Lagerungsschwindel (BPLS)

Schwindel tritt relativ häufig allein oder als Begleitsymptom von anderen Erkrankungen auf. Die meisten Menschen kennen das Gefühl, welches durch den Schwindel entsteht. Die Häufigkeit des Auftretens steigt mit dem Alter der Person. Meist handelt es sich lediglich um eine vorübergehende Störung des Gleichgewichts. Der Lagerungsschwindel oder auch der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist die häufigste Form von Schwindel. Er ist harmlos und lässt sich in der Regel gut behandeln.


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Zuletzt aktualisiert: 7. Juli, 2020



ICD-10-GM-2020 H81.1

Was versteht die Medizin unter einem Lagerungsschwindel?

Der Lagerungsschwindel ist in der Medizin unter dem Namen benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel bekannt und tritt episodisch, also immer wieder auf. Diese Art des Schwindels ist lageabhängig und ist durch kurze, wiederkehrende Drehschwindelattacken gekennzeichnet, die durch Kopflagerungswechsel auslösbar sind. Ein Lagerungsschwindel kann außerdem mit Übelkeit und Sehstörungen einhergehen, der Hirnstamm ist dabei jedoch vollkommen intakt.

Wie entsteht Schwindel im Allgemeinen?

Schwindel entsteht, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen von den Gleichgewichtsorganen erhält. Auch wenn das Gehirn die eingehenden Signale nicht richtig verarbeiten kann, kann es zu Schwindel kommen. Sowohl physische als auch psychische Erkrankungen können für die Schwindelattacken verantwortlich sein.

Ein Lagerungsschwindel ist harmlos und geht nach einigen Minuten vorüber.

Welche anderen Formen von Schwindel gibt es?

Die Medizin unterscheidet in der Regel zwei Formen des Schwindels: den vestibulären und den nicht-vestibulären Schwindel. Der vestibuläre Schwindel entsteht durch widersprüchliche Reize oder eine gestörte Verarbeitung der von den Gleichgewichtsorganen gesendeten Informationen im Gehirn. Dahinter stecken Erkrankungen oder Irritationen des Gleichgewichtssystems. Der Schwindel äußert sich meist als Drehschwindel.
 
Arten des vestibulären Schwindels beziehungsweise Erkrankungen, die sich dadurch äußern, sind neben dem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel die Neuritis vestibularis, die Vestibulopathie, die Vestibularisparoxysmie, Morbus Menière, die Basilarismigräne (vestibuläre Migräne), Durchblutungsstörungen im Gehirn, das Akustikusneurinom, eine Felsenbeinfraktur mit Labyrinthausfall, die vestibuläre Epilepsie, die Reisekrankheit sowie altersbedingter Schwindel.
 
Beim nicht-vestibulären Schwindel sind die Gleichgewichtsorgane vollständig gesund, auch die Nerven und das Gehirn funktionieren einwandfrei. Das bedeutet, dass die Auslöser in anderen Körperregionen zu finden sind. Personen, die an nicht-vestibulärem Schwindel leiden, können sich nicht mehr im Raum orientieren, gehen und stehen unsicher und neigen daher zu Stürzen. Übelkeit und Erbrechen sind bei nicht-vestibulärem Schwindel allerdings eher die Ausnahme.
 
Nicht immer kann der Arzt eine erkennbare körperliche Ursache des Schwindels ausmachen. In solchen Fällen handelt es sich um somatoformen Schwindel, der bei den Betroffenen zu verschiedensten Beschwerden wie Luftnot oder Antriebslosigkeit führt. Meist liegt die Ursache dieses Schwindels in psychischen Erkrankungen wie einer Angststörung oder einer Depression.
 
Eine weitere Form psychisch bedingter Schwindelanfälle ist der phobische Schwankschwindel. Dieser ist die häufigste somatoforme Schwindelstörung. Bei Personen zwischen 30 und 50 Jahren ist dies insgesamt die häufigste Schwindelart. Bei einem phobischen Schwankungsschwindel kommt es typischerweise zu Benommenheit, Schwankschwindel, Stand- und Gangunsicherheit, wodurch es häufig zu Stürzen kommt.
 
Auslöser dieser Schwindelanfälle sind dieselben Auslöser, die bei den Betroffenen zu Panikattacken führen können, also beispielsweise das Überqueren einer Brücke oder wenn sich die Betroffenen inmitten einer großen Menschenmenge befinden. Der phobische Schwindel zählt zum psychogenen Schwindel und ist seelisch bedingt.

Auf welche Erkrankungen kann Schwindel hinweisen?

Der Schwindel kann auf vielerlei Erkrankungen hinweisen. Mögliche Erkrankungen, die mit Schwindel einhergehen können, sind das metabolische Syndrom, die Reisekrankheit, Epilepsie, eine Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Auch ein Stromschlag, niedriger Blutdruck, eine Carotisstenose oder ein Schlaganfall kann sich dadurch äußern.

Wie häufig ist ein Lagerungsschwindel und wer ist davon betroffen?

Der Lagerungsschwindel ist die häufigste Form des Schwindels und tritt meist bei älteren Menschen zwischen 50 und 60 Jahren auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Lagerungsschwindel führt zu schnellen Augenbewegungen, Störungen des Gleichgewichts und Übelkeit.

Was sind die Symptome von einem Lagerungsschwindel?

Der Lagerungsschwindel entsteht, wenn Betroffene eine bestimmte Position mit dem Kopf einnehmen. Welche Kopfposition letztendlich den Schwindel auslöst, hängt vom betroffenen Bogengang ab. Etwa ein bis dreißig Sekunden nach dem Positionswechsel macht sich ein Drehschwindel bemerkbar, welcher immer intensiver wird. Nach einigen Sekunden schwächt er sich wieder ab und verschwindet dann meist von selbst wieder. Insgesamt dauert ein solcher Drehschwindelanfall circa eine halbe Minute, kann aber auch kürzer oder etwas länger ausfallen.
 
Bei einem solchen Anfall werden außerdem schnelle Augenbewegungen, ein sogenannter Nystagmus, ausgelöst, wodurch manche Betroffene das Gefühl haben, die Umgebung würde sich ruckartig drehen. Gleichzeitig tritt häufig starke Übelkeit oder Erbrechen auf. Je häufiger Betroffene die auslösende Position einnehmen, desto schwächer wird oft das Schwindelgefühl. Auch zwischen den Anfällen können leichte Störungen des Gleichgewichts bestehen.

Wie entsteht ein Lagerungsschwindel?

Der Lagerungsschwindel kann unterschiedliche Ursachen haben. Typischerweise entsteht er durch das Ablösen der Ohrensteine im Innenohr, welche dann in die Bogengänge des Ohres gelangen. Nahe dem Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan, das durch die Ohrensteine beeinflusst wird. Wenn Betroffene den Kopf in eine bestimmte Richtung drehen, strömen die abgelösten Teilchen in den Bogengängen herum und bewirken einen Sog auf die Sinneszellen, welcher wiederum die heftigen Schwindelanfälle verursacht. Die Ohrensteine können sich beispielsweise ablösen, wenn Du Dich am Kopf verletzt, Du ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erleidest, Du längere Zeit bettlägerig bist oder bereits ein hohes Lebensalter erreicht hast. Auch Entzündungen im Innenohr, wo sich das Gleichgewichtsorgan befindet, können dazu führen, dass sich die Ohrensteine ablösen.

Wann sollte ich mit Schwindelgefühlen zum Arzt gehen?

Meist ist ein akuter Schwindelanfall kein Anlass zur Beunruhigung, da es sich meist nur um einen harmlosen Lagerungsschwindel handelt. Dieser klingt in der Regel spontan innerhalb weniger Tage oder Wochen ab. Wenn Du Dir allerdings Sorgen machst, dass es sich um eine andere Schwindelform handeln könnte oder die Schwindelanfälle immer wieder auftreten, solltest Du einen Arzt aufsuchen.
 
Auch wenn der Schwindel plötzlich, heftig und wiederholt auftritt, ohne dass Du eine äußere Ursache dafür verantwortlich machen könntest, oder der Schwindel immer als Reaktion auf bestimmte Kopfbewegungen auftritt, solltest Du einen Arzt konsultieren. Weitere Gründe hierfür sind Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Benommenheit, Sehstörungen oder Atemnot, die zeitgleich mit dem Schwindelgefühl auftreten.
 
Wenn der Schwindel während einer Infektion auftritt, solltest Du ihn medizinisch abklären lassen. Dabei ist es nicht relevant, ob Du Fieber hast oder nicht. Wenn sich die Gleichgewichtsstörungen immer wieder in bestimmten Situationen wie in Menschenmengen oder beim Autofahren zeigen, solltest Du Deinen Arzt darüber in Kenntnis setzen. Dasselbe gilt für stressbedingten Schwindel.

Ein Lagerungsschwindel tritt vermehrt im Alter auf, Frauen sind häufiger davon betroffen.

Wie diagnostiziert der Arzt einen Lagerungsschwindel?

Um einen Lagerungsschwindel zu diagnostizieren, erfragt Dein Hals-Nasen-Ohren-Arzt zunächst Deine Beschwerden, wie lange diese bestehen und wie häufig sie auftreten. Daraufhin führt er einen Provokationstest durch, um den Schwindel hervorzurufen. Mithilfe des Dix-Hallpike-Manövers kann er dann einen gutartigen Lagerungsschwindel diagnostizieren. Er achtet während der Provokation außerdem auf ein Augenzittern, welches typischerweise einige Sekunden nach dem Provokationstest auftritt.

Wie wird ein Lagerungsschwindel behandelt?

Dein Arzt kann den Lagerungsschwindel mithilfe des Epley-Manövers oder des Semont-Manövers behandeln. Das Epley-Manöver besteht aus fünf Schritten, die Dir Dein Arzt genau erläutert. Später kannst Du es dann allein mehrmals am Tag durchführen. Bei vielen Betroffenen führt seine Anwendung zum Verschwinden der Symptome. Auch das Semont-Manöver kannst Du mehrmals am Tag durchführen. Wenn Du eine Verbesserung der Symptomatik bemerkst, kannst Du die Übungen einstellen. Normalerweise reichen etwa fünf bis zehn Tage, an denen Du die Übungen durchführst, um den Schwindel zu vermeiden.

Welche Komplikationen können bei einem Lagerungsschwindel auftreten?

Der häufig auftretende Schwindel kann die Psyche belasten, wenn Betroffene beispielsweise dadurch aus dem Schlaf aufwachen. Außerdem vermeiden einige bestimmte Bewegungen, wie ein schnelles Kopfdrehen, was dann wiederum eine Vielzahl von Problemen verursachen kann. Durch die Gleichgewichtsstörungen ist die Gefahr von Stürzen und daraus resultierenden Verletzungen erhöht. Insgesamt kann sich das Verhalten und Befinden der Betroffenen durch den lang anhaltenden Schwindel maßgeblich negativ ändern.

Was kann ich selbst gegen einen Lagerungsschwindel tun?

Du solltest regelmäßig Deinen Gleichgewichtssinn trainieren, indem Du auf einem Bein stehst oder auf einer imaginären Linie entlang läufst. Du solltest außerdem starke körperliche Erschöpfung vermeiden, ausreichend trinken, regelmäßig essen und ausreichend schlafen. Versuche, Stress zu reduzieren und auf übermäßigen Alkohol- und Nikotinkonsum zu verzichten. Kontrolliere Deinen Blutdruck und stehe nicht zu schnell aus sitzenden oder liegenden Positionen auf.

Welche Hausmittel helfen bei einem Lagerungsschwindel?

Du kannst verschiedene Übungen durchführen, die helfen, dem Schwindel entgegenzuwirken. Fixiere dazu im Liegen einen Punkt an der Decke. Halte den Blickkontakt, während Du den Kopf abwechselnd zur linken und dann zur rechten Seite bewegst.
 
Eine andere Übung kannst Du im Sitzen oder im Stehen durchführen. Nimm einen beliebigen Gegenstand und lege ihn vor Dir auf den Boden. Hebe ihn anschließend wieder auf und lege ihn Dir auf den Schoß. Lege ihn dann auf einer anderen Stelle auf dem Boden ab, immer abwechselnd links und rechts.
 
Für die nächste Übung richtest Du Dich mehrmals vom Sitzen zum Stand auf. Im ersten Durchgang kannst Du die Augen offen lassen, danach kannst Du es mit geschlossenen Augen versuchen. Andere Übungen fokussieren sich auf die Körperdrehung oder die Beugung des Kopfes.

Lagerungsschwindel wird durch bestimmte Kopfbewegungen ausgelöst - diese sind bei jedem Betroffenen anders.

Wie viel kostet die Behandlung von einem BPLS?

Die Kosten für die Behandlung eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS) setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, unter anderem aus dem Honorar des Arztes, den verwendeten Materialien und eventuellen Kosten für einen Krankenhausaufenthalt.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung von einem BPLS?

Die Krankenversicherungsträger übernehmen alle notwendigen und zweckmäßigen Maßnahmen zur Diagnostik und Therapie. Bei manchen Krankenkassen fällt ein Selbstbehalt an, den der Patient selbst zahlen muss. Auch bei stationären Aufenthalten fallen meist Kostenbeteiligungen an. Falls Du Fragen zur (anteiligen) Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen oder Therapien hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach.
 


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

-

Stationärer Aufenthalt Stationär

-

Das Wichtigste zusammengefasst

Der harmlose Lagerungsschwindel ist die häufigste Schwindelform und tritt besonders bei älteren Menschen und Frauen auf


Der Lagerungsschwindel entsteht, wenn Betroffene eine bestimmte Kopfposition einnehmen. Er dauert in etwa eine halbe Minute


Der Lagerungsschwindel entsteht, wenn sich im Inneren des Ohrs sogenannte Ohrensteine ablösen und in den Bogengängen herumströmen


Durch Therapien wie das Epley-Manöver oder das Semont-Manöver lassen die Beschwerden normalerweise nach

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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