Generalisierte Angststörung

Kreisen Ängste und Sorgen unkontrollierbar um alltägliche Dinge und nehmen so überhand, dass sie Kraft für den Alltag rauben, kann eine generalisierte Angststörung vorliegen. Oft sind es körperliche Angstsymptome oder andere seelische Erkrankungen, die den Patienten zum Arzt gehen lassen, gleichzeitig erschweren diese die Diagnose. Je nach Schwere und persönlicher Einstellung kann eine kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Therapie und eine Kombination mit Medikamenten wie Antidepressiva helfen. Die generalisierte Angststörung nimmt oft einen chronischen Verlauf, ohne therapeutische Maßnahmen verschwindet sie kaum.


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Zuletzt aktualisiert: 17. August, 2020



ICD-10-GM F40. – F48.

Was versteht die Medizin unter einer generalisierten Angststörung?

Ängste dienen dem Überleben, sie versetzen den Körper in Alarmbereitschaft und ermöglichen in einer Gefahrensituation schneller einen Kampf oder eine Flucht. Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin des Nebennierenmarks steuern viele Körperfunktionen der Reaktionsbereitschaft und Wachsamkeit, welche mit Änderungen des Stoffwechsels einhergehen. So werden Herzschlag und Atmung beschleunigt, um die Muskeln besser zu durchbluten oder den Sauerstoffgehalt im Blut zu erhöhen.
 
Bei einer generalisierten Angststörung leiden die Betroffenen unter ständigen Angstzuständen
 
Bei einer Angststörung sind die Auslöser der Angst unangemessen. Beziehen sich diese Sorgen auf alltägliche Dinge oder kann der Patient die Angst nicht benennen, da er am Tag verschiedene Bedrohungen wahrnimmt, spricht der Mediziner von einer generalisierten Angststörung. Der Betroffene nimmt die Angstzustände nicht als Sorgen, sondern als einen andauernden Gemütszustand und Teil seiner Persönlichkeit wahr.
 
Eine emotionale Verarbeitung findet nicht statt, stattdessen beruhigt den Patienten die Annahme, seine Reaktion auf die Reize seien vernünftig. Diese Verbesserung ist nur von kurzer Dauer, da die Ängste aufrechterhalten werden. Mit der Zeit kann der Betroffene seine Gedanken und Ängste nicht mehr kontrollieren.

Wie häufig ist eine generalisierte Angststörung?

Die generalisierte Angststörung ist eine der häufigsten Angststörungen. Ungefähr fünf Prozent der Menschen sind davon betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Meist treten die ersten Symptome in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter auf, diagnostiziert wird sie meist zwischen 35 und 45 Jahren. Auch bei Kindern kommt sie vor, bei Menschen über 65 Jahre ist sie hingegen selten.

Was sind die Symptome einer generalisierten Angststörung?

Die Betroffenen leiden unter unangemessenen Sorgen und Ängsten, die nicht als Reaktion auf bestimmte Situationen entstehen und den Alltag einschränken. Die Sorgen betreffen die eigene Gesundheit oder das Wohlergehen der Familie, den Arbeitsplatz, die finanzielle Situation oder auch den Haushalt. Unkontrollierbare oder unvorhersehbare Situationen gehen oft mit schlechten Gefühlen einher. Durch die Angst versuchen Betroffene Enttäuschungen zu vermeiden, wenn tatsächlich negative Ereignisse eintreten. Oft sorgen sich die Patienten über ihre eigenen Ängste und fürchten, dass diese ihnen schaden (Meta-Sorgen). Der Versuch, die Gedanken zu unterdrücken, rückt diese immer weiter in den Mittelpunkt.
 
Die andauernde Alarmbereitschaft macht sich durch körperliche Symptome bemerkbar. Zu den sogenannten vegetativen Symptomen zählen vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen, Zittern und Mundtrockenheit.
 
In Brust- und Bauchraum treten Symptome wie Atembeschwerden, Magen- und Bauchschmerzen, Übelkeit, Verdauungsprobleme oder ein Beklemmungsgefühl auf.
 
Viele Betroffene entwickeln psychische Beschwerden wie Depressionen, Unsicherheit, Benommenheit, Schwindel, Todesangst oder haben Angst davor, verrückt zu werden. Leiden die Betroffenen gleichzeitig an Depressionen oder Zwangsstörungen, können sie von Suizidgedanken betroffen sein.
 
Die körperliche Alarmbereitschaft zeigt sich in Anspannungsbeschwerden wie zum Beispiel Muskelverspannungen, Ruhelosigkeit und Nervosität sowie Schluckbeschwerden.
 
Daneben können noch allgemeine Beschwerden wie erhöhte Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Einschlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, sowie Hitzewallungen oder Kälteschauer, Gefühllosigkeit oder ein Kribbeln auftreten.
 
Eine generalisierte Angststörung liegt vor, wenn der Betroffene über sechs Monate alltägliche Ängste und Sorgen verspürt und mindestens ein vegetatives Symptom sowie mindestens vier andere Symptome an den meisten Tagen auftreten. Symptomfreie Phasen kommen vor, doch treten die Beschwerden vor allem bei Belastungen und Stress wieder auf.

Welche Ursachen hat eine generalisierte Angststörung?

Die genauen Ursachen einer generalisierten Angststörung sind unklar, es gibt aber biologische wie psychologische Einflüsse. Die familiäre Häufung spricht für eine genetische Veranlagung einer Anfälligkeit, eine Angststörung zu entwickeln. Biologisch zeigen Betroffene Auffälligkeiten in der Aktivität bestimmter Hirnareale und Konzentrationen von Botenstoffen (Neurotransmittern), wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, deren Menge und Gleichgewicht Stimmungen und Ängste beeinflussen. Stress kann sich auf diese negativ auswirken.
 
Besonders im Kindesalter haben Vernachlässigung, Missbrauch oder andere traumatische Erlebnisse wie ein großer Verlust einen negativen Einfluss. Neben unsicheren Eltern-Kind-Beziehungen fördern ängstliche Eltern unbewusst die Angst ihrer Kinder.
 
Auslöser ist oft eine belastende Situation wie Tod oder Trennungen, Arbeitslosigkeit oder eine große Arbeitsbelastung, familiärer Stress, eine schwere Erkrankung wie Krebs oder psychische Erkrankungen wie Depressionen, Panikstörungen oder Suchterkrankungen.
 
Die genauen Ursachen der generalisierten Angststörung sind nicht immer ersichtlich, allerdings können traumatische Erlebnisse aus der Kindhet unter anderem dazu führen

Wie wird eine generalisierte Angststörung behandelt?

Ziel einer Behandlung ist das Verhindern einer Verschlechterung oder eines Rückfalls und das Wiedererlangen von Lebensfreude und Lebensqualität, ohne Beeinträchtigungen des Arbeits- und Soziallebens.
 
Eine kognitive Verhaltenstherapie hat sich bei der Behandlung bewährt. Mitunter kann auch eine medikamentöse Behandlung davor oder zeitgleich notwendig sein. Einigen Patienten hilft eine ambulante Behandlung, andere hingegen brauchen einen Aufenthalt in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik, in der sie umfassend in einer psychosozialen Therapie versorgt werden.
 
Entspannungstechniken wie autogenes Training wirken sich positiv auf die Angststörung aus. Pflanzliche Mittel wie Baldrian oder Lavendelöl oder auch homöopathische Mittel versprechen ebenfalls eine angstlösende Wirkung. Da solche Präparate Nebenwirkungen besitzen können, sollten Betroffene sie nicht ohne ärztlichen Rat einnehmen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine generalisierte Angststörung?

Oft wenden sich Betroffene aufgrund körperlicher Symptome an ihren Hausarzt. Dieser fragt nach den Beschwerden, körperlichen und familiären Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, beruflicher Situation, Konsum von Tabak, Alkohol oder Drogen.
 
Erkrankungen der Schilddrüse, des Herzens oder neurologischen Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können, schließt der Arzt mit entsprechenden Untersuchungen aus. Dazu zählen zum Beispiel ein Bluttest, ein Elektrokardiogramm (EKG) bei der die Herzaktion gemessen wird, ein, eine Elektroenzephalografie (EEG), bei der die elektrische Aktivität des Gehirns anhand von Hirnströmen gemessen wird und eine Magnetresonanztomografie (MRT).
 
Du solltest dem Arzt Deine Ängste nicht verschweigen, sonst könnte er die psychische Ursache übersehen und nur die körperlichen Symptome behandeln. Beim Ausschluss einer körperlichen Erkrankung wird der Arzt zu einem Besuch bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten raten. Therapeuten stellen eine Angststörung mithilfe eines Fragebogens fest, der auch Aussagen über die Schwere erlaubt. Mit anderen Tests kann der Therapeut andere psychische Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen.

Wie kann eine Psychotherapie bei einer generalisierten Angststörung helfen?

In einer Psychotherapie lernt der Patient, mit den Ängsten umzugehen, um so die Belastung zu reduzieren. Wichtig ist eine gute Vertrauensbasis zum Therapeuten, daher sollte dieser sorgfältig ausgewählt werden. Zuerst klärt der Therapeut den Patienten über seine Erkrankung auf, was bereits entlastend wirken kann. Bei der generalisierten Angststörung kommt oft die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz, sie dient aber auch der Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Suchterkrankungen sowie körperlichen Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, Tinnitus oder Rheuma.
 
Betroffene einer generalisierten Angststörung neigen zu „Katastrophisierung“, einer extremen oder übertriebenen Annahme der Situation. Mitunter ziehen Patienten Schlüsse aus schlimmen Vorfällen und übertragen diese auf andere Situationen (Übergeneralisierung). Häufig lenken Patienten eine Situation unbewusst durch ihr Verhalten in eine negative Richtung.
 
In der kognitiven Verhaltenstherapie lernt der Betroffene, unrealistische und verzerrte Ängste und Gedanken zu erkennen und diese in realistischere Annahmen umzuwandeln, ohne näher auf die auslösenden Ereignisse einzugehen.
 
Andere Maßnahmen sind Entspannungstechniken zur Stress- und Schmerzbewältigung wie tiefe Atemübungen, wodurch sich der Patient auf die Atmung und nicht auf die Angst konzentriert.
 
Um die generalisierten Angststöung langfristig zu bekämpfen, braucht es unbedingt eine Therapie
 
Ein Teil der Verhaltenstherapie ist die Konfrontationstherapie. Hier stellt sich der Patient seiner Angst und erlebt, dass die gefürchtete Konsequenz ausbleibt. Diese Konfrontation kann zunächst in der Vorstellung des Betroffenen passieren, danach erfolgt eine tatsächliche körperliche Konfrontation mit dieser Situation.
 
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie muss der Patient offen und aktiv mit dem Therapeuten sprechen und auch Zuhause an seinen Problemen arbeiten. Dies kostet Kraft und kann sehr belastend sein, daher kann eine medikamentöse Behandlung vor der Therapie sinnvoll sein. Die Dauer einer Therapie ist individuell verschiedenen, sie ist aber eher eine kurzzeitige Therapieform.
 
Im Gegensatz zur kognitiven Verhaltenstherapie beleuchtet die psychodynamische Therapie, die psychoanalytische und tiefenpsychologische Aspekte in sich vereint, die zugrunde liegenden Konflikte. Durch die Aufarbeitung der auslösenden Konflikte, erhält der Patient Lösungen für seine aktuellen Beschwerden.

Wie funktioniert die medikamentöse Behandlung einer generalisierten Angststörung?

Manchmal ist die medikamentöse Behandlung einer generalisierten Angststörung mit angstlösenden Arzneistoffen (Anxiolytika) notwendig. Wichtig ist, dass der Patient nicht selbstständig die Therapie abbricht oder die Dosis verändert, selbst wenn eine Besserung eintritt, Nebenwirkungen entstehen oder Ängste um die Gesundheit oder vor Abhängigkeit aufkommen. Je nach individuellen Bedürfnissen, Vorerkrankungen und Nebenwirkungen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:
 
Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)
Diese Antidepressiva wie Escitalopram und Paroxetin lindern Angst und depressive Beschwerden nach zwei- bis sechswöchiger Einnahme. Selbst nach einer Besserung sollten Betroffene die Medikamente noch sechs bis zwölf Monate einnehmen und die Dosis schrittweise reduzieren. SSRI sind recht gut verträglich, als unerwünschte Wirkungen können Unruhe, Nervosität, Übelkeit, Schlaflosigkeit und sexuelle Probleme, wie weniger Lust oder fehlende Orgasmen, auftreten. Meist vergehen die unerwünschten Wirkungen mit der weiteren Einnahme wieder. Es kommt zu keiner Abhängigkeit, bei der Beendigung auftretende Beschwerden sind nicht mit Entzugssymptomen bei der Absetzung von Benzodiazepin vergleichbar.
 
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)
Duloxetin und Venlafaxin gehören zu den selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. In ihrer Wirkung, die nach zwei bis sechs Wochen eintritt, sind sie den SSRI ähnlich. Als Nebenwirkungen können Übelkeit, Unruhe oder Schlafstörungen auftreten.
 
Trizyklische Antidepressiva
Trizyklische Antidepressiva wie Opipramol oder Imipramin zeigen häufiger Nebenwirkungen wie verstärkte Angst, anticholinerge Wirkungen, Sedierung oder eine Gewichtszunahme, daher verschreibt der Arzt sie nur, wenn der Patient SSRI oder SNRI nicht verträgt oder sie keine Wirkung zeigten. Bis sie ihre Wirkung entfalten können zwei bis sechs Wochen vergehen.
 
Pregabalin
Der Kalzium-Kanal-Modulator Pregabalin gehört zu den Arzneimitteln die zur Behandlung von epileptischen Anfällen eingesetzt werden (Antikonvulsiva). Sowohl die psychischen als auch körperlichen Symptome werden rasch gelindert, unerwünschte Wirkungen können Schwindel, Müdigkeit und Benommenheit sein.
 
Buspiron
Die angstlösende Wirkung vom Azipron Buspiron tritt nach zweiwöchiger Einnahme ein und führt zu keiner Abhängigkeit. Als Nebenwirkungen können Benommenheit, Übelkeit und Schlaflosigkeit auftreten.
 
Generalisierte Angststörungen können sich teilweise auch mit Medikamenten behandeln lassen
 
Benzodiazepine
Benzodiazepine sind angstlösende Schlaf- und Beruhigungsmittel. Die Wirkung tritt sehr rasch ein, jedoch entwickeln viele Patienten nach mehreren Wochen eine Abhängigkeit und mitunter kognitive oder motorische Störungen. Ärzte verschreiben dieses Medikament nur in einem akuten Notfall in der kleinsten wirksamen Dosis über einen kurzen Zeitraum. Am Ende der Behandlung sollte die Dosis schrittweise reduziert und nicht abrupt abgesetzt werden.
 
Hydroxyzin
Hydroxyzin ist ein Antihistaminika mit wahrscheinlich positiver Wirkung. Da es aber bei der Behandlung der generalisierten Angststörung nicht gut untersucht ist, wird es kaum eingesetzt.
 
Betablocker
Betablocker sind Arzneistoffe gegen Bluthochdruck und bestimmte Herzleiden. Durch die Verminderung der Stresshormone verhindern sie eine Verstärkung der Angst und lindern so starke körperliche Symptome. Betablocker machen nicht abhängig, als Nebenwirkungen treten unter anderem Müdigkeit, Benommenheit, lebhafte Träume und niedergeschlagene Stimmung auf. Für Patienten mit Herzerkrankungen sind Betablocker nicht geeignet.

Welche Behandlung ist für wen geeignet?

Die Art der Therapie hängt von den Symptomen, der Schwere der Erkrankung, dem Vorliegen anderer psychischer Krankheiten sowie dem Erfolg vorangegangener Therapien ab. Der Arzt verordnet eine den individuellen Bedürfnissen und Einstellungen entsprechende Therapie. Die kognitive Verhaltenstherapie fordert viel Eigeninitiative und beschäftigt sich im Gegensatz zur dynamischen Psychoanalyse nicht mit den auslösenden Konflikten. Eine medikamentöse Behandlung kann als Überbrückung der Zeit dienen, bis ein Therapieplatz frei wird. Zeitweise kann eine Therapie erst nach der Gabe von Medikamenten stattfinden, da der Patient davor noch keine Kraft für die Therapie aufbringen kann.

Was kann ich selbst bei einer generalisierten Angststörung tun?

Im Internet finden sich viele Informationen über Angststörungen, wie Entspannungstechniken, pflanzliche Mittel oder Homöopathie. Doch oft führt eine Selbstbehandlung nicht zur Linderung, sondern verlängert die Dauer einer generalisierten Angststörung.
 
Wenn Du vermutest an einer Angststörung zu leiden, solltest Du Deinen Hausarzt konsultieren. Du kannst Dich auch an Familien-, Frauen- oder Lebensberatungsstellen oder gleich an psychologische Beratungsstellen und sozialpsychiatrische Dienste oder psychiatrische und psychotherapeutische Ambulanzen in Kliniken wenden.
 
Informationen aus Internet und Büchern können aber dem Verständnis der Erkrankung helfen. Der Austausch mit Gleichgesinnten in Selbsthilfegruppen kann ebenfalls eine Hilfe sein.
 
Wichtig ist, dass Du Dich Deinen Ängsten stellst und nicht versuchst, die angstauslösende Situation zu vermeiden. Nur so lassen sich Ängste abbauen. Körperliche Aktivität wie Sport haben im Allgemeinen einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Yoga, vor allem in Kombination mit Meditation, kann die generalisierte Angststörung ebenfalls positiv beeinflussen. Viele andere Entspannungstechniken, wie die nach Jacobsen, sowie Autogenes Training oder Biofeedback, werden bereits in Volkshochschulen angeboten. All diese Maßnahmen können eine Behandlung ergänzen, ersetzen aber keine Therapie.

Wie äußert sich eine generalisierte Angststörung bei Kindern?

Betroffene Kinder zeigen übermäßige Nervosität sowie Angst vor Aktivitäten und sorgen sich wegen der Schule, Sportveranstaltungen aber auch Krieg und Naturkatastrophen. Zudem können die Kinder überangepasst, perfektionistisch, unsicher mit sich selbst sein, Aufgaben wiederholen und sich die Bestätigung von Eltern, Freunden, Geschwistern oder Lehrern holen.
 
Zwar kommt dies eher selten vor, doch auch Kinder können unter einer generalisierten Angststörung leiden
 
Dazu sind die Betroffenen oft reizbar, ruhelos und hyperaktiv oder haben Aufmerksamkeitsdefizite, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen. Manche Kinder schwitzen übermäßig oder klagen über Magen-, Muskel- oder Kopfschmerzen.
 
Manchmal stellt der Arzt fälschlicherweise die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS), bei der die Betroffenen ähnliche Symptome zeigen, die jedoch nicht mit Ängsten zusammenhängen. Zur Behandlung werden selten Medikamente wie SSRI oder Buspiron eingesetzt, oft reichen Entspannungsübungen aus.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer generalisierten Angststörung?

Eine generalisierte Angststörung verläuft potenziell chronisch, insbesondere bei Auftreten anderer Erkrankungen. Der Schweregrad ist dabei oft unterschiedlich. Anfangs fällt die sich langsam entwickelnde Krankheit oft nicht auf. Wenn keine Behandlung erfolgt, besteht ein hohes Risiko, dass sie längere Zeit bestehen bleibt. Manchmal dauert es Jahre, bis Betroffene die generalisierte Angststörung überwinden.

Wie ist die Prognose einer generalisierten Angststörung?

Im Vergleich zu anderen Angststörungen zeigt die generalisierte Angststörung eine schlechtere Prognose. Oft wird die Diagnose spät gestellt, was die gute Chance auf Heilung verringert. Einerseits stellt der Hausarzt womöglich die Behandlung der körperlichen Symptome in den Vordergrund, ohne psychologische Ursachen zu vermuten. Andererseits können andere Erkrankungen die Angststörung überdecken. Solche Patienten wenden sich später an Ärzte, zeigen einen schweren Krankheitsverlauf und sprechen auf Therapien schlechter an.
 
Betroffene leiden häufig an kardiovaskuläre Erkrankungen, anderen Angststörungen, Depressionen, Suchtverhalten, posttraumatischen Belastungsstörungen, Zwangsstörung, somatoformen Beschwerden und anderen körperlich chronischen Erkrankungen.

Welche Folgen hat eine generalisierte Angststörung für Betroffene und deren Angehörige?

Die Angsterkrankung schränkt nicht nur das Leben der Betroffenen stark ein, sondern auch jenes der Angehörigen.
 
Betroffene sagen oft Unternehmungen ab, da sie ihnen zu gefährlich erscheinen. Gleichzeitig erkundigen sie sich oft nach dem Wohlergehen bei Verwandten und Freunden. Angehörige neigen ebenfalls zu häufigen Anrufen, um den Betroffenen die Ängste zu nehmen oder vermeiden andere Auslöser der Ängste. Dadurch unterstützen sie die Aufrechterhaltung der Sorgen.
 
Vielmehr sollten Angehörige den Betroffenen ermutigen und Kraft geben, sich in professionelle Hilfe zu begeben und sich angstauslösenden Situationen zu stellen. Wenn sie sich selbst umfassend über die Erkrankung informieren, fühlt sich der Patient ernst genommen und verstanden.
 
Bei großen Belastungen können sich Verwandte oder Bekannte selbst Hilfe bei Selbsthilfegruppen, Ärzten oder Psychotherapeuten suchen. Bei kindlichen Patienten können die Eltern an ihrer Eltern-Kind-Beziehung und Lösungen innerhalb der Familie arbeiten. Des Weiteren sollten sie Autonomie des Kindes fördern, da diese durch die Erkrankung oft in eine Abhängigkeit kommen.
 
Angehörige von Betroffenen, welche unter einer generalisierten Angststörung leiden, brauchen viel Geduld und Einfühlungsvermögen

Wie unterscheidet sich eine generalisierte Angststörung von einer Depression?

Oft sind Patienten von einer Depression und generalisierten Angststörung betroffen, ohne dass eine der beiden Erkrankungen vorherrscht. Bei beiden Krankheiten haben die Betroffenen negative Gefühle, doch drehen sich diese bei der Depression eher um die Vergangenheit, während sich ein Patient mit generalisierter Angststörung eher um die Zukunft oder die aktuelle Lebenssituation sorgt. Zudem zeigen Betroffene einer generalisierten Angststörung weniger depressive Verstimmungen und einen Interessensverlust, als eine unkontrollierbare Angst.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer generalisierten Angststörung?

Beim Vorliegen einer generalisierten Angststörung werden die Behandlungen wie die kognitive Verhaltenstherapie von der Krankenkasse übernommen. Jeder Patient kann zwei bis vier probatorische Sitzungen (Probesitzungen) bei einem Psychotherapeuten besuchen, die von der Krankenkasse bezahlt werden. Bei Kindern und Jugendlichen sind es bis zu sechs probatorische Sitzungen.
 
Nach diesen Probesitzungen stellen der Betroffene und der Therapeut einen Antrag auf Bewilligung der Krankenkasse. Zusätzlich braucht der Patient ein Attest von seinem Arzt, dass keine körperlichen Ursachen der Beschwerden vorliegen. Bis zur Genehmigung durch die Krankenkasse oder Freiwerden eines Therapieplatzes können mitunter Monate vergehen.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die generalisierte Angststörung ist eine häufige Erkrankung, die Frauen doppelt so häufig betrifft. Oft kommen körperliche Symptome oder andere seelische Erkrankungen wie Depressionen dazu, die die Diagnose erschweren


Die Sorgen und Ängste kreisen um alltägliche Dinge wie die eigene Gesundheit und dem Wohl der Familie, finanzielle Lage oder Arbeit. Dabei verliert der Betroffene immer mehr die Kontrolle über die Gedanken, die seinen Alltag immer stärker beeinflussen


Je nach Schwere der Angststörung oder begleitender Depression kann eine anfängliche medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva erfolgen, die mit einer kognitiven Verhaltenstherapie kombiniert wird


Die generalisierte Angststörung verläuft oft chronisch und Bedarf meist einer therapeutischen Hilfe

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