Darmverschluss (Ileus)

Um die Verarbeitung in deinem Magen-Darm-Trakt musst Du Dir in der Regel keine Sorgen machen. Denn diese findet für gewöhnlich unbemerkt und selbstständig statt. Kommt es allerdings genau dort zu einer Verstopfung, ist ein Darmverschluss (Ileus) die Folge, der für Dich sogar lebensbedrohlich sein kann.


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Zuletzt aktualisiert: 26. August, 2020



ICD-10-GM-2020 K56

Was versteht die Medizin unter einem Darmverschluss?

Ein Darmverschluss ist eine teilweise oder komplette Blockierung des Nahrungstransports innerhalb des Dünn- und Dickdarms. Nahrungsreste kommen kaum oder gar nicht mehr durch.
 
Der Darminhalt wird nicht mehr – oder nur bedingt – weiterbefördert und bleibt an einer Stelle des Darms liegen. Trotz fehlender Nahrungsaufnahme nimmt die aufgestaute Menge immer weiter zu. Dies wird einerseits durch die anhaltende Produktion von Verdauungssäften (Magen-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsensekret) bedingt, andererseits durch die Schädigung des zunehmend überdehnten Darms mit „Wassereinstrom“ aus dem Blutgefäßsystem. Die Darmpassage ist durch Hindernisse blockiert.

Ein Darmverschluss blockiert den Nahrungstransport innerhalb des Dick- und Dünndarms und führt zu verstopfungen.

In welche Hauptgruppen unterteilt die Medizin den Darmverschluss?

Es gibt zwei Typen, die Du unterscheiden musst, nämlich den „mechanischen“ und den „funktionellen“ Darmverschluss. Während der Darmverschluss beim mechanischen Darmverschluss durch ein mechanisches Hindernis auftritt und die häufigste Form von Ileus darstellt, entsteht der funktionelle Ileus aufgrund einer Störung der Darmmuskulatur.
 
Zum funktionellen Darmverschluss zählt in erster Linie der paralytische Ileus, der aufgrund einer Lähmung der Darmmuskulatur entsteht. Ein funktioneller Ileus kann beispielsweise durch eine Abschnürung der Darm-versorgenden Blutgefäße entstehen. Dies kann beispielsweise in Zusammenhang mit einem Leistenbruch passieren, wenn ein Stück Darm in der Bruchpforte (Lücke in der Wand einer Körperhöhle oder zwischen Muskelsträngen) eingeklemmt ist.

Was sind die Symptome eines Darmverschlusses?

Du kannst einen Darmverschluss nicht immer anhand bestimmter Symptome festmachen, da Darmverschlüsse sehr unterschiedlich sein können. Dennoch gibt es bestimmte Symptome, anhand denen Du einen möglichen Darmverschluss erkennen kannst.
 
Typische Symptome für einen mechanischen Darmverschluss sind beispielsweise heftige, krampfartige Bauchschmerzen, die wellenförmig zu- und wieder abnehmen. Auch akuter Windverhalt (vermehrtes Abgehen der im Darm entstehenden Stoffe wie beispielsweise Methan und Kohlendioxid) und Stuhlverhalt (Verstopfung) können häufig auftreten.
 
Ein Darmverschluss kann auch mit Übelkeit, Erbrechen sowie an einem geblähten Bauch einhergehen. Das Auftreten verstärkter Darmwinde (Überschuss an Körpergasen, die beim normalen Verdauungsvorgang des Menschen entstehen), Aufstoßen, ein beschleunigter Herzschlag und Fieber sind weitere Symptome, anhand denen Du einen Darmverschluss festmachen kannst.

Welche Ursachen hat ein Darmverschluss?

Ein Darmverschluss kann akut oder chronisch auftreten. Dein Dünn- oder Dickdarm können betroffen sein. Die Ursachen eines Darmverschlusses sind, genauso wie seine Symptome, vielfältig. Während ein mechanischer Darmverschluss durch ein mechanisches Hindernis bedingt ist, welches den Darm verstopft, entsteht der funktionelle Darmverschluss aufgrund einer Störung der Darmmuskulatur.
 
Mögliche Ursachen des funktionalen Ileus sind beispielsweise Durchblutungsstörungen der Darmwand, Folgen von Medikamenten, Störungen der Kalzium- oder Kaliumkonzentration im Blut, schwere Entzündungen von benachbarten Organen sowie sehr starke Schmerzen oder vorübergehende Nebenwirkungen nach einem größeren operativen Eingriff.
 
Tritt bei Neugeborenen beispielsweise ein Ileus auf, so können die Ursachen eine angeborene Störung, ein harter Darminhalt, die Verdrehung einer Darmschlinge, eine Verengung, das Fehlen eines Darmabschnitts oder eine teleskopartige Verschiebung eines Darmabschnitts in einen anderen sein.
 
Bei Erwachsenen sind die häufigsten Ursachen Bänder von innerem Narbengewebe nach früheren Bauchoperationen (Adhäsionen), Darmteile, die durch eine krankhafte Öffnung drängen (Hernien), sowie Tumore. Ein mechanischer Darmverschluss kann auch infolge einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit, wie beispielsweise Morbus Crohn, oder einer Bestrahlung entstehen.
 
Kann Dein Darm seinen Inhalt nicht mehr wie gewohnt durchschleusen, bildet sich dort ein Nährboden für Bakterien. Treten diese in den Blutkreislauf über, so droht eine Blutvergiftung (Sepsis). Durch den Stau der Speisereste und die Gasbildung dehnt sich Dein Darm stark aus. Seine Wand wird dünn und anfällig für Risse und Löcher.
 
Der austretende Darminhalt kann zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen. Bei einem Darmverschluss kann Dein Darm keine wichtigen Blutsalze (Elektrolyte) und Flüssigkeit mehr in den Blutkreislauf abgeben. Dieser entstehende Mangel an Blutsalzen und Flüssigkeit kann gefährlich für Dich werden.

Ein Blähbauch ist ein typisches Symptom für einen Darmverschluss.

Welche Risikofaktoren begünstigen einen Darmverschluss?

Ärzte stufen das Auftreten eines Darmverschlusses als mäßig häufig ein. Die Risikofaktoren gehen aus den Ursachen, zu denen mitunter operative Eingriffe, entzündende Erkrankungen sowie Verletzungen im Bauchraum zählen, hervor. Durch die Blockierung des Darms stauen sich Flüssigkeit, Nahrungsbrei und Luft vor der verengten Stelle.
 
Ein Darmverschluss wirkt sich auf den Flüssigkeits- und Salzhaushalt deines Körpers aus. Durch die Blockade und den Nahrungs-/Flüssigkeitsstau dehnt sich die Wand des davor liegenden Darmteils und schwillt stark an. Hier können mehrere Liter Gewebeflüssigkeit gebunden werden, die Deinem Körper dann in seinem Gesamtflüssigkeitshaushalt fehlen.
 
Die geschädigte Darmwand kann außerdem keine Flüssigkeit aus dem Nahrungsbrei ins Blut transportieren. Vor allem bei dem Vorliegen eines Dünndarmverschlusses kann es zum Erbrechen kommen. Dadurch kann Dein Körper dehydrieren (austrocknen) und wichtige Mineralstoffe und Elektrolyte verlieren. Dies kann eine Reihe weiterer Probleme bedingen.
 
Die Schädigung des Darmgewebes kann außerdem das Risiko einer Infektion durch Bakterien erhöhen. Die Bakterien können durch Deine Darmwand dringen und anschließend in Deine Bauchhöhle oder in Dein Blut gelangen. In der Bauchhöhle können sie eine schwere Entzündung im Bauchfell (Peritonitis) verursachen, im Blut können sie eine Blutvergiftung (Sepsis) herbeiführen.
 
Durch die Dehnung und Schwellung der Darmwand beeinträchtigen sie zudem Deine Durchblutung. Die Arterien, die das Blut zuführen, werden abgedrückt und zerstört. Dadurch, dass kein Blut mehr zugeführt wird, kommt es zu einem Sauerstoffmangel Deines Gewebes, auch Darmischämie genannt. Sollte dieser lebensbedrohliche Zustand nicht von einem Arzt behoben werden, kann Dein Gewebe absterben und Deine Darmwand reißen.

Bei welchen Anzeichen sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Ein Darmverschluss kann zu bleibenden Schäden sowie lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Solltest Du plötzlich starke, dumpfe oder krampfartige Schmerzen im Bauch spüren, Übelkeit oder Brechreiz verspüren, eine Veränderung Deines Stuhlverhaltens beobachten, Fieber haben oder Blut im Stuhl, könnte bei Dir ein Darmverschluss vorliegen. Bitte suche in diesem Fall sofort einen Arzt auf!

Wie diagnostiziert der Arzt einen Darmverschluss?

Hegt Dein Arzt den Verdacht, dass Du einen Darmverschluss hast, befragt er Dich zunächst zu Deiner Krankengeschichte (Anamnese). Er fragt Dich, seit wann Deine Beschwerden bestehen, wo genau Deine Schmerzen auftreten, wann bei Dir das letzte Mal Stuhl- und Darmwinde abgegangen sind und ob Du bereits irgendwelche Bauchoperationen hinter Dir hast.
 
Danach führt Dein Doktor eine körperliche Untersuchung an Dir durch, indem er Deinen Bauch abtastet und prüft, ob sich Deine Bauchmuskeln durch seine Berührung reflexartig anspannen (Abwehrspannung). Danach hört er Deinen Bauchraum mit einem Stethoskop ab. Das kann ihm dabei helfen, herauszufinden, um welche Art von Darmverschluss es sich handelt. Kann er mit dem Stethoskop hoch klingende Darmgeräusche vernehmen, weist dies auf einen mechanischen Darmverschluss hin. Kann er keine Darmgeräusche vernehmen, so handelt es sich wahrscheinlich eher um einen paralytischen Ileus (Darmverschluss infolge einer Lähmung).
 
Über den After tastet er anschließend Deinen Enddarm mit einem Finger ab (rektale Untersuchung). Ein Ileus lässt sich am besten mit einer Röntgenuntersuchung feststellen. Vier bis fünf Stunden nach Beginn können Du und Dein Doktor geblähte Darmschlingen, in denen Flüssigkeit besteht, auf den Röntgenbildern erkennen. Sollte Dein Doktor den Verdacht auf einen Dickdarmverschluss haben, erhältst Du einen Einlauf mit einem Kontrastmittel vor dem Röntgen.
 
Bei einem Einlauf leitet der Mediziner eine Flüssigkeit – zum Beispiel Wasser oder Kontrastmittel – über ein dünnes Plastikrohr über Deinen Anus in Deinen Darm. Auf den Röntgenaufnahmen kann er erkennen, wo genau sich der Verschluss befindet. Dein Arzt kann per Ultraschall den genauen Ort des Darmverschlusses durch das Abbild stehender Darmschlingen und teilweise auch durch freie Flüssigkeit im Bauchraum sowie durch große Gasansammlungen erkennen. Bei Verdacht auf Tumore oder als Vorbereitung der operativen Behandlung kann Dein Arzt auch eine Computertomografie (CT) veranlassen.

Bei einem Darmverschluss kommt es zu heftigen, krampfartigen Schmerzen.

Wie kann ich mich auf eine Operation des Ileus vorbereiten?

Eine Operation ist bei einem Dickdarmverschluss notwendig, wenn Dein Darm verdreht oder stranguliert ist. Oft reichen konservative Maßnahmen bei einem Darmverschluss aus. Du darfst weder Nahrung noch Flüssigkeit zu Dir nehmen, sodass der Mediziner mit einer Magensonde rückgestauten Darminhalt ableiten kann. Er legt Dir zusätzlich eine Infusion, um Dich mit Nährstoffen, Elektrolyten und Flüssigkeit zu versorgen. Zusätzlich kann Dein Darm mit warmen Bauchwickeln und Medikamenten angeregt werden.

Wie verläuft die Operation bei einem Darmverschluss?

Damit der Druck im Darm abnimmt, führt Dir dein Arzt eine Darmsonde über den Mund in den Darm ein. Dieses spezielle Röhrchen ist an eine Saugpumpe angeschlossen und kann den gestauten Speisebrei absaugen.
 
Mechanischer Ileus
 
Damit der Speisebrei den Darm wieder passieren kann, muss der Doktor bei einem mechanischen Ileus das einengende Hindernis operativ entfernen. Er entfernt ebenso abgestorbenes Darmgewebe. Bei einem paralytischen Ileus kann der Stuhlgang auch durch einen Einlauf angeregt werden. Auch hier entfernt der Mediziner abgestorbenes Darmgewebe. Anschließend verbindet er die gesunden Darmabschnitte wieder miteinander.
 
Dauert der Ileus länger als einige Stunden, verabreicht Dir der Mediziner Antibiotika, um eine Entzündung des Bauchraums oder eine Blutvergiftung durch Bakterien zu verhindern.
 
Um dem Patienten den Brechreiz zu mildern, aufstauenden Darminhalt abzuleiten und den Druck auf den Darm zu nehmen, legt er eine Magensonde – ein etwa 0,5 cm starker Schlauch – über ein Nasenloch den Schlund hinab in den Magen.
 
Ein inkompletter Darmverschluss kann durch Abführmaßnahmen gelöst werden. Das Kontrastmittel, welches über die Magensonde zugeführt wurde, wirkt abführend und kann den Verschluss beheben. Gelingt es dem Doktor nicht, einen solchen mechanischen Verschluss innerhalb der nächsten Stunden zu beseitigen, muss er einen Eingriff über einen Bauchschnitt in konventioneller Technik durchführen.
 
Paralytischer Ileus
 
Beim paralytischen Ileus legt der Mediziner dem Patienten eine Magensonde – ein etwa 0,5 cm starker Schlauch – über ein Nasenloch den Schlund hinab in den Magen. Es folgen Abführmaßnahmen und Anregungen der Darmtätigkeit, um die Darmlähmung zu beheben. Der Doktor sollte einen paralytischen Ileus erst dann operieren, wenn konservative Therapieversuche keine Wirkung zeigten.
 
Nur bei der Darmlähmung im Endstadium eines verschleppten, mechanischen Verschlusses sollte er unumgänglich einen operativen Eingriff in konventioneller Technik einleiten. Ist ein solcher Eingriff nicht möglich, so wird dem Patienten ein künstlicher Darmausgang gelegt.

Was muss ich nach der Operation eines Darmverschlusses beachten?

Nach der Operation eines Darmverschlusses treten kurz nach der Nahrungsaufnahme starke Schmerzen ein. Du kannst Deine Darmtätigkeit durch eine ballaststoffreiche Ernährung wieder anregen. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte eignen sich dafür besonders gut. Außerdem ist es wichtig, dass Du ausreichend Wasser trinkst.
 
Nach einem operativen Eingriff erhältst Du mehrere Tage lang eine Infusion, damit Dein Darm wieder in Bewegung kommt. Am besten nimmst Du Tee, später passierte Kost und nach etwa zehn Tagen leicht verdauliche Lebensmittel – wie Kartoffeln oder Zwieback – zu Dir. Nach einigen Tagen solltest Du wieder einer regelmäßigen sportlichen Tätigkeit nachgehen, um das Risiko eines Darmverschlusses zu verringern.

Nach erfolgreicher Operation eines Ileus solltest Du vor allem Gemüse, Obst und Vollkornprodukte essen.

Welche Komplikationen können bei einem Darmverschluss auftreten?

Ist der Darm blockiert, stauen sich Flüssigkeit, Nahrungsbrei und eventuell auch Luft vor der verengten Stelle. Ein geblähter Bauch, Übelkeit, Unwohlsein und Erbrechen können die Folgen sein. Ein weiteres großes Problem vieler Patienten mit Darmverschluss sind die Auswirkungen auf den Flüssigkeits- und Salzhaushalt des Körpers.
 
Die Blockade und der Nahrungs-/Flüssigkeitsstau sorgen dafür, dass die Wand des davor liegenden Darmteils gedreht wird und stark anschwillt. Hier können mehrere Liter Gewebeflüssigkeit gebunden werden, die dann aber im Gesamtflüssigkeitshaushalt des Körpers fehlen. Die geschädigte Darmwand kann außerdem keine Flüssigkeit aus dem Nahrungsbrei ins Blut transportieren.
 
Viele Patienten erbrechen, wenn ein Dünndarmverschluss vorliegt. Dies kann zu einer Dehydrierung (Austrocknung) des Körpers sowie zum Verlust wichtiger Mineralstoffe und Elektrolyte führen, was verschiedene Beschwerden und Probleme bedingen kann. Die Schädigung des Darmgewebes kann außerdem zu einer Infektion durch Bakterien führen. Diese können durch die Darmwand dringen. Von dort können sie in die Bauchhöhle oder in das Blut gelangen. In der Bauchhöhle können sie schwere Entzündungen im Bauchfell (Peritonitis) verursachen. Bakterien im Blut können eine schwere Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen.
 
Die Dehnung und Schwellung der Darmwand im Bereich vor der Obstruktion (vollständiger Verschluss eines Hohlorgans durch Verlegung, Verstopfung oder Kompression) beeinträchtigt die Durchblutung zusätzlich. Dadurch, dass die kleinen Blut-führenden Arterien abgedrückt und zerstört werden, kommt es zu einem Sauerstoffmangel des Gewebes (Darmischämie). Dies muss der Doktor schnell beheben, weil das Gewebe sonst abstirbt und die Darmwand reißt. Es kann ein lebensbedrohlicher Zustand entstehen.
 
Schneidet ein Verschluss die Durchblutung des Darms ab, spricht man von einer Strangulation. Ist ein Teil des Darms in einer krankhaften Öffnung eingeklemmt, kommt es zu einem Volvulus oder einer Invagination. Dadurch ist Gefahr einer Strangulation gegeben. Bereits nach sechs Stunden kann es zur Gangrän kommen, bei der die Darmwand abstirbt und es zur Ruptur (Durchbruch) kommt, die weiters zu einer Bauchfellentzündung, einem Schock und – wenn sie unbehandelt bleibt – sogar zum Tod führen kann. 

Welche Formen des Ileus treten bei Kindern auf?

Ein Darmverschluss kann bereits bei Kindern im Säuglingsalter auftreten. In manchen Fällen kann von Geburt an ein Darmabschnitt verschlossen sein (Darmatresie). Der erste zähe Stuhl des Neugeborenen (Mekonium) kann aber auch den Darm verstopfen. Mediziner sprechen hier von einem Mekoniumileus. Das Mekonium besteht unter anderem aus Haaren, Haut- und Schleimhautzellen, die in der Gebärmutter verschluckt sind.
 
Häufig auftretende Formen im Kindesalter sind Invagination, Darmverschlingung und Morbus Hirschsprung. Bei der angeborenen Fehlbildung Morbus Hirschsprung (auch: Aganglionose) sind wichtige Nervenzellen am Dickdarm nicht angelegt. Das Neugeborene ist nach der Geburt nicht in der Lage, Kot auszuscheiden. Diese Erkrankung ist wohl genetisch bedingt. Zehn Prozent dieser Erkrankten sind frühgeboren. Beschwerden treten meist unmittelbar nach der Geburt in den ersten Lebenstagen auf.
 
Bei der Invagination wird ein Darmabschnitt in den darunter liegenden Darmabschnitt eingestülpt. Die Darmwände schieben sich übereinander und klemmen Darmgefäße ab. Insgesamt 80 Prozent der betroffenen Kinder sind jünger als ein Jahr. Ursache dafür sind Virusinfektionen, Darmausstülpungen (Meckel-Divertikel), Blutungen, Fremdkörper oder Raumforderungen. Bei Kindern mit zystischer Fibrose (vererbte Stoffwechselerkrankung) können wiederholte Invaginationen bis ins zwölfte Lebensjahr auftreten.
 
Bei einer Darmverschlingung (Volvulus) handelt es sich um eine spontane Verdrehung des Darmabschnitts, die im Bauchraum aufgehängt ist. Dabei klemmt die Darmverschlingung wichtige Darmgefäße ab. Dabei ist es wichtig, dass Du zwei Entstehungsmechanismen unterscheidest:
 

  • Die Darmschlingen sind sehr beweglich: Der Dünndarm ist an einer Gewebestruktur aufgehängt. Diese ist bei manchen Menschen schlecht fixiert, wodurch sich der Darm verdrehen kann.
  • Verwachsungsstränge nach Entzündung oder Operationen: Die Stränge sind wie vergrößerte Narben und führen zu einer Verdrehung des Darms.

 
Eine Darmverschlingung kann sowohl bei Säuglingen als auch bei Kindern in der Pubertät auftreten. In manchen Fällen löst sich die Verdrehung von selbst.

Ein Darmverschluss bei Kindern ist häufig auf eine Fehlbildung des Darms zurückzuführen.

Wie ist der Krankheitsverlauf eines Ileus?

Ein Darmverschluss kann sich schnell oder langsam entwickeln. Bei der langsamen Entstehung geht dem vollständigen Verschluss ein unvollständiger voraus (Darmverengung). Befindet sich ein unvollständiger Verschluss in Form einer Verengung im unteren Teil des Dickdarms, kommt es dazu, dass der Stuhl manchmal eine dünne, bandartige Form annimmt (Bleistiftstuhl). Um einen unvollständigen Verschluss zu behandeln, kann Dir Dein Arzt Medikamente verschreiben.
 
Nach vollständigem Verschluss erhöht der Stau von Darminhalten den Druck im Bauchraum. Die Darmwand dreht sich und ein Flüssigkeitsmangel tritt auf. Dadurch können Patienten einen hypovolämischen Schock (Schockform, die durch Verminderung der zirkulierenden Blutmenge entsteht) entwickeln.
 
Die Darmwand wird mit der Zeit durchlässig, sodass Keime aus dem Inhalt ins umliegende Bauchfell eindringen und Entzündungen wie Bauchfellentzündungen auslösen können. Es können Druckschmerzen, Fieber und weitere Beschwerden auftreten. Erreichen die Bakterien und ihre Gifte die Blutbahn, so kann eine Blutvergiftung entstehen. Der Bauch erhöht seine Abwehrspannung und verhärtet sich, sodass er sich beim Abtasten steinhart anfühlen kann. Es kann sich ein akuter Bauch entwickeln, der durch Schmerzen im Bauchraum gekennzeichnet ist.
 
Ein akuter Bauch, der aus akuten Bauschmerzen, Abwehrspannung der Bauchdeckenmuskulatur und einer Kreislaufdekompensation (Unausgeglichenheit) besteht, kann schnell erscheinen und zu einer drastischen Verschlechterung des Zustandes des Patienten führen. Eine Behandlung ist umgehend erforderlich.

Wie ist die Prognose bei einem Darmverschluss?

In den meisten Fällen fällt die Prognose beruhigend aus. Die Sterblichkeit bei einem Darmverschluss liegt zwischen 10 Prozent und 25 Prozent. Bei 40 Prozent bis 70 Prozent der Fälle kann sich die Substanz allein unter konservativer Therapie ohne die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs lösen. Die beste Prognose kann der Mediziner bei einem mechanischen Ileus stellen, welcher durch ein gutartiges Geschehen hervorgerufen wird.
 
Bei längerem Bestehen kann der mechanische Darmverschluss allerdings in einen paralytischen Ileus übergehen. Um so schnell wie möglich reagieren zu können, ist eine rasche Diagnose mit frühzeitiger Therapie sehr wichtig. Ein unbehandelter Darmverschluss kann schwere Komplikationen hervorrufen.
 
Der Darminhalt kann die Darmwand durchbrechen und sich im Bauchraum ausbreiten. Dies führt meistens zu einer schweren Entzündung des Bauchfells, die sich schließlich im gesamten Körper ausbreiten kann (Sepsis). Bei einem Verschluss ist nicht nur der Transport der Nahrung eingeschränkt, auch die Resorptionsfunktion (Stoffaufnahme) des Organs ist beeinträchtigt. Durch den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyte kann es zu einem Kreislaufschock kommen.
 
Bei einem Dickdarmverschluss ist häufiger eine Operation notwendig, weil diesem oft ein Tumor zugrunde liegt. Befindet sich der Patient bereits in einem schlechten Allgemeinzustand oder hat andere schwere Krankheiten, die bereits Komplikationen bedingt haben, ist hier eine rasche (Notfall)-Operation erforderlich. Die fehlenden Elektrolyte können zudem die Reizleitung im Herzen beeinträchtigen und dadurch Herzrhythmusstörungen veranlassen.

Wie kann ich einem Darmverschluss vorbeugen?

Ein regelmäßiger Stuhlgang sowie eine Ernährung, die vorwiegend auf leicht verdaulichen Speisen basiert, wirkt sich positiv aus und kann das Risiko, an einem Darmverschluss zu erkranken, senken. Außerdem solltest Du Maßnahmen ergreifen, die sich positiv auf Deine Gesundheit auswirken und Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen und Nierenschwäche vorbeugen. Dafür ist es wichtig, dass Du Dich gesund und ausgewogen ernährst, Dich regelmäßig bewegst und ausreichend trinkst.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Ileus?

Ja, die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Untersuchung und Behandlung eines Ileus. Bei einem Darmverschluss handelt es sich um einen medizinischen Notfall, weshalb für Dich keine Kosten anfallen.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Darmverschluss ist eine teilweise oder komplette Blockierung des Nahrungstransports innerhalb des Dünn- und Dickdarms, sodass der Darminhalt nicht mehr – oder nur bedingt – weitertransportiert werden kann.


Häufig auftretende Symptome eines Darmverschlusses können mitunter heftige, krampfartige Bauchschmerzen, akutes Wind- und Stuhlverhalten, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen sowie ein geblähter Bauch sein.


Der Arzt führt Dir eine Darmsonde über den Mund in den Darm ein. Ein spezielles Röhrchen kann den gestauten Speisebrei absaugen.


Beim mechanischen Ileus entfernt der Arzt das einengende Hindernis operativ. Beim paralytischen Ileus legt er dem Patienten eine Magensonde über ein Nasenloch den Schlund hinab in den Magen. Es folgen Abführmaßnahmen und Anregungen der Darmtätigkeit, um die Darmlähmung zu beheben.

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