Netzhautablösung

Die Ablösung der Netzhaut im Auge ist eine unangenehme und erschreckende Vorstellung. Und in der Tat ist bei Vorliegen der Symptome sofortiges Handeln gefragt. Jedoch kann heute in den allermeisten Fällen ein Ausfall der Sehkraft in Folge einer Netzhautablösung durch Behandlung in einer augenärztlichen Praxis verhindert werden. Alles, was es Wichtiges über dieses seltene Krankheitsbild zu wissen gilt, findest Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht man in der Medizin unter einer Netzhautablösung?

Die Netzhautablösung (Ablatio retinae) ist eine selten auftretende Erkrankung innerhalb des menschlichen Auges, bei der es zur Ablösung der Netzhaut (Retina) von der Versorgeschicht dem sogenannten Pigmentepithel (Pars Pigmentosa) kommt und eine sofortige (operative) Maßnahme erforderlich macht, um Deine Sehkraft zu erhalten. Die Retina enthält Sinneszellen, die sogenannten Stäbchen und Zapfen, die für die Weiterleitung von aufgenommenen optischen Sinnesreizen an das Gehirn verantwortlich sind.
 
Durch die Ablösung der Netzhaut können Zellen nicht mehr ausreichend versorgt werden und sterben ab. Die Ablösung der Netzhaut resultiert oftmals aus einem Riss oder Loch in der Netzhaut, wodurch Glaskörperflüssigkeit hinter die Netzhaut gelangt und sich diese von dem darunterliegenden Gewebe abhebt. Unbehandelt führt die Netzhautablösung immer zur vollständigen Erblindung, meist sogar innerhalb weniger Tage bzw. Wochen, es handelt sich also um einen augenärztlichen Notfall.
 
Die Netzhautablösung ist eine selten auftretende Erkrankung innerhalb des menschlichen Auges
 

Welche Symptome zeigen sich bei einer Netzhautablösung?

Primäre Symptome einer Netzhautablösung sind Veränderungen in der visuellen Wahrnehmung. Ganz generell bedeutet das, dass sich Dein Sehvermögen verschlechtert, abhängig von der Stelle, an der es zur Ablösung kommt. Entsteht sie beispielsweise am Rand der Netzhaut, ist das seitliche Sehen beeinträchtigt. Umso weiter die Ablösung fortschreitet, desto mehr verschlechtert sich die Sicht. Auch eine Ablösung, die sich primär im zentralen Bereich der Netzhaut vollzieht, nahe oder am Ort des schärfsten Sehens, dem sogenannten gelben Fleck oder Makula lutea, beeinträchtigt die Sehschärfe stark.
 
Andere Merkmale, von denen Betroffene häufig berichten und auf die Du achten solltest, sind:
 

  • Auftretende Lichtblitze im Sehfeld, die primär in Dunkelheit wahrgenommen werden und auch bei geschlossenen Augen auftreten,
  • Auftreten von „Rußregen“, schwarzer Punkte oder fliegender Mücken, ausgelöst durch Einrisse oder winzige Blutungen im Glaskörper
  • Bei fortgeschrittener Netzhautablösung kann es zum Wahrnehmen eines schwarzen Schleiers kommen, der entweder von unten nach oben aufsteigt (wie eine dunkle hochsteigende Wand) oder von oben nach unten herabsinkt (als würde ein Vorhang fallen), abhängig davon, ob sich die Netzhaut im oberen oder im unteren Bereich ablöst.

Was sind die Ursachen für eine Netzhautablösung?

Je nach Ursache unterscheidet man verschiedene Formen der Netzhautablösung:
 
Rhegmatogene oder rissbedingte Netzhautablösung
Das ist die häufigste Art der Netzhautablösung. Hierbei reißt die Retina in Folge akuter Glaskörperverformung ein. Altersbedingt kommt es manchmal zum Schrumpfen des aus gallig artiger Masse bestehenden Glaskörpers, wobei man von einer hinteren Glaskörperabhebung spricht. Dies ist ein Phänomen, welches bei vielen Menschen im höheren Alter auftritt. Erst, wenn diese Erhebung akut auftritt, kann die Netzhaut unter dem plötzlichen mechanischen Zug einreißen. Durch die Risse tritt Flüssigkeit aus dem Glaskörper aus und gelangt zwischen Netzhaut und dem darunter liegenden Pigmentgewebe, wodurch sich die Netzhaut anhebt und ablöst.

Auch Schläge auf das Auge oder Prellungen können eine Verformung des Glaskörpers zur Folge haben und somit einem Ziehen an der Netzhaut und ggf. Einreißen derselben verursachen.
 
Exsudative Netzhautablösung
Diese Form der Netzhautablösung wird nur sehr selten diagnostiziert und entsteht aufgrund von Flüssigkeitseinlagerung. Dabei tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen der Aderhaut aus und sammelt sich unter der Netzhaut an, welche sich in der Folge hebt und ablöst. Ursachen hierfür sind in der Regel Entzündungen im Auge, selten ist ein Tumor verantwortlich.

Auch andere Ursachen, wie zum Beispiel eine diabetische Retinopathie, in Folge einer langjährigen Diabetes-Erkrankung oder Netzhautvenenverschlüsse kommen infrage.
 
Primäre Symptome einer Netzhautablösung sind Veränderungen in der visuellen Wahrnehmung
 

Wie lässt sich eine Netzhautablösung diagnostizieren?

Die Netzhaut befindet sich im hintersten Bereich Deines Auges, weshalb der Augenarzt sie nicht ohne Weiteres untersuchen kann. Es ist eine Augenspiegelung nötig, bei der Dir der Arzt Augentropfen verabreicht, welche die Pupillen erweitern. Der Arzt kann anschließend mit einem Vergrößerungsglas, welches er auf den Augapfel aufsetzt, und einer Lichtquelle den Augenhintergrund betrachten. So ist es ihm möglich, eine Netzhautablösung am Auge oder andere Veränderungen auf der Netzhaut zu entdecken.
 
Auch deren Ursache, wie zum Beispiel Risse oder Löcher lassen sich so diagnostizieren und gegebenenfalls per Laserstrahl direkt behandeln. Findet der Spezialist eine fortgeschrittene Netzhautablösung bei Dir vor, hilft in der Regel nur eine Operation. In selteneren Fällen, etwa wenn die Sicht auf die Netzhaut stark verdeckt ist, kann der Arzt eine Ultraschalluntersuchung durchführen, um Veränderungen zu identifizieren.
 
Normalerweise untersucht der Arzt beide Augen, auch wenn Du nur auf einem Auge Probleme festgestellt hast. Es kann vorkommen, dass auch das gesund geglaubte Auge von Netzhautveränderungen betroffen ist, sich diese aber noch in einer Vorstufe befinden.

Wie lässt sich eine Netzhautablösung behandeln?

Je nachdem, in welchem Ausmaß die Ablösung bei Dir bereits fortgeschritten ist und welche genauen Ursachen dahinterstecken, können verschiedene Behandlungsmaßnahmen erforderlich sein.
 
Riss der Netzhaut (noch vor dem Beginn einer Netzhautablösung)
Das betroffene Auge lässt sich lasern, wodurch an der Stelle des Risses eine Entzündungsreaktion provoziert wird. Dies führt dazu, dass sich das Gewebe vernarbt und somit der Riss in der Netzhaut verklebt. Dies kann einer Netzhautablösung vorbeugen.
 
Fixierung der abgelösten Netzhaut
Handelt es sich um eine bereits eingetretene Netzhautablösung, gilt es die abgelöste Netzhaut zu stabilisieren, was der Arzt je nach Ursache durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht. Hat sich beispielsweise der Glaskörper abgehoben oder in sich zusammengezogen (und hat somit die Netzhaut mitgezogen), muss dieser mit Silikonplomben ausgebeult werden.
 
Operationen im Augeninneren
Wenn die Netzhautablösung am Auge schon über längere Zeit besteht und auch Verwachsungen zu erkennen sind, ist eine sogenannte Pars Plana Vitrektomie notwendig. Dabei handelt es sich um eine Operation im Inneren des Auges, bei der der Spezialist Teile des Glaskörpers oder sogar der ganze Glaskörper durch das Setzen von drei winzigen Schnitten entfernt, um so die Verwachsungen abzulösen. Dieser Eingriff findet unter örtlicher Betäubung statt. Entzündungen als Ursache für eine Netzhautablösung: Hier ist eine Behandlung der Grunderkrankung vorrangig.
 
Wenn die Netzhautablösung am Auge schon über längere Zeit besteht und auch Verwachsungen zu erkennen sind, ist eine sogenannte Pars Plana Vitrektomie notwendig
 
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Netzhautablösung ein relativ komplexes Behandlungsverfahren nach sich zieht, sich aber in der Regel beheben lässt, solange sie früh genug als solche entdeckt wird. Bei ca. 90% der Patienten lässt sich die Netzhaut mit einer Operation dauerhaft wieder anlegen. Trotz erfolgreicher Operation, lässt sich nicht ausschließen, dass die Sehfähigkeit im Vergleich zuvor, der Entwicklung der Netzhautablösung reduziert ist.

Welche Komplikationen können auftreten?

Prinzipiell ist infolge aller Netzhautoperationen ein Anstieg des Augendrucks (sekundäres Glaukom) möglich. Auch kann es nach dem Eingriff zu Narbenbildung auf der Netzhaut kommen, die unter Umständen zu einer erneuten Netzhautablösung führen kann, was dann oft mehrere Eingriffe erforderlich macht. Je nachdem, welches Operationsverfahren zum Einsatz kommt, können postoperative Schmerzen auftreten, welche sich durch Einnahme von Schmerzmitteln vermindert lassen. In seltenen Fällen kann es sein, dass Du Plombenmaterialien oder Bänder, die um den Augapfel befestigt sind, nicht verträgt und so Abwehrreaktionen seitens des Körpers auslösen.
 
Ist dem so, dann muss der Arzt sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernen. Verwendetes Silikonöl, welches bei Vitrektomie zur Anwendung kommt, um das Augeninnere nach Entfernung des Glaskörpers zu füllen, fördert die Bildung eines Grauen Stares. Diesen muss der Spezialist meist in einer weiteren Operation (ungefähr nach einem Jahr) entfernen. Auch bei nach einer erfolgreichen Behandlung der Netzhautablösung, bleibt die Sehqualität im betroffenen Auge beeinträchtigt. Eine Netzhautablösung solltest Du in jedem Fall schnellstmöglich behandeln lassen, da sie sonst zur Erblindung des Auges führen kann.

Wer ist besonders häufig betroffen?

Es handelt sich um eine typische Alterserkrankung, weshalb vor allem Menschen höheren Alters betroffen sind. Aber auch bei Kurzsichtigkeit, bei Diabetes mellitus entzündlichen Prozessen oder Tumoren im Auge, sowie nach einer Kataraktoperation besteht ein erhöhtes Risiko. Auch nach einer bereits abgelaufenen Netzhautablösung (ebenfalls am anderen Auge) gehörst Du zur Risikogruppe.

Wie kann ich einer Netzhautablösung vorbeugen?

Ein wichtiger Punkt in Sachen Vorbeugung ist das frühzeitige Aufsuchen eines Arztes, sobald Du Veränderungen in Deiner visuellen Wahrnehmung feststellst. Zudem wird Menschen über 40, Diabetikern und Menschen, die unter starker Kurzsichtigkeit leiden, geraten, sich einmal im Jahr dem Augenarzt vorzustellen. Dort solltest Du regelmäßig Deine Netzhaut überprüfen lassen.
 
Ein wichtiger Punkt in Sachen Vorbeugung ist das frühzeitige Aufsuchen eines Arztes, sobald Du Veränderungen in Deiner visuellen Wahrnehmung feststellst

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten der augenärztlichen Untersuchung zur Abklärung einer Netzhautablösung übernimmt normalerweise der Sozialversicherungsträger. Das gilt ebenfalls für die Kosten, wenn es zu einer Behandlung der Netzhautablösung kommen sollte.


Dauer Dauer

20-60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 6 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 5 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Sie macht sofortiges Eingreifen in Form einer augenärztlichen, meist operativen Behandlung erforderlich


Symptome können sein das Wahrnehmen von auftretenden Lichtblitzen, Rußregen, schwarzen Punkten oder Mückenschwärmen, ein schwarzer Schatten oder Schleier


Behandelt wird meist operativ, nur in harmlosen Fällen (bei Rissen und kleinen Löchern in der Netzhaut) kann gelasert werden


Risikofaktoren sind unter anderem ein hohes Alter (bereits ab 40), starke Kurzsichtigkeit, und Diabetes. Menschen mit diesen Risikofaktoren sollten sich regelmäßig dem Augenarzt vorstellen

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