Urethritis (Harnröhrenentzündung)

Schmerzen beim Wasserlassen, ein unangenehmer Ausfluss oder der ständige Gang zur Toilette sind Beschwerden, die vielen bekannt sind. Dafür muss nicht immer die Harnblase verantwortlich sein, auch die Harnröhre kann im Rahmen einer Entzündung die genannten Symptome verursachen.


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Zuletzt aktualisiert: 9. September, 2020



ICD-10-CM Code N34.1 – N34.2

Was versteht die Medizin unter einer Urethritis?

Die Harnröhrenentzündung zählt zu den Infektionen des unteren Harnweges. Durch die Harnröhre gelangt der Urin von der Harnblase durch die Geschlechtsorgane nach außen. Bei einer Harnröhrenentzündung ist die Schleimhaut der Harnröhre entzündet, was zu einem unangenehmen Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss führen kann.
 
Die Harnröhrenentzündung zählt zu den Infektionen des unteren Harnweges
 
Männer und Frauen erkranken, im Gegensatz zum allgemeinen Glauben, gleich häufig an einer Harnröhrenentzündung. Die Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren ist jedoch am meisten von einer Harnröhrenentzündung betroffen, da die Erkrankung besonders durch ausgeprägte sexuelle Aktivität begünstigt wird. Bei Männern sind die Beschwerden einer Harnröhrenentzündung aufgrund der längeren Harnröhre meist stärker. Frauen hingegen bemerken in vielen Fällen eine Harnröhrenentzündung gar nicht, da die Symptome bei ihnen häufig nur sehr schwach sind.
 
Man unterteilt die Harnröhrenentzündung in die spezifische Urethritis und die unspezifische Urethritis.
 
Bei der spezifischen Urethritis ist das sexuell übertragbare Bakterium Neisseria gonorrhoeae, auch Gonokokken genannt, für die Harnröhrenentzündung verantwortlich. Die Infektion mit diesem Bakterium führt zur Geschlechtskrankheit Tripper. Die unspezifische Urethritis wird hingegen durch verschiedene andere Bakterien verursacht. Zu den Erregern einer unspezifischen Urethritis zählen vor allem Chlamydien, Mykoplasmen und Darmbakterien, aber auch nicht infektiöse Ursachen kommen für eine Erkrankung infrage.

Wie ist die Harnröhre aufgebaut und was ist ihre Funktion?

Über die Harnröhre wird der in den Nieren produzierte und in der Harnblase gesammelte Harn nach außen abgegeben. Weibliche und männliche Urethra unterscheiden sich dabei in ihrem Aufbau. Die weibliche Harnröhre ist drei bis fünf Zentimeter lang und hat einen sternförmigen Querschnitt, der durch Falten verursacht wird. Sie beginnt am unteren Harnblasenende, dem sogenannten Blasenhals.
 
Die männliche Harnröhre ist ungefähr 20 Zentimeter lang. Sie dient gleichzeitig als Samengang, da die samenableitenden Wege, sowie verschiedene Drüsen zur Anreicherung des Sekretes, in den Samenleiter einmünden. Deshalb wird die männliche Urethra auch als Harn-Samenröhre bezeichnet. Im Gegensatz zur fast vollständig geraden weiblichen Harnröhre weist die männliche Urethra durch den Einbau in den Penis zwei Krümmungen auf, welche verschiedene Engstellen im Verlauf bilden.

Was sind die Symptome einer Harnröhrenentzündung?

Die Symptome der Harnröhrenentzündung sind den Beschwerden der Harnblasenentzündung ähnlich. Viele Betroffene leiden unter einem Jucken, Stechgefühl und Brennen der Harnröhre. Dadurch kann das Wasserlassen sehr schmerzhaft sein. Ebenfalls kann ein glasig-trüber, beziehungsweise eitriger Ausfluss aus der Harnröhre auftreten, der vielen Betroffenen sehr unangenehm ist. Zusätzlich lassen sich häufig Rötungen am Ausgang des Genitales vorfinden.
 
Die Beschwerden der Harnröhrenentzündung sind bei Frauen und Männern unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei Frauen sind die Beschwerden, durch die kürzere Harnröhre, meist deutlich schwächer und viele berichten nur von einem unangenehmen Gefühl beim Wasserlassen. Dadurch bleibt die Harnröhrenentzündung bei Frauen länger unentdeckt. Zu spät behandelt, kann sich die Harnröhrenentzündung jedoch weiter nach oben bis zu den Eileitern und Eierstöcken ausbreiten und dadurch schwerwiegende Folgen wie eine Unfruchtbarkeit verursachen.
 
Männer hingegen, haben meist sehr starke Beschwerden, da sie eine deutlich längere Harnröhre besitzen und die Entzündung daher ein größeres Schleimhautareal betrifft. Zudem kann bei ihnen die Entzündung auf die Prostata und den Hoden überwandern.
 
Die Symptome der Harnröhrenentzündung sind den Beschwerden der Harnblasenentzündung ähnlich. Viele Betroffene leiden unter einem Jucken, Stechgefühl und Brennen der Harnröhre. Dadurch kann das Wasserlassen sehr schmerzhaft sein

Welche Ursachen hat eine Harnröhrenentzündung?

Prinzipiell sind Frauen und Männer gleich häufig betroffen. In den meisten Fällen ist die Harnröhrenentzündung auf eine bakterielle Infektion nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr zurückzuführen. Zu den häufigsten bakteriellen Erregern einer Harnröhrenentzündung gehören die Chlamydien mit etwa 25 Prozent und die Gonokokken mit etwa 20 Prozent aller Harnröhrenentzündungen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Bakterien, die eine Harnröhrenentzündung auslösen können.
 
Da die Bakterien meist durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, besteht die beste Möglichkeit eine Infektion zu verhindern darin, Kondome beim Geschlechtsverkehr zu verwenden. Diese bieten zwar keinen hundertprozentigen Schutz, können aber eine Infektion in vielen Fällen verhindern. Ebenso stellen häufig wechselnden Geschlechtspartner einen Risikofaktor für die Erkrankung dar.
 
Menschen die längere Zeit im Krankenhaus verbringen müssen und bei denen der Harn über einen Harnblasenkatheter abgeleitet wird, sind besonders für eine Harnröhrenentzündung gefährdet, da ein, über längere Zeit liegender, Blasenkatheter die Harnröhre, durch Reibung, reizt. Als Folge wird die Schleimhaut des Patienten empfindlicher für Keime und hat weniger Möglichkeiten zu deren Abwehr. Eine Verletzung der Harnröhre nach dem Einführen von spitzen Gegenständen, wie es im Rahmen einiger ärztlicher Untersuchungen notwendig sein kann, begünstigt das Auftreten einer Harnröhrenentzündung ebenfalls.

Welche Komplikationen können bei einer Urethritis auftreten?

Bei Frauen droht, durch eine Ausbreitung der Infektion, als Spätfolge einer chronischen Entzündung der Eierstöcke und Eileiter, die Unfruchtbarkeit. Eine Harnröhrenentzündung hat in einigen Fällen eine Verengung der Harnröhre zur Folge. Bei Männern kann sich die Entzündung auf Hoden und Nebenhoden, in einigen Fällen auch auf die Prostata ausbreiten. Eine Infektion durch Chlamydien kann bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden und eine Bindehautentzündung zur Folge haben, die unbehandelt zur Beeinträchtigung der Sehkraft bis hin zur Erblindung führen kann.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Aufgrund der gefährlichen, möglichen Komplikationen, die sich aus einer Harnröhrenentzündung ergeben können, ist es sehr wichtig, frühzeitig und bei den ersten Anzeichen einer Infektion zum Arzt zu gehen. Je schneller eine Behandlung stattfindet, desto höher ist dich Chance einer komplikationslosen Abheilung.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Harnröhrenentzündung?

Zur Diagnose einer Harnröhrenentzündung liefert die Schilderung der Beschwerden bereits wichtige Informationen. Danach folgt die körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt feststellt, ob die Harnröhrenmündung äußerlich sichtbar entzündet und gerötet ist.
 
Zur weiteren Abklärung wird meist ein Abstrich mit anschließender Laboruntersuchung von der Harnröhre angefertigt. Dafür entnimmt der Arzt mithilfe eines Wattestäbchens oder eines kleinen Spatels eine Probe aus der vorderen Harnröhre. Die Gewebeprobe begutachtet er anschließend unter dem Mikroskop.
 
Zur sicheren Identifizierung des ursächlichen Bakteriums der Harnröhrenentzündung ist jedoch eine Urinkultur unerlässlich. Dabei versucht man die Bakterien aus einer Urinprobe in speziellen Nährmedien so stark zu vermehren, dass sie sicher erkennen lassen
 
Zur sicheren Identifizierung des ursächlichen Bakteriums ist jedoch eine Urinkultur unerlässlich. Dabei versucht man die Bakterien aus einer Urinprobe in speziellen Nährmedien so stark zu vermehren, dass sie sicher erkennen lassen. Wichtig ist hierfür, den ersten Strahl des Morgenurins zu verwenden, da mit ihm die meisten Bakterien aus der Harnröhre ausgeschwemmt werden.
 
Wird der Mittelstrahlurin verwendet, sind die meisten Bakterien bereits ausgespült und die Probe so weit verdünnt, dass die Bakterien meist nicht mehr ausreichend nachweisbar sind. Sind genügend Bakterien in der Urinprobe vorhanden, so lässt sich an ihnen die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika vorab mit einem Antibiogramm testen. Dieser Test liefert also sowohl eine Diagnose wie auch Hinweise für die bestmögliche Therapie.

Wie behandelt der Arzt eine Harnröhrenentzündung?

Die Therapie der Harnröhrenentzündung richtet sich stets nach dem auslösenden Faktor. Bei einer bakteriellen Infektion ist die Gabe von Antibiotika fast immer notwendig. Je nach Erreger wählt der Arzt das passende Antibiotikum aus. Die Chlamydien werden mit einem Antibiotikum aus der Gruppe der Makrolide behandelt, wozu Wirkstoffe wie Erythromycin oder Clarithromycin zählen.
 
Das Antibiotikum hemmt das Wachstum der Bakterien, wodurch diese sich nicht mehr vermehren können. Bei einer Infektion mit Gonokokken ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Cephalosporine wirksam. Empfehlenswert ist meist auch die prophylaktische Mitbehandlung des Partners, damit sich beide nicht immer wieder erneut gegenseitig anstecken (Ping-Pong-Effekt).
 
Bei einer nicht-infektiösen Urethritis ist es wichtig, den Auslöser zu kennen und zu vermeiden, wie zum Beispiel durch einen Wechsel zu anderen Reinigungsprodukten oder Verhütungsmitteln. Schließlich kann der Arzt bei starker Schmerzsymptomatik unterstützende Medikamente wie Schmerzmittel verschreiben, um die Beschwerden zu lindern.

Wie ist der Krankheitsverlauf einer Urethritis?

Der Verlauf einer Urethritis hängt von der Ursache ab. Bei Frauen läuft die Harnröhrenentzündung oftmals milder oder sogar ganz ohne Beschwerden ab. Bei einer bakteriellen Erkrankung führt die Behandlung mit dem richtigen Antibiotikum zu einer guten Prognose. Die Symptomatik ist meist innerhalb einer Woche vergangen. Folgeschäden treten bei einer rechtzeitigen und konsequent zu Ende geführten Behandlung nur selten auf. Ist die Infektion schon weiter aufgestiegen, kann es länger dauern bis sich die Symptome lindern.
 
Bei der Einnahme von Antibiotika ist es unabdingbar, dass das Arzneimittel auch nach Abklingen der Beschwerden weiter eingenommen werden, bis die vom Arzt verordnete Behandlungsdauer erreicht ist, um die Ausbildung von Resistenzen gegen antibiotische Wirkstoffe zu vermeiden. Die Entzündung der Harnröhre klingt unter der richtigen antibiotischen Therapie in der Regel schnell ab.

Was kann ich selbst bei einer Harnröhrenentzündung tun?

Zusätzlich gibt es einige Hausmittel, die den Genesungsprozess bei einer Harnröhrenentzündung unterstützen können. Besonders wichtig ist es, während der Entzündung viel zu trinken. Denn auch wenn das häufige Wasserlassen unangenehm ist, lassen sich die Bakterien durch das vermehrte Ausströmen leichter aus der Harnröhre ausschwemmen.
 
Bestimmte Fruchtsäfte wie Cranberry-, Preiselbeer- oder Johannisbeersaft säuern den Urin zusätzlich an, was es den Bakterien erschwert, sich zu vermehren und eine Harnröhreninfektion vorbeugen können
 
Zudem ist es von Vorteil, die Füße warmzuhalten, da die Durchblutung der Füße die Durchblutung der Harnwege, durch ein Nerv-Venen-Geflecht fördert. Dies unterstützt wiederum die Abwehrmechanismen des Körpers.
 
Bestimmte Fruchtsäfte wie Cranberry-, Preiselbeer- oder Johannisbeersaft säuern den Urin zusätzlich an, was es den Bakterien erschwert, sich zu vermehren. Im Handel gibt es bereits fertige Blasenteemischungen zu erwerben, die eine Heilung der Harnröhrenentzündung fördern sollen.
 
Der Konsum von Alkohol sollte für die Dauer des Infekts vermieden werden, da er das Immunsystem schwächt und die eigenen Schutzmechanismen des Körpers hemmt. Geschlechtsverkehr, Masturbation und die Verwendung von Sexspielzeug, welche die Umgebung der Harnröhre reizen können, sollte man während der Krankheits- und Genesungsphase ebenfalls meiden.

Wie kann ich einer Harnröhrenentzündung vorbeugen?

Einer Harnröhrenentzündung kann man mit einfachen Maßnahmen wirksam vorbeugen. Da die Harnröhrenentzündung in den meisten Fällen durch sexuell übertragbare Erreger entsteht, gilt die Verwendung von Kondomen als wichtige Prophylaxe. Ebenso unterstützt ein gutes Immunsystem den Körper in der Abwehr einer Infektion.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Urethritis?

Alle anfallenden Kosten zur Diagnose und Behandlung der Entzündung übernimmt die Krankenkasse.


Dauer Dauer

Ca. eine Woche

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Urethritis ist eine isolierte Entzündung der Harnröhre, wobei eine spezifische Urethritis im Rahmen einer Gonokokken Infektion von der unspezifischen, nicht-gonokokken Urethritis unterschieden wird


Die Risikofaktoren für eine Erkrankung sind sexuelle Aktivität, eine geringe Trinkmenge, ein geschwächtes Immunsystem oder mechanische Reizung zum Beispiel im Rahmen eines Harnkatheters


Die Symptome der Urethritis sind ein weißlicher Ausfluss aus der Harnröhre, eine Rötung um den Ausgang der Harnröhre sowie Brennen oder Jucken. Insbesondere bei Frauen können die Beschwerden aber gering und die Symptomatik klinisch diskret sein


Die Therapie erfolgt meist durch ein Antibiotikum und führt innerhalb einer Woche zur Linderung der Symptomatik

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