Pleuraerguss

Atemnot, Husten und stechende Schmerzen im Bereich des Brustkorbs, die bis in Bauch, Herz und Schultern ausstrahlen, sind Beschwerden, die viele Ursachen haben können und von einer vorliegenden Rippenfellentzündung bis hin zu Tuberkulose und Herzinsuffizienz reichen. Häufig entsteht als Folge dieser Erkrankung ein Pleuraerguss, der genau diese Symptome beim Patienten auslöst und eine genaue medizinische Untersuchung benötigt.


AUTOR

Medizinische Expertin

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 30. September, 2020



ICD-10-GM-2020 J90-91
 

Was versteht die Medizin unter einem Pleuraerguss?

Während einem Pleuraerguss sammelt sich Flüssigkeit in der Pleurahöhle, auch Pleuraspalt genannt. Dieser ist ein spaltförmiger, dünner Raum zwischen den beiden Pleurablättern, die zusammen das Brustfell bilden und als feste Bindegewebshülle die Lunge umhüllt. Pleurahöhle und Pleurablätter werden zusammen Pleura genannt. Sie liegt den Rippen von innen und der Lunge von außen auf.
 
Im gesunden Zustand beinhaltet die Pleurahöhle nur etwas Schmierflüssigkeit, die sogenannte Pleuraflüssigkeit. Sie wird auch als seröse Flüssigkeit bezeichnet und sorgt für ein reibungslos aneinander vorbeigleiten der Pleurablätter beim Ein- und Ausatmen.
 
Die Abgabe neuer Pleuraflüssigkeit über Lymph- und Blutgefäße, und die Wiederaufnahme befinden sich normalerweise im Gleichgewicht. Wenn aber dieses Gleichgewicht gestört ist, entwickelt sich ein Pleuraerguss. Entweder geben die Lymph- oder Blutgefäße zu viel Flüssigkeit in die Pleurahöhle ab oder sie nehmen zu wenig wieder auf. Die Ursachen können vielfältig sein.

Bei einem Pleuraerguss sammelt sich Flüssigkeit im Pleuraspalt an.

Welche Arten des Pleuraergusses gibt es?

Je nach Art des Ergusses unterscheiden die Mediziner verschiedene Formen. Grundsätzlich kann man den Erguss in ein Transsudat oder Exsudat einteilen. Der Transsudate ist der eiweißarme Pleuraerguss. Dieser kann als Folge einer Linksherzschwäche oder einer Leberzirrhose entstehen.
 
Der Exsudate ist hingegen ein eiweißreicher Pleuraerguss, welcher meist auf Entzündungen oder Tumore zurückzuführen ist. Zu den Exsudaten zählen unter anderem der Hämatothorax mit einem blutigen Pleuraerguss und der Chylothorax mit einem lymphhaltigen Pleuraerguss.
 

Was sind die Symptome bei einem Pleuraerguss?

Der Pleuraerguss ist ein schleichender Prozess. Symptome wie Atemprobleme machen sich häufig erst bemerkbar, nachdem sich bereits eine größere Menge an Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustkorb angesammelt hat. Dennoch gilt die Atemnot als Leitsymptom der Erkrankung, die vor allem beim Treppensteigen oder andere körperliche Anstrengungen auftritt. Kleinere Ergüsse bleiben oft unbemerkt.
 
Neben Atemnot und Husten verspüren Betroffene oft stechende Schmerzen im Brustkorb, die auch in Bauch, Herz und Schultern ausstrahlen können. Auch Fieber ist ein mögliches Begleitsymptom.
 
Die exakte Verlaufsform eines Pleuraerguss ist stark von der zugrunde liegenden Krankheit abhängig. In den meisten Fällen ist die Verlaufsprognose gut, bleibt ein ausgeprägter Pleuraerguss jedoch unbehandelt, kann dies zu dauerhaften Atembeschwerden führen.
 

Welche Ursachen hat ein Pleuraerguss?

Die wichtigsten Ursachen für den transsudaten Pleuraerguss ist die Herzschwäche, bei der vorwiegend die linke Herzseite betroffen ist, eine Nierenerkrankung mit Niereninsuffizienz oder nephrotischem Syndrom und einer Leberschwäche.
 
Die Ursachen für einen Exsudaten Pleuraerguss können vielfältig sein. Entzündungen wie beispielsweise Lungenentzündung, Rippenfellentzündung oder Tuberkulose führen oft zu einem blutigen Exsudat. Außerdem können Tumore in der Pleura, die bei Lymphdrüsenkrebs oder Lungenkrebs entstehen, zu einem Erguss führen.
 
Aber auch Lungenembolien, vielseitige Erkrankungen des Bauchraums und Verletzungen im Brustkorbbereich führen meist zu einem blutigen Pleuraerguss. Wenn das größte Lymphgefäß des Körpers reißt, der sogenannte Ductus thoracicus, entsteht ein lymphhaltiger Pleuraerguss.
 

Bei welchen Erkrankungen kann ein Pleuraerguss auftreten?

Der eiweißreiche Pleuraerguss kann bei Infektionen, Tumoren und Oberbaucherkrankungen wie einer Pankreatitis auftreten. Der transsudate Pleuraerguss entsteht durch einen erhöhten Druck bei einer Herzinsuffizienz oder eine Leberzirrhose.
 

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Grundsätzlich gilt, dass jeder Pleuraerguss ärztlich abgeklärt werden muss. Symptomatik wie Atemnot, Schmerzen oder einem Engegefühl im Brustbereich ist oft unspezifisch und kann vielerlei Ursache haben, sollte aber dennoch immer von einem Arzt überwacht werden.

Bei einer Pleurodese saugt der Arzt mit einem Schlauch Flüssigkeit aus dem Pleuraspalt.

Wie diagnostiziert der Arzt einen Pleuraerguss?

Zunächst wird der Arzt die Krankengeschichte erheben. Dabei fragt er über die Art und Stärke der Beschwerden und wie lange diese bereits bestehen. Auch über Grund- und Vorerkrankungen sowie eventuelle Unfälle und Verletzungen erkundigt sich der behandelnde Arzt.
 
Anschließend ist eine körperliche Untersuchung notwendig, bei dem der Untersucher den Brustkorb abklopft, denn ein gedämpfter Klopfschall ist typisch für einen Pleuraerguss. Außerdem kann der Mediziner dabei feststellen, ob das Atemgeräusch gut hörbar ist. Wenn nicht, kann dies ebenfalls auf einen Pleuraerguss hinweisen. Bestärkt sich der Verdacht auf einen Pleuraerguss, kann der Arzt mittels bildgebender Verfahren eine Diagnose stellen.
 
Im Pleuraspalt sind normalerweise circa 5 ml Flüssigkeit vorhanden. Im Ultraschall sind Pleuraergüsse ab einer Flüssigkeitsmenge ab 20 Millilitern erkennbar, auf dem Röntgenbild ab etwa 300 Millilitern. Manchmal wird auch eine Computertomografie des Brustkorbs durchgeführt, welche Pleuraergüsse ab etwa 70 Millilitern nachweisen. Die bildgebenden Verfahren weisen den Arzt außerdem oft auf die Ursachen des Pleuraerguss hin.
 
Lässt sich der Grund für die Flüssigkeitsansammlung im Pleuraspalt mit bildgebenden Verfahren nicht feststellen, führt der Arzt eine Pleurapunktion durch, um die Art des Ergusses genauer zu untersuchen. Unter örtlicher Betäubung und Ultraschall-Kontrolle schiebt er eine Hohlnadel in den Erguss und entnimmt etwas Flüssigkeit. Diese wird im Labor auf Krankheitserreger, Blutbestandteile und Krebszellen untersucht.
 
Außerdem werden Zusammensetzung und Farbe der Pleuraflüssigkeit sowie der Eiweißgehalt, um zwischen den verschiedenen Formen des Ergusses unterscheiden zu können, bestimmt. Anhand dieser Aspekte lässt sich die Ursache des Ergusses meist erkennen. Zur Basisdiagnostik gehört außerdem eine Blutuntersuchung, um einen generellen Überblick über den Patienten und mögliche Entzündungsgeschehen im Körper zu erhalten.
 

Wie lässt sich ein Pleuraerguss behandeln?

Die Therapie des Pleuraerguss ist abhängig von der Grunderkrankung. Kleinere Pleuraergüsse bilden sich oft von allein zurück und benötigen keine weiteren Behandlungen außer weiterer Kontrollen.
 
Ein größerer Pleuraerguss erfordert dagegen eine rasche Entlastungspunktion. Bei der Pleurapunktion sticht der Arzt eine Hohlnadel in den Erguss und saugt eine größere Menge Flüssigkeit ab, um das gespannte Gewebe zu entlasten. Oft reicht eine einmalige Punktion aus.
 
Ist allerdings damit zu rechnen, dass sich anschließend rasch ein neuer Pleuraerguss bildet, oder handelt es sich um einen Begleiterguss chronisch andauernder Erkrankungen, wird manchmal eine Thoraxdrainage angelegt. Der Arzt führt einen Drainageschlauch in den Pleuraspalt ein, der die überschüssige Flüssigkeit ableitet. Der Schlauch kann für längere Zeit an Ort und Stelle bleiben, was eine wiederholte Punktion erspart.
 
Bei einem malignen Pleuraerguss, also ein Pleuraerguss infolge einer Tumorerkrankung, wird der Pleuraspalt meist verödet. Bei dem, als Pleurodese bezeichneter Vorgang, saugt der Arzt zunächst die Pleuraflüssigkeit ab. Anschließend spritzt er eine spezielle Substanz in den Pleuraspalt. Der Wirkstoff löst eine Entzündung der beiden Pleurablätter aus, die anschließend verkleben. Dieser Vorgang verhindert ein Nachfließen der Flüssigkeit in den Pleuraspalt.
 
Bei einem lymphhaltigen Pleuraerguss, der durch einen Riss des zentralen Lymphgefäßes, dem Ductus thoracicus, entsteht, wird versucht, das verletzte Gefäß operativ zu verschließen. Ist das nicht möglich, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder erhält der Patient eine Thoraxdrainage sowie spezielle Ernährungsrichtlinien oder es wird eine Pleurodese durchgeführt. Ein bakteriell verursachter Erguss wird mit einem Antibiotikum behandelt.

Bei einem Pleuraerguss kommen Betroffene vor allem beim Treppensteigen schnell aus der Puste.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Pleuraergusses?

Die Krankenkasse übernimmt alle anfallenden Kosten, die bei der Diagnose sowie der Behandlung anfallen. Bestimmte Leistungen und private Krankenkassen erfordern gegebenenfalls eine Selbstbeteiligung.

 


Dauer Dauer

Je nach Behandlung

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Behandlung

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Behandlung

Das Wichtigste zusammengefasst

Pathologische Flüssigkeitsansammlung im Pleuraspalt werden als Pleuraerguss bezeichnet und je nach Art des Ergusses in transsudate, eiweißarme oder exsudate, eiweißreiche Formen eingeteilt.


Die Symptome des Erkrankten machen sich neben den Beschwerden der Grunderkrankung vor allem durch eine ausgeprägte Atemnot, sowie Hustenreiz bemerkbar.


Die Diagnostik erfolgt durch die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung, bei der ein gedämpfter Klopfschall sowie ein aufgehobenes Atemgeräusch auffällt. Bildgebende Verfahren sowie Labordiagnostik des entnommenen Pleurapunktates ermöglichen die Differenzierung zwischen den verschiedenen Arten des Ergusses, sowie eine Abklärung über die Ursache der Krankheit.


Die Therapie kann, abhängig von der Grunderkrankung, durch eine Entlastungspunktion oder Pleuradrainage erfolgen.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

Gibt es eine Frage an unsere Ärzt*innen?

Schritt 1 von 2

50%