Oberschenkelhalsbruch

Mit steigendem Lebensalter lässt die Stabilität unserer Knochen nach und somit besteht ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. In Österreich erleiden jährlich 14.000 Menschen einen Oberschenkelhalsbruch, der in den meisten Fällen durch einen Sturz entsteht und im Folgenden einer Operation bedarf. Erfolgt ein solcher medizinischer Eingriff nicht rechtzeitig, steigt mit zunehmender Wartezeit auf die Operation die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen.


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Zuletzt aktualisiert: 15. Juni, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über den Oberschenkelhalsbruch. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einem Oberschenkelhalsbruch?

Der Oberschenkelknochen (Femur) setzt sich aus einem langen Schaft und einem kurzen abgewinkelten Hals zusammen. Oberhalb des Oberschenkelhalses sitzt der Hüftkopf, der von der Hüftpfanne umschlossen ist. Sprechen Mediziner von einem Oberschenkelhalsbruch, Schenkelhalsbruch beziehungsweise einer Oberschenkelhalsfraktur, Schenkelhalsfraktur oder Femurhalsfraktur, meinen sie daher einen Bruch des Oberschenkelknochens in der Nähe des Hüftgelenks im Bereich des “Halses”.

Oberschenkelhalsbruch

Wie sehen die Symptome bei einem Oberschenkelhalsbruch aus?

Ein Oberschenkelhalsbruch ist typischerweise durch Schmerzen im Bereich der Leiste oder Hüfte sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit im Hüftgelenk gekennzeichnet. Betroffene sind meist nicht mehr in der Lage ihr Bein aktiv anzuheben und zu belasten, sodass das Stehen oder Gehen in der Regel nicht mehr möglich ist. Weiterhin charakteristisch für eine Oberschenkelhalsfraktur ist das nach außen gedrehte und verkürzte Bein der betroffenen Hüftseite. Außerdem können Schwellungen und Blutergüsse am Hüftgelenk auftreten.

Welche Ursachen hat ein Oberschenkelhalsbruch?

In höherem Lebensalter liegt oftmals die Osteoporose als Hauptursache einem Oberschenkelhalsbruch zugrunde. Bei nachlassender Knochendichte können dann selbst Stürze aus geringer Höhe mit Aufprall im Hüftbereich zu einem solchen Bruch führen. Bei jungen Menschen kommt es hingegen nur bei großen Krafteinwirkungen, beispielsweise bei Stürzen aus großer Höhe oder bei Verkehrsunfällen zu Oberschenkelhalsbrüchen.

In seltenen Fällen können auch Knochenmetastasen, eine Fehlernährung bei Magersucht oder eine Überbelastung durch Sport eine Oberschenkelhalsfraktur hervorrufen.

Wie diagnostiziert ein Arzt einen Oberschenkelhalsbruch?

Erste Hinweise auf einen Oberschenkelhalsbruch liefern Deinem Arzt die von Dir beschriebenen Schmerzen in der Leistengegend und die typische Verkürzung und Außendrehung Deines Beines. Die endgültige Diagnose kann dann mittels einer Röntgenaufnahme erfolgen. Nur sehr selten sind weitere Untersuchungstechniken wie eine Computertomographie (CT) erforderlich.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Die Wahrscheinlichkeit von Sturzereignissen und damit eventuell hervorgerufenem Bruch des Oberschenkelhalses ist vor allem bei älteren Menschen erhöht. Der Grund dafür ist, dass ältere Menschen häufiger unter Grunderkrankungen beziehungsweise Begleiterscheinungen derer wie Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche, Demenz oder Störungen des Gleichgewichtsorgans leiden. Im Vergleich zu Männern haben Frauen ein erhöhtes Risiko einen Oberschenkelhalsbruch zu erleiden. In den Wechseljahren sinkt die Bildung des Hormons Östrogen, das im Körper unter anderem die Aufgabe hat, den Knochenabbau zu verhindern. Ist weniger Östrogen vorhanden, werden die Knochen dementsprechend schwächer.

Welche Folgen hat der Oberschenkelhalsbruch für die Patienten?

Im Falle eines Oberschenkelhalsbruchs solltest Du so rasch wie möglich einen Arzt aufsuchen, der sofort mit der Diagnose sowie der entsprechenden Behandlung beginnt. Bei zu langer Wartezeit kann es nämlich zu Komplikationen in Form von Gelenkkopfnekrosen (Absterben des Knochens), Lungenembolien, Lungenentzündungen, Venenthrombosen, Druckgeschwüren, Herz-Kreislauf-Problemen und Blasenentzündungen kommen.

Oberschenkelhalsbruch

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Bei einem sogenannten stabilen Oberschenkelhalsbruch, bei dem sich die Enden des Bruchs nicht gegeneinander verschoben haben, kann eine konservative Therapie – also eine Behandlung ohne Operation – erfolgen. Auch wenn der gesundheitliche Zustand des Patienten keine chirurgischen Maßnahmen zulässt, kann der Arzt nicht-operative Behandlungsmethoden anwenden. 
Zunächst ist eine Bettruhe von etwa 14 Tagen angesagt. Zur weiteren Entlastung des betroffenen Beines wird dieses mit einer speziellen Schiene aus Schaumstoff gestützt. Zusätzlich verschreibt Dir Dein behandelnder Arzt Medikamente gegen bestehende Schmerzen und zur Thrombose-Prophylaxe.

Anschließend kannst Du bereits mit einer leichten Mobilisation beginnen. Zur Unterstützung können Dir dabei Unterarmstützen oder ein Gehwagen dienen. Um die Beweglichkeit Deines Beines wiederherzustellen, erfolgen außerdem eine begleitende Krankengymnastik oder eine Rehamaßnahme. Wichtig ist zudem, vom betroffenen Bein in regelmäßigen Abständen Röntgenaufnahmen anfertigen zu lassen, um den Heilungsverlauf der Bruchstelle kontrollieren zu können.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Bei einem Oberschenkelhalsbruch ist in den meisten Fällen eine Operation notwendig, da die Muskulatur von Hüfte und Oberschenkel die Knochenende gegeneinander verschiebt, sodass eine Fehlstellung resultiert. Das Ziel chirurgischer Maßnahmen besteht darin insbesondere bei älteren Menschen eine schnellstmögliche Mobilisation zu erreichen, da es bei längerer Bettruhe zu einem zunehmendem Abbau von Knochen- und Muskelmasse kommt. Außerdem hilft die Bewegungsfähigkeit der Patienten, Komplikationen wie Thrombosen oder Infektionen zu vermeiden. Daher sollte laut Behandlungsleitlinien der Unfallchirurgie bei einem Oberschenkelhalsbruch eine Operation innerhalb von 6 bis 24 Stunden erfolgen. Auch bei einem stabilen Oberschenkelhalsbruch, bei dem eine konservative Behandlung möglich ist, kann im weiteren Krankheitsverlauf ein operativer Eingriff nötig sein – etwa dann, wenn es nach geraumer Zeit doch zu einer Verschiebung der Bruchteile kommt.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Vor der Operation finden alle notwendigen Routineuntersuchungen wie ein Röntgen des Brustraumes, ein EKG und eine Blutabnahme statt. Dein behandelnder Arzt klärt Dich über den Operationsablauf auf und informiert Dich über mögliche Komplikationen des Eingriffs. Weiterhin erhältst Du eine Unterweisung seitens eines Physiotherapeuten über die korrekte Handhabung der Gehhilfen. Im Idealfall legen Reha-Spezialisten gemeinsam mit Dir und Deinem Chirurgen bereits vor der Operation die weitere Therapie und Schmerzmedikation fest.

Wie verläuft die Operation bei einer Oberschenkelfraktur?

Bei der Operation einer Oberschenkelhalsfraktur können verschiedene Formen der Narkose zum Einsatz kommen. Bei älteren Menschen entscheiden sich Mediziner häufig für eine sogenannte Spinalanästhesie, bei der das Betäubungsmittel rund um die Nervenwurzeln im Bereich des Steißbeines gespritzt wird. Während des gesamten Eingriffs kannst Du wach bleiben oder Du erhältst ein Beruhigungsmittel. 
Neben verschiedenen Formen der Narkose (zum Beispiel Vollnarkose oder regional) stehen ebenso unterschiedliche Operationsmethoden zur Verfügung. Grundsätzlich unterscheiden Mediziner ein hüftkopferhaltendes von einem hüftkopfersetzenden Verfahren. Welches Verfahren im Einzelfall zur Anwendung kommt, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Alter und der Verfassung des Patienten, der Bruchform sowie der Regenerationsfähigkeit des Knochengewebes ab.

Hüftkopferhaltende Operation

Bei jüngeren und aktiven Patienten, bei denen eine ausreichende Durchblutung des Oberschenkelkopfes gegeben ist, wendet der Chirurg meist eine hüftkopferhaltende Operation an. Dabei renkt er die Bruchstücke in korrekter anatomischer Stellung wieder ein und bringt anschließend osteosynthetische Implantate, wie Schrauben oder Nägel, in die gebrochenen Knochenenden ein, um diese wieder zusammenzufügen und zu stabilisieren. Diese Methode nennt sich Osteosynthese. Mitunter verwendet der Mediziner spezielle Schrauben wie die dynamische Hüftschraube (DHS), bei der der Patient schneller mobil ist, als wenn der Oberschenkelhalsbruch nur verschraubt oder verplattet wurde.

Hüftkopfersetzende Operation

Da bei älteren Patienten der Oberschenkelkopf oft nur noch eine geringe oder gar keine Durchblutung erfährt, ist bei ihnen hingegen häufig ein Gelenkersatz erforderlich. Je nach Schädigungsgrad ersetzt der Chirurg dabei entweder nur den Hüftkopf durch eine Endoprothese oder aber auch die Hüftpfanne mit einer Total-Endoprothese. Letztere wird auch als künstliches Hüftgelenk bezeichnet.

Oberschenkelhalsbruch

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation ist ein etwa ein- bis zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt erforderlich, der jedoch insbesondere bei älteren Patienten auch länger andauern kann. Um Komplikationen wie Blutgefäßverschlüsse zu verringern und einem Muskelschwund vorzubeugen, ist für Dich Bewegung nach der Operation sehr wichtig, sodass Du nach dem Eingriff bereits wieder aufstehen und gehen darfst. Zur Unterstützung der ersten Gehversuche können Dich Unterarmgehhilfen oder ein Gehwagen unterstützen. Zusätzlich verordnet Dir Dein Arzt direkt im Anschluss an die Operation eine Bewegungstherapie (Physiotherapie). 
Wurde als Operationsmethode eine Osteosynthese gewählt, solltest Du nach frühestens zwölf Monaten einen weiteren meist ein- bis zweitägigen Krankenhausaufenthalt einplanen, bei dem Dir Dein Arzt in einer zweiten Operation die osteosynthetischen Implantate wieder entfernt.

Was kann ich nach der Operation tun, um die Heilung zu verbessern?

Nach dem Krankenhausaufenthalt sollten Rehamaßnahmen folgen, die ambulant oder stationär in einer Rehaklinik erfolgen können. Neben einer Mobilisation sind hierbei auch ein Muskel- und Kraftaufbau von entscheidender Bedeutung. Weiterhin steht die Koordination im Fokus. Vor allem zu Beginn der Therapie können physikalische Therapien wie Strom, Kälte oder Wärme als ergänzende Maßnahmen zur Schmerzreduktion zum Einsatz kommen.

Wann kann ich nach der Operation wieder arbeiten oder Sport betreiben?

Die Heilungsdauer hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen ab. Gerade bei älteren Patienten können mögliche Begleiterkrankungen die Heilungsaussichten beeinträchtigen. Allgemein gilt, dass sich die Heilungsdauer verkürzt, je früher Dir das Aufstehen aus dem Bett gelingt und Du Mobilität erlangst. In der Regel kannst Du nach acht bis zwölf Wochen wieder Deiner Arbeit nachgehen. Da bis zur endgültigen Vollbelastbarkeit des Beines etwa sechs Monate vergehen können, solltest Du während dieses Zeitraumes keinen stark körperlich anstrengenden Tätigkeiten nachgehen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Nach der Operation können Komplikationen in Form von Wundheilungsstörungen, Nachblutungen, Infektionen und Verletzungen von Nerven oder Gefäßen auftreten. Bei älteren Patienten kann es aufgrund der Bettlägerigkeit zu Thrombosen und Lungenentzündungen kommen. Durch das lange Liegen leiden Betroffene mitunter auch an nur schwer zu behandelnden Druckstellen auf der Haut. Weitere Folgen einer Operation bei einem Oberschenkelhalsbruch können eine Beinlängendifferenz oder die Entwicklung einer sogenannten Pseudoarthrose sein. Bei eingesetztem Implantat besteht die Gefahr, dass sich dieses nach der Operation lockert. Außerdem kann es zu einer Ausrenkung des Hüftgelenks kommen.

Kann ich die Oberschenkelhalsfraktur vorbeugen?

Prinzipiell lässt sich der Alterungsprozess der Knochen nicht aufhalten und somit ein Oberschenkelhalsbruch nur bedingt vorbeugen, dennoch raten Experten zu ausreichender Bewegung und gesunden Ernährung, die eine adäquate Versorgung des Knochens sicherstellen sollen. Zu empfehlen sind vor allem calciumreiche Lebensmittel wie Milch, Käse und andere Molkereiprodukte. Lebensmittel, die die Calciumaufnahme hemmen, solltest Du dagegen lediglich in Maßen zu Dir nehmen. Darunter zählen zum Beispiel Cola und Kaffee.

Vermeide am besten auch das Rauchen und größere Mengen Alkohol. 
Weiterhin ist es wichtig, auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D zu achten, da das Vitamin die Aufnahme von Calcium im Körper verbessert. Wenn Du Dich regelmäßig im Freien bewegst, kann Dein Körper Vitamin D über das Sonnenlicht aufnehmen. Dennoch kann gerade bei älteren Personen eine tägliche Einnahme von Vitamin D und Calcium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein.
 Um das Risiko für Stürze bei älteren Menschen innerhalb der eigenen vier Wände zu verringern, kann die Wohnumgebung beispielsweise durch das Entfernen von Türschwellen und Bodenmatten angepasst werden. Bei Personen, die an Osteoporose leiden, sollte eine medikamentöse Behandlung erfolgen.

Oberschenkelhalsbruch

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen im Normalfall alle anfallenden Kosten für entsprechende Behandlungsmaßnahmen. Solltest Du Dir trotzdem unsicher sein, dann frage am besten bei Deinem Versicherungsträger nach oder kontaktiere unsere Spezialisten.

 

Quellen

Klestil, T. & Trulp, S-B: Schenkelhalsfraktur. Behandlungsalgorithmus der traumatischen SHF. In: Iatros Unfallchirurgie & Sporttraumatologie 2/2010, S. 12-14.

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Schenkelhalsfraktur des Erwachsenen. AWMF-Leitlinie Nr. 012-001. Stand 2019.(awmf.org)

Mutschler, Kohn, Pohlemann. Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. 3., vollständig überarbeitete Auflage 2013. Thieme Verlag Stuttgart, S. 698ff.


Dauer Dauer

30-40 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

8-12 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 14 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei jungen Menschen kann es infolge großer Krafteinwirkung zu einem Oberschenkelhalsbruch kommen, wobei bei älteren Personen bereits Stürze aus geringer Höhe zu einem solchen Bruch führen können


Betroffene klagen häufig über Schmerzen im Bereich der Leiste oder Hüfte und leiden unter einer eingeschränkten Beweglichkeit. Typisch ist ebenso eine Verkürzung und Außendrehung des Beines


Bei einer Operation kann ein hüftkopferhaltenes oder hüftkopfersetzendes Verfahren
 zur Anwendung kommen


Nach der Operation sind Rehamaßnahmen zur Mobilisation, Koordination und Kräftigung der Muskulatur besonders wichtig

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