Muskelkrämpfe

Muskelkrämpfe sind an sich harmlose, aber schmerzhafte Kontraktionen der Muskulatur, die meist nach ein paar Minuten wieder nachlassen. Unter Umständen kann ein leichtes Schmerzgefühl noch für mehrere Stunden anhalten. Während manchmal nur eine zu starke Belastung des Muskels oder eine ungenügend große Trinkmenge Muskelkrämpfe zur Folge haben, können auch schwere Erkrankungen die Ursachen hierfür sein.


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Zuletzt aktualisiert: 7. Oktober, 2020



ICD-10-GM-2020 R25.2
 

Was versteht die Medizin unter einem Muskelkrampf?

Das Zusammenziehen (Kontraktion) eines Muskels entsteht durch einen Nervenreiz (Aktionspotential), welcher die Membran der Nervenzelle depolarisiert. In der Membran befinden sich Ionenkanäle, die sich öffnen und so eine andere Ladung und Spannung der Membran erzeugen. Trifft das Aktionspotential der Nervenzelle auf die Muskeln, werden diese erregt und ziehen sich zusammen.
 
Die Skelettmuskulatur gehört wie die Muskeln der Zunge, des Gesichts (Mimische Muskulatur), Kehlkopfes, Zwerchfells und Herzens zur quergestreiften Muskulatur und wird durch sogenannte motorische Nerven innerviert. Mit Ausnahme des Herzen sind alle quergestreiften Muskeln willentlich steuerbar.
 
Die Muskeln wirken oft miteinander: Wenn ein Muskel kontrahiert, dann dehnt sich dafür ein anderer. Innerhalb der Muskeln liegen die Muskelspindeln, Sinnesorgane aus quergestreiften Muskelfasern in einer Bindegewebshülle. Die Muskelspindeln registrieren die Dehnung und senden ein Signal an die Nerven zurück. Mit dem Dehnungsreflex schützen sie vor Überdehnung, indem sich die Muskeln wieder zusammenziehen.
 
Wenn sich Teile von Muskeln, ein ganzer Muskel oder sogar Muskelgruppen unwillkürlich und schmerzhaft anspannen, ohne sich sofort wieder zu entspannen, dann spricht der Mediziner von einem Muskelkrampf (Crampi oder Crampus-Syndrom).

Muskelkrämpfe treten häufig an den Waden auf.

In welche Kategorien teilt die Medizin Muskelkrämpfe auf?

 
Symptomatische Muskelkrämpfe

Symptomatische Muskelkrämpfe treten als Symptome bestimmter Erkrankungen des Nervensystems, Herzens, Stoffwechsels oder der Muskeln, Vergiftungen und bakteriellen Infektionen sowie als unerwünschte Wirkungen einiger Medikamente auf.
 
Paraphysiologische Muskelkrämpfe

Gelegentlich treten Muskelkrämpfe während der Schwangerschaft oder nach körperlicher Belastung wie Sport oder einer körperlichen Arbeit auf. Meistens sind sie durch ein Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt bedingt.
 
Idiopathische Muskelkrämpfe

Der größte Teil der Muskelkrämpfe treten ohne bekannte Ursache auf, diese bezeichnet der Mediziner als idiopathische Muskelkrämpfe. Möglich ist, dass die Ursache eine Erkrankung ist, die noch nicht diagnostiziert wurde. Eine erbliche Veranlagung ist ebenfalls möglich, wenngleich selten. Es kann sich jedoch auch um verkürzte und unnachgiebige Muskeln handeln, die leichter zu Krämpfen neigen.
 

Wie entstehen Muskelkrämpfe?

Muskelkrämpfe entstehen oft in Ruhe während der Nacht oder bei körperlicher Belastung. Beteiligt sind die efferenten Nerven. Das sind jene Nerven, die die Reize vom Gehirn in den Muskel leiten. Hier sind es vor allem jene Abschnitte der Nerven, die im Muskel liegen. Es können aber auch die afferenten Nerven von den Muskelspindel, die die Signale vom Muskel ins Gehirn leiten oder auch spinale Strukturen (Wirbelsäule und Rückenmark) beteiligt sein.
 
Ein Muskelkrampf ist durch Aktionspotentiale von hoher Frequenz gekennzeichnet, die die Muskeln kontrahieren lassen. Auch Druckspannungen im Muskel können elektrische Entladungen begünstigen.
 

Was sind die Symptome von Muskelkrämpfen?

Crampi sind plötzliche schmerzhafte Anspannungen der Muskeln, vor allem in der Wade, vorne oder seitlich des Schienbeins, der Fußsohle oder Zehen. Einige leichte Bewegungen während eines Muskelkrampfs können eine nächste Schmerzwelle auslösen. Der Schmerz währenddessen ist so groß, dass er den Betroffenen in der Nacht aus dem Schlaf reißen kann. Im Gegensatz dazu sind Spasmen schmerzlose Verkrampfungen.
 
Während der Kontraktion kommt es zu einer fühlbaren Verhärtung und sichtbaren Verkürzung des Muskels. Crampi lösen sich nach ein paar Sekunden bis Minuten von selbst wieder, hinterlassen aber oft einen Schmerz, ähnlich einem Muskelkater, der Stunden anhält. Die Stelle, an der ein Muskelkrampf aufgetreten ist, kann eine gewisse Anfälligkeit entwickeln und immer wieder davon betroffen sein. Sie kann, auch wenn kein Muskelkrampf auftritt, fühlbar härter sein und sich nicht mehr völlig entspannen.
 

Wie können Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes Muskelkrämpfe auslösen?

Der menschliche Körper besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Das Wasser verteilt sich im Körper entsprechend bestimmter Elektrolyte. Elektrolyte sind kleine geladene Teilchen (Ionen) im Körper. Die Verteilung der positiv und negativ geladenen Ionen beeinflussen die Spannung der Zellmembrane. Innerhalb der Zellen ist es vor allem Kalium und Phosphat, außerhalb der Zellen vor allem Natrium und Chlorid. Trinkt ein Mensch zu wenig, wirkt sich das negativ auf das Gleichgewicht im Elektrolythaushalt auf.
 
Durch bestimmte Erkrankungen wie Erbrechen, Durchfall oder Diabetes insipidus, bei der große Urinmengen ausgeschieden werden, verliert der Körper viel Wasser und Elektrolyte. Auch durch Schweiß oder Alkohol, der harntreibend wirkt, werden vermehrt Wasser und Elektrolyte ausgeschieden.
 
Diese Störungen der Kalzium-, Kalium oder Chloridspiegel können Muskelkrämpfe verursachen. Bluthochdruckmedikamente, Verhütungsmittel und vor allem entwässernde Medikamente wie Diuretika haben nicht nur eine Verminderung des zirkulierenden Volumens an Blut oder Plasma (Hypovolämie), sondern auch einen Natriummangel (Hyponatriämie) zur Folge.
 
In den Muskeln spielen vor allem Calcium und Magnesium eine Rolle als Gegenspieler, wobei Calcium die Anspannung und Magnesium die Entspannung steuert. Ein Mangel an Magnesium (Hypomagnesiämie) führt zu einer starken Erregung und fehlender Entspannung. Eine einseitige Ernährung oder zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann zu einer ungenügenden Aufnahme von Magnesium führen. Ein Mangel kann auch durch eine erhöhte Ausscheidung entstehen, wie dies bei Diabetes mellitus, Alkoholismus oder Darm- und Nierenerkrankungen aber auch bei starkem Schwitzen der Fall sein kann. Schwangere Frauen und Sportler haben einen erhöhten Bedarf, welcher einen Mangel hervorrufen kann.
 

Welche Störungen des Hormonhaushalts und Stoffwechsels führen zu Muskelkrämpfen?

Die Niere ist durch die Ausscheidung der Endprodukte des Stoffwechsels als Harn maßgeblich am Wasser- und Elektrolythaushalt beteiligt. Dasselbe gilt für die Nebennierenrinde, der hormonelle Teil der Nebenniere am oberen Pol der Niere. Erkrankungen beider Strukturen, wie zum Beispiel eine Nierenschwäche oder Nierenversagen kann zu einem Ungleichgewicht der Ionen führen, die sich in Muskelkrämpfen äußern können.
 
Die Schilddrüse und Nebenschilddrüse sind ebenfalls Hormondrüsen, die mitunter den Stoffwechsel wie auch den Energie- und Grundumsatz beziehungsweise den Calciumhaushalt beeinflussen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), bei der der Stoffwechsel verlangsamt abläuft, kommen selten Muskelkrämpfe vor. Eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse (Hypoparathyreoidismus) kann durch die Veränderungen im Calciumhaushalt übererregte Muskeln zur Folge haben.
 
Muskelkrämpfe können als Begleiterscheinung rheumatischer Erkrankungen auftreten, vor allem bei stoffwechselbedingten wie Diabetes mellitus oder Gicht. Dabei kann im Falle von Diabetes mellitus anfangs das vermehrte Wasserlassen zu einer Störung des Elektrolythaushalts führen. Betroffene einer Leberzirrhose leiden ebenfalls häufiger an Muskelkrämpfen.
 
Bei einer metabolische Azidose kommt es zu einer Anreicherung von sauren Stoffwechselprodukten (positiv geladenen Ionen, Kationen), die ebenfalls zu Muskelkrämpfen führen können. Diese liegt wahrscheinlich auch den Crampi bei Alkohol- und Nikotinkonsum zugrunde.
 
Erkrankungen des Darms oder der Bauchspeicheldrüse sowie Morbus Crohn, Zöliakie, Morbus Whipple oder auch Lymphomen (Lymphknotenvergrößerungen) im Darmbereich führen oft zu einer verminderten Elektrolytaufnahme, vor allem von Magnesium.
 

Welche Muskelkrankheiten verursachen Krämpfe?

Muskuläre Erkrankungen bezeichnet der Mediziner als Myopathien. Metabolischen Myopathien liegt eine Störung des Energiestoffwechsels zugrunde. Dystrophien sind „Fehlwüchse“ und Veränderungen des Gewebes. Diese können vererbt, entzündlich oder hormonell bedingt sein. Myotonien sind krankhafte Veränderungen der Ionenkanäle, die autoimmun oder toxisch aber auch genetisch bedingt sein können.
 
Eine Belastung der Muskeln reicht oft schon aus, um einen Krampf auszulösen. Nicht nur durch Sport kann ein Muskel überanstrengt werden, auch eine ungesunde Körperhaltung kann denselben Effekt erzielen. Das Tragen von Absätzen, Knick-Senk-Spreizfüße,  ungünstige Sitz- oder Schlafpositionen lösen wahrscheinlich Druckspannungen aus, die Aktionspotentiale begünstigen.
 
Eine Unterforderung verkürzt die Muskeln und macht die Faszien (Bindegewebe) brüchig und spröde, was ebenfalls für Druckspannungen sorgen kann. Im Alter erfolgt ein Muskelabbau und eine Verkürzung der Muskeln, was ein Grund für das häufigere Auftreten von Muskelkrämpfen im Alter sein kann.

Muskelkrämpfe treten oft in einer Ruhephase oder in der Nacht auf.

Welche Krankheiten des Nervensystems lösen Muskelkrämpfe aus?

Es gibt verschiedene Störungen des Nervensystems, die Muskelkrämpfe auslösen können. Das Nervensystem gliedert sich in das zentrale Nervensystem, das Gehirn und Rückenmark umfasst und die peripheren Nerven, die außerhalb des Rückenmarks und Gehirns liegen und in den Körper ziehen. Ist die Reizübertragung zwischen Nerv und Muskel gestört, spricht der Mediziner von Myasthenien. Dazu gehört das Lambert-Eaton-Syndrom aber auch die Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis.
 
Dystonien sind Störungen im motorischen Teil des Gehirns, die sich in unkontrollierbaren Bewegungen, Muskelzittern und mitunter Muskelkrämpfen äußern. Parkinson, Multiple Sklerose oder Chorea Huntington zählen zu den Dystonien.
 
In den Vorderhörnern, dem vorderen grauen Anteil des Rückenmarks, liegen die unteren Motorneurone. Ihre Axone (Weiterleitungen vom Zellkörper) führen durch das Rückenmark bis zu den Muskeln, wo sie in der sogenannten motorischen Endplatte münden. Zu den Erkrankungen der Motorneurone zählt die Kinderlähmung (Poliomyelitis) oder die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS, Lou-Gehrig-Syndrom), bei der die Nerven zerstört werden. Aber auch neurale Tumore wie eine Infektion mit Clostridium tetani (Tetanus, Wundstarrkrampf) können die Motorneurone schädigen.
 
Bei Radikulopathien liegt die Schädigung der Nerven an der Ein- oder Austrittsstelle im Rückenmark. Dies kann durch einen Bandscheibenvorfall, einer Entzündung (Nervenwurzelentzündung) oder durch eine einer Einengung der Nerven in einem verengten Spinalkanal erfolgen.
 
Schädigungen der peripheren Muskeln nennt der Mediziner Mono- und Polyneuropathien, je nachdem ob nur ein Nerv oder mehrere betroffen sind. Diabetes mellitus kann im späteren Verlauf Muskelkrämpfe durch Polyneuropathien auslösen. Alkoholmissbrauch kann ebenfalls die Nerven schädigen, was sich in Muskelkrämpfen äußern kann. Auch Autoimmunerkrankungen oder Infektionen mit Borreliose haben einen Einfluss auf die peripheren Nerven.
 
In einigen Fällen ist eine Übererregbarkeit der Nerven für die Muskelkontraktionen verantwortlich. Das Crampus-Faszikulations-Syndrom gehört zu den Neuromyotonie, bei denen Antikörper auf die Kaliumkanäle wirken und so zu einer Übererregbarkeit führen.
 
Das Stiff-Person-Syndrom (Stiff-Man-Syndrom) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Bildung eines hemmenden Neurotransmitters (Botenstoff) verhindern und so die Nerven übererregt werden.
 

Welche Gefäßerkrankungen führen zu Muskelkrämpfen?

Eine schlechte Durchblutung kann den Stoffwechsel der Muskeln stören, was sich in Muskelkrämpfen bemerkbar machen kann. Krampfadern (Varizen) sind Erweiterungen der Venen, in denen sich aufgrund einer Bindegewebsschwäche das Blut staut. Diese treten als blaue dicke Gefäße hervor. Entgegen ihres Namens verursachen sie nur selten Muskelkrämpfe.
 
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) vermindern Engstellen in den Gefäßen die Durchblutung. Ursachen dafür kann eine Arterienverkalkung, Dehnung der Wände, Gefäßentzündungen oder eine häufig sitzende Position sein. Auch ein Temperaturwechsel kann eine Minderdurchblutung zur Folge haben. Dies ist besonders beim Schwimmen gefährlich, wo es aufgrund der Muskelkrämpfen zu Unfällen kommen kann.
 

Welche Medikamente und Toxine können Muskelkrämpfe auslösen?

Medikamente und verschiedene Gifte (Toxine) können durch unterschiedliche Mechanismen zu Muskelkrämpfen führen. Einige Medikamente gegen Bluthochdruck wie Kalziumkanalblocker, Beta-Blocker (Betasympathomimetika, Betarezeptorenblocker), ACE-Hemmer wirken wie Diuretika entwässernd und harntreibend.
 
Cholesterin senkende Arzneimittel, hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, bronchienerweiternde Medikamente, Insulin oder Chemotherapeutika sowie Mittel, die auf das Nervensystem wirken wie Medikamente gegen Psychosen, können ebenfalls Muskelkrämpfe auslösen. Toxine wie das Gift der Clostridium tetani (Tetanus, Wundstarrkrampf), Strychnin oder auch Pestizide können über ihre Wirkung auf das Nervensystem zu einem Muskelkrampf führen.
 

Wann sollte ich mit Muskelkrämpfen zum Arzt gehen?

Die meisten Muskelkrämpfe sind völlig harmlos und vergehen von selbst wieder. Treten die Muskelkrämpfe aber sehr häufig oder sehr schmerzhaft auf, sodass sie den Tagesablauf oder den Schlaf erheblich stören, ist ein Arztbesuch ratsam. Dies ist auch bei Krämpfen, die minutenlang dauern oder bei bestimmten Bewegungen immer wieder auftreten und auch nicht durch Dehnung oder Massagen verschwinden, der Fall.
 
Werden die Krämpfe von anderen Symptomen wie Kribbeln, Taubheit, Bewegungseinschränkungen oder Lähmungserscheinungen, plötzlichen Schmerzen im Bein, Fuß oder in der Leiste sowie von Schwellungen an Bein oder Fuß, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Nachtschweiß begleitet, solltest Du einen Arzt aufsuchen.
 
Auch bei Muskelschwund, einer zunehmende Schwäche des Muskels oder diffuse Schmerzen, die sich nicht genau einordnen lassen, sowie Gang- oder Bewegungsunsicherheiten, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Hautveränderungen wie Röte oder Blässe und Fieber, ist ein Arztbesuch empfehlenswert.
 

Wie diagnostiziert der Arzt Muskelkrämpfe und deren Ursache?

Am Anfang wird der Arzt in einem Gespräch bestimmte Fragen über die Beschwerden stellen, nämlich wann, wie oft, wie lange und welche Muskeln sich verkrampfen. Des Weiteren wird er nach Medikamenteneinnahme, Vorerkrankungen, familiäre Erkrankungen, aber auch nach möglichen Schwangerschaften und Gewohnheiten wie den Alkohol- und Nikotinkonsum, fragen.
 
Körperliche Untersuchung

Danach wird er eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei überprüft er die Gefäßimpulse, den Blutdruck und Nervenreaktion durch Klopfen, da dann eine Kontraktion des Muskel erfolgt. Weiterführende Untersuchungen dienen dazu, die Ursache zu finden und andere Erkrankungen auszuschließen.
 
Mit einer Elektromyografie kann der Arzt die elektrische Aktivität des entspannten und angespannten Muskels mittels Aktionsströmen messen. Damit erkennt er, ob eine Myopathie oder eine Neuropathie vorliegt, es sich also um eine Muskel- oder Nervenerkrankung handelt. Die Elektroneurografie misst die Funktion peripherer Nerven und die Nervenleitgeschwindigkeit. 
 
Laboruntersuchungen

Dann wird der Arzt eine Blutuntersuchung anordnen. Diese beinhaltet Elektrolytwerte inklusive Calcium, Natrium und Magnesium, Nieren- und Leberwerte, Blutzucker, Schilddrüsenhormone, TSH, Kreatinkinase und CK (Muskelenzyme). Je nach vermuteter Ursache werden auch Kortisol und Aldosteron, Serumlaktat oder auf bestimmte Autoantikörper gegen neuronale Bestandteile getestet. Bei Verdacht auf Morbus Wilson kann der Kupferspiegel gemessen werden.
 
Als zusätzliche Laboruntersuchungen dienen eine Urinprobe oder unter Umständen ein Schwangerschaftstest. Besteht der Verdacht auf eine genetische Ursache, werden genetische Tests durchgeführt. Der Ischämietest (Lactat-Ischämie, ischämische Lactat-Ammoniak-Test) zeigt Durchblutungsstörungen und Stoffwechselveränderungen des Muskels an. Dieser besteht aus Blutproben, die vor und nach einer Belastung des Unterarmmuskel genommen werden.
 
Bildgebende Verfahren

Ultraschalluntersuchungen (Sonografie) können der Diagnose von Muskelerkrankungen dienen. Zusätzlich lässt sich mit einer Dopplersonografie die Blutflussgeschwindigkeit messen. Damit lassen sich Störungen der Blutzirkulation oder Venenklappen, die arterielle Verschlusskrankheit, Varizen und Thrombosen aber auch Nieren- und Lebererkrankungen darstellen. Eine Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Kernspintomografie zeigen Ursachen, die an der Wirbelsäule, Bandscheiben oder Wirbelkanal liegen.

Um Muskelkrämpfen vorzubeugen solltest Du stests viel trinken und vor dem Sport Deinen Körper dehnen.

Wie werden Muskelkrämpfe behandelt?

Meistens sind Muskelkrämpfe harmlos und bedürfen keiner Behandlung. Liegen Erkrankungen zugrunde, sollten diese behandelt werden. Oft vermindern sich damit allein schon die Anzahl und Häufigkeit der Muskelkrämpfe. Weitere Behandlungen richten sich nach der Ursache.
 
Ist der Elektrolythaushalt gestört, kann durch die Einnahme bestimmter Präparate, einer ausreichenden Trinkmenge oder einer ausgewogenen Ernährung den Krämpfen entgegengewirkt werden. Bei akuten Durchfall können auch Elektrolytlösungen den Mangel ausgleichen. Eine vorliegende Störungen des Hormonhaushalts oder Stoffwechsels wird entsprechend behandelt. Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse verordnet der Arzt oft Vitamin D und Calciumpräparate, um einen Mangel auszugleichen. Krankengymnastik, eine Physiotherapie oder Ergotherapie helfen oft im Falle einer Muskelerkrankung. Eventuell verordnet der Arzt auch eine medikamentöse Therapie. Treten die Muskelkrämpfe als Nebenwirkungen von Medikamenten auf, sollte der Patient sie absetzen und nach ärztlicher Absprache durch andere ersetzen.
 
Im ersten Schritt empfehlen Ärzte oft Magnesium und Dehnungsübungen, auch wenn die Wirkung nicht eindeutig belegt ist. Bei sehr schweren Muskelkrämpfen kann eine medikamentöse Behandlung unter anderem mit schmerzstillenden Mittel (Analgetika), Antirheumatika, gefäßerweiternden Mitteln (Vasodilatatoren), Muskelrelaxantien, Antihistaminika, aber auch mit Chinin, einer Arznei aus dem Chinarindenbaum, erfolgen.
 
Chinin wirkt auf die Muskeln, indem die Erregbarkeit herabgesetzt wird. Der Arzt verschreibt dieses Medikament aufgrund der möglichen schweren Nebenwirkungen, wie Blutgerinnungs-, Seh- und Hörstörungen nur, wenn der Patient trotz Magnesiumeinnahme und Dehnungsübungen von sehr häufigen und schmerzhaften Krämpfen betroffen ist, die den Nachtschlaf erheblich stören. Schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche und jene, die an Muskelschwäche, Herzerkrankungen, Tinnitus, oder einer Schädigung des Sehnervs leiden, sollten es nicht einnehmen. Bessern sich die Krämpfe nicht innerhalb von vier Wochen in ihrer Häufigkeit und Schwere, sollte Chinin abgesetzt werden.
 

Was kann ich bei akuten Muskelkrämpfen tun?

Ein akuter Muskelkrampf löst sich, wenn der verkrampfte Muskel gedehnt und sein Antagonist angespannt wird. Bei der Wade geschieht dies, wenn Du die Zehen Richtung Nase ziehst und die Fersen in den Boden drückst. Dies kann im Liegen als auch im Stehen passieren. Ältere Menschen können sich auch auf eine ein Meter entfernte Wand abstützen, den Oberkörper vorbeugen und die Ferse in den Boden drücken. Anschließendes Ausschütteln und Gehen kann zusätzlich helfen. Massagen fördern die Durchblutung und wirken oft lindernd. Je nach Belieben empfinden Betroffene warme oder kalte Wickel als angenehm. Eine Wechseldusche mit abwechselnd warmen und kalten Wasser fördert die Durchblutung und wirkt krampflösend.
 
Tritt der Muskelkrampf während des Sports auf, dann unterbrichst Du am besten Dein Training und dehnst den Muskel oder gehst ein paar Schritte. Sind enge Schuhe oder einengende Kleidung der Grund für den Krampf, solltest Du sie ausziehen. Ist es kühl, kann wärmende Kleidung wie eine Hose oder Strümpfe helfen.
 

Wie kann ich Muskelkrämpfen vorbeugen?

Wichtig ist eine ausreichende Trinkmenge, vor allem beim Sport. Dort können isotonischen und elektrolythaltigen Getränken die durch den Schweiß verlorenen Elektrolyte wieder ausgleichen. Auch die Einnahme von Magnesium kann helfen, dass Krämpfe nicht entstehen. Regelmäßige Dehnübungen und Stretching vor dem Schlafengehen können vor allem nächtlichen Muskelkrämpfen vorbeugen. Auch die regelmäßige Bewegung wie Spaziergänge können vor Krämpfen schützen.
 
Vermeide ungesunde Körperhaltungen wie zu wenig Bewegung. Bequeme Schuhe und der zeitweise Verzicht auf hohe Absätze können so manche Muskelkrämpfe verhindern. Bei Senk-Knick-Spreizfüßen ist ein Besuch beim Orthopäden sinnvoll, der geeignete Einlagen verschreiben wird. Auch in der Nacht können andere Schlafpositionen, wie ein Kissen unter den Kniekehlen oder eine Streckung eines Beines, das durch Sitzende Tätigkeiten hauptsächlich in abgewinkelter Position verweilt, helfen.
 
Auf Alkohol und Nikotin solltest Du weitgehend verzichten. Wenn Du viel Sport treibst und immer wieder von Muskelkrämpfen betroffen bist, könnte Dein Trainingsverhalten ungünstig sein und gegebenenfalls solltest Du Dein Training etwas reduzieren. Das Aufwärmen und Dehnen ist sehr wichtig im Sport, vor allem Gymnastik und Stretching vor einer Ausdauersportart. Nach langer inaktiver Phase ist es besser, langsam mit Sport anzufangen um die Muskeln nicht zu stark zu belasten. Beim Schwimmen hilft vor dem Gang ins Wasser eine Dusche den Temperaturunterschied zum Wasser gering zu halten, um so einer Verkrampfung vorzubeugen
 

Warum treten Muskelkrämpfe oft nachts auf?

Oft treten Muskelkrämpfe in der Nacht auf, warum dies so ist, ist noch unklar. Eine Möglichkeit ist, dass der Magnesiumspiegel während der Nachtruhe zu tief abfällt und so unbewusste Bewegungen im Schlaf zu einem Muskelkrampf führen. Eine andere Erklärung wäre eine Verkühlung der Muskeln, wenn diese nicht von der Bettdecke zugedeckt sind. Auch reagiert der Körper im Schlaf nicht, wie er es im Wachzustand tun würde. So können leichte Anzeichen, die eine intuitive Lockerung des Muskels ausgelöst hätten, übersehen werden und der Krampf kann nicht verhindert werden.

Muskelkrämpfe lösen kurze, heftige Schmerzen aus, die meist nur einige Minuten, manchmal aber auch länger andauern.

Was kostet die Behandlung von Muskelkrämpfen und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Wie viel die Behandlung von Muskelkrämpfen kostet, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Kostenübernahme der Krankenkasse ist nicht gesichert und von der Ursache abhängig.
 
Oft übernehmen die Versicherungsträger nicht die Kosten für die Einnahme von speziellen Präparaten wie zum Beispiel Magnesium. Bei einer medikamentösen Behandlung bleibt dem Patienten auch bei einer Kostenübernahme meist ein Selbstbehalt, den er bezahlen muss.
 
Physiotherapien müssen vom behandelnden Arzt verschrieben und von der Krankenkasse bewilligt werden, damit Du die Kosten refundiert bekommst. Behandlungen zugrunde liegender Erkrankungen wie Hormonhaushalts- oder Stoffwechselerkrankungen oder Krankheiten des Nervensystems werden gewöhnlich von der Krankenkasse übernommen.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Muskelkrämpfe sind plötzliche schmerzhafte Kontraktionen, vorwiegend, der Wadenmuskulatur. Nach ein paar Minuten ist der Krampf vorbei, ein leichtes Schmerzgefühl kann noch mehrere Stunden anhalten.


Die Ursachen hierfür sind vielfältig, eine starke Belastung des Muskels, Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts, Erkrankungen des Hormonsystems, der Muskulatur oder des Nervensystems können zu Krämpfen führen.


Ein akuter Muskelkrampf kann durch Dehnung des Muskels, leichter Bewegung oder Massagen gelindert werden.


Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und beinhaltet eine ausgewogene Ernährung und Einnahme fehlender Elektrolyte, eine Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung oder regelmäßigen Dehnübungen und Stretching.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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