Reizblase

Es gibt kaum ein unangenehmeres Gefühl, als dauernd aufs WC zu müssen. Doch die sogenannte Reizblase äußert sich genau dadurch. Betroffene leiden unter ständigem, oft auch überfallsartigen Harndrang, nur um dann eine sehr geringe Harnmenge abgeben zu können. Bis heute sind die Ursachen noch nicht wirklich geklärt. Dennoch gibt es verschiedene Therapiemethoden, häufig in Form von Blasentraining oder auch Medikamenten. Hier findest Du unter anderem alle wichtigen Informationen zu Symptomen, Diagnose und Therapie der Reizblase.


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Zuletzt aktualisiert: 1. Oktober, 2020



ICD-10-GM-2020 N32.8
 

Was versteht die Medizin unter einer Reizblase?

Bei einer Reizblase ist die Funktion der Harnblase gestört. Diese Erkrankung wird auch als überaktive Blase oder Urethralsyndrom bezeichnet. Eine gesunde Blase fungiert im Normalfall als Sammelbecken für den Urin, der bereits von den Nieren und dem Harnleiter gefiltert wurde. Durch ihre Dehnbarkeit kann sie bis zu 500 Milliliter Flüssigkeit fassen, meldet gewöhnlich allerdings schon bei etwa 300 Millilitern dem Gehirn, dass sie bald geleert werden muss.
 
Diese Meldung funktioniert über Rezeptoren, die sich an der Blasenwand befinden. Sofern man dann keine Toilette aufsucht, stellt sich der Drang noch einige Zeit zurück und die Blase füllt sich weiter. Dann sendet sie erneut einen Reiz an das Gehirn. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis dem Harndrang nachgegeben wird und sich die Blase entleert.
 
Bei Personen, die an einer Reizblase leiden, ist genau dieser Ablauf gestört. Wenn man zum Urinieren auf die Toilette geht, zieht sich die muskulöse Wand der Blase zusammen und transportiert so den Harn aus dem Körper raus. Patienten, die an einer Reizblase leiden, verspüren diesen Harndrang wesentlich öfter, als er körperlich gesehen eigentlich notwendig wäre.
 
Das Phänomen der überaktiven Blase ist bis heute noch nicht geklärt. In vielen Fällen lassen sich organisch nämlich keine Gründe dafür finden. Früher galt die Krankheit als psychosomatisch, heute wird sie teilweise noch als leichte Form einer Dranginkontinenz bezeichnet.
 
Obwohl die Reizblase mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen kann, suchen sich viele Betroffene keine ärztliche Hilfe. Dies hat verschiedene Gründe. Manchen Patienten ist dieses Thema zu unangenehm, andere haben keine oder nur geringe Erwartungen an die Therapie und wieder andere sehen die Reizblase als eine normale Alterserscheinung an.
 
Betroffene, die an einer Reizblase leiden, verbringen viel Zeit auf der Toilette.
 

Wie sehen die Symptome bei einer Reizblase aus?

Die Symptome einer Reizblase unterscheiden sich grundsätzlich kaum von denen eines Harnwegsinfektes oder einer Blasenentzündung. Bei der Reizblase liegt allerdings keine entzündliche Veränderung des Gewebes vor und man kann auch keine Bakterien im Urin nachweisen.
 
Menschen, die an einer überaktiven Blase leiden, haben einen häufigen Harndrang, auch Pollakisurie genannt. Das bedeutet, dass der Betroffene innerhalb von 24 Stunden mindestens achtmal urinieren muss. Ein häufig als sehr belastend empfundenes Symptom nennen Patienten den plötzlichen Harndrang, der oftmals ohne jegliche Vorwarnung einsetzt. Durch dieses überraschend auftretende Symptom geht oft auch unfreiwillig Urin verloren. Dabei kann es sich um ein paar Tropfen, aber auch um größere Mengen handeln. Die Verbindung von dem übermäßigen Harndrang und dem unwillkürlichen Harnverlust wird von Spezialisten auch als Dranginkontinenz bezeichnet.
 
Während des Toilettengangs kommt es bei Betroffenen oft nur zu sehr geringen Ausscheidungen, sodass das Gefühl entsteht, eine Restmenge zurückbehalten zu haben. Infolgedessen folgt bereits rasch nach dem Wasserlassen der nächste Gang zum WC.
 
Ein weiteres Anzeichen der Reizblase ist die sogenannte terminale Dysurie. Das bedeutet, dass der Patient gegen Ende des Wasserlassens Schmerzen empfindet, weil sich die Blase beim Vorgang des Entleerens unangenehm verkrampft. Auch der ständige Reizzustand kann als schmerzhaft wahrgenommen werden. Die Symptome können außerdem den Schlaf der Betroffenen enorm beeinträchtigen, da sie auch in der Nacht präsent und nicht kontrollierbar sind.
 

Wie bekommt man eine Reizblase?

Im Normalfall sollte der Blasenmuskel während der Füllphase immer entspannt sein und sich erst dann anspannen, wenn das Fassungsvermögen der Blase erreicht ist. Bei Betroffenen aktiviert sich der Muskel allerdings schon wesentlich früher, wodurch der Harndrang überhaupt erst entstehen kann. Der Grund dieser Störung ist bis heute nicht ganz klar.
 
Ärztliche Untersuchungen ergeben in der Regel auch keinen konkreten Befund. Es zeigen sich häufig keine organischen Ursachen und auch andere Erkrankungen wie Harnwegsinfekte sind nicht zu diagnostizieren. Das kann unter anderem daran liegen, dass eine Reizblase oftmals nicht durch eine einzige Ursache ausgelöst wird. Vielmehr zeigen sich mehrere Gründe, die das Beschwerdebild verursachen können.
 
Die häufigsten Auslöser sind Unterkühlungen, Durchnässungen, seelische Faktoren wie Angst oder Stresszustände, Entzündungen, Hormonschwankungen wie in der  Menopause oder Fremdkörper. In seltenen Fällen können auch ernste Erkrankungen wie Krebs oder neurologische Krankheiten die Symptome einer Reizblase hervorrufen. Auch Operationen am Unterleib sind als Auslöser für eine überaktive Blase möglich.
 
Bei den Erkrankungen Typ 2 Diabetes, Parkinson, Multiple Sklerose oder nach einem Schlaganfall, hat man dadurch häufig eine veränderte Nervenreizleitung, die von der Blase bis zum Gehirn reicht. Laut Spezialisten kann es durch diese Änderung ebenfalls zu einem zu frühen und zu häufigen Harndrang kommen.
 
Die Auslöser der Krankheit unterscheiden sich bei Männern und Frauen häufig. So kann eine Reizblase bei Frauen durch einen Östrogenmangel im Scheiden-Harnröhrenbereich, zu dem es aufgrund der Wechseljahre kommt, oder auch durch häufig wiederkehrende Blasenentzündungen oder aber aufgrund einer Scheiden- oder Gebärmuttersenkung, entstehen. In der Regel bietet der Beckenboden der Gebärmutter Halt. Durch häufige Unterleibsoperationen, Geburten, Übergewicht oder körperliche Überlastung kann er jedoch geschwächt werden. Bei Männern hingegen kann eine gutartige Prostatavergrößerung eine Reizblase begünstigen.
 
Auch der Lebensstil spielt bei der Reizblase eine große Rolle. Kaffee, Tee, scharfe Gewürze wie Chili, Alkohol und kohlensäurehaltiges Wasser können die Blase reizen. Rauchen begünstigt ebenfalls eine Reizblase. Das Nikotin bindet sich nämlich an die Rezeptoren, die im Normalfall nur bei einer vollen Blase aktiviert werden und Harndrang auslösen. Wenn Du nun also schon an einer Reizblase leidest, solltest Du auch auf Deine Gewohnheiten achten und sie einem gesünderen Lebensstil anpassen.
 

Wer ist am häufigsten von einer Reizblase betroffen?

Schätzungen zufolge leben etwa 800.000 Personen in Österreich, die von einer Reizblase betroffen sind. Spezialisten gehen jedoch davon aus, dass es noch wesentlich mehr Patienten gibt, die jedoch aus unterschiedlichen Gründen keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Das Urethralsyndrom kommt häufiger bei Frauen als bei Männern vor. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit an einer überaktiven Blase zu erkranken mit dem Alter. Bei der älteren Bevölkerung hat mittlerweile beinahe jeder Zweite eine Reizblase.
 
Dass Frauen häufiger betroffen sind, liegt zum einen am Östrogenmangel nach den Wechseljahren und zum anderen daran, dass sie eine kürzere Harnröhre haben. Dadurch kommt es häufiger zur Infektion der Harnwege, was wiederum eine Ursache für die Reizblase sein kann.
 

Welche Folgen hat die Reizblase für die Patienten?

Die Reizblase hat nicht nur Schmerzen und den durchgehend unangenehmen Harndrang zur Folge. Die Symptome der überaktiven Blase führen zu einem hohen Leidensdruck und beeinträchtigen im Normalfall die Lebensqualität des Betroffenen enorm. Patienten sind immer darauf bedacht, sich in der Nähe einer Toilette aufzuhalten, was die Alltagsgestaltung deutlich verändern kann.
 
Außerdem ist der Verlust der Kontrolle über die Blasenkontinenz als ein schwerer Einschnitt in das Leben anzusehen und ändert oftmals die Lebensführung des Erkrankten. Die Krankheit geht auch oft mit Angst einher, was die Symptomatik zusätzlich verstärken kann.
 
Die Symptome einer Reizblase ähneln denen einer Blasenentzündung.
 

Wie diagnostiziert der Arzt eine Reizblase?

Auch wenn Reizblasen oft als „peinliches“ Problem angesehen werden, sollte es niemanden davon abhalten, einen Arzt aufzusuchen. Falls Du Symptome einer hyperaktiven Blase zeigst, kannst Du Dich zuerst an Deinen Hausarzt wenden. Falls sich Dein Verdacht bestätigt, überweist er Dich dann an einen Urologen oder einen Gynäkologen.
 
Für gewöhnlich beginnt die Diagnose mit einem Gespräch, der Anamnese, bei der der Arzt versucht, Deine Probleme näher zu erfassen. Dazu informiert er sich näher über Deine Symptome und wird Dir Fragen zu Deinem Trinkverhalten, der Häufigkeit und Intensität des Harndrangs und zu Deinem Toilettenverhalten stellen. Auch Deine bisherige Krankheitsgeschichte, vor allem bezüglich Harnwegsinfekte oder Blasenentzündungen, spielt eine große Rolle.
 
Besonders wichtig ist, dass Du beschreibst, welche Medikamente Du zu Dir nimmst. Es gibt nämlich eine Vielzahl von Medikamenten, die zu Symptomen einer Reizblase führen können. Beispielsweise Wirkstoffe, die gegen Bluthochdruckverordnet werden, können erhöhten Harndrang und auch häufiges Wasserlassen auslösen.
 
Ab dem Zeitpunkt, an dem Dir auffällt, dass Du häufiger Harndrang empfindest, ist es ratsam ein sogenanntes Miktionsprotokoll zu führen, in dem Du die Trinkmenge und Deine Toilettengänge auflistest. Das kann für den Arzt extrem hilfreich sein und den Prozess der Diagnose entscheidend beschleunigen.
 
Anschließend folgt dann die körperliche Untersuchung, die organische Gründe für die Symptome einer Reizblase ausschließen soll. Dafür untersucht der Spezialist den Urogenitaltrakt. Bei dieser Gelegenheit sollte bei Männern auch gleich die Prostata und bei Frauen die Gebärmutter untersucht werden, da diese Organe ähnliche Beschwerden verursachen können.
 
Besonders wichtig ist es, dass der Arzt einen Harnwegsinfekt ausschließen kann. Dafür wird Dir eine Urinprobe entnommen und diese wird dann auf Keime untersucht. Falls Du an einer Reizblase leidest, bleibt dieser Erregernachweis negativ. Manche Patienten können im Falle einer hyperaktiven Blase diese nicht mehr vollständig entleeren. Das kann der Arzt feststellen, indem er direkt nach dem Toilettengang des Betroffenen die Füllung der Blase, also den Restharn, mithilfe eines Ultraschalls kontrolliert.
 
Urologen können alternativ auch eine sogenannte urodynamische Untersuchung durchführen. Dabei wird die Funktion der Blase und der abführenden Harnwege mithilfe von Drucksonden und Elektroden analysiert. So kann nicht nur das Fassungsvermögen der Blase bestimmt werden, sondern auch die Verschlussmechanismen und die Muskulatur. Wenn der Spezialist Restharn in der Blase feststellt, sollte er auf jeden Fall noch weitere Untersuchungen durchführen. Bei Frauen kann die Ursache der Reizblase auch in der Verminderung des Östrogens liegen. Um dies festzustellen, kann der Experte einen Abstrich aus den unteren Harnwegen entnehmen. Bei lokalem Östrogenmangel zeigen die oberflächlichen Zellen dann eine Veränderung.
 
Bei der Diagnose der Reizblase ist besonders wichtig, dass andere offensichtliche Ursachen, wie zum Beispiel Steinleiden, nicht übersehen werden. Damit das ausgeschlossen werden kann, führen viele Ärzte einen Ultraschall durch. In seltenen Fällen kann auch ein seelisches oder sexuelles Trauma die Symptome einer Reizblase auslösen. Der behandelnde Arzt muss in diesem Fall auch die Psychosomatik der Erkrankung mit in die Diagnose und die Behandlung einbeziehen. Erfahrene Spezialisten starten bereits auf Verdacht mit der Therapie einer Reizblase, indem sie die Behandlung mit einem Medikament aus der Gruppe der Anticholinergika beginnen. Wenn dies wirksam ist, so ist auch die Diagnose erhärtet.
 

Wie lässt sich eine Reizblase behandeln?

Die Reizblase kann gut mit Verhaltenstherapie behandelt werden. Dabei unterscheiden Experten zwischen Blasentraining und Toilettentraining. Beide Varianten basieren allerdings auf Deinen regelmäßigen Eintragungen in Deinem Blasentagebuch. Bei ersterem soll eine Verlängerung der zu kurzen Entleerungsintervalle erzielt werden, indem Du beim Auftreten von Harndrang Deinen Beckenboden anspannst (Biofeedback). Die zweite Form zielt auf die Anpassung des Entleerungsrhythmus und damit eine Erhöhung der Blasenkapazität ab, damit man dem unwillkürlichen Harnverlust zuvorkommt.
 
Auch regelmäßiges Beckenbodentraining soll die Symptome einer Reizblase deutlich lindern. Vor allem der plötzliche und unbeabsichtigte Harnverlust kann dadurch besser kontrolliert werden. Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von hyperaktiven Blasen ist eine nicht-invasive Elektrotherapie. Dabei werden Elektroden, in Form von Plugs, Streifen oder Clips, in die Scheide eingebracht oder an den Schamlippen oder dem Penis angebracht. Diese Elektroden stimulieren dann die Nerven, die zur Beruhigung der Blase führen. Diese Form der Therapie wird in der Regel ein- bis zweimal täglich durchgeführt und kann problemlos zu Hause vom Patienten selbst angewendet werden.
 
Falls Du an schweren Beschwerden in Folge einer Reizblase leidest und die bisher angeführten Methoden bei Dir nicht greifen, gibt es auch Methoden, die ausschließlich ein Urologe oder Gynäkologe durchführen kann.
 
Dazu zählen Blaseninstillationen. Hier wird ein Medikament über einen Katheter in die Harnblase eingebracht und verbleibt dort auch bis zur nächsten Entleerung der Blase. Dabei verwendet der Experte hauptsächlich Substanzen, die den Wiederaufbau der Schutzschicht der Blasenschleimhaut beschleunigen oder Präparate, die schmerzstillend wirken. Auf diese Methode setzen Spezialisten vor allem dann, wenn andere Medikamente versagen. Damit der Arzt eine dauerhafte Linderung der Symptome gewährleisten kann, sind auf jeden Fall wiederholte Behandlungen notwendig.
 
Das Bakteriengift Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, wird nicht nur in der Schönheitsmedizin eingesetzt. Es kann nämlich direkt in die Blasenwandmuskulatur injiziert werden und dämpft dann die Überaktivität des Blasenmuskels. Diese Behandlung kann der Experte auch in lokaler Betäubung durchführen. Das Ganze hält im Normalfall für sechs bis neun Monate, kann danach jedoch ohne Probleme wiederholt werden.
 
Die Elektrotherapie oder auch sakrale Neuromodulation stimuliert die Nerven, die die Harnblase versorgen, über Elektroden. Diese bringt der Experte in der Testphase zunächst außen an. Wenn die Therapie erfolgreich ist, werden sie implantiert. Durch diese Behandlungsform soll die Harnblasenfunktion verbessert oder sogar wieder normalisiert werden.
 
Wenn alle anderen Therapiemethoden fehlgeschlagen sind und die Reizblase die Lebensqualität des Betroffenen zu sehr einschränkt, kann der letzte Ausweg eine Operation sein. Dabei vergrößern Experten die Blase durch das Einnähen von einem Darmsegment oder ersetzen sie generell durch eine Darmblase.
 

Welche Medikamente können bei einer Reizblase helfen?

Zu den erfolgreichsten Behandlungen zählen die Therapieansätze, die mit Antimuskarinika, auch als Anticholinergika bekannt, arbeiten. Diese Medikamente dämpfen die Überaktivität des Blasenmuskels und ermöglichen außerdem eine Vergrößerung des Füllmengenvolumens der Harnblase. Zusätzlich nimmt auch der extreme Harndrang ab.
 
Durch diese Therapie müssen die Patienten nicht mehr so oft auf die Toilette und auch die Häufigkeit des unfreiwillige Harnverlust durch plötzlichen Harndrang vermindert sich deutlich. Infolgedessen können Betroffene ihre Blase wieder besser kontrollieren und gewinnen so auch einen Teil ihrer Freiheit wieder, da sie ihren Tagesablauf besser planen können.
 
Zur Gruppe dieser Medikamente gehören zum Beispiel Oxybutynin, was auch als Pflaster erhältlich ist, Solifenacin, Tolterodin und Trospiumchlorid. Es gibt noch weitere wirksame Antimuskarinika, die jedoch in Österreich derzeit nicht erhältlich sind und sich außerdem in ihrem Nebenwirkungsprofil unterscheiden. Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen der in Österreich vermarkteten Medikamente sind Mundtrockenheit, Verschlechterung von grünem Star, schneller Puls, Müdigkeit und Verstopfungen. Bei älteren Personen können diese Medikamente auch zur Verwirrung führen. All diese Präparate erhältst Du allerdings nur mit der Verordnung eines Arztes, da sie rezeptpflichtig sind.
 
Bei Frauen nach den Wechseljahren sind östrogenhaltige Scheidenzäpfchen eine weitere Möglichkeit die Symptome einer Reizblase zu lindern. Bei Männern im Gegensatz können Medikamente, die bei einer vergrößerten Prostata die Blasenentleerung erleichtern, helfen, die Beschwerden zu verringern.
 
Eine Neuerung in der Welt der Medikamente gegen eine Reizblase ist die Substanz Mirabegron. Wenn Du das Präparat zu Dir nimmst, führt dies zu einer Stimulation des Sympathikus. Dieser stellt im Normalfall Deine Harnblase ruhig. Das bedeutet, dass das Medikament die hyperaktive Blase beruhigen kann und so auch den Harndrang schmälert. Dieses Medikament zeigt im Gegensatz zu der Gruppe der Antimuskarinika kaum Nebenwirkungen.
 
Es gibt viele Möglichkeiten, eine Reizblase zu therapieren wie eta mittels Medikamenten.
 

Wie ist die Prognose bei einer Reizblase?

Teilweise kann eine Reizblase bereits durch einfache Mittel gut behandelt werden. Eine langfristige Therapie der hyperaktiven Blase stellt sich jedoch häufig als schwierig heraus. Spezialisten meinen, dass auch wenn eine komplette Symptomfreiheit kaum zu erlangen ist, es dennoch zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden kommt.
 
Um dies zu erreichen, ist bei dieser Erkrankung eine ärztliche Begleitung von größter Relevanz. Für eine positive Prognose bei der Reizblase ist es wichtig, dass der Spezialist immer wieder die Wirkungen und Nebenwirkungen der Therapie neu abwägt und darauf basierend neue Entscheidungen trifft. Außerdem muss er auch die Funktionen des Urogenitaltrakts regelmäßig überprüfen, damit er Schäden, die durch die Reizblase entstehen, frühzeitig erkennen kann.
 

Was kann ich selbst bei einer Reizblase machen?

Ärzte bestätigen, dass Du bei einer Reizblase selbst einiges dagegen tun kannst. So ist zum Beispiel das Toilettentraining eine gute Möglichkeit, den dauernden Harndrang in den Griff zu bekommen. Dafür bekommst Du von Deinem behandelnden Arzt Angaben, wann und vor allem in welchen Abständen Du auf die Toilette gehen sollst. Zur Kontrolle musst Du dies regelmäßig und genau dokumentieren. Dadurch trainierst Du den Schließmuskel Deiner Blase und kannst somit auch den Harndrang besser kontrollieren. Achte auch darauf, dass Du beim Wasserlassen Deinen Schließmuskel entspannst und es einfach laufen lässt, statt zu pressen.
 
Eine weitere Vorgehensweise gegen eine hyperaktive Blase ist das Beckenbodentraining. Das kannst Du entweder allein oder auch in Form eines gemeinsamen Trainings in einer Gruppe machen. Es ist wichtig, dass Du die Übungen zur Kräftigung und Straffung Deiner Muskulatur regelmäßig durchführst.
 
Da die Erkrankung auch durch die psychologische Komponente Stress begünstigt wird, kann Stressabbau die Symptomatik mancher Betroffenen deutlich lindern. Achte darauf, dass Du mit Stresssituationen bewusst umgehst und versuche mit verschiedenen Entspannungstechniken Ruhe und Gelassenheit zu erreichen.
 
Es gibt auch einige Verhaltensweisen, die Du problemlos in Deinen Alltag integrieren kannst und die den quälenden Harndrang langfristig normalisieren. Dazu zählt die Trinkmenge auf mindestens zwei Liter am Tag zu erhöhen. Das solltest Du nicht auf einmal machen, sondern mit der Zeit steigern. Außerdem solltest Du hier darauf achten, dass Du vor allem Tee und Wasser und nicht Limonaden, Kaffee oder schwarzen Tee zu Dir nimmst. Du solltest auch darauf achten, dass Du vermehrt harntreibende Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis oder Spargel isst. Besonders wichtig ist es, dass Du Dich vor Unterkühlung und Nässe schützt.
 

Welche Hausmittel können bei einer Reizblase helfen?

Es gibt unterschiedliche Hausmittel, die je nach Beschwerdebild, die Symptome lindern können. Dazu gehören Brennnessel, Birkenblätter, Löwenzahn, Zinnkraut und Goldrute. Auch Wacholder, Hopfen und Sägepalmenextrakt wird nachgesagt, dass sie bei einer überaktiven Blase helfen. Ob Du diese pflanzlichen Heilmittel als Tee, Aufguss oder Fertigpräparat zu Dir nimmst, kannst Du selbst entscheiden.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Reizblase?

Grundsätzlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien. Kläre am besten im Vorfeld, für welche Behandlungen Dein Versicherungsträger aufkommt und für welche nicht. In den meisten Fällen übernimmt die Krankenkasse jedoch zumindest einen Teil der anfallenden Kosten.


Dauer Dauer

Über mehrere Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Reizblase ist eine gestörte Funktion der Harnblase, die zu dauerndem Harndrang führt.


Die überaktive Blase äußert sich zusätzlich noch in plötzlichem Harndrang und teilweise auch in Schmerzen beim Wasserlassen.


Die Ursachen sind bis heute nicht genau geklärt, es können allerdings häufige Harnwegsinfekte, Stress oder auch verschiedene Krankheiten einen Auslöser darstellen.


Die Behandlung einer Reizblase ist in den meisten Fällen erfolgreich und kann in Form von Medikamenten, Verhaltenstherapie, Botox oder auch eine Operation durchgeführt werden.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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