Presbyopie (Alterssichtigkeit)

Presbyopie bezeichnet einen natürlichen Alterungsprozess, der das Sehvermögen betrifft. Etwa ab dem 45. Lebensjahr verschlechtert sich dabei das Sehen im Nahbereich. Die Presbyopie ist auch als Alterssichtigkeit bekannt. Fast jeder Mensch bemerkt im Laufe seines Lebens eine Verschlechterung seines Sehvermögens. Dieser Alterungsprozess schreitet langsam voran und kann unter anderem mit einer Lesebrille korrigiert werden.


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Zuletzt aktualisiert: 9. September, 2020



ICD-10-GM-2020 H52.4

Was versteht die Medizin unter einer Presbyopie?

Als Presbyopie (Alterssichtigkeit/Altersweitsichtigkeit) bezeichnet die Medizin den altersbedingten, nicht krankhaften, Verlust der Nahanpassungsfähigkeit des Auges, der von Spezialisten auch Akkommodation genannt wird. Als Folge ist ein scharfes Sehen in der Nähe ohne geeignete Korrektur nicht mehr möglich. Dieser Prozess macht sich etwa ab dem 45. Lebensjahr durch Probleme beim Lesen oder beim Einhalten des normalen Leseabstandes bemerkbar.
 
In den meisten Fällen geht dieser Zeitpunkt mit einer Akkommodationsbreite von unter drei Dioptrien einher. Die Alterssichtigkeit ist keine Krankheit, sondern ein normaler Alterungsprozess, den fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens bemerkt. Das Fortschreiten der Symptome beeinträchtigt das Wohlbefinden und das alltägliche Leben der Patienten.

Bei der Presbyopie verschlechtert sich das Sehen im Nahbereich zusehends.

Was sind die Symptome einer Presbyopie?

Durch die zunehmende Steifigkeit der Augenlinse bereitet das Sehen naher Gegenstände bei der Alterssichtigkeit Probleme. Patienten können ihr Buch beim Lesen nicht weit genug weg vom Körper halten und empfinden ihre eigenen Arme als zu kurz. Für eine gewisse Zeit lässt sich die Fehlsichtigkeit durch verlängerte Distanz zum Sichtobjekt ausgleichen.
 
Besonders schwer fällt bei der Alterssichtigkeit das Lesen im Dunkeln. Zudem führt die Überanstrengung der Augen zu Kopfschmerzen.
 

Welche Ursachen hat eine Presbyopie?

Bereits ab der Geburt wächst die kristalline Linse kontinuierlich und die Linsenrinde verhärtet sich. Die Linse verliert an Elastizität und die verantwortlichen Muskeln, die sogenannten Ziliarmuskeln, können die Linse nicht mehr zur Nahanpassung verstellen. Die Fähigkeit zur Nahakkommodation erlischt zunehmend.
 

Wie diagnostiziert der Arzt eine Presbyopie?

Das Alter des Patienten und die typischen Beschwerden, wie die zunehmende Schwierigkeit, auf kurze Distanz scharf zu sehen, liefern dem Arzt die entscheidenden Hinweise auf eine Presbyopie. Um die Diagnose zu stellen, führt der Arzt für beide Augen getrennt eine Sehschärfeprüfung mithilfe von Sehtafeln durch.
 
Zusätzlich führt er eine objektive Refraktionsbestimmung durch. Dabei ermittelt man mit einem Gerät, dem Refraktometer, das ähnlich wie ein Diaprojektor durch die Pupille hindurch ein Muster auf der Netzhaut abbildet, wie weit die Brechkraft vom Idealzustand abweicht. Diese Abweichung wird in Dioptrien gemessen. Das Ergebnis entspricht ebenfalls der Stärke der Brille beziehungsweise der Kontaktlinsen, die notwendig sind, um die Alterssichtigkeit zu korrigieren.
 
Ein zusätzliches Verfahren ist die subjektive Refraktionsbestimmung. Dabei werden dem Patienten beim Betrachten von Sehprobentafeln verschiedene Linsen vors Auge gehalten, bis er die Stärke gefunden hat, bei der die Sehschärfe am besten ist. Das oberste Ziel ist es, die Linse zu finden, bei welcher, bei einem üblichen Leseabstand von 35 cm, die Buchstaben klar und deutlich für den Patienten zu erkennen sind.
 

Welche Behandlungsmöglichkeiten kommen bei einer Alterssichtigkeit zum Einsatz?

Alterssichtigkeit wird in der Regel mit einer Lesebrille oder Kontaktlinsen korrigiert. Hier gibt es, besonders im Bereich der Linsen, verschiedene Möglichkeiten zur Abhilfe. Ebenfalls, jedoch selten, werden Laserbehandlungen oder chirurgische Eingriffe zum Austausch einer Linse durchgeführt. Abhängig von den individuellen Voraussetzungen des Einzelnen und in Absprache mit den Betroffenen entscheidet der behandelnde Arzt über die verschiedenen Linsen und auch über die Möglichkeit einer chirurgischen Behandlung.
 

Wie funktioniert die Behandlung der Presbyopie mit einer Brille?

Die älteste und bewährteste Möglichkeit, Alterssichtigkeit zu korrigieren, ist eine Brille. Genauer gesagt handelt es sich um eine Lese- oder Arbeitsbrille. Sie enthalten sogenannte Plus-Gläser, also konvex geformte Sammellinsen, die eintreffende Lichtstrahlen nach innen ablenken und damit die fehlende Brechkraft des Auges ausgleichen. Ihre in Dioptrien angegebene und mit einem Plus-Zeichen versehene Stärke richtet sich nach der vom Patienten gewünschten Lese- bzw. Arbeitsentfernung.
 
Solche Lesebrillen mit Einfachgläsern sind ausschließlich für den Nahbereich geeignet. Blickt ein Normalsichtiger durch sie in die Ferne, sieht er alles verschwommen. Weitere Möglichkeiten bieten die Bifokalbrille, die Gleitsichtbrille und die Computerbrille.
 
Erstere kommt bei älteren Menschen zum Einsatz, die sowohl eine Lesebrille als auch eine Korrekturbrille für die Ferne benötigen. Das oft als lästig empfundene Hin- und Herwechseln lässt sich mit einer sogenannten Bifokalbrille vermeiden. Sie ist im unteren Bereich auf Nahsicht und im oberen auf Fernsicht geschliffen. Manche Menschen empfinden den abrupten Übergang zwischen den Zonen allerdings als störend.
 
Dieser Übergang ist bei den Gleitsichtbrillen fließend. Das hat den Vorteil, dass Alterssichtige damit nicht nur in der Nähe und in der Ferne scharf sehen, sondern auch im mittleren Bereich, also etwa bei Arbeiten am Computer. Manche Menschen haben beim Tragen einer Gleitsichtbrille zu Beginn Beschwerden wie Schwindel und leichte Kopfschmerzen, welche aber nach einigen Wochen der Eingewöhnung wieder verschwinden.
 
Computerbrillen oder Bildschirmarbeitsplatzbrillen sind Brillen mit Gläsern für den erweiterten Nahbereich, die speziell auf die Bildschirmarbeit, also einem Leseabstand von 60 bis 80 Zentimetern abgestimmt sind. Betroffene Personen benötigen diese Sehhilfe für die Arbeit vor einem Monitor, wenn die privat verwendete Korrektur in Form von Brille oder Kontaktlinsen kein deutliches Sehen am Arbeitsplatz ermöglicht oder Beschwerden auftreten.

Die Refraktionsbestimmung ist ein wichtiger Bestandteil bei der Diagnose einer Presbyopie.

Wie kann die Alterssichtigkeit mit Kontaktlinsen ausgeglichen werden?

Mit Kontaktlinsen lässt sich die Presbyopie ebenfalls behandeln. Wie bei den Brillen gibt es auch hier spezielle Linsen und Anwendungsprinzipien, die sowohl scharfes Sehen im Nahbereich als auch in der Ferne ermöglichen. Wichtig dabei ist, dass die Kontaktlinsen optimal an die Augen angepasst sind, da sie dem Tränenfilm der Hornhaut des Auges aufliegen.
 
Die sogenannte Monovision ist ein Therapieansatz zur Behandlung der Altersweitsichtigkeit mittels Kontaktlinsen. Bei der Monovision wird das dominante Auge auf Fernsicht und das nicht-dominante Auge auf Nahsicht eingestellt. Der Patient kann dann durch Konzentration auf das jeweilige Auge in der Nähe und in der Ferne gut sehen. Das verschwommene Bild wird vom Gehirn ausgeblendet.
 
Bifokale Kontaktlinsen bestehen, analog zur Bifokalbrille, aus einem Sehbereich für die Ferne und einem Sehbereich für die Nähe. Die beiden Sehbereiche liegen ohne weitere Zwischenstufe direkt untereinander. Wenn der Kontaktlinsenträger geradeaus blickt, sieht er durch den Fernbereich. Beim Blick nach unten schaut er hingegen durch den Nahbereich. Dazu müssen die bifokalen Linsen ebenfalls gut auf dem Tränenfilm gleiten, weshalb sie in der Regel aus formstabilem Material sind.
 
Multifokale Kontaktlinsen werden auch alternierende Linsen oder Gleitsicht-Kontaktlinsen genannt und funktionieren wie eine Gleitsichtbrille. Die unterschiedlichen Dioptrie-Bereiche sind so angeordnet, dass der Kontaktlinsenträger immer nur durch einen Bereich schaut. Blickt er beispielsweise geradeaus, liegt der Fernbereich vor der Pupille und der Kontaktlinsenträger sieht in der Ferne scharf. Senkt er den Blick nach unten, verschiebt sich das Auge vor den tiefer gelegenen Bereich der Linse, die vom unteren Augenlid in Position gehalten wird. Nun befindet sich der Nahbereich vor der Pupille. Fern- und Nahbereich gehen dabei stufenlos ineinander über, sodass der Kontaktlinsenträger in jeder Distanz scharf sehen kann.
 
Bei den genannten Kontaktlinsen ist es unabdingbar, dass sie richtig im Auge sitzen, damit sich die unterschiedlichen Dioptrie-Bereiche in den passenden Positionen befinden. Je nachdem wie die Korrekturzonen angeordnet sind, sind spezielle Mechanismen eingearbeitet, welche die Linsen entsprechend ausrichten. Ein Kontaktlinsenspezialist muss die Linsen passend zu den individuellen Eigenschaften eines jeden Auges auswählen. Die Eingewöhnungsphase bei Mehrstärkenlinsen dauert etwas länger, da sich die Augen und das Gehirn erst an das Sehen durch die unterschiedlichen Korrekturzonen gewöhnen müssen.
 

Wie verläuft die Operation bei einer Presbyopie?

Operative Verfahren kommen bei der Alterssichtigkeit bislang nur in Ausnahmefällen infrage. So kann bei Menschen mit einer starken Presbyopie, die zudem noch einen Grauen Star haben, die getrübte Linse ersetzt werden. Dafür entfernt der Chirurg die körpereigene Linse zuerst und ersetzt diese dann durch eine Kunstlinse.
 
Operationen mit dem Laser, bei der das Bindegewebe unter der Hornhaut an die verschiedene Ansprüche der Augen angepasst beziehungsweise verformt wird, bieten zumindest bislang keine wirklich befriedigende Ergebnisse und haben sich deshalb als Therapie noch nicht durchgesetzt.
 
Als Alternative zur Laser-Operation kommt die sogenannte Konduktive Keratoplastik zur Behandlung der Alterssichtigkeit in Betracht, bei der kleine Sonden Wärme (Radiowellen) auf die Hornhaut des Auges ausübt. Dadurch zieht sich die Hornhaut zusammen und die Fehlsichtigkeit wird punktgenau korrigiert.

Für eine Kostenübernahme seitens der Krankenkasse ist ein Rezept mit Angabe der Dioptrien notwendig.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Presbyopie?

Die Krankenversicherungsträger übernehmen die Kosten von Brillen in einfacher und zweckmäßiger Ausführung gegen Bezahlung des Kostenanteils. Der Patient benötigt eine ärztliche Verordnung mit der genauen Angabe der Dioptrien-Stärke. Anschließend kann die Brille bei einem Vertragsoptiker bestellt werden. Der Selbstbehalt für Brillen in Österreich beträgt für Erwachsene mindestens 107,40 Euro.
 
Vom Kostenanteil befreit sind unter anderem Bezieher der erhöhten Familienbeihilfe ohne Altersgrenzen und Personen, die wegen sozialer Schutzbedürftigkeit von der Entrichtung der Rezeptgebühr befreit sind. Krankenversicherungsträger übernehmen keine Kosten für Sonderwünsche bei der Brillenversorgung.
 
Hinsichtlich einer Kostenübernahme für operative Lösungen entscheidet immer der chefärztliche Dienst des zuständigen Krankenversicherungsträgers. Dies muss im Vorfeld besprochen werden. Die Kosten liegen hier ab Euro 2000 aufwärts. Die Kosten einer Computerbrille oder Arbeitsplatzbrille übernimmt in vielen Fällen der Arbeitgeber. Informiere Dich am besten bereits im Vorfeld bei Deiner Krankenkasse über eine mögliche Kostenübernahme!

 


Dauer Dauer

Je nach Behandlung

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter der Presbyopie wird der physiologische und fortschreitende Verlust der Nahanpassungsfähigkeit der Linse im Alter verstanden.


Das typische Symptom dieser Alterssichtigkeit ist, dass die Schrift beim Lesen nicht mehr scharf gestellt werden kann. Betroffene müssen das Buch weiter von sich weghalten und empfinden ihre eigenen Arme als zu kurz. Zusätzlich können durch die Überanstrengung der Augen Kopfschmerzen auftreten.


Die Korrektur erfolgt in aller Regel mit konvex geformten Sammellinsen als Lesebrille oder auch als Gleitsichtbrille, welche besser für den Alltag geeignet ist.


Kontaktlinsen sind eine weitere Möglichkeit zur Behandlung, jedoch verlangen sie von dem Träger eine längere Gewöhnungsphase. Operative Methoden sind selten indiziert und bedürfen eine genaue Abklärung mit dem behandelnden Arzt.

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