Schlafapnoe

Schlafapnoe ist eine Atemstörung. Während der Betroffene schläft, kommt es zu Atemaussetzern von mindestens zehn Sekunden. Ursache ist entweder eine Störung des zentralen Nervensystems oder eine Verengung der oberen Atemwege. Wenn eine Schlafapnoe unbehandelt bleibt, kann das den Betroffenen selbst, aber auch sein Umfeld gefährden.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Schlafapnoe?

Bei einer Schlafapnoe kommt es nachts wiederholt zu Atemaussetzern. Diese bleiben von den Betroffenen aber häufig unbemerkt. Die Atempausen stören jedoch die Schlafqualität. Das kann sich negativ auf die Gesundheit des Patienten auswirken. Eine häufige Folgeerscheinung ist Bluthochdruck. In weiterer Folge werden Erkrankungen begünstigt, die mit einem dauerhaft erhöhten Blutdruck einhergehen. Als Therapie hat sich vor allem die Behandlung mit einer speziellen Atemmaske bewährt.

Bei einer Schlafapnoe kommt es nachts wiederholt zu Atemaussetzern

Welche Formen der Schlafapnoe gibt es?

Die am häufigsten vorkommende Form ist die obstruktive Schlafapnoe (OSAS). Sie entwickelt sich in der Regel schleichend. Müdigkeit, Energie- und Antriebslosigkeit sowie Konzentrationsprobleme sind die ersten Symptome dieser Form der Schlafapnoe. Ist sie besonders stark ausgeprägt, kann sie zu Sekundenschlaf führen. Vor allem während dem Autofahren oder beim Bedienen von Maschinen kann das zu großen Problemen führen. Bei einer Schädigung des Nervensystems spricht man von einer zentralen Schlafapnoe (ZSAS), sie tritt aber nur selten auf.

Wie sehen die Symptome bei einer Schlafapnoe aus?

Eine unregelmäßige Atmung und sehr lautes, unregelmäßiges Schnarchen sind typische Symptome einer Schlafapnoe. Betroffene haben Probleme beim Einschlafen und wachen nachts häufig auf. Nächtliches Aufwachen wird oft von Angst- und Erstickungsgefühlen begleitet. Manche Patienten schnappen dabei regelrecht nach Luft. Die Atemaussetzer dauern etwa zehn bis neunzig Sekunden und können sich jede Nacht Dutzende Male oder gar hundertfach wiederholen. Betroffene sind tagsüber unausgeschlafen, erschöpft und häufig auch gereizt. Tagsüber kommt es zu Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und einer verringerten Leistungsfähigkeit.

Was sind die Ursachen für eine Schlafapnoe?

In den meisten Fällen ist eine Verengung der oberen Atemwege die Ursache für eine Schlafapnoe. Die Rachenmuskulatur erschlafft beim Schlafen und die Zunge sackt zurück. Das blockiert den Atemfluss, wodurch die Sauerstoffzufuhr sinkt. Risikofaktoren für die Entwicklung dieser Form der Schlafapnoe sind Alkoholkonsum, Übergewicht, ein verkürzter Unterkiefer, ein vergrößertes Gaumenzäpfchen, vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln, eine gekrümmte Nasenscheidewand und die Einnahme von Medikamenten wie Beruhigungsmittel, Betablocker oder Schlafmitteln. Bei betroffenen Kindern sind die Ursachen in den meisten Fällen vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln. Die weitaus seltener vorkommende zentrale Schlafapnoe beruht auf einer Schädigung des zentralen Nervensystems. Dabei erfolgt die Atmung nicht mehr unwillkürlich und automatisch.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Schlafapnoe?

Schlafapnoe verhindert, dass Betroffene eine erholsame Nachtruhe finden. Nachts kann es zu Schweißausbrüchen kommen. Betroffene verspüren einen übermäßigen Harndrang, was ebenfalls die Nachtruhe stört. Es kommt zu bewusstem Stöhnen und Schreien im Schlaf, sowie Rudern mit den Armen oder Herumwälzen im Bett. Der Erkrankte bekommt das oft selbst gar nicht mit, daher ist die Mithilfe des Partners bei der Diagnose wichtig. Bleibt die Schlafapnoe unbehandelt, führt das zu einer dauerhaften Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Auch die Leistung am Arbeitsplatz nimmt durch Schwindel, Sekundenschlaf und eine verringerte Konzentrationsfähigkeit ab. Je nach Tätigkeit stellt das auch für Arbeitskollegen eine Gefahr dar, zum Beispiel, beim Bedienen von Fahrzeugen oder Maschinen.

Besteht nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt und einer körperlichen Untersuchung der Verdacht auf eine Erkrankung an Schlafapnoe wird eine ambulante Schlafdiagnostik durchgeführt

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Du stark schnarchst und dadurch selbst aufwachst, oder andere Personen weckst, solltest Du zum Arzt gehen. Wenn Du den Verdacht hast, dass Deine Atmung nachts aussetzt, solltest Du das unbedingt ärztlich abklären lassen. Weitere Anzeichen sind morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Tagesmüdigkeit und häufige Atemwegsinfektionen. Angesichts der gravierenden Folgen, die eine Schlafapnoe mit sich bringt, solltest Du Deinen Verdacht so schnell wie möglich abklären lassen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Schlafapnoe?

Besteht nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt und einer körperlichen Untersuchung der Verdacht auf eine Erkrankung an Schlafapnoe wird eine ambulante Schlafdiagnostik durchgeführt. Dafür erhältst Du ein mobiles Messgerät, das Du beim Schlafen trägst. Es zeichnet die Atmung, Herzfrequenz, die Sauerstoffsättigung des Blutes, die Körperlage und Schnarchen auf. Bringt die Untersuchung mit dem mobilen Messgerät kein klares Ergebnis erfolgt eine weitere Untersuchung in einem Schlaflabor. Dafür wirst Du für ein oder zwei Nächte stationär aufgenommen, damit Dein Schlaf überwacht werden kann.
 
Mittels EEG werden die Gehirnströme gemessen und mit einem EKG die Aktivität des Herzens. Auch der Atemfluss, Brust- und Bauchbewegungen, die Aktivität von Augen und Beinen, sowie der Sauerstoffgehalt des Bluts werden überwacht. Anhand all dieser Parameter kann der Arzt beurteilen, wie lange und wie gut Du geschlafen hast. Er gewinnt Erkenntnisse über Deine Tief- und Traumschlafphasen und kann genaue Aussagen über Atemaussetzer und deren Auswirkungen machen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Etwa vier Prozent der Bevölkerung leiden an Schlafapnoe. Vor allem Menschen im mittleren Lebensalter zwischen 40 und 65 Jahren sind davon betroffen. Männer leiden öfter an einer Schlafapnoe als Frauen. Ein Großteil der Betroffenen leidet zudem an Übergewicht.

Welche Folgen hat eine Schlafapnoe für den Betroffenen?

Viele Betroffene ziehen sich zunehmend aus dem Alltag zurück und entwickeln eine Depression. Selten kommt es bei betroffenen Männern zur Entwicklung einer erektilen Dysfunktion. Das ständige, oft unbemerkte Aufwachen raubt dem Schlaf seinen erholsamen Charakter. Der Körper kann sich nachts nicht erholen, was dazu führt, dass Betroffene auch tagsüber müde sind. Gedächtnis, Libido und Potenz leiden darunter.

In besonders schweren Fällen kann die Sauerstoffzufuhr durch das Tragen einer Atemmaske sichergestellt werden

Ein häufiges Symptom von Schlafapnoe ist starkes Schnarchen. Das kann auch den Schlaf des Partners beeinträchtigen. In vielen Fällen wird das zu einer starken Belastung für die Partnerschaft. Verhaltensauffälligkeiten, die aus der nachlassenden Gehirnleistung und dem hirnorganischen Psychosyndrom resultieren, bringt der Betroffene selbst oft nicht mit einer Schlafapnoe in Verbindung. Deshalb sind auch in diesem Punkt die Aussagen des Partners bei der Diagnose wichtig.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Vielzahl der Patienten ist übergewichtig, daher ist es wichtig, dieses zu reduzieren. Häufig kann dadurch die Verengung der oberen Atemwege als Ursache für eine Schlafapnoe behoben werden. Bei manchen Patienten lässt sich das Problem mit einer Unterkieferprotusionsschiene (Aufbisschiene) beheben. Sie schiebt den Unterkiefer ein paar Millimeter nach vorne und vergrößert dadurch den Rachenraum. Der Zahnarzt oder der Kieferorthopäde passt diese Schienen an den Kiefer des Patienten an. In besonders schweren Fällen kann die Sauerstoffzufuhr durch das Tragen einer Atemmaske sichergestellt werden. Dadurch wird aktiv Luft in den Rachen des Betroffenen geblasen, um die Sauerstoffzufuhr zu sichern.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Anatomische Ursachen, wie eine Kieferfehlstellung oder eine gekrümmte Nasenscheidewand, können durch eine Operation behoben werden. Auch wenn vergrößerte Gaumenmandeln oder ein vergrößertes Gaumenzäpfchen die Ursache für eine Schlafapnoe sind, kann eine Operation sinnvoll sein. Wenn andere Therapieverfahren nicht infrage kommen, kann ein Zungenschrittmacher eingesetzt werden. Dieses Gerät stimuliert den Nerv, der die Zungenmuskulatur steuert und soll dazu beitragen, die Atemwege offenzuhalten.

Was kann ich selbst gegen eine Schlafapnoe tun?

Durch den Konsum von Alkohol oder die Einnahme von beruhigenden Medikamenten wird das Schnarchen verstärkt, da sie entspannend auf die Rachenmuskulatur wirken. Du solltest daher so gut wie möglich darauf verzichten. Eine Veränderung der Schlafposition kann ebenfalls dazu führen, dass sich die Symptome bessern. Wenn Du auf dem Rücken schläfst, sinkt die Zunge in Richtung Rachen. Bei manchen Betroffenen tritt eine Besserung der Symptome ein, wenn sie auf der Seite oder auf dem Bauch schlafen. Achte auf einen gesunden Lebensstil und einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus. Viel Bewegung und gesunde Ernährung sind die Schlüsselelemente, um Übergewicht zu reduzieren.

Welche Komplikationen können während der Behandlung auftreten?

In Fällen, in denen die obstruktive Form der Schlafapnoe besonders stark ausgeprägt ist, kann es zu Sekundenschlaf kommen. Beim Bedienen von Maschinen oder beim Autofahren kann das mitunter zu schweren oder gar tödlichen Unfällen führen. Schlafapnoe ist eine dauerhafte Belastung für den Körper und kann daher Stresserkrankungen wie Kopfschmerzen, Magengeschwüre oder einen Gehörsturz nach sich ziehen. Langfristig kann der dauerhafte Stress zu einem erhöhten Blutdruck und chronischen Herz- und Kreislauferkrankungen führen. Grund für den erhöhten Stress des Körpers sind die Atemaussetzer.

In Fällen, in denen die obstruktive Form der Schlafapnoe besonders stark ausgeprägt ist, kann es zu Sekundenschlaf kommen

Sie versetzen den Körper in einen Ausnahmezustand und aktivieren somit das Nervensystem. Das wiederum erhöht den Blutdruck. Wenn das nachts passiert, kann das am darauffolgenden Tag zu Bluthochdruck führen. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann weitere Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder Herzinsuffizienz mit sich bringen. In neueren Studien haben Wissenschaftler herausgefunden, dass obstruktive Schlafapnoe auch das Risiko für einen Hirnschlag oder einen plötzlichen Herztod erhöht.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose und Therapie der Schlafapnoe.


Dauer Dauer

Bis zu 180 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 10 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einer Schlafapnoe kommt es zu nächtlichen Atemaussetzern


Die Ursache ist entweder eine Verengung der Atemwege oder eine Störung des Nervensystems


Um die Diagnose stellen zu können wird der Schlaf mit einem mobilen Gerät überwacht. Nur wenn dadurch keine eindeutige Klärung der Symptome möglich ist, ist ein Besuch im Schlaflabor notwendig


Für die Behandlung ist es wichtig, die Ursache der Schlafapnoe zu kennen, um diese zu beheben

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

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