Struma (Kropf)

Jegliche Vergrößerung der Schilddrüse wird als Struma oder umgangssprachlich als Kropf bezeichnet. Eine Struma stellt keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom verschiedener Erkrankungen dar. Je nach Ursache erfolgt die Behandlung mit Medikamenten, einer Operation oder Radiojodtherapie.


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Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober, 2020



ICD-10-GM-2020 E01, E04 + E05

Was versteht die Medizin unter einer Struma?

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse (Thyroidea), bestehend aus zwei Lappen, die über eine kleine Brücke (Isthmus) miteinander verbunden sind, liegt unterhalb des Kehlkopfes. Ihre Aufgabe ist die Produktion der Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin), die in den Stoffwechsel eingreifen, und Calcitonin, das den Kalziumhaushalt regelt. Bei Frauen umfasst das Schilddrüsenvolumen 18 bis 20 Milliliter, bei Männern 25 Milliliter.
 
Jegliche Vergrößerung, die über diese Volumina hinausgehen, nennt der Mediziner Struma. Umgangssprachlich wird eine tast- und sichtbare Drüsenschwellung als Kropf bezeichnet. Eine Vergrößerung der Schilddrüse hat per se noch keinen Einfluss auf ihre Funktion.

Bei einer Struma handelt es sich um eine Vergrößerung der Schilddrüse.

Wie erfolgt die Einteilung der Struma?

 
Größe

Die Größe wird meist nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in drei Grade eingeteilt.
 

  • Grad 0 Die Struma ist weder tast- noch sichtbar, sondern nur im Ultraschall erkennbar
  • Grad 1 Eine tastbare Schilddrüsenvergrößerung
  • Grad 1a Die Struma ist auch bei nach hinten geneigtem Kopf nicht sichtbar
  • Grad 1b Die Struma ist bei nach hinten geneigtem Kopf bereits sichtbar
  • Grad 2 Die Schilddrüsenvergrößerung ist auch ohne Bewegung des Kopfes sichtbar
  • Grad 3 Die Struma bereits so groß, dass sie andere Organe beeinträchtigt

 
Lage

Eine euthyreote Struma erstreckt sich vom Hals bis zum Brustbein (Sternum). Eine dystope Struma hingegen wächst hinter das Brustbein (retrosternal) oder bis in den Zungengrund hinein.
 
Beschaffenheit

Eine Struma diffusa ist eine einheitlich (homogen) vergrößerte Schilddrüse. Bilden sich innerhalb der Schilddrüse kleine Knoten, spricht der Arzt von einer Struma nodosa, uninodosa bei einem Knoten und multinodosa bei mehreren Knoten. Kleine flüssigkeitsgefüllte von Bindegewebe umgebene Hohlräume sind Zysten (Struma cystica).
 
Funktion

Eine vergrößerte Schilddrüse, die eine normale Menge von den Hormonen T3 und T4 produziert (euthyreot, Euthyreose), ist eine sogenannte nichttoxische Struma. Produziert sie mehr Hormone (hyperthyreot, Hyperthyreose) oder weniger (hypothyreot, Hypothyreose) spricht der Arzt von einer toxische Struma.
 
Dignität

Eine Struma maligna ist ein bösartiger Tumor, eine blande Struma eine gutartige (benigne) nicht entzündliche Vergrößerung mit normaler Funktion. Eine wiederkehrende Struma nach abgeschlossener Therapie nennt der Arzt Rezidiv.
 

Wie häufig ist die Struma und wer ist davon betroffen?

Während Strumen (Strumae) früher sehr häufig (endemisch) waren, ist ein sichtbarer Kropf heutzutage selbst in Jodmangelgebieten selten (sporadisch). Dennoch stellt die Struma die häufigste Erkrankung einer Hormondrüse (Endokrinopathie) dar. Mehr als 30 Prozent der Bevölkerung in Jodmangelgebieten zeigen eine leichte Struma, weltweit sind es um die 200 Millionen Menschen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter, Frauen sind ungefähr fünf Mal häufiger davon betroffen.
 

An welchen Symptomen erkenne ich eine Struma?

Anfangs ist eine Struma meist asymptomatisch oder verursacht ein Druck- oder Engegefühl im Hals oder Räusperzwang. Ab einem Volumen von 40 Milliliter stellt sie ein kosmetisches Problem dar.
 
Beeinträchtigt die Struma die Speiseröhre, kommt es zu Schluckbeschwerden. Bei Einengung der Luftröhre leiden Patienten an Luftnot bei Belastung, der Neigung des Kopfes und im weiteren Verlauf bei Ruhe, Atemgeräuschen (Stridor) oder Heiserkeit. Betroffene einer retrosternalen Struma können Herz-Kreislauf-Probleme entwickeln.
 
Tritt gleichzeitig eine Schilddrüsenüberfunktion auf, äußert sich diese in Herzklopfen, Schweißausbrüchen, innere Unruhe und Hyperaktivität. Eine seltene Unterfunktion geht mit einem größeren Kälteempfinden, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und depressiven Verstimmungen einher. Entzündliche Drüsenschwellungen sind oft schmerzhaft und druckempfindlich.
 

Welche Ursachen hat eine Struma?

Vor allem bei euthyreoten diffusen Strumae liegt meist ein Jodmangel vor. Schilddrüsengewebe setzt bei Jodmangel Wachstumsfaktoren frei, die zu einer Vermehrung (Hyperplasie) der Follikelzellen, Fibroblasten (Bindegewebszellen) und Blutgefäße führen.
 
Jod spielt auch eine wichtige Rolle bei der Hormonproduktion von T3 und T4. Ist ihr Spiegel zu gering oder zeigen die Hormone bei den Zielzellen keine Wirkung (periphere Hormonresistenz), reagiert die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) mit einer Ausschüttung von TSH (Thyroidea-stimulierenden Hormon). Das TSH fördert das Wachstum der Schilddrüsenzellen (Thyreozyten) und bei jahrelangem Bestehen die Entstehung von Autonomien, knotigen TSH-unabhängigen Arealen.
 
Zu viel Jod kann kurzzeitig die Bildung organischer Jodverbindungen stoppen (Wolff-Chaikoff-Effekt). Leidet der Betroffene an einer Autoimmunerkrankung wie Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis oder wurde die Schilddrüse bestrahlt, dann klingt der Effekt nicht ab und es bildet sich eine kompensatorische Struma (Plummer Effekt).
 
Morbus Basedow entsteht durch die Bindung von Antikörpern an den TSH-Rezeptor, wodurch sich das Gewebe diffus vergrößert und mehr T3 und T4 ausgeschüttet wird (Überfunktion). Bei der Hashimoto-Thyreoiditis zerstört das eigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe. Während sich anfangs eine Struma und Überfunktion ausbilden, kommt es im weiteren Verlauf zu einer Verkleinerung des Schilddrüsengewebes und einer Unterfunktion.
 
Virale oder bakterielle Entzündungen (Thyreoiditis), Verletzungen die mit Blutungen einhergehen und vorangegangene Strahlentherapien im Brustraum äußern sich zeitweise ebenfalls in einer Drüsenschwellung. Ein Schilddrüsenkarzinom(Schilddrüsenkrebs) oder Metastasen anderer Tumore bilden durch die starke Vermehrung entarteter Zellen eine Struma. Ein Tumor in der Hypophyse steigert die TSH-Produktion.
 
Kurzzeitige hormonelle Strumen treten während der Pubertät, den Wechseljahren oder in der Schwangerschaft auf. In der Schwangerschaft stimuliert das Schwangerschaftshormon hCG auch das Wachstum der Schilddrüse, gleichzeitig besteht ein höherer Jodbedarf. Dies hat einen erniedrigten T4-Spiegel und erhöhten TSH-Spiegel zur Folge.
 
Medikamente gegen eine Schilddrüsenüberfunktion (Thyreostatika) oder Antidepressiva (Lithium), Schadstoffe wie Nitrate, Resorcinol, Perchlorate oder Disulfide sowie bestimmte strumigene Substanzen in Lebensmitteln können Strumen verursachen. Dazu gehören Goitrogene wie Thiocyanat in Brokkoli, Blumenkohl oder Kohl, die die Jodaufnahme hemmen. Auch Nikotinkonsum soll die Menge von Thiocyanaten im Serum erhöhen. Andere Substanzen wie zum Beispiel Flavonoide hemmen die Jodisation. Möglicherweise kann eine Struma durch einen Mangel an Selen, Eisen, Zink oder auch emotionaler Stress entstehen.
 
Mitunter können bestimmte Substanzen in Nahrungsmitteln oder Medikamenten der Mutter wie Amiodaron, Propylthiouracil und Methimazol für eine angeborene Struma verantwortlich sein. Ist die Mutter von Morbus Basedow betroffen, können ihre Antikörper zu einer Über- oder Unterfunktion und damit zu einem kurzzeitigen Kropf des Kindes führen. Daneben können verschiedene Genanomalien, die Funktion der Hormonbildung beeinträchtigen und wie veränderte Schilddrüsenenzyme eine Vergrößerung verursachen.
 

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einem Kropf?

Der Krankheitsverlauf ist individuell verschieden und schwer vorhersagbar. Anfangs bleibt eine Struma oft unerkannt oder wird zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Eine anfangs diffuse Struma kann Knoten ausbilden, da bestimmte Bereiche durch die Wachstumsfaktoren stärker wachsen. Dies begünstigt Mutationen, die Autonomien mit einer unkontrollierten Hormonproduktion und eine Überfunktion zur Folge haben. Gerade in jüngeren Jahren zeigt sich ein schnelleres Wachstum der Schilddrüse als im höheren Alter.
 
Im weiteren Verlauf kann die Struma so groß werden, dass sie tast- und sichtbar wird und mitunter die umliegenden Organe wie Luft- und Speiseröhre beeinträchtigt. Aber auch selbstständige Rückbildungen sind möglich.
 

Wie diagnostiziert der Arzt eine Struma?

Im Anamnesegespräch wird der Arzt nach möglichen Beschwerden, der Jodaufnahme und familiäre Erkrankungen fragen. Große Strumen kann der Arzt mit bloßen Auge oder während des Schluckens erkennen. Zur Einschätzung der Größenänderung, Verschiebbarkeit, Lokalisation, Konsistenz und Homogenität der Struma und möglicher Halslymphknotenschwellungen tastet der Mediziner den Hals ab. Beim Abhören mit einem Stethoskop erkennt er Atemgeräusche oder eine stärkere Durchblutung des Gewebes.
 
Mittels Ultraschall (Sonographie) misst der Mediziner die exakte Größe und kann eine Struma diffusa von einer Struma nodosa unterscheiden. In der Blutuntersuchung werden unter anderem das TSH sowie das gesamte und freie T3 und T4 gemessen. Ein erhöhter TSH-Spiegel zeigt sich bei einem Jodmangel, aber auch einem Tumor der Hypophyse.
 
Bei Autoimmunerkrankungen zeigen sich Autoantikörper, wie TRAK, TPO-AK oder TG-AK, erhöhte Entzündungswerte zeigen eine Entzündung an und CEA, Calcitonin oder Thyreoglobulin dienen als Tumormarker.
 
Bei Krebsverdacht entnimmt der Arzt mittels Feinnadelbiopsie eine Gewebeprobe, die anschließend in einem Labor auf Krebszellen untersucht wird. Davor untersucht der Arzt die Knoten in einer Szintigrafie. Der Patient bekommt ein jodähnliches Radionuklid verabreicht, dass sich je nach Aktivität des Gewebes in der Schilddrüse anreichert und durch eine Gammakamera sichtbar wird. Karzinome und Zysten erscheinen aufgrund verminderter Anreicherung als kalte Knoten. Autonomien und Bereiche großer Aktivität zeigen sich als warme oder heiße Knoten.
 
Eine allgemeine Messung der Jodausscheidung erfolgt über einen Sammelurin. Um die Ausbreitung der Struma auf andere Organe zu untersuchen, kann der Arzt ein Brustkorbröntgen, eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) anordnen.

Eine Struma kann mit Medikamenten, einer Radiojodtherapie oder einer Opertion behandelt werden.

Wie erfolgt die medikamentöse Behandlung einer Struma?

Besteht ein ursächlicher Jodmangel, verschreibt der Arzt Jodid, oft auch als anfänglicher Kombinationstherapie mit L-Thyroxin (Levothyroxin) über zwölf bis 18 Monate. L-Thyroxin senkt den TSH-Spiegel, fällt er zu niedrig, kann es zu einer Jodverarmung und einem erneuten Wachstum nach Absetzen der Medikamente kommen.
 
Bei Krebs, einer Hyperthyreose oder Autonomien darf kein Jod eingenommen werden, da es zu einer thyreotoxischen Krise, einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung aufgrund einer plötzlichen Freisetzung der Schilddrüsenhormone, kommen kann.
 
Bei einer peripheren Hormonresistenzen und einer Autoimmunerkrankungen kann der Arzt auch nur L-Thyroxin verschreiben. Thyreostatika hemmen die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen. Diese werden bei Morbus Basedow in der Anfangsphase sowie bei einer kurzfristigen Therapie bei heißen Knoten verwendet.
 

Wie verläuft die operative Therapie der Struma?

Eine Thyreoidektomie ist die vollständige Entfernung der Schilddrüse, vor allem bei einem Schilddrüsenkarzinom. Ist nur ein Schilddrüsenlappen von einem oder mehreren Knoten betroffen, kann auch nur dieser entfernt werden (Hemithyreoidektomie). Bei gutartigen Knoten oder Morbus Basedow können auch nur der vergrößerte Teil entfernt werden (Strumaresektion). Verbleiben große funktionelle Bereiche neigen diese zur Strumabildung. Daher verschreibt der Arzt diesen Patienten oft Jodid und L-Thyroxin als Prophylaxe. Besonders wenn andere Organe wie die Speise- oder Luftröhre beeinträchtigt sind, wird der Arzt zu einer Operation raten.
 

Wann kommt bei einem Kropf eine Radiojodtherapie zum Einsatz?

Bei einer Radiojodtherapie wird dem Patienten ein radioaktives Jod verabreicht, dass das Schilddrüsengewebe zerstört. Daher erfolgt sie meist postoperativ bei bösartigen Tumoren, um eine vollständige Entfernung der Krebszellen zu gewährleisten. Daneben wird sie als Alternative zur Operation bei Morbus Basedow Patienten, wenn eine Operation nicht gewollt oder möglich ist, sowie bei Rezidiven trotz Medikamenteneinnahme eingesetzt.
 

Kann sich eine Struma zurückbilden?

In einigen Fällen, wie auch bei hormonell bedingten Vergrößerungen, bildet sich eine Struma selbstständig wieder zurück, unter einer medikamentösen Behandlung kann sie sich ebenfalls verkleinern. Ein angeborener Kropf des Neugeborenen kann sich mitunter ebenfalls innerhalb von drei bis sechs Monaten zurückbilden.
 

Kann ich einer Struma vorbeugen?

Da in den meisten Fällen Jodmangel für die Entstehung einer Struma verantwortlich ist, kann eine jodreiche Ernährung diese verhindern. Bei Phasen größeren Bedarfs wie in der Schwangerschaft oder Stillzeit können zusätzlich Jodtabletten helfen. Eine regelmäßige Kontrolle beim Arzt ermöglicht eine frühzeitigen Erkennung und Behandlung.
 

Was kostet die Behandlung einer Struma und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Kosten sind je nach Therapie unterschiedlich und werden von der Krankenkasse übernommen. Bei Medikamenten und einem Krankenhausaufenthalt während einer Radiojodtherapie oder Operation fällt ein Selbstbehalt an, für den der Patient aufkommen muss.

 


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Jede Vergrößerung der Schilddrüse wird als Struma bezeichnet, eine sichtbare Vergrößerung umgangssprachlich als Kropf.


Oft ist eine Vergrößerung der Schilddrüse asymptomatisch, kann aber mit zunehmender Größe tast- und sichtbar werden, ein Druck- oder Engegefühl sowie Luftnot oder Schluckbeschwerden auslösen.


Meistens liegt ein Jodmangel vor, aber auch Autoimmunerkrankungen oder Tumore können zu einer Struma führen.


Je nach Ursache wird eine Struma mit Medikamenten wie Jodid und L-Thyroxin behandelt oder durch eine Operation oder Radiojodtherapie entfernt.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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