Lungenemphysem

Die Lunge liegt im oberen Brustkorb und versorgt über die Atmung den Körper mit Sauerstoff. Sie wird in zwei Lungenflügel eingeteilt, in welchen sich die Bronchien befinden. Die Bronchien können mit Ästen in einem Baum verglichen werden: Sie verzweigen sich in immer dünner werdende Zweige und enden in den sogenannten Lungenbläschen. Wenn diese kleinen Bläschen überdehnt und zerstört werden und es in diesem Bereich zu großen, funktionslosen Blasen und Stauungen der Atemluft kommt, spricht man von einem Emphysem. Alle Informationen dazu findest Du hier!


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Zuletzt aktualisiert: 21. September, 2020



ICD-10-GM-2020 J43+J44

Was versteht die Medizin unter einem Lungenemphysem?

Unter einem Lungenemphysem versteht man in der Medizin den Folgezustand verschiedener Krankheiten. Es handelt sich dabei nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern eine Funktionsstörung der Lunge. Diese Funktionsstörung ist durch andere Primärkrankheiten bedingt und entsteht in den Lungenbläschen. Wenn diese unwiderruflich erweitert und zerstört werden, entstehen große, funktionslose Blasen in der Lunge, in denen sich die Atemluft staut.
 
Die Atmung ist dann stark gestört, was in einer Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff resultiert. Dann spricht man in der Medizin von einem Emphysem. Synonym dazu existieren die Ausdrücke „Blählunge“ oder „Lungenüberblähung“.

Bei einem Lungenemphysem handelt es sich um eine Funktionsstörung der Lungen.

Wie entsteht ein Lungenemphysem?

Die Lungenbläschen, in der Medizin auch als Alveolen bekannt, sind die kleinsten Einheiten der Lunge. Bei jedem Atemzug gelangt die Luft durch die Luftröhre in die Bronchien und wird von dort in die Lungenbläschen weitergeleitet. Diese werden durch ein dichtes Netz an kleinen Blutgefäßen umgeben. In diesem Bereich kommt es zum Gasaustausch und der Sauerstoff aus der Atemluft kann in den Blutkreislauf aufgenommen werden, um den gesamten menschlichen Organismus damit zu versorgen. Gleichzeitig wird das CO2  aus dem Blut in die Lungenbläschen abgegeben und von dort aus abgeatmet.
 
Bei einem Lungenemphysem funktioniert dieser Gasaustausch nicht richtig, denn die Wände der Alveolen sind nicht ausreichend elastisch, weshalb sie sich bei jedem Atemzug überdehnen und sogar platzen können. Aneinanderliegende Lungenbläschen vereinigen sich dadurch zu größeren Bläschen, die bei der Atmung zusammengeschlossen werden. Die Überblähung der Lungenbläschen führt außerdem dazu, dass die Bronchiolen, die ebenfalls zu den kleinsten Struktureinheiten der Lunge gehören, eingeengt werden und genauso wie die Alveolen leicht zusammenfallen können.
 
Durch diese Änderung der Lungenstruktur wird der Atemprozess stark erschwert, die Betroffenen können die Luft nicht mehr vollständig ausatmen und ein Teil davon verbleibt in den Lungenbläschen. Dadurch ist nicht ausreichend Platz für frische, sauerstoffreiche Luft und es kommt zu einer Sauerstoffunterversorgung.
 

Welche Arten von Lungenemphysemen gibt es?

Es gibt verschiedene Arten des Lungenemphysems. Ärzte teilen diese je nach Ursache der Lungenüberdehnung ein.
 
Die erste Form ist das sogenannte zentrilobuläre Lungenemphysem. An dieser Art leiden rund ein Drittel der chronischen Lungenemphysem-Patienten. Sie betrifft insbesondere die oberen Lungenfelder, die unteren sind allerdings meistens intakt. Spezialisten sind sich einig, dass der Grund dafür in der Abnützung der Lunge durch Zigarettenrauch und anderen Schadstoffen liegt. Diese erreichen zuerst das obere Lungengewebe und schädigen es maßgeblich, weshalb es zu einer Störung in diesem Bereich kommt. Die unteren Teile der Lunge bleiben von dieser Störung ausgeschlossen, weil die Schadstoffe sie nicht erreichen.
 
Als zweite Art gilt das panlobuläre Lungenemphysem. Dieses ist meistens genetisch bedingt und wird durch einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ausgelöst. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, die einen Mangel an Protease-Inhibitoren verursacht. Bei dieser Form des Lungenemphysems sind insbesondere die Lungenbläschen der unteren Lungenabschnitte geschädigt.
 
Als dritte Form unterscheiden Mediziner das Überdehnungs-Lungenemphysem. Bei manchen Patienten muss aufgrund einer Erkrankung ein Teil der Lunge chirurgisch entfernt werden. Das kann dazu führen, dass sich der Rest der Lunge übermäßig ausdehnt und ein Überdehnungs-Lungenemphysem entsteht. Da diese Form nicht durch eine chronische Entzündung der Lungenbläschen ausgelöst wurde, verursacht sie in der Regel bei den Betroffenen weniger starke Beschwerden als die anderen zwei Arten.
 

In welche zwei Typen werden Lungenemphysem-Patienten eingeteilt?

Lungenemphysem-Patienten werden in zwei Typen eingeteilt: die „Pink-Puffer“ und die „Blue-Bloater“. Bei diesen beiden Typen handelt es sich um Extremformen des Lungenemphysems, die Ärzte in der Praxis nur sehr selten in voller Ausprägung beobachten.
 
Personen, die an der Blue-Bloater Ausprägung leiden, zeichnen sich meistens durch Übergewicht und eine stark ausgeprägte Blaufärbung der Lippen und Finger aus. Aus diesem Grund wird dieses Krankheitsbild als „Blue Bloater“ bezeichnet. Des Weiteren manifestiert sich dieser Typ durch starken Husten, der von Auswurf begleitet ist, sowie einer fassartigen Verformung des Brustkorbs. Die Betroffenen leiden nur an geringer Atemnot und atmen häufig durch locker aufeinandergelegte Lippen aus.
 
Die Symptome des Pink-Puffer unterscheiden sich stark von denen der Blue-Bloater, denn bei diesem Typ sind die Patienten meistens untergewichtig und weisen eine sehr blasse Hautfarbe auf, da sie in der Regel zu starke Atemarbeit leisten. Diese macht sich außerdem an ausgeprägter Atemnot und trockenem Husten ohne Auswurf bemerkbar.
 
Die Symptome der beiden Formen unterscheiden sich stark, denn die verschiedenen Typen kompensieren ihre Atemstörung auf unterschiedliche Art und Weise. Pink-Puffer-Patienten kämpfen gegen die ausgeprägte Atemnot an, in dem sie bewusst und intensiv atmen. Daher lässt sich bei ihnen keine Blaufärbung der Lippen und Finger beobachten. Im Vergleich dazu gewöhnen sich Blue-Bloater-Typen mit der Zeit an die dauerhafte Sauerstoffunterversorgung.
 

Was sind die ersten Symptome bei einem Lungenemphysem?

Die Symptome eines Lungenemphysems entwickeln sich sehr langsam. Wenn die Funktionsstörung noch nicht besonders stark ausgeprägt ist, leiden die Patienten zunächst unter Atemnot bei körperlicher Belastung, oft in Kombination mit sporadischem Husten. Diese Beschwerden treten bereits bei geringer Anstrengung auf. Auch die Leistungsfähigkeit der Betroffenen ist schon im Anfangsstadium des Lungenemphysems vermindert. Ebenso zu den ersten Symptomen gelten häufige Infektionen der Atemwege, wie zum Beispiel Bronchitis oder Lungenentzündungen.
 
In der Lunge befinden sich kleine Flimmerhärchen, die sich wellenförmig bewegen und winzige Fremdstoffpartikel wie Staub oder Krankheitserreger aus der Lunge hinaustransportieren. Dieses sogenannte Flimmerepithel wird im Rahmen eines Lungenemphysems zerstört und kann daher seine Aufgabe nicht mehr uneingeschränkt erfüllen. Die Reinigungsfunktion der Lunge setzt immer mehr aus, was die Betroffenen anfälliger für Erkrankungen macht.

Atemnot und starker Husten mit Auswurf sind typische Symptome für ein Lungenemphysem.

Was sind die Symptome bei einem fortgeschrittenen Lungenemphysem?

Wenn sich das Lungenemphysem in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, kommen zu den anfänglichen Symptomen weitere Beschwerden hinzu. Die Betroffenen leiden dann nicht nur bei körperlicher Anstrengung an Atemnot, sondern haben bereits in Ruhe Schwierigkeiten, zu atmen. Viele Patienten leiden zudem an starkem Husten mit schleimigem Auswurf, der erschwert wird, wenn zudem eine chronische Bronchitis entsteht.
 
Dadurch, dass die Lunge bei einem Lungenemphysem dauerhaft überbläht ist, kann es außerdem mit der Zeit zu einer veränderten Form des Brustkorbs kommen. Die Brustmuskulatur wird beim Atmen stärker beansprucht und verbleibt dauerhaft in der Einatmungsstellung. Der Brustkorb erscheint durch die veränderte Stellung der Rippen fassförmig. Auch die Hautgruben oberhalb der Schlüsselbeine sind bei vielen Betroffenen nicht mehr erkennbar, da sie aufgebläht wirken.
 
Die dauerhafte Atemnot führt dazu, dass viele Patienten ihre körperliche Aktivität stark einschränken. Der Körper baut dann Muskelmasse ab, was die Atemnot weiterhin verstärkt und auch den Allgemeinzustand der Patienten verschlechtert. Zudem verfärben sich Lippen und Finger der Patienten durch den ständigen Sauerstoffmangel im Blut bläulich.
 
Die aufgeblähte Lunge belastet außerdem die rechte Herzhälfte übermäßig, da sie gegen einen großen Widerstand im Lungenkreislauf ankämpfen muss, wodurch sich eine Rechtsherzinsuffizienz entwickeln kann. Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Herzschwäche, bei der die rechte Herzhälfte überlastet ist und das einströmende Blut nicht in vollem Ausmaß weitertransportieren kann. Dadurch staut sich das Blut im Körperkreislauf, die Halsvenen wirken prall gefüllt und es bilden sich Wassereinlagerungen in den Beinen.
 

Welche Ursachen hat ein Lungenemphysem?

Ein Lungenemphysem kann unterschiedliche Ursachen haben. Meistens spielen bei der Entstehung verschiedene Eiweiße eine wichtige Rolle. Wenn wir einatmen, gelangen neben der Luft auch Krankheitserreger und Schadstoffe in unsere Lunge. Normalerweise beseitigt das Immunsystem diese, denn in den Lungenbläschen befinden sich Zellen der Immunabwehr, die Proteine zur Zerstörung dieser körperfremden Stoffe freisetzen.
 
Diese Stoffe bezeichnet die Medizin als Proteasen. Proteasen unterscheiden nicht zwischen körpereigenem und körperfremdem Gewebe, weshalb sie auch das körpereigene Lungengewebe und die sensiblen Wände der Alveolen, sowie die darin gelegenen elastischen Fasern abbauen können. Um die Lungenbläschen vor diesem Prozess zu schützen, schüttet unser Körper normalerweise sogenannte Protease-Inhibitoren aus. Davon gibt es unterschiedliche Arten, ihr wichtigster Vertreter ist das Alpha-1-Antitrypsin.
 
In der Regel herrscht im Körper ein Gleichgewicht zwischen den Proteinen, die für den Abbau der Zellen zuständig sind, und den Protease-Inhibitoren, die das Gewebe vor übermäßigem Abbau schützen. Allerdings können Rauchen, chronische Entzündungen im Bereich der Lungenbläschen oder einen Mangel an Alpha-1-Antitrypsin diese Balance stören. Ebenfalls schädlich für das Gleichgewicht sind häufiges Einatmen von Schadstoffen, vernarbtes Lungengewebe und ein hohes Alter.
 
In seltenen Fällen kann ein Lungenemphysem durch einen genetisch bedingten Mangel an Alpha-1-Antitrypsin ausgelöst werden. Die mangelnde Produktion dieser Protease-Inhibitoren führt dazu, dass sich die Lunge nicht ausreichend vor Abbau-Proteinen schützen kann. Dadurch steigt das Risiko, an einer Blählunge zu erkranken. In welchem Ausmaß sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, hängt davon ab, wie stark der Mangel ausgeprägt ist. Durch Rauchen oder chronische Lungenerkrankungen kann das Risiko, das mit dieser Erbkrankheit einhergeht, weiterhin gesteigert werden.
 
Rauchen zählt allerdings nicht nur in Kombination mit einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zu den Ursachen des Lungenemphysems. Unabhängig davon gilt es als die häufigste Ursache, denn es hemmt die Produktion der Protease-Inhibitoren, weshalb die Lungenbläschen nicht mehr vor dem Abbau ihrer sensiblen Wände geschützt werden können. Das Gewebe der Alveolen wird dadurch stark geschädigt.
 
Neben dem Rauchen zählen auch chronische Entzündungen zu den Ursachen von Lungenemphysemen, da auch diese dazu führen, dass die Abbau-Proteine häufiger auftreten als die schützenden Eiweiße. Zu diesen Infektionen zählen zum Beispiel die chronische Bronchitis oder die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.
 
Chronische Erkrankungen der Lunge stellen an sich ein Problem dar und gelten als Ursache für Lungenemphyseme, allerdings können auch ihre Folgen als Ursprung für die Blählunge betrachtet werden, denn wenn eine Infektion abheilt, bleibt in der Lunge oft Narbengewebe zurück. Auch nach einer operativen Entfernung von Lungengewebe oder nach einer überstandenen Tuberkulose-Infektion bleibt vernarbtes Gewebe zurück. Dieses ist weniger resistent und dehnbar als gesundes Lungengewebe und kann daher der Grund für ein Narbenemphysem sein.
 
Eine weitere Ursache, die ein Lungenemphysem auslösen kann, ist das häufige Einatmen von atemwegsreizenden Substanzen. Dazu gehören unter anderem reizende Gase, quarzhaltiger Staub, Schweißrauch, aber auch Baumwoll- und Getreidestaub sowie bestimmte Gase wie Ozon oder Chlorgas. Weiters kann die Luftverschmutzung in Großstädten die Wahrscheinlichkeit eines Lungenemphysems erhöhen. Speziell für Menschen, die an chronischen Lungenerkrankungen leiden, ist das Einatmen von atemwegsreizenden Substanzen sehr schädlich.
 
Ebenfalls zu den Ursachen des Lungenemphysems zählt ein hohes Alter. Je älter wir werden, desto mehr nimmt die Elastizität unserer Haut und unseres Bindegewebes ab und auch die Wände der Alveolen werden mit zunehmendem Alter weniger dehnbar. In geringen Fällen kann das ein altersbedingtes Lungenemphysem auslösen, welches meistens symptomlos verläuft und daher in der Regel auch keiner Behandlung bedarf.
 

Welche Risikofaktoren begünstigen ein Lungenemphysem?

Es gibt gewisse Risikofaktoren, die die Entstehung eines Lungenemphysems begünstigen können. Dazu zählt beispielsweise der erblich bedingte Mangel an Alpha-1-Antitrypsin, aber auch chronische Lungenerkrankungen wie Asthma oder chronische Bronchitis. Rauchen oder häufiges Einatmen von Schadstoffen können ebenfalls das Lungengewebe so schädigen, dass es zu einem Lungenemphysem kommen kann.
 

Wie diagnostiziert der Arzt ein Lungenemphysem?

Wenn Du an Atemnot leidest und weitere Symptome bemerkst, die auf ein Lungenemphysem hindeuten, solltest Du so rasch wie möglich einen Arzt aufsuchen. Am besten wendest Du Dich direkt an einen Lungenfacharzt. Bei der Untersuchung wird er sich zunächst im Detail über Deine Krankengeschichte informieren. Dein Arzt wird Dir dazu verschiedene Fragen stellen. Zum Beispiel ist es relevant, an welchen Symptomen Du leidest. Dein Arzt wird eruieren, ob Du beim Atmen Probleme hast, oft hustest, oder andere Beschwerden hast.
 
Außerdem ist es wichtig, dass Dein Arzt über Fragen zu Deinem Lebensstil den Zustand Deiner Lunge einschätzen kann. Daher solltest Du Deinem Arzt genau preisgeben, ob und wie häufig Du rauchst und wie viel körperliche Anstrengung Du verträgst, bevor Du eine Pause einlegen musst. Ebenso relevant ist es für Deinen Arzt, ob Du an Lungenerkrankungen wie Asthma leidest und ob Mitglieder Deiner Familie an einem Lungenemphysem oder einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel erkrankt sind.
 
Nach dem Erstgespräch wird Dein Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen, um zu kontrollieren, ob an Deinem Körper Veränderungen vorliegen, die auf ein Lungenemphysem hindeuten. Dazu zählen beispielsweise die fassförmige Aufblähung des Brustkorbs, blaue Verfärbungen an Finger und Lippen sowie prall gefüllte Halsvenen, geschwollene Beine und Verdickungen der Nägel. Zudem wird er Dich bitten, auszuatmen. So kann er überprüfen, ob Du die für Lungenemphysem-Patienten typische Ausatmung aufweist.
 
Des Weiteren wird Dein Arzt Deine Lunge abhören. Er wird dabei auf trockene Rasselgeräusche achten, die einem Brummen oder Pfeifen ähneln und auf ein Lungenemphysem hindeuten. Außerdem wird er Dein Herz abhören, denn die Herztöne sind durch das Stethoskop oftmals nur sehr leise zu hören, wenn der Patient an einer Blählunge leidet.
 
Wenn Dein Arzt nach diesen Untersuchungen den Verdacht hat, dass Du an einem Lungenemphysem leidest, kann er weitere diagnostische Maßnahmen anordnen, um den Schweregrad der Erkrankung feststellen zu können. Dazu zählen ein Brustkorb-Röntgen oder eine Computertomographie, aber auch ein Lungenfunktionstest oder eine Blutgasanalyse können Aufschluss über die Ausprägung der Blählunge erteilen.

Ein Lungenemphysem kann zu Veränderungen der Form des Brustkorbs kommen.

Wie wird ein Lungenemphysem behandelt?

Lungenemphyseme sind nicht heilbar. Die Ausdehnung und Zerstörung der sensiblen Lungenbläschen sind zwar irreversibel, aber die Behandlung durch einen Spezialisten verspricht eine Linderung der Beschwerden und eine Verlangsamung oder sogar ein Stoppen des Krankheitsverlaufs.
 
Die Therapie eines Lungenemphysems umfasst mehrere Aspekte. In erster Linie ist es wichtig, dass der Patient nicht raucht und sämtliche Schutzimpfungen gegen Infekte, die die Atemwege belasten, von einem Arzt verabreicht bekommt. Wenn dennoch eine Entzündung in der Lunge ausbrechen sollte, ist es wichtig, dass diese frühzeitig von einem Spezialisten behandelt wird. Die Therapie eines Infekts bei Lungenemphysem-Patienten kann beispielsweise mit Antibiotika vorgenommen werden.
 
Ärzte stimmen die Behandlung einer Blählunge mit der Ausprägung und dem Schweregrad der Krankheit ab. Um die Symptome einzudämmen, gibt es verschiedene medikamentöse Therapien. Mediziner können bronchienerweiternde Präparate einsetzen, die sie über Inhalation verabreichen. Medikamente, die entzündungshemmend wirken und die der Patient entweder inhaliert oder in Tablettenform einnimmt, sind ebenfalls eine mögliche Therapie. Wenn der Patient an einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel leidet, können die fehlenden Eiweiße durch entsprechende Medizin substituiert werden. Ärzte verabreichen diese in der Regel über Infusionen.
 
Neben dem Einsatz von Medikamenten empfehlen Spezialisten bei stark ausgeprägten Krankheitsfällen oft Sauerstoff-Langzeittherapien. Der Patient muss dabei mindestens 16 Stunden täglich reinen Sauerstoff über eine Maske inhalieren. Diese Therapieform ist zwar aufwändig, kann aber die Prognose maßgeblich verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen steigern. Allerdings ist die Sauerstofftherapie nicht in allen Fällen ratsam, denn es kann vorkommen, dass die Patienten aufgrund der hohen Sauerstoffzufuhr aufhören, selbstständig zu atmen. Aus diesem Grund wählen Ärzte die Therapie bei einem Lungenemphysem sehr sorgfältig.
 
Eine weitere Methode, um die Symptome einer Blählunge zu minimieren, ist die physikalische Lungenemphysem-Therapie. Es handelt sich dabei um eine Atemtherapie, bei der die Patienten spezielle Atemtechniken erlernen. Dazu zählt auch das gezielte Training der Bauchmuskeln, denn ihr Einsatz ist bei der Atmung besonders wichtig. Weitere relevante Aspekte dieses Therapieansatzes sind ausreichendes Trinken und regelmäßiges Inhalieren, um das Abhusten des Auswurfs zu begünstigen.
 
In besonders drastischen Fällen ist zur Behandlung eines Lungenemphysems ein chirurgischer Eingriff durch einen Spezialisten notwendig. Der Arzt entfernt dabei den Teil der Lunge, der zu stark aufgebläht und geschädigt wurde. Das zurückbleibende, gesunde Lungengewebe kann dadurch wieder besser belüftet werden. Bei Patienten, die an besonders stark ausgeprägten Lungenemphysemen leiden, bleibt als letzte Möglichkeit nur noch eine Lungentransplantation.
 

Welche Komplikationen können bei einem Lungenemphysem auftreten?

Je nach Ausprägung des Lungenemphysems können begleitend auch Komplikationen auftreten. Dazu zählt einerseits der Pneumothorax, ein Krankheitsbild, bei dem der Unterdruck in der Lunge aufgehoben wird. Als Folge kollabiert die Lunge auf der betroffenen Seite, kann nicht mehr am Atemprozess teilnehmen und dadurch auch keinen Gasaustausch bewerkstelligen. Bei den Betroffenen äußert sich das durch spontane Atemnot und einen plötzlich auftretenden, stechenden Schmerz im Brustkorb.
 
Die zweithäufigste Komplikation bei einem Lungenemphysem ist die Rechtsherzschwäche. Die rechte Herzhälfte muss stärker pumpen, um den erhöhten Widerstand in den Lungengefäßen auszugleichen. Wenn sie über einen längeren Zeitraum stark beansprucht wird, kann das in einer Schwäche des Herzmuskels resultieren. Die rechte Herzhälfte kann nicht mehr ausreichend pumpen und es bilden sich Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen. Die Rechtsherzinsuffizienzkann allerdings auch die Leber schädigen und zu einer Leberzirrhose führen. Um das Auftreten dieser Komplikationen zu vermeiden, ist eine konsequente Therapie durch einen Spezialisten besonders wichtig.
 

Wie ist die Prognose bei einem Lungenemphysem?

Ein Lungenemphysem ist nicht heilbar, aber mithilfe einer konsequenten Therapie durch einen Spezialisten kann die Lebensqualität der Patienten gesteigert und der Krankheitsverlauf eingedämmt oder sogar gestoppt werden. Wenn du an einer Blählunge leidest, kannst Du Deine Prognose selbst verbessern, indem Du Dich an die Therapieanweisungen Deines Arztes hältst und auf einen gesunden Lebensstil achtest.
 
Die Prognose hängt ebenfalls maßgeblich davon ab, in welchem Stadium das Lungenemphysem entdeckt und die Behandlung eingeleitet wird. Aus diesem Grund solltest Du bereits bei den ersten Beschwerden einen Lungenfacharzt konsultieren.
 

Wie kann ich einem Lungenemphysem vorbeugen?

Du kannst einem Lungenemphysem vorbeugen, indem Du einen gesunden Lebensstil pflegst und auf Rauchen verzichtest. Wenn Du rauchst, solltest Du so rasch wie möglich damit aufhören. Auch wenn es Dir schwerfällt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Dir dabei helfen können, die Nikotinsucht hinter Dir zu lassen. Dazu zählen unter anderem Verhaltenstherapien oder Nikotinersatzmittel.
 
Zu einem gesunden Lebensstil zählt neben dem Verzicht auf Zigaretten auch die frühe Behandlung von Infekten. Wenn Du beispielsweise an Fieber und Husten leidest, schädigt das Deine Lunge und Du solltest Dich so gut es geht schonen, um die Genesung zu beschleunigen. Nur so kannst Du sicherstellen, dass Du Dein Lungengewebe nicht übermäßig strapazierst.
 
Um einem Lungenemphysem vorzubeugen, solltest Du Dich außerdem von Deinem Arzt in regelmäßigen Abständen gegen Pneumokokken und die Grippe impfen lassen. Dein Hausarzt kann Dich darüber informieren, innerhalb welcher Zeitspannen Du die Impfungen auffrischen lassen musst.
 
Es ist besonders wichtig, diese vorbeugenden Maßnahmen zu treffen, denn ein Lungenemphysem ist nicht heilbar. Wenn Du also an einer Blählunge erkrankst, wirst Du den Krankheitsverlauf zwar verlangsamen und die Symptome lindern, aber nicht mehr vollständig beheben können.

Verzichte auf Rauchen! Diese Angewohnheit ist für Deine Lungen extrem schädlich.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Lungenemphysems?

In der Regel übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Lungenemphysems, sofern Du Dich für die Therapie an einen Kassenarzt wendest. Sollten im Rahmen der Behandlung dennoch Kosten anfallen, die Deine Versicherung womöglich nicht deckt, kannst Du Dich vorab bei Deinem Arzt oder Deinem Versicherungsträger informieren. Zusätzlich dazu kannst Du vor der Behandlung die Therapieoptionen mit Deinem Arzt besprechen und mit Deiner Krankenkasse Rücksprache halten, um sicherzugehen, dass diese alle Kosten deckt.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Lungenbläschen sind die kleinsten Funktionseinheiten der Lunge. In ihnen findet über die Atmung der Gasaustausch statt, bei dem der Körper mit Sauerstoff versorgt und von Kohlendioxid bereinigt wird. Wenn die Lungenbläschen aufgrund von schädlichen Einflüssen überdehnt oder zerstört werden, bilden sich in der Lunge große, funktionslose Blasen. Das wird in der Medizin als Lungenemphysem bezeichnet.


Das Lungenemphysem wird durch Rauchen, dem Einatmen von Schadstoffen oder einem erblich bedingten Mangel an Alpha-1-Antitrypsin ausgelöst. Die Symptome reichen von Atemnot bis hin zur bläulichen Verfärbung von Lippen und Fingern und variieren je nach Ausprägung des Lungenemphysems.


Ein Lungenemphysem ist nicht heilbar, allerdings kann der Krankheitsverlauf bei frühzeitiger Erkennung mithilfe einer entsprechenden Therapie durch einen Lungenfacharzt eingedämmt oder sogar gestoppt werden. Dadurch verbessert sich nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch die Prognose und Komplikationen wie Rechtsherzinsuffizienz oder Pneumothorax können vermieden werden.


Die Behandlung kann mittels medikamentöser Einstellung, Sauerstoff-Langzeittherapie oder physikalischer Therapie erfolgen. Die genaue Vorgehensweise wird je nach Ursache sorgfältig von einem Spezialisten gewählt und auf den Patienten abgestimmt. Die Kosten dafür werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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