Marsupialisation

Die Marsupialisation ist ein invasives Verfahren aus der Chirurgie zur Entfernung beziehungsweise Therapie von eitrig entzündeten oder flüssigkeitsgefüllten Zysten. Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die im Grunde harmlos sind. Beschwerden können beispielsweise auftreten, wenn die Zysten platzen. Häufig wenden Ärzte diese Technik bei Bartholin-Zysten an. Diese entstehen im Zusammenhang mit einer Bartholinitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Ausführungsgangs einer der beiden Geschlechtsdrüsen neben dem Scheideneingang.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni, 2020



ICD-10-GM-2020 N75

Was versteht die Medizin unter einer Marsupialisation?

Eine Marsupialisation ist eine chirurgische Technik, die Ärzte zur Therapie von Zysten einsetzen. Besonders, wenn eine vollständige Entfernung des Zystensacks nicht möglich oder sinnvoll ist, wie zum Beispiel bei einer entzündeten Bartholin-Zyste (Bartholinitis), greifen Ärzte gerne auf diese Technik zurück.

Wann kommt eine Marsupialisation zum Einsatz?

Wenn es sich um eine Entzündung im fortgeschrittenen Stadium handelt, also zum Beispiel, wenn die Entzündung bereits zu einer Eiteransammlung oder zu einer Zyste geführt hat, ist eine Marsupialisation das Mittel der Wahl. Auch wenn sich ein eitriger Herd abgekapselt hat, führt der Arzt eine Marsupialisation durch.

Was versteht die Medizin unter einer Bartholinitis?

Wenn sich der Ausführungsgang einer der beiden Geschlechtsdrüsen neben dem Scheideneingang entzündet, bezeichnen Mediziner diese bakterielle Entzündung als Bartholinitis. Die Entzündung kann eine Bartholin-Zyste verursachen und umgekehrt. Mehr Informationen rund um die Bartholinitis findest Du auf dieser Seite.
 
Die Marsupialisation dient zur Entfernung von Zysten.

Was sind Zysten und wo im Körper liegen sie?

Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Gewebe, die durch Kapseln abgeschlossen sind. Die Zysten selbst können aus mehreren Kammern bestehen und kommen in verschiedenen Geweben oder Organen und in jedem Alter vor. Wichtig ist für Mediziner die Unterscheidung zwischen echten Zysten und Pseudozysten.
 
Echte Zysten unterscheiden sich von Pseudozysten dadurch, dass sie mit einer Schicht von Zellen ausgekleidet sind, Pseudozysten dagegen sind nur von Bindegewebe umgeben. Zysten können ganz unterschiedliche Größen erreichen. So gibt es welche, die so klein sind, dass der Arzt sie nur unter dem Mikroskop erkennt. Daneben existieren noch andere, die so groß werden, dass sie Organe oder Gewebe verdrängen.
 
Zysten entstehen oft, weil eine Flüssigkeit nicht ungehindert ablaufen kann. Andere mögliche Gründe für die Entstehung von Zysten sind chronische Krankheiten, Tumore, Entwicklungsstörungen beim Embryo, Parasiten oder ein hormonelles Ungleichgewicht. Eine Zyste muss außerdem nicht zwangsläufig Schmerzen verursachen, oft fallen sie sogar sehr lange überhaupt nicht auf. Die meisten Zysten sind gutartig und müssen häufig nicht entfernt werden.

Welche Funktionen haben Zysten?

Zysten haben in dem Sinne keine eigene Funktion, sondern entstehen aufgrund verschiedener Faktoren. Die meisten Zysten sind harmlos, können aber trotzdem Probleme bereiten, in dem sie zum Beispiel platzen. Wenn Du Beschwerden hast, solltest Du einen Arzt aufsuchen, welcher dann entscheidet, ob die Zyste entfernt werden muss.

Wie entscheidet der Arzt, ob eine Marsupialisation notwendig ist?

Je nach Schwere der Entzündung kommen entweder konservative Methoden oder ein operativer Eingriff in Frage. Abhängig davon, ob der Zystensack entfernt werden soll oder kann, entscheidet sich der Arzt für die Operationsmethode.

Wie kann ich mich auf eine Marsupialisation vorbereiten?

Du kannst zum Beispiel Rotlicht oder generell Wärme verwenden, um die Abkapselung des Entzündungsherdes vom gesunden Gewebe zu fördern. Eine Wärmebehandlung beschleunigt die Reifung und schafft daher bessere Vorbedingungen für den Eingriff. Auch Sitzbäder fördern die Abkapselung und sind daher als Vorbereitung auf einen operativen Eingriff sehr zu empfehlen.
 
Die Marsupialisation führt der Arzt in Vollnarkose durch.

Wie ist der Ablauf einer Marsupialisation?

Den operativen Eingriff zur Entfernung einer Bartholin-Zyste führt der Arzt in Vollnarkose durch, da örtliche Betäubungen in entzündlichen Gebieten nicht durchgeführt werden sollten. Zunächst öffnet der Arzt die geschlossenen Entzündungshöhlen, wie zum Beispiel Abszesse oder Zysten, mit einem Skalpell.
 
Dabei schneidet er den Entzündungsherd ein, sodass Sekret und Eiter austreten können. Wenn dies geschehen ist, kann Dein Arzt eine offene Behandlung der Entzündung durchführen. Damit der Einschnitt offenbleibt, führt der Arzt eine Marsupialisation durch.
 
Dazu sucht er die Membran, welche die Drüse auskleidet, auf und fixiert sie mit feinen Nähten an der Haut des Scheidenvorhofes. So entsteht dann ein neuer Ausführungsgang und der Inhalt der Zyste kann ungehindert abfließen. Liegt bei Dir eine starke Vereiterung vor, ist die Drüsenmembran oft zum größten Teil zerstört und nicht stabil.
 
In einem solchen Fall ist es manchmal notwendig, das Heilungsergebnis durch das Einlegen einer Gummilasche für etwa acht Tage sicherzustellen. Sie soll das Verkleben der Wundränder verhindern und wird entfernt, wenn der Arzt den Eindruck hat, dass die Wundheilung zum größten Teil abgeschlossen ist.

Welche Risiken und Komplikationen können bei einer Marsupialisation auftreten?

Wie bei jedem operativen Eingriff können auch bei der Marsupialisation Komplikationen auftreten. Dazu zählen Blutungen, Wundinfektionen, Wundrupturen oder Bildung weiterer Abszesse. Es besteht das Risiko, dass sich auch nach einer Marsupialisation wieder eine Zyste bildet und der Arzt diese wieder operieren muss.

Wie gestaltet sich die Nachbehandlung einer Marsupialisation?

Nach der Operation empfiehlt Dir Dein Arzt wahrscheinlich Sitzbäder mit desinfizierenden Lösungen, um die Wunde sauber zu halten und die Heilung zu fördern. Nach einigen Tagen muss Dein Arzt, je nach verwendeten Fäden, diese ziehen.

Wie ist die Prognose nach einer Marsupialisation?

Eine bereits operierte Bartholin-Zyste kann sich zwar erneut verschließen, zum Glück ist das Risiko dafür aber recht gering. Insgesamt ist die Prognose sehr gut, dass die Wunde problemlos verheilt und sich die Zyste nicht erneut bildet.
 
Ist der Grund für die Zyste eine Infektion mit einer Geschlechtskrankheit wie zum Beispiel Gonokokken, sollte sich der Partner ebenfalls behandeln lassen, da es ansonsten zu einem Ping-Pong-Effekt kommt und sich beide Partner immer wieder aneinander anstecken.
 
Die Prognose bei einer Marsupialisation ist in der Regel sehr gut.

Wie viel kostet eine Marsupialisation?

Wie viel eine Marsupialisation kostet, hängt von vielen Faktoren wie zum Beispiel dem Honorar Deines Arztes, der verwendeten Materialien und der Komplexität des Eingriffs ab. Frage dazu am besten Deinen Arzt oder Deinen Versicherungsträger.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Marsupialisation?

Für die Diagnose und eine ärztlich indizierte Behandlung einer Erkrankung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Da es sich bei der Bartholin-Zyste um eine solche handelt, sollten die Kosten in der Regel durch gesetzliche und private Krankenkassen abgedeckt sein. Falls Du Fragen zur Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen oder Therapien hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach. Unsere Spezialisten stehen Dir ebenfalls gerne bei allen Fragen zur Seite.


Dauer Dauer

Circa 45 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Marsupialisation ist ein invasives Verfahren aus der Chirurgie zur Entfernung beziehungsweise Therapie von Zysten, wie zum Beispiel einer Bartholin-Zyste


Wenn Deine Zyste eitrig entzündet oder mit Flüssigkeit gefüllt ist, kann Dir Dein Arzt zu einer Marsupialisation raten


Zysten sind häufig harmlos und bereiten nur manchmal Probleme. Sie können aber auch schmerzhaft sein oder platzen, weswegen Du bei Beschwerden einen Arzt aufsuchen solltest


Wenn bei Dir eine Marsupialisation geplant ist, kannst Du mit Wärme, Rotlicht oder Sitzbädern versuchen, die Abkapselung zu fördern, da dies bessere Vorbedingungen für Deine Operation schafft

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