Makulaödem

Beim Makulaödem handelt es sich um eine Erkrankung der Augen, die meist mit dezenter Verschlechterung der Sehschärfe beginnt und unbehandelt zur Erblindung führen kann. Die Erkrankung betrifft die Makula, jenen Teil der Netzhaut, der für unsere Fähigkeit Kleingedrucktes zu lesen, Kontraste zu erkennen und selbst ähnliche Farben zu differenzieren, verantwortlich ist. Ein “Ödem” ist dabei stets eine Schwellung, eine Einlagerung von Flüssigkeit, die aus dem Gefäßsystem austritt.


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Zuletzt aktualisiert: 19. Juni, 2020



ICD-10-GM-2020 H35.3

Was versteht die Medizin unter einem Makulaödem?

Das Makulaödem ist eine Veränderung der Netzhaut des Auges, bei der es zur Flüssigkeitsansammlung kommt. Diese führt zu einer Schwellung der Netzhautmitte. Das Makulaödem schränkt die zentrale Sehkraft stark ein. Betroffene sehen dann im zentralen Gesichtsfeld nicht mehr scharf. Bemerkst Du Veränderungen an Deinen Augen, solltest Du dringend einen Augenarzt aufsuchen.

Wie ist das menschliche Auge aufgebaut?

Das menschliche Auge besteht aus dem Glaskörper und aus der Linse, die von mehreren Hautschichten umgeben sind. Teil des Gesichtsfeldes und damit von außen sichtbar sind Pupille, Iris und ein Teil der Lederhaut. Die durchsichtige Hornhaut bedeckt diese Bereiche und schützt sie vor äußeren Einflüssen.
 
Hinter der Linse liegt der Glaskörper, ein mit Wasser und Hyaluronsäure gefüllter Hohlkörper. Er liegt der Netzhaut auf, in der sich die für das Sehen notwendigen Sinneszellen (Photorezeptoren) befinden. Angrenzend über der Netzhaut liegt die Aderhaut. Diese ist für die Blut- und Sauerstoffversorgung der Netzhaut verantwortlich und bildet zusammen mit der Regenbogenhaut (Iris) die sogenannte Uvea.
 
Die äußerste Hautschicht wird als Lederhaut bezeichnet, die auch als weißer Bereich vorne angrenzend an die Iris zu sehen ist. Sie umschließt das gesamte Auge und grenzt vorne an die Hornhaut an. Außen am Augapfel setzen mehrere Muskeln an, die die Augenbewegungen in der Augenhöhle möglich machen.
 
Die Makula, auch als „gelber Fleck“ bezeichnet, ist jener Teil der Netzhaut, die als Stelle des „schärfsten Sehens“ bezeichnet wird. Hier ist zum einen der Lichteinfall am höchsten, zum anderen liegen hier die Photorezeptoren sehr dicht beieinander, weshalb diese Stelle das höchste Auflösungsvermögen aufweist.

Ein Makulaödem äußert sich durch eine Schwellung im Auge.

Was sind die Symptome bei einem Makulaödem?

Bei einem Makulaödem kommt es zur Schwellung dieser Stelle des schärfsten Sehens, was mit zunehmendem Verlust der Sehschärfe sowie verschwommenen und verzerrten Sehen einhergeht. Auffallend und für die Diagnostik wichtig ist, dass sich die Sehschärfe auch nicht mit Brille oder Kontaktlinsen verbessern lässt.
 
Je weiter die Erkrankung fortschreitet und je mehr Flüssigkeit sich ansammelt, desto stärker werden die Symptome. Im fortgeschrittenen Stadium kann auch das Kontrast- und Farbsehen minimiert sein.

Welche Ursachen hat ein Makulaödem?

Unterschiedliche Grunderkrankungen können zur Ausbildung eines Makulaödems führen. Die wohl häufigste Form ist das diabetische Makulaödem, das als Spätfolge im Rahmen eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus auftreten kann. Hintergrund ist eine zunehmende Ablagerung von Zuckerbestandteilen in den Blutgefäßen, die zu einer Schädigung der Gefäßwand führen. Diese wird porös und durchlässig, wodurch Flüssigkeit austritt und sich im umliegenden Gewebe ansammelt.
 
Ähnliche Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden können nicht nur im Rahmen eines Diabetes ursächlich auftreten. Auch anhaltend hohe Cholesterin- und Blutfettwerte und Nikotinkonsum führen zu einer ähnlichen Problematik, die durch schlecht eingestellte, hohe Blutdruckwerte verschlechtert wird.
 
Weitere mögliche Ursachen sind Entzündungsprozesse (Entzündungen der Netzhaut oder Aderhaut) oder stattgefundene operative Eingriffe am Auge, die insgesamt eine weit bessere Prognose haben. Hintergrund hierbei sind akute entzündliche Prozesse, die zur Veränderung des Gewebes zwischen Netzhaut und Blutgefäßen führen, wodurch es zum Austritt von Proteinen aus den Blutgefäßen kommen kann. Einem Druckgradienten folgend kommt es dabei auch zum Austritt von Flüssigkeit.

Ein Makulaödem führt unbehandelt zur Erblindung.

Welche Komplikationen können bei einem Makulaödem auftreten?

Sollte der Verdacht auf ein Makulaödem bestehen, es also zur Verschlechterung der Sehschärfe oder des Kontrastsehens gekommen sein, solltest Du nicht zögern, einen Spezialisten aufzusuchen.
 
Ohne Behandlung kommt es zur Zunahme der Schwellung, sodass es durch die Erhöhung des Drucks zum Glaukom(grüner Star) oder zu einer Netzhautablösung kommen kann. Ohne adäquate Therapie kann das Makulaödem also mit einer zunehmenden Verringerung der Sehkraft einhergehen und bis zur Erblindung führen, die Lebensqualität also auch langfristig erheblich einschränken.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Makulaödem?

Der Augenarzt ist der richtige Ansprechpartner für die Diagnose eines Makulaödems. Dieser wird noch vor der eigentlichen Untersuchung in einer Anamnese erheben, welche genaue Symptomatik beschrieben wird und welche Vorerkrankungen bekannt sind. Der nächste Schritt ist eine Bestimmung der Sehschärfe. Hierbei musst Du, wie bei einem normalen Sehtest, Buchstaben von einer Lesetafel aus einem bestimmten Abstand ablesen.
 
Zur genauen Beurteilung des Auges und vor allem des Augenhintergrundes (also der Netzhaut) ist eine Untersuchung mittels Spaltlampe notwendig. Dabei kann mithilfe eines spaltförmig gebündelten Lichtstrahls das Auge in Vergrößerung betrachtete werden. Zur Erleichterung träufelt der Arzt häufig ein Medikament in Deine Augen, welches die Pupillen erweitert.
 
Eine recht neue Methode ist die optische Kohärenztomografie (OCT), die mittels Laserlicht arbeitet. Das Licht wird auf die Netzhaut geworfen und je nach Beschaffenheit reflektiert. Ein Computersystem verarbeitet das zurückgeworfene Licht so, dass sich ein detailliertes Bild der Netzhautschichten und all ihrer strukturellen Veränderungen zeigt.

Wie behandelt der Augenarzt ein Makulaödem?

Die Behandlungsmethode richtet sich nach zugrunde liegender Ursache beziehungsweise nach den Begleiterkrankungen. Steht ein Makulaödem im Rahmen einer diabetischen Grunderkrankung im Vordergrund, sind – abgesehen von einer Optimierung der Blutzuckereinstellung und der Regulation des Blutdrucks – Lasertherapie und medikamentöse Therapie mögliche Optionen.
 
Bei der Laserbehandlung werden auf mikroskopisch kleiner Ebene undichte Gefäßbereiche verschlossen. Bei der sogenannten Laserkoagulation zerstört der Arzt mittels Laser gezielt kleinste Netzhautbereiche, die durch bestimmte Umbauprozesse und Resorption des Ödems ausgelöst werden.

Die Flüssigkeitsansammlung führt zu den typischen Symptomen eines Makulaödems.

Im fortgeschrittenen Stadium des Makulaödems therapiert der Arzt mittels intravitrealer Medikamenteneingabe. Dabei injiziert der Augenarzt sogenannte VEGF-Hemmer in den Glaskörper, welche sich von dort aus langsam auch auf Netz- und Aderhaut verteilen.
 
VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein Wachstumsfaktor, der bei Ödemen und Umbauprozessen von Gefäßen eine wichtige Rolle spielt. Durch die Hemmung dieses Faktors kann eine beträchtliche Verbesserung des Sehvermögens erzielt werden.
 
Allerdings handelt es sich bei der intravitrealen medikamentösen Therapie (IVOM) um eine Behandlungsform, die zwischen fünf und zehn Mal wiederholt werden muss. Die Behandlung wird in der Regel ambulant und in lokaler Betäubung durchgeführt.
 
In bestimmten Fällen werden im Rahmen der intravitrealen Medikamenteneingabe nicht nur VEGF-Hemmer, sondern auch Steroide (Cortison) injiziert. Coritson hat insgesamt einen entzündungshemmenden und schwellungsreduzierenden Effekt.
 
Bei Makulaödemen mit zugrunde liegenden entzündlichen (postoperativen) Ursachen setzt man in der Therapie vor allem auf entzündungshemmende, immunsuppressive und flüssigkeitsrückresorbierende Medikamente, die in Form von Augentropfen lokal eingebracht werden.

 Welche Krankheiten können durch ein Makulaödem begünstigt werden?

Eine Entzündung der Augenhaut, eine sogenannte Uveitis, begünstigt die Entstehung eines Makulaödems. Umgekehrt kann ein Makulaödem und dadurch eine länger bestehende Schwellung der Netzhaut zur Reizung des Gewebes führen und dadurch wiederum eine Uveitis auslösen.

Was kann ich selbst bei einem Makulaödem tun?

Ist es bereits zur Sehverschlechterung gekommen, sodass sich der Verdacht auf ein Makulaödem erhärtet, kann durch eigenes Zutun oder verschiedene Hausmittelchen kaum ein positiver Effekt erzählt werden. In dieser Situation ist es also wichtig, so rasch wie möglich den Augenarzt aufzusuchen. Akute Verschlechterungen des Sehvermögens gelten als augenärztlicher Notfall!
 
Eine Art prophylaktisches Handeln kann lediglich bei einem erhöhten Risiko für die künftige Entstehung eines Makulaödems sinnvoll sein. Hier sind vor allem all jene Personen zu nennen, die an Diabetes mellitus leiden, und damit am häufigsten mit Gefäßveränderungen in den Augen zu rechnen haben. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind hierbei absolutes Muss, ebenso wie regelmäßige Blutzuckermessungen und Einhaltung verordneter Medikamentenschemata.

Eine Uveitis begünstigt das Entstehen eines Makulaödems.

Welche Folgen hat ein Makulaödem für Betroffene?

Im besten Fall wird die Ursache der Symptomatik schnell erkannt, kann ebenso rasch therapiert werden und es kommt zu einem guten Ansprechen auf die Behandlung mit Verbesserung der Sehkraft.
 
Im schlechtesten Fall kann das Fortschreiten der Erkrankung trotz mehrerer Therapieversuche nicht aufgehalten werden und es kommt zur Verschlechterung des Sehvermögens bis hin zur vollständigen Erblindung. Der Vorgang ist in der Regel absolut schmerzfrei und kann häufig auch recht langsam vonstattengehen, sodass die Dringlichkeit der Situation nicht erkannt wird.

Wie ist die Prognose bei einem Makulaödem?

Die Prognose eines Makulaödems hängt sehr stark von der Ursache der Erkrankung und vom Zeitpunkt der ersten Intervention ab. Vor allem entzündliche oder postoperative Veränderungen bilden sich häufig vollständig zurück und haben damit eine gute Prognose. Bei einem Makulaödem als Folge von chronischen Gefäßerkrankungen hingegen musst Du eher mit einer schlechten Prognose rechnen.

Kann Stress ein Makulaödem auslösen?

Zwar kann Stress per se bei einem gesunden Auge nicht zur plötzlichen Entstehung eines Makulaödems führen, jedoch kann er bei vorbestehenden chronischen Gefäßerkrankungen und -schäden ausschlaggebende Faktor sein.
 
Grund dafür ist die mit vermehrtem Stress einhergehende Erhöhung des Blutdrucks, dem bereits vorgeschädigte kleine und zarte Gefäße oftmals nicht standhalten können. Je höher der Druck, desto eher werden Flüssigkeitsanteile des Blutes aus den Gefäßen gedrückt und führen dabei zu einer Schwellung.

Was ist ein zystoides Makulaödem?

Zu unterscheiden von einem diffusen Ödem, bei dem die ausgetretene Flüssigkeit aufgelockert um die Makula verteilt ist, handelt es sich beim zystoiden Makulaödem um abgekapselte Flüssigkeitsansammlungen, die allem voran bei entzündlichen Ursachen des Makulaödems entstehen.

Bei einer rechtzeitigen Behandlung hat das Makulaödem gute Heilungschancen.

Wie viel kostet die Behandlung eines Makulaödems?

Wie bei vielen medizinischen Leistungen, lässt sich ohne eine ärztliche Untersuchung schwer ein Pauschalpreis festlegen. Auch hier kommt es darauf an, welche Behandlung die richtige für Deine Situation ist. Bei einer rechtzeitig begonnenen Therapie wirst Du beispielsweise weniger Behandlungskosten zahlen müssen, da das Ausmaß der Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Eine OCT kostet beispielsweise zwischen 90 und 150 Euro.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung eines Makulaödems?

Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Behandlung eines Makulaödems. Bei der Behandlung eines Makulaödems handelt es sich nämlich um eine medizinisch absolut notwendige ärztliche, diagnostische sowie therapeutische Leistung. Erkunde Dich bei Deiner Krankenkasse oder Deinem Augenarzt vorsichtshalber dennoch, welche Kosten Du selbst tragen musst und welche nicht.


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

-

Stationärer Aufenthalt Stationär

-

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einem Makulaödem handelt es sich um eine augenärztliche Erkrankung, die mit Symptomen wie Verringerung der Sehschärfe, Einbußen im Kontrast- und Farbsehen oder dem Sehen von schwarzen punktförmigen Bewegungen einhergeht


Häufigste Ursache für die Entstehung eines Makulaödems ist das Vorhandensein der Grunderkrankung Diabetes mellitus


In der Therapie zur Anwendung kommen sowohl Laserbehandlungen als auch medikamentöse Ansätze. Die medikamentöse Therapie kann entweder als intravitreale Injektion in den Glaskörper oder durch Einbringen mittels Augentropfen erfolgen


Vor allem beim häufigen mit Diabetes mellitus assoziierten Makulaödem ist ein wichtiger Pfeiler der Therapie zudem eine optimale Blutzuckereinstellung und Reduktion weiterer Risikofaktoren wie Nikotinkonsum, Bluthochdruck oder erhöhter Blutfettwerte

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