Piriformis-Syndrom

Egal ob im Sitzen, im Stehen oder auch beim Sport – sobald ein schmerzhaftes Ziehen in der Pobacke auftritt, das auch noch bis in die Beine ausstrahlt, verläuft der restliche Tag meist eher unentspannt. Oftmals assoziiert man diesen Schmerz mit den Bandscheiben oder auch dem Ischiasnerv. Doch der unscheinbare Piriformis-Muskel kann ebenfalls der Ursprung Deines Leidens sein. Hier erfährst Du alles, was Du zu dem sogenannten Piriformis-Syndrom wissen musst und vor allem, was Du aktiv dagegen tun kannst.


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Zuletzt aktualisiert: 20. Juli, 2020



Was versteht die Medizin unter dem Piriformis-Syndrom?

Bei dem sogenannten Piriformis-Syndrom handelt es sich um eine Kompression des Ischiasnervs durch den Piriformis-Muskel, der Teil der Hüftmuskulatur ist. Durch eine Überstrapazierung dieses Muskels kann es zu einer Verkürzung kommen. Infolgedessen verdickt sich dieser, verhärtet und engt den Ischiasnerv ein, was wiederum zu Schmerzen im Bereich der Hüfte und des Gesäßes führt. Diese können bis in die Beine ausstrahlen. Aufgrund des direkten Zusammenhangs mit dem Nerv bezeichnen Mediziner das Syndrom auch als „Pseudo-Ischias“.
 
Beim Piriformis-Syndrom kommt es zur Quetschung des Ischiasqnervs, was Schmerzen hervorruft

Wo liegt der Piriformis-Muskel und was ist seine Funktion?

Der Piriformis-Muskel zählt zu den Skelettmuskeln der tiefen Hüftmuskulatur. Er verläuft vom unteren Ende der Wirbelsäule bis zu der Außenseite des Oberschenkels. Dabei durchquert er das Becken und stellt somit eine Verbindung zwischen dem Kreuzband und dem Becken her. Der birnenförmige, fingerdicke Muskel ist hauptsächlich für die Außenrotation des Hüftgelenks zuständig und unterstützt außerdem die Abduktion – das Nach-Außen-Führen – des Oberschenkels.

Was sind die Symptome des Piriformis-Syndroms?

Das Piriformis-Syndrom zeigt sich vor allem durch starke Schmerzen im Hüft-, Gesäß- und Oberschenkelbereich. Oft äußert sich der Schmerz durch ein starkes Ziehen oder Stechen. Dieses unangenehme Gefühl kann sich von den Lendenwirbeln, über das Knie bis in die Wade ziehen. Auch ein Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl in diesen Bereichen tritt häufig auf.
 
Durch erhöhten Druck auf den Ischiasnerv steigen auch die Schmerzen. Vor allem sitzende Positionen fördern diese Belastung, egal ob Du im Büro, am Fahrrad oder auf der Toilette bist. Auch Drehbewegungen, wie man sie beispielsweise beim Überschlagen der Beine macht, können die Schmerzen steigern. Selbst beim Schlafen können angewinkelte Beine dazu führen, dass der Muskel verkrampft und auf den Ischiasnerv drückt.

Welche Ursachen hat das Piriformis-Syndrom?

Das Piriformis-Syndrom lässt sich vereinfacht gesagt auf eine Überlastung oder eine falsche Belastung des Piriformis-Muskels zurückführen. Dadurch verkürzt sich das Gewebe und verkrampft und verhärtet sich. Dieser unnatürliche Zustand des Muskels hat zur Folge, dass er den nahe gelegenen Ischiasnerv einengt oder gar abklemmt, was wiederum starke Schmerzen hervorruft.
 
Dies kann aufgrund eines angeborenen, eher ungewöhnlichen Verlaufes des Ischiasnervs auftreten, durch ein Trauma ausgelöst oder auch auf eine durch Sport oder zu langes Sitzen verursachte Entzündung des Piriformis-Muskels zurückzuführen sein.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung eines Piriformis-Syndroms?

Zu dieser falschen Belastung des Piriformis kann es kommen, wenn Du in Deinem Alltag – beispielsweise im Job – hauptsächlich sitzt, eine vornübergebeugte Haltung hast oder auch schwere Gegenstände heben musst. Doch neben dem zu vielen Sitzen, kann man auch zu viel Sport, vor allem in Form von Joggen oder Radfahren, zu den Triggern des Syndroms zählen. Ein weiterer Auslöser kann auch ein Trauma sein, wobei die Symptome in diesem Fall oftmals erst Wochen nach der Verletzung des Muskels auftreten. Ein Hieb gegen den hinteren, unteren Rücken oder auch die Hüfte kann ein derartiges Trauma auslösen und eine Verhärtung des Muskels zur Folge haben.
 
Das Piriformis-Syndrom kann unter anderem durch langes Sitzen, wie neispielsweise im Büro, hervorgerufen werden
 
Einige Faktoren begünstigen die Entstehung des Syndroms noch zusätzlich. Dazu zählen verschobene Beinachsen und Achsfehlstellungen am Sprunggelenk. Ungleich lange Beine tragen ebenfalls zu einer höheren Wahrscheinlichkeit der falschen Belastung des Piriformis bei.
 
Doch nicht nur körperliche Aspekte fördern die Überstrapazierung des Muskels. Auch die falschen Laufschuhe können dazu beitragen. Vor allem Männer tragen ihre Geldbörsen gerne in einer hinteren Hosentasche, ohne weiter darüber nachzudenken. Doch die dadurch ausgelöste schiefe Sitzposition fördert ebenfalls eine falsche Belastung des Piriformis, weshalb Du sie tunlichst vermeiden solltest.

Wann sollte ich mit einem schmerzenden Piriformis-Muskel zum Arzt gehen?

Wenn die Schmerzen mehrere Wochen anhalten und Dehnübungen oder andere Maßnahmen keine Wirkung zeigen, solltest Du zum Arzt gehen. Generell gilt: Je früher man die Ursache erkennt, desto eher bist Du wieder schmerzfrei. Außerdem solltest Du die Symptome im Auge behalten. Denn wenn sich der Schmerz bis in Deine Zehen zieht, kann das ein Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall sein, der auf jeden Fall zeitnahe von einem Mediziner behandelt werden muss.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Piriformis-Syndrom?

Ärzte stellen die Diagnose im Normalfall anhand der Beschreibung der Symptome sowie körperlichen Untersuchungen und verschiedener Stresstests der Muskulatur. In manchen Fällen kann der Spezialist bereits durch ein Abtasten den verspannten Piriformis-Muskel erkennen. Die sogenannten Stresstests sind Bewegungen, die aufgrund der Verhärtung des Muskels nicht mehr schmerzfrei möglich sind. Dafür analysieren die Spezialisten, in welchem Ausmaß Du bei bestimmten Bewegungsabläufen, wie der Streckung Deines Beines gegen Widerstand, Schmerzen hast.
 
Immer häufiger wird die Ursache auch in falschen Bewegungen oder Haltungen gesucht. Dafür eignet sich besonders die Laufanalyse, bei der ein Orthopäde Deinen Laufstil beobachtet und anhand dessen auf Fehlstellungen oder falsche Bewegungsabläufe aufmerksam wird. Es gibt jedoch bis jetzt keinen Test, der die Erkrankung eindeutig nachweist, weshalb der Arzt erst andere Erkrankungen ausschließen muss, bevor er ein Piriformis-Syndrom diagnostizieren kann. Dies kann er durch Kernspintomografien, Röntgen- oder auch Ultraschalluntersuchungen erreichen.

Wie lässt sich das Piriformis-Syndrom behandeln?

Es gibt unterschiedliche Behandlungsmethoden für das Piriformis-Syndrom. Dein behandelnder Arzt wird Dir, abhängig von Deinen Schmerzen, dazu raten, schmerzhafte Bewegungen fürs Erste bleibenzulassen und Dir außerdem entzündungshemmende Medikamente verordnen. Auch die Injektion von Schmerzmittel direkt in die Triggerpunkte ist möglich.
 
Die Diagnose des Piriformis-Syndroms ist meist recht einfach
 
Die Physiotherapie ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, da die Maßnahmen dabei helfen, den Druck auf Deinen Ischiasnerv zu verringern. Der Physiotherapeut kann die Muskulatur rund um den betroffenen Piriformis dehnen oder auch besonders schmerzhafte Triggerpunkte der Gesäßmuskulatur durch Druck bearbeiten. Dein betreuender Arzt kann Dir außerdem dabei helfen, die richtigen Dehnübungen für Dich zu finden und auch Deine Bewegungsabläufe und Deine Haltung zu analysieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Auch Kälte- und Wärmepackungen können zur Entspannung des verhärteten Muskels beitragen. Ein operativer Eingriff ist nur in den seltensten Fällen notwendig und gilt auch nur als letzter Ausweg.

Was kann ich selbst bei einem Piriformis-Syndrom tun?

Generell kann man sagen, dass Du fürs Erste alle Bewegungen, die Schmerzen verursachen, unterlassen solltest. Ansonsten gilt: Dehnen, dehnen, dehnen. Um den verkürzten Muskel zu entspannen, helfen vor allem Dehnübungen im vorderen Hüft-, sowie im Gesäß- und Oberschenkelbereich. Dadurch kannst Du der Verhärtung des Muskels entgegenwirken, wodurch dieser den Ischiasnerv weniger beeinträchtigt.
 
Auch die Triggerpunktbearbeitung, also die Bereiche, von denen der Schmerz ausgeht, kannst Du selbst durchführen. Dafür brauchst Du einen Tennisball oder auch eine Faszien-Rolle. Mit Deinen Fingern kannst Du Stellen, die empfindlich auf Druck reagieren, abtasten und einzelne, verhärtete Muskelfasern in Form von kleinen Knötchen spüren. Diese bearbeitest Du dann mit dem Tennisball oder der Rolle, indem Du fest darüberfährst, bis der Schmerz nachlässt. Diese Methode ist vor allem zu Beginn sehr unangenehm.
 
Die alternativmedizinischen Schüßler Salze (Salbe Nr. 1 und Nr. 7) bieten ebenfalls eine Linderung der Symptome.

Mit welchen Übungen kann ich meinen Piriformis-Muskel dehnen?

Gerade im Büroalltag eignet sich die erste Übung, um den Piriformis-Muskel zu entspannen. Dafür musst Du Dich nur hinsetzen und den rechten Unterschenkel auf Deinem linken Oberschenkel ablegen. Als Nächstes musst Du Dein linkes Knie umfassen und Deinen Oberkörper sanft nach vorne beugen. Du solltest dann eine Dehnung in Deiner rechten Gesäßhälfte spüren. Diese Haltung behältst Du für etwa 30 Sekunden bei und wiederholst Du anschließend auf der anderen Seite.
 
Für die zweite Übung musst Du Dich auf den Boden legen. Natürlich kannst Du Dir eine Matte unterlegen oder Dich auf einen weichen Teppich legen. Als Nächstes stellst Du Deine Beine hüftbreit auf und legst den rechten Unterschenkel auf Deinem linken Oberschenkel ab. Nun umfasst Du den linken Oberschenkel und ziehst ihn zu Dir heran, bis Du eine Dehnung in der rechten Gesäßhälfte spürst. Auch diese Übung solltest Du für 30 Sekunden halten und auf der anderen Seite wiederholen.
 
Weiters ist die externe Hüftrotation in Seitenlage zur Entspannung des Piriformis-Muskels empfehlenswert. Dafür legst Du Dich auf die betroffene Seite. Achte darauf, dass sich Deine Schultern und Hüften auf einer Linie befinden, während Deine Knie in etwa einen rechten Winkel zu Deinem Körper bilden. Halte nun die Füße zusammen, während Du das obere Knie Richtung Decke hebst. Diese Position hältst Du kurz bei und senkst Dein Knie im Anschluss. Diesen Vorgang solltest Du in drei Durchgängen mit je zehn Wiederholungen durchführen.

Kann ich einem Piriformis-Syndrom vorbeugen?

Um das Risiko des Piriformis-Syndroms zu reduzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Generell ist es empfehlenswert, sich regelmäßig zu bewegen, vor allem wenn Du beispielsweise in einem Büro arbeitest und somit hauptsächlich sitzt. Dies kannst Du auf ganz unterschiedliche Art und Weise machen. Speziell Dehnübungen und Krafttraining der Rücken-, Gesäß- und Hüftmuskulatur helfen Dir dabei, Deine Haltung zu stabilisieren und somit eine Verkürzung des Piriformis-Muskels zu vermeiden. Wenn Du tagsüber oftmals sitzt, kannst Du immer mal wieder Deine Position ändern oder zwischendurch aufstehen, um den Muskel zu entlasten. Außerdem ist es wichtig, dass Du die Bewegungen und Belastung Deines Alltags im Sport wieder ausgleichst. Wenn Du also viel Zeit im Sitzen verbringst, solltest Du, statt Fahrrad zu fahren, eher Laufen oder Schwimmen ausprobieren, um den Muskel nicht weiter zu beanspruchen.
 
Mithilfe unterschiedlicher Theraoien können sich die Symptome des Piriformis-Syndrom deutlich verbessern und auch wieder verschwinden
 
Doch auch Sport kann ein Auslöser für das Syndrom sein. Vor allem Joggen, Ausfallschritte, oder manche Übungen von Bauch-Beine-Po-Trainings können durch die regelmäßige Belastung des Piriformis Verspannung des Muskels begünstigen.
 
Das heißt aber nicht, dass Du mit dem Sport aufhören sollst, geschweige denn musst. Du solltest nur darauf achten, dass Du gut aufgewärmt bist und Deine Leistung eher langsam steigerst. Außerdem solltest Du unbedingt auf eine gute Körperhaltung und eine richtige Ausführung der Betätigung achten. Dabei kann Dir eine Laufanalyse Deines Orthopäden helfen. Wenn Dir Dein Körper durch Schmerzen signalisiert, dass er nicht mehr kann oder überlastet ist, solltest Du dringend eine Pause machen, bis der Schmerz wieder abklingt.

Wie unterscheidet sich das Piriformis-Syndrom von einem Bandscheibenvorfall?

Es kommt nicht selten vor, dass Ärzte die Symptome des Piriformis-Syndroms fälschlicherweise mit einem Bandscheibenvorfall diagnostizieren. Dies liegt daran, dass sich die Anzeichen stark ähneln. In beiden Fällen treten starke Schmerzen im Rücken-, Gesäß- und Oberschenkelbereich auf. Doch während beim Auftreten des Piriformis-Syndroms ein Muskel den Ischiasnerv einklemmt, so quetscht eine falsch positionierte Bandscheibe diesen bei einem Bandscheibenvorfall ab. Dies kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Nerv abstirbt und dadurch eine Lähmung hervorruft.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Piriformis-Syndroms?

Den Besuch beim Arzt und die damit verbundene Diagnose und Behandlung des Piriformis-Syndroms übernimmt die Krankenkasse. Es ist allerdings üblich, dass Du die Betreuung durch einen Orthopäden oder einen Physiotherapeuten selbst übernehmen musst. Am besten sprichst Du zuvor mit Deinem Versicherungsträger, welche Behandlungskosten dieser für Dich übernimmt.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Das Piriformis-Syndrom ist eine Überlastung des Piriformis Musculus, welche zur Folge hat, dass der Muskel den Ischiasnerv auf äußerst unangenehme Art einengt. Dieser Schmerz kann sich vom Bereich der Lendenwirbel bis hin zu den Füßen ziehen und äußert sich auch durch Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln


Ursache für die Erscheinung ist der Piriformis-Muskel, der aufgrund von Trauma, regelmäßigem Sitzen, falschen Bewegungsabläufen oder aber auch vom Tragen schlechter Laufschuhe überstrapaziert wird und sich infolgedessen verkürzt und verhärtet


Sowohl die Behandlung durch einen Arzt oder auch Deine Selbstbehandlung sollte vor allem mit verschiedenen Dehn- und Kraftübungen in den Bereichen der Hüfte, des Gesäßes und des Oberschenkels arbeiten. Eine weitere Methode ist die Triggerpunktbearbeitung, bei der Du oder Dein Arzt besonders schmerzempfindliche Stellen durch Druck lockern kannst


Die Behandlungskosten durch Deinen Arzt musst Du nicht selbst übernehmen. Brauchst Du allerdings Betreuung durch einen Spezialisten in diesem Bereich, wie einen Physiotherapeuten, musst Du die Kosten mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst übernehmen

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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