!
 
Schweiz:

Alzheimer Schweiz

Tel: 058 058 80 00

Die Unterstützung von Angehörigen ist für Alzheimer-Demenz-Patienten essenziell.

Verweigert ein Familienmitglied, an dem Du Vergesslichkeit oder andere Alzheimer-Anzeichen beobachten kannst, einen Arztbesuch, so kann Dir folgender Trick helfen: Behaupte, dass es wieder mal Zeit für eine Routine-Untersuchung sei. Informiere die jeweilige Arztpraxis aber vorab über Deinen Verdacht.

 


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