Sarkopenie

Sarkopenie beschreibt ein Syndrom, welches besonders bei Menschen über 80 Jahren gehäuft auftritt. Es zeichnet sich durch einen Verlust an Muskelmasse und durch die Abnahme der Muskelkraft und der körperlichen Ausdauer aus. Durch diese Faktoren steigt das Risiko, dass Betroffene stürzen und sich Brüche zuziehen. Die Sarkopenie geht auch mit einem Verlust an Lebensqualität einher, da viele Betroffene auf fremde Hilfe angewiesen sind. Wirken Betroffene der Sarkopenie nicht durch geeignete Therapieverfahren entgegen, verschlechtert sich ihr Zustand zunehmend. Die gute Nachricht ist, dass Du selbst schon sehr viel tun kannst, um einer Sarkopenie vorzubeugen oder ihr Fortschreiten aufzuhalten oder zu verlangsamen. Denn auch bei der Sarkopenie gilt: Wer rastet, der rostet!


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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Sarkopenie?

Die Sarkopenie bezeichnet den degenerativen altersbedingten Abbau der Skelettmuskulatur. Durch den Muskelschwund nehmen die motorischen Fähigkeiten der Betroffenen ab, was die Gefahr für Stürze deutlich erhöht. Erwachsene im Alter von 40 bis 79 Jahren haben ein etwa zweiprozentiges Erkrankungsrisiko. Bis zum Alter von 85 Jahren verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko.

Die Sarkopenie bezeichnet den degenerativen altersbedingten Abbau der Skelettmuskulatur

Wie sehen die Symptome bei einer Sarkopenie aus?

Da die Sarkopenie vorwiegend von Muskelschwund gekennzeichnet ist, sind die Hauptsymptome die Abnahme von motorischen Fähigkeiten sowie im fortgeschrittenen Stadium häufige Stürze.

Was sind die Ursachen für eine Sarkopenie?

Die Ursachen für eine Sarkopenie sind bislang noch nicht abschließend geklärt. Experten vermuten ein Zusammenwirken mehrerer Ursachen. Dazu zählen hormonelle Faktoren wie eine verminderte Steroidhormon-, Wachstumshormon- und IGF-1-Synthese. Weiters spielen vermutlich auch genetische Einflüsse eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. Auch ein Mangel an körperlicher Aktivität, inadäquate Lebensgewohnheiten, abnehmende Proteinsynthese und eine veränderte Ernährung mit weniger Proteinen und wenig hochkalorischer Kost scheinen die Entstehung einer Sarkopenie zu begünstigen. Entzündungsprozesse hingegen spielen neueren Forschungsergebnissen zufolge keine Rolle bei der Pathogenese der Sarkopenie. Andere Quellen nennen auch weitere Ursachen wie chronische Erkrankungen, neurologische Erkrankungen und Arthrosen, die Einnahme von Medikamenten wie Kortison, Mangel an Vitamin D oder Testosteron.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Sarkopenie?

Etwa ab dem 50. Lebensjahr verlieren Menschen im Schnitt ein bis zwei Prozent ihrer Muskelmasse und circa eineinhalb Prozent ihrer Muskelkraft pro Jahr. Dies ist ein normaler altersbedingter Verlauf und stellt noch keine Sarkopenie dar. Bei einigen Personen jedoch kommt es zu einem überdurchschnittlichen Abbau der Muskelmasse und -kraft. Dadurch bewegen sie sich weniger und der beschleunigte Abbau setzt sich fort.

Etwa ab dem 50. Lebensjahr verlieren Menschen im Schnitt ein bis zwei Prozent ihrer Muskelmasse und circa eineinhalb Prozent ihrer Muskelkraft pro Jahr

Es ist also ein Teufelskreis aus altersbedingtem Abbau und unzureichender körperlicher Aktivität, der den Verlauf der Sarkopenie mitbestimmt. Bleibt dieser Teufelskreis undurchbrochen, wird die Sarkopenie also nicht therapiert, steigt die Gefahr für Sturzverletzungen stetig an. Im schlimmsten Fall bauen Betroffene so stark Muskelmasse ab, dass sie ihren Alltag nicht mehr selbständig bewältigen können.

Wie lässt sich eine Sarkopenie diagnostizieren?

Heutzutage diagnostizieren Ärzte eine Sarkopenie in mehreren Schritten. Zunächst führt Dein Arzt einen sogenannten SARC-F Screening Fragebogen Test durch. Du füllst dabei zunächst einen Fragebogen zur Leistungsfähigkeit und Muskelkraft aus. Erhärtet sich der Verdacht einer Sarkopenie, führt der Arzt eine Untersuchung zur muskulären Leistungsfähigkeit mit Dir durch. Mögliche Tests sind die Messung der Handkraft, der sogenannte Chair-Rising-Test oder die Messung der Gehgeschwindigkeit.
 
Fallen die Tests so aus, dass die Möglichkeit einer Sarkopenie besteht, führt der Arzt in einem dritten Schritt eine Untersuchung der Muskelmasse durch. Dazu stehen ihm mehrere Methoden zur Verfügung wie die einfache bioelektrische Impedanzmethode oder die Methode der Dexamessung. In seltenen Fällen erfolgt die Diagnosestellung auch mittels MRT oder CT. Auch der Grad der Sarkopenie lässt sich bestimmen. So wird eine schwere Sarkopenie lediglich diagnostiziert, wenn gleichzeitig eine geringe körperliche Leistungsfähigkeit (Leistung im Gehtest) vorliegt.

Welche Behandlungs- und Therapieformen gibt es?

Es gibt bislang keine konkrete medikamentöse Behandlung der Sarkopenie. Daher besteht die Therapie aus mehreren Komponenten wie dem Muskelaufbau durch Krafttraining, einer optimierten Ernährung mit ausreichend Proteinen und ungesättigten Fettsäuren, der Gabe von Vitamin D und bei Bedarf eine Anpassung des Medikamentenplans. Ist die Sarkopenie bereits weit vorangeschritten und liegen schon funktionelle Einbußen vor, ist das primäre Ziel, eine Verhinderung des weiteren Voranschreitens. Dazu eignen sich krankengymnastische, physiotherapeutische und ergotherapeutische Ansätze.
 
Die Betroffenen sollen so weit wie möglich mobilisiert werden und daraufhin ein angepasstes Krafttraining zur Stärkung der Muskulatur ausführen. Die Ernährung sollte angepasst werden, bei Bedarf kannst Du auch eine Zusatz- oder Trinknahrung in die Ernährung einplanen. Allerdings ist die Ernährungsanpassung immer nur in Kombination mit Mobilisierung und Krafttraining hilfreich.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Meistens sind ältere Menschen von der Sarkopenie betroffen, es kann aber auch junge Menschen treffen, wenn gleichzeitig andere Erkrankungen wie Erkrankungen der Lunge, des Herzens, Gefäßerkrankungen oder Tumore bestehen.

Die Betroffenen sollen so weit wie möglich mobilisiert werden und daraufhin ein angepasstes Krafttraining zur Stärkung der Muskulatur ausführen

Was kann ich selbst bei einer Sarkopenie tun?

Viele Studien belegen, dass Muskelaufbau auch bis ins hohe Alter möglich und sinnvoll ist. Voraussetzung dafür ist eine gute Versorgung mit Aminosäuren und körperliche Aktivität. Du solltest einen besonderen Fokus auf Krafttraining und eine Verbesserung der Koordination legen. Der Nutzen von einigen Nahrungsergänzungsmitteln aus Drogerien ist nicht nachgewiesen und somit auch deren Einnahme unnötig.

Wie kann ich eine Sarkopenie vorbeugen?

Du kannst schon als junger Mensch dafür sorgen, dass Dein persönliches Risiko später an einer Sarkopenie zu erkranken, sinkt. Dazu solltest Du regelmäßig Sport treiben und Dich ausgewogen ernähren. Das bedeutet vor allem, dass Du ausreichend Proteine – also mindestens 0,8g Protein pro kg Körpergewicht – zu Dir nimmst. Für vorbeugendes aber auch therapeutisches Training eignet sich das Krafttraining an Geräten, besser ist aber noch freies Training mit Hanteln oder einem Thera-Band, da Du somit gleichzeitig Deine Koordination verbesserst. Wenn Du im Alltag nur wenig Zeit für Sport hast, kannst Du zumindest kleine Übungen integrieren. Stehe zum Beispiel mehrmals freihändig von einem Stuhl auf oder mache Liegestützen gegen die Wand.

Welche Folgen hat eine Sarkopenie für den Betroffenen?

Sarkopenie bedeutet Muskelschwund. Der Muskelschwund wiederum erhöht das Risiko für Stürze. Besonders im fortgeschrittenen Alter ist das problematisch, da der Körper sich nicht mehr so gut regenerieren kann wie in jüngeren Jahren. In einigen Fällen sind die Stürze so gravierend, dass Brüche keine Seltenheit sind und sogar operiert werden müssen. In manchen Fällen bleiben dauerhafte Schäden. Aber auch für das Alltagsleben ist die Sarkopenie eine starke Einschränkung. Fehlt die Muskelkraft und die Koordination, können schon einfache Tätigkeiten wie zum Beispiel Lebensmittel einkaufen, schwerfallen. Zuletzt ist noch anzumerken, dass Sarkopenie-Patienten eine geringere Lebenserwartung haben als Personen ohne Muskelschwund.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Sarkopenie?

Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Sarkopenie ist schlicht und einfach das Alter. Des Weiteren erhöhen bestimmte chronische Erkrankungen, neurologische Erkrankungen, Osteoporose und Arthrosen (im Besonderen rheumatoide Arthritis) sowie Rauchen das Risiko. Ein Sonderfall der Sarkopenie ist die sarkopenische Adipositas. Sie wird durch übermäßiges Körperfett begünstigt und erhöht ihrerseits das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Sarkopenie ist schlicht und einfach das Alter

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen in aller Regel die Kosten für die Diagnostik und Behandlung einer Sarkopenie. Wenn Du überlegst, Dir für das Krafttraining Heimgeräte zuzulegen, solltest Du darauf achten, dass es sich um Medizinprodukte handelt, da die Krankenkassen hierfür häufig die Kosten übernehmen. Frage am besten bei Deinem Versicherungsträger nach, wenn Du unsicher bist, welche Leistungen sie übernehmen.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Es handelt sich um ein Syndrom aus Verlust an Muskelmasse, Abnahme der Muskelkraft und körperlicher Ausdauer, besonders bei Menschen im höheren Alter


Die Sarkopenie ist multifaktoriell bedingt, vermutet wird ein Zusammenhang mit hormonellen Faktoren, genetischen Einflüssen, Mangel an körperlicher Aktivität, inadäquaten Lebensgewohnheiten, abnehmender Proteinsynthese und einer veränderten Ernährung, des Weiteren spielen chronische Erkrankungen, neurologische Erkrankungen und Arthrosen, die Einnahme von Medikamenten wie Kortison, Mangel an Vitamin D oder Testosteron eine ursächliche Rolle


Die Therapie besteht aus mehreren Komponenten wie Muskelaufbau durch Krafttraining mittels Krankengymnastik, Physio- oder Ergotherapie, einer optimierten Ernährung mit ausreichend Proteinen und ungesättigten Fettsäuren, der Gabe von Vitamin D und bei Bedarf eine Anpassung des Medikamentenplans


Du selbst kannst schon sehr viel tun, um die Entstehung oder das Voranschreiten einer Sarkopenie zu verhindern. Auch wenn Du nicht viel Zeit hast können kurze Übungen, beispielsweise in einer Pause, helfen die Muskeln zu erhalten. Am wirkungsvollsten ist freies Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht und Hanteln oder einem Thera-Band, sowie Mobilisierung

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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