Posttraumatische Belastungsstörung

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine verzögerte oder verlängerte Reaktion auf eine schwere Belastung oder eine Bedrohung. Das Störungsbild wurde erstmals im Zusammenhang mit Kriegserlebnissen beschrieben. Daneben kann aber jede Art von außergewöhnlichen Belastungssituationen oder Veränderungen katastrophalen Ausmaßes, die bei (fast) jedem eine schwere Verstörung hervorruft, eine posttraumatische Belastungsstörung auslösen. Die Erkrankung äußert sich durch verschiedene Symptome wie ein sich ständig aufdrängendes Wiedererleben des belastenden Ereignisses, sogenannte Flashbacks, Übererregbarkeit sowie Vermeidungsverhalten. Möglich ist außerdem eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach wiederholten oder chronischen extremen Belastungen.


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Zuletzt aktualisiert: 10. September, 2020



ICD-10-GM-2020 F43.1
 

Was versteht die Medizin unter einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bezeichnet wiederholte und intrusive Erinnerungen an ein überwältigendes traumatisches Ereignis. Diese Erinnerungen dauern bereits länger als einen Monat lang an und beginnen in der Regel innerhalb von sechs Monaten nach dem Ereignis. Über die Krankheitsvorgänge der posttraumatischen Belastungsstörung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alles bekannt. Die Störung zeichnet sich durch eine Vermeidung von Stimuli, die mit dem traumatischen Ereignis verbunden sind, aus. Alpträume und Flashbacks sind ebenso typisch. Der Arzt stellt die Diagnose anhand der Anamnese, die Behandlung besteht aus einer Expositions- und einer Pharmakotherapie.

Die Posttraumatische Belastungsstörung ist die Folge eines extrem traumatischen Ereignisses.

Was sind die Symptome von einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Die posttraumatische Belastungsstörung kann nach einem Trauma kurzfristig oder mit zeitlicher Verzögerung auftreten. Manchmal vergehen sogar mehrere Jahre, bis sich die typischen Symptome zeigen. Diese für eine PTBS typischen Symptome sind unter anderem Symptome des Wiederauflebens, also sich aufdrängende, belastende Erinnerungen an das Trauma, Flashbacks oder Alpträume.
 
Ebenfalls typisch sind sogenannte Vermeidungssymptome. Dazu zählt emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit der Umgebung und anderen Menschen gegenüber. Betroffene vermeiden außerdem aktiv Situationen und Aktivitäten, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. In manchen Fällen tun sich Betroffene schwer, sich (vollständig) an wichtige Aspekte des traumatischen Ereignisses zu erinnern. Des Weiteren ist eine vegetative Übererregtheit typisch bei PTBS-Patienten. Dazu zählt Reizbarkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, eine erhöhte Wachsamkeit sowie eine übermäßige Schreckhaftigkeit.
 
Bei vielen Betroffenen ist außerdem das Selbst- und das Weltbild erschüttert und auch das Vertrauen in andere Menschen nachhaltig gestört. Nicht untypisch sind außerdem schwere Schuld- oder Schamgefühle sowie Selbsthass. Die Leistungsfähigkeit in wichtigen Lebensbereichen ist oft eingeschränkt, auch die Bewältigung des Alltags wird für viele zur Qual. Bei Personen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung kann auch der Verlauf einer körperlichen Erkrankung negativ beeinflusst werden. Außerdem steigt das Risiko für Suchterkrankungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen stark an.
 

Welche Ursachen hat die posttraumatische Belastungsstörung?

Die Ursachen für eine posttraumatische Belastungsstörung sind sehr vielfältig. Auf jeden Fall gibt es ein traumatisches Erlebnis, welches auslösend wirkt. Die Betroffenen erleiden eine ernsthafte Bedrohung und spüren, dass es um das eigene Überleben geht. Es gibt Erfahrungen, die mit größerer Wahrscheinlichkeit als andere eine posttraumatische Belastungsstörung auslösen. Dazu zählt zum Beispiel körperliche Gewalt in Form einer Vergewaltigung, Folter oder Krieg. Diese Erlebnisse begünstigen die PTBS meist noch mehr als durchlebte Naturkatastrophen oder Unfälle, für die die Betroffenen niemanden direkt verantwortlich machen können.
 
Hat der Betroffene allerdings menschliche Gewalt direkt erlebt, kann er dies in der Regel nicht mit seinem bisher bestehenden Menschenbild vereinbaren. Es existiert dann ein direkter „Feind“, der die Bedrohung darstellt. Außerdem gibt es verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung begünstigen. Des Weiteren wirkt sich Kriminalität im engeren Umfeld sowie ein sehr autoritärer Erziehungsstil mit bestrafenden Konsequenzen der Eltern negativ auf die Entstehung einer PTBS aus. Wenn die Traumatisierung über einen längeren Zeitraum erfolgte, ist das Risiko für eine komplexe PTBS überdies größer.
 

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Es gibt bestimmte genetische Faktoren, die das Risiko, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, erhöhen. Auch Einflussfaktoren aus der Umwelt sowie individuelle Lernerfahrungen spielen bei der Entwicklung der posttraumatischen Belastungsstörung eine Rolle.
 
Weitere Faktoren, die die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung fördern, sind zum Beispiel ein jugendliches oder hohes Lebensalter. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, weshalb die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht ebenfalls als Risikofaktor gesehen wird. Auch, wenn Betroffene nach einem traumatischen Ereignis nur wenig soziale Unterstützung durch die Familie, Freunde oder Kollegen erhalten, kann dies zur Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung beitragen.
 
Des Weiteren begünstigen psychische Erkrankungen oder Traumata in der eigenen Vorgeschichte oder in der Familie die Entstehung einer PTBS. Dauert das Trauma besonders lange oder ist das Trauma von einer besonderen Schwere, kann dies auch als Risikofaktor für eine posttraumatische Belastungsstörung gelten. Auch ein niedriger sozioökonomischer Status wird mit der Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung assoziiert.

Die Posttraumatische Belastungsstörung ist für Betroffene sowohl körperlich als auch seelisch eine große Herausforderung.

Was ist der Unterschied zwischen einem Trauma und einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Das Trauma selbst ist das extrem belastende Ereignis, beziehungsweise die Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes. Diese Erlebnisse oder Traumata können dabei von längerer oder kürzerer Dauer sein. Die Betroffenen erleben dabei Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit und durch das Fehlen der eigenen subjektiven Bewältigungsmöglichkeiten Hilflosigkeit und Kontrollverlust empfinden.
 
Die posttraumatische Belastungsstörung entsteht als mögliche Folge auf das traumatische Ereignis. Daher handelt es sich bei der posttraumatischen Belastungsstörung auch um eine sogenannte Traumafolgestörung. Neben der PTBS gibt es noch andere Arten der Traumafolgestörungen, was bedeutet, dass ein Trauma nicht automatisch eine posttraumatische Belastungsstörung verursacht. Einer posttraumatischen Belastungsstörung hingegen geht immer ein Trauma voraus.
 

Wer ist am häufigsten von einer posttraumatischen Belastungsstörung betroffen?

In der Allgemeinbevölkerung liegt das Risiko, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, bei etwa zwei bis acht Prozent. Grundsätzlich kann jeder Mensch aufgrund eines erlebten Traumas eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Manche Bevölkerungsgruppen haben allerdings ein höheres Risiko für diese Störung. Dazu zählen Menschen, die durch das Erlebte einen körperlichen Schaden davongetragen haben, also zum Beispiel Menschen, die in einen Unfall verwickelt waren. Auch wenn sich das traumatische Ereignis wie zum Beispiel bei sexuellem Missbrauch wiederholt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine PTBS erhöht.
 
Weitere Risikofaktoren für die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung sind das Vorliegen einer psychischen Erkrankung schon vor dem belastenden Ereignis, anhaltende belastende Lebensereignisse nach dem Trauma oder fehlende soziale Unterstützung. Auch die Art des Traumas beeinflusst, wie häufig eine posttraumatische Belastungsstörung auftritt. Nach einer Vergewaltigung entwickelt beispielsweise ungefähr die Hälfte der Betroffenen eine PTBS. Bei Opfern von Gewaltverbrechen sind es 25 Prozent, bei Kriegsopfern etwa 20 Prozent. Opfer von Verkehrsunfallopfern sowie Personen, die an schweren Organerkrankungen wie zum Beispiel Krebs oder einem Herzinfarkt leiden, entwickeln in ungefähr 15 Prozent der Fälle eine posttraumatische Belastungsstörung
 

Welche Folgen hat die posttraumatische Belastungsstörung für Betroffene?

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann dazu führen, dass auch das Risiko für andere psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Suchterkrankungen wie Alkoholismus oder Depressionen steigt. Außerdem beeinflusst eine PTBS auch den Verlauf von körperlichen Erkrankungen negativ.
 
Wenn sich die Symptome nach Jahren oder sogar Jahrzehnten nicht zurückentwickeln und der Betroffene das belastende Ereignis nicht bewältigt, steigt das Risiko für einen chronischen Verlauf und eine komplexe PTBS stark an. Die komplexe PTBS geht mit einer Persönlichkeitsänderung einher, was bei Betroffenen unter anderem eine zunehmend misstrauische Haltung der Welt gegenüber hervorruft. Dies führt dazu, dass sie sich sozial zurückziehen und sich permanent bedroht fühlen.
 

Wie diagnostiziert der Arzt eine posttraumatische Belastungsstörung?

Um eine posttraumatische Belastungsstörung zu diagnostizieren, müssen die Symptome seit mehr als vier Wochen bestehen und die Leistungsfähigkeit des Betroffenen in wichtigen Lebensbereichen eingeschränkt ist. Wenn die Symptome schon länger als drei Monate andauern, sprechen Psychologen und Ärzte von einer chronischen PTBS.
 
In einem ausführlichen Anamnesegespräch erfragt der Arzt Deine Krankengeschichte. Er befragt Dich zu Deinen aktuellen Beschwerden und möglichen Risikofaktoren und setzt dies in Beziehung zu der Gesamtsituation sowie Deiner aktuellen Lebenssituation. Als diagnostische Hilfsmittel stehen dem Arzt standardisierte Fragebögen zur Verfügung, die ein strukturiertes Interview ermöglichen oder auch zur Erfassung der Selbsteinschätzung des Betroffenen dienen. Wichtig ist, dass das Gespräch in einer vertrauensvollen Atmosphäre stattfindet, damit sich der Betroffene dem Arzt gegenüber öffnen und eventuelles Misstrauen schnell ablegen kann.
 
Innerhalb der diagnostischen Untersuchung liegt ein besonderes Augenmerk auf dem vorsichtigen Herausarbeiten des Traumas, welches die Störung verursacht hat. Wichtig ist auch dessen subjektive Bedeutung für den Betroffenen. Der Arzt erfragt die einzelnen Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung systematisch und schätzt jeweils deren Ausprägung ein. Auf differenzialdiagnostischer Ebene muss der Arzt andere psychische Erkrankungen wie zum Beispiel eine akute Belastungsstörung oder eine Anpassungsstörung ausschließen, die ebenfalls auf eine extreme Belastungssituation folgen können.

Auch für Angehörige ist die PTBS eine große Herausforderung, dennoch ist deren Unterstützung immens wichtig.

Wie lässt sich eine posttraumatische Belastungsstörung behandeln?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Therapieansätze, um eine posttraumatische Belastungsstörung zu behandeln. Wichtig ist dabei grundsätzlich die Passung und das Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut beziehungsweise Arzt und Patient. Daher muss der Behandler am Anfang dafür sorgen, dass eine sichere Umgebung hergestellt wird, in welcher der Patient vor weiteren Traumatisierungen geschützt ist und sich sicher fühlt.
 
Zu Beginn der Behandlung ist es sinnvoll, den Betroffenen zunächst psychisch zu stabilisieren. Anschließend kann gemeinsam mit dem Therapeuten eine Auseinandersetzung beziehungsweise eine Konfrontation mit dem Trauma stattfinden, die dazu beiträgt, dass die belastenden Erlebnisse psychisch verarbeitet werden können. In der abschließenden Therapiephase geht es darum, das traumatische Ereignis in die anderen Lebenserfahrungen zu integrieren und zu einer Neubewertung des eigenen Lebens zu kommen.
 
Wie viel Raum diese einzelnen Phasen einnehmen, ist vom Patienten und seiner Traumatisierung abhängig. So können Personen, die weniger schwer traumatisiert sind, oft schon nach einer kurzen Stabilisierungsphase in die konkrete Arbeit am Trauma übergehen. Bei komplexen oder mehrfachen Traumatisierungen kann es auch erforderlich sein, die verschiedenen Phasen der Traumabehandlung mehrfach zu durchlaufen.
 

Wie verläuft die Stabilisierungsphase bei der Therapie einer PTBS?

Die Stabilisierungsphase beginnt damit, dass der Therapeut dem Patienten im Sinne einer Psychoedukation ausführliche Informationen über die Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung, ihre Ursachen und ihre Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wichtig ist es in dieser Phase, dem Patienten deutlich zu vermitteln, dass seine psychischen Reaktionen nach einem solchen extremen Ereignis ganz normal und verständlich sind. Außerdem lernt der Betroffene, mehr Kontrolle über seine Symptome zu erlangen und mit ihnen im Alltag besser zurechtzukommen.
 
Der Therapeut arbeitet dazu mit sogenannten Imaginations- oder Vorstellungsübungen. Im Rahmen dieser Übungen soll sich der Patient Bilder vorstellen, die ihm Sicherheit geben und wo ihn die traumatischen Erinnerungen nicht erreichen können. Solche Vorstellungen sollte der Patient bei Möglichkeit auch im Alltag einsetzen, um sich selbst zu beruhigen und besser mit Symptomen wie Flashbacks, sich aufdrängenden Erinnerungen oder Alpträumen umzugehen.
 
Probleme wie Unruhe, Schlafstörungen oder Gereiztheit, die aus der erhöhten Erregung resultieren, kann der Patient auch durch Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder das autogene Training verringern. In der Stabilisierungsphase arbeitet der Therapeut außerdem gemeinsam mit dem Betroffenen daran, seine Bewältigungsfähigkeiten und seine Eigenverantwortung zu fördern. Auch die Erfahrung, seine Symptome selbst steuern zu können, kann dazu führen, dass sich die Betroffenen nach und nach wieder kompetenter fühlen. Die Methoden der Stabilisierungsphase werden auch in den darauffolgenden Therapiephasen eingesetzt.
 

Wie funktioniert die Traumakonfrontation bei der Behandlung einer PTBS?

In der nächsten Phase, der Phase der Traumakonfrontation bzw. -exposition, findet die Bearbeitung des Traumas statt. Diese Phase kann erst starten, sobald der Patient ausreichend psychisch stabil ist und sich auch selbst zu diesem Schritt bereit fühlt. Anhand der erlernten Übungen in der vorangehenden Stabilisierungsphase kann er nun seine Gefühle regulieren und ist in der Lage, sich nicht mehr von den belastenden Eindrücken überwältigen zu lassen.
 
Außerdem hat der Patient jederzeit die Möglichkeit, die Konfrontation zu beenden, sofern es zu belastend werden sollte. Sie kann dann zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. Auch in dieser Phase informiert der Therapeut den Patienten zunächst ausführlich über das Vorgehen und den Sinn der Traumakonfrontation. Im Anschluss daran konfrontiert er ihn mit den Erinnerungen, Gefühlen und Bildern, die mit dem traumatischen Ereignis in Verbindung stehen.
 
Der Patient soll sie nun auf diese Weise verarbeiten, sodass sie im Gedächtnis nicht mehr als Einzelteile gespeichert sind, sondern in die übrigen Lebenserinnerungen integriert werden können. Oft entwickeln Betroffene durch die Therapie auch eine neue Bewertung der Ereignisse und ihrer eigenen Rolle. Dies kann zu einer Stärkung des Selbstwertgefühls beitragen, da sich die Betroffenen nicht mehr als passive, handlungsunfähige Opfer sehen, sondern sich stattdessen als aktiv Handelnde und Überlebende wahrnehmen.
 
In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Therapien, in denen eine Konfrontation mit dem Trauma stattfindet, deutlich erfolgreicher sind als Therapien ohne eine solche Konfrontation. Essenziell für den Erfolg der Behandlung ist jedoch, dass sie von einem erfahrenen Traumatherapeuten durchgeführt wird. Manche Patienten fühlen sich nach der Stabilisierungsphase eventuell noch nicht bereit dazu, das Trauma zu bearbeiten. Andere hingegen fühlen sich nun stabil genug, um in ihren Alltag zurückzukehren. Der Therapeut versucht, die Patienten zu einer Traumakonfrontation zu motivieren. Auch wenn der Betroffene dies ablehnt, kann der Therapeut ihm die Möglichkeit geben, zu einem späteren Zeitpunkt in die Therapie zurückzukommen und die Traumakonfrontation nachzuholen.

Die Therapie einer Posttraumatischen Belastungsstörung erfolgt in mehreren Phasen.

Welche Rolle spielt die Integrationsphase in der Therapie einer PTBS?

Hat der Patient die Traumakonfrontation abgeschlossen, geht die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung in ihre abschließende Phase über. In dieser Integrationsphase unterstützt der Therapeut den Patienten darin, wieder in seinen Alltag zurückzufinden und sein Leben selbständig zu bewältigen.
 
Zunächst fördert er daher die weitere Verarbeitung des Traumas und seine Integration in die übrigen Lebensereignisse. Häufig muss der Patient auch Trauerarbeit leisten, weil das Trauma einiges in seinem Leben verändert hat. Die Betroffenen müssen des Weiteren oft neue Bewältigungsstrategien lernen, weil sich nach dem Trauma ihr Leben, aber auch ihre Sichtweise auf verschiedene Bereiche des Lebens deutlich verändert haben.
 
In dieser Phase kann der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten auch weitere Problembereiche wie zum Beispiel die sozialen Fähigkeiten bearbeiten. Bei starkem sozialem Rückzug wird der Patient dabei unterstützt, Aktivitäten aufzubauen und seinen Alltag sinnvoll zu gestalten. Auch geht es in dieser Phase oft um praktische Fragen, die den Beruf, aber auch eine mögliche Partnerschaft, betreffen. Treten Beziehungsprobleme auf, können diese auch in Paar- oder Familiengesprächen bearbeitet werden. Die Patienten lernen in dieser Phase außerdem, wie sie mit einem Rückfall oder einer Rückkehr einzelner Symptome umgehen können. Neben der psychotherapeutischen Behandlung kommen oft ergänzend dazu noch Psychopharmaka zum Einsatz. Diese verschreibt Dir Dein Arzt.
 

Wie ist die Prognose bei einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Die Heilungschancen bei einer posttraumatischen Belastungsstörung sind in der Regel gut, wenn rechtzeitig eine geeignete Therapie eingeleitet wird. Ungefähr die Hälfte der Betroffenen wird sogar ganz ohne Behandlung gesund. Dies nennen Mediziner Spontanremission.
 
Wenn die Symptome jedoch über Jahre hinweg bestehen, kommt es ungefähr in 30 Prozent der Fälle zu einem chronischen Verlauf. Mit einer adäquaten Behandlung dauert eine posttraumatische Belastungsstörung durchschnittlich etwa 36 Monate, ohne Therapie hingegen ungefähr 64 Monate.
 

Was kann ich selbst bei einer posttraumatischen Belastungsstörung tun?

Wenn Du den Verdacht hast, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden, solltest Du möglichst früh mit anderen Menschen darüber reden. Je früher eine PTBS behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Erste Ansprechpartner können Dir nahestehende Personen wie Familienmitglieder, der Partner oder Freunde sein, aber auch Dein Arzt oder Therapeut.
 
Weiters kannst Du Dich zum Beispiel in speziellen Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen austauschen. Die gegenseitige Unterstützung ist oft ein erster Schritt, um die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung anzugehen. Eine Selbsthilfegruppe kannst Du außerdem auch begleitend zur Therapie besuchen.
 

Wie kann ich eine posttraumatische Belastungsstörung vorbeugen?

Einer posttraumatischen Belastungsstörung kannst Du leider nicht vorbeugen, da sie die Folge eines einschneidenden Erlebnisses ist. An der PTBS erkranken auch ansonsten vollkommen gesunde Menschen.
 

Wie kann das Umfeld einer Person mit einer posttraumatischen Belastungsstörung helfen?

Ist jemand in Deinem Umfeld an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkrankt, solltest Du unbedingt versuchen, die Person aufzufangen. Höre dazu aufmerksam zu und nimm die Gefühle Deines Gegenübers ernst. Wenn die Person Suizidwünsche oder -pläne äußert, solltest Du sofort einen Arzt kontaktieren. Bestärke den Betroffenen darin, eine Therapie zu beginnen und lasse Dich auch darin einbinden, sofern der Therapeut dies für sinnvoll erachtet. Auch Du selbst solltest Dich nach Unterstützungsangeboten umhören, damit Du dem Betroffenen noch besser helfen kannst und auch selbst gleichzeitig dabei gesund bleibst.
 

An wen kann man sich bei einer posttraumatischen Belastungsstörung wenden?

Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung kannst Du Dich als Betroffener oder Angehöriger an verschiedene Personen oder Organisationen wenden. Ist die Situation sehr akut, kannst Du Notfallnummern wie die des Sozialpsychiatrischen Notdienstes oder der Telefonseelsorge wählen. Diese sind rund um die Uhr erreichbar.
 
Weitere erste Ansprechpartner sind zum Beispiel der Hausarzt, Psychotherapeuten oder Psychiater. In Deutschland kannst Du Dich außerdem an das psychosoziale Netzwerk der Bundeswehr wenden, an die Hilfsorganisation für Angehörige von Gewaltopfern oder an den Weißen Ring e.V., Hilfe für Opfer von Gewaltverbrechen.
 
Wohnst Du in Österreich, findest Du Hilfe in Form des Vereins Hilfe für Angehöriger psychisch Erkrankter oder bei der Katastrophenhilfe Österreich sowie beim Hilfswerk Österreich. In der Schweiz stellt zum Beispiel das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK traumatisierten Menschen ein ambulantes Therapieangebot zur Verfügung.

Die rechtzeitige Therapie einer PTBS ist umso wichtiger, da sie in 30 Prozent der Fälle chronisch wird.

Wie viel kostet die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Die Kosten für die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung setzen sich aus dem Honorar des behandelnden Arztes und den Kosten für bestimmte Diagnoseverfahren zusammen. In manchen Fällen kommen auch Kosten für eine Psychotherapie oder denen der klinisch-psychologischen Diagnostik hinzu. Manchmal werden die Patienten auch im Krankenhaus behandelt. In diesem Fällen fallen demgemäß weitere Kosten an.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Dein zuständiger Sozialversicherungsträger übernimmt alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnosemaßnahmen bei der posttraumatischen Belastungsstörung. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder ein Kostenbeitrag anfallen. Falls Du Fragen zur Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen oder Therapien hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach. Unsere Spezialisten stehen Dir ebenfalls gerne bei allen Fragen zur Seite.

 


Dauer Dauer

Über mehrere Monate

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Krankheitsverlauf

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Krankheitsverlauf

Das Wichtigste zusammengefasst

Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine Reaktion auf ein Trauma, welches zum Beispiel durch lebensbedrohliche Erfahrungen oder schwere Verletzungen entsteht. Die Reaktion darauf, die PTBS, kann sich sehr lange und intensiv auswirken.


Symptome der PTBS sind unter anderem sich aufdrängende, belastende Erinnerungen an das Trauma, Flashbacks oder Alpträume, Vermeidungssymptome wie emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit. Typisch ist ebenfalls eine vegetative Übererregtheit, die sich durch Reizbarkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, eine erhöhte Wachsamkeit sowie eine übermäßige Schreckhaftigkeit bemerkbar macht. Auch körperliche Symptome oder Krankheiten können sich verschlimmern, psychische Komorbiditäten wie Suchtverhalten oder Depressionen treten ebenfalls überdurchschnittlich häufig auf.


Zu den Risikofaktoren zählen genetische Faktoren, Einflussfaktoren aus der Umwelt sowie individuelle Lernerfahrungen, jugendliches oder hohes Lebensalter, Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht, fehlende soziale Unterstützung, psychische Erkrankungen oder Traumata in der eigenen Vorgeschichte oder der von Familienmitgliedern, sowie ein niedriger sozioökonomischer Status.


Eine posttraumatische Belastungsstörung kann auch ohne Behandlung wieder verschwinden, allerdings solltest Du Dir trotzdem Hilfe suchen, da die Heilungschancen mit der richtigen Behandlung deutlich höher sind und auch das Risiko für eine chronische oder komplexe PTBS sinkt. Erste Ansprechpartner können Personen aus Deinem Umfeld sein, Familie, Freunde oder der Partner, Dein Arzt oder Therapeut oder eine Selbsthilfegruppe sein. Zögere in akuten Fällen nicht, eine Notrufnummer wie beispielsweise die des sozialpsychiatrischen Notdienstes zu wählen.

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