Botulismus

Botulismus ist eine Vergiftung, die durch ein Bakterium ausgelöst wird. In den meisten Fällen wird das Gift über verunreinigte Lebensmittel aufgenommen. Dabei kann die Vergiftung zu schweren Folgen führen oder unbehandelt gar tödlich enden


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Zuletzt aktualisiert: 4. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter Botulismus?

Botulismus wird durch das Bakterium „Clostridium botulinum“ hervorgerufen. Dieses Bakterium wiederum produziert giftige Substanzen im Körper, sogenannte Neurotoxine. Durch diese Neurotoxine kommt es primär zu Muskelschwäche und schlaffen Lähmungen. Dieses Bakteriengift gibt es vor allem in aufgeblähten Lebensmitteldosen und Fertiggerichten, da sich dort die Keime am besten vermehren. So ist der lebensmittelbedingte Botulismus die am meisten auftretende Form. Da es so zu schweren Muskellähmungen kommen kann, die auch zum Tod führen können, ist Botulinumtoxin eines der tödlichsten Gifte weltweit.

Botulismus wird durch das Bakterium „Clostridium botulinum“ hervorgerufen. Dieses Bakterium wiederum produziert giftige Substanzen im Körper, sogenannte Neurotoxine

Wie sehen die Symptome von Botulismus aus?

Bei einer Infektion mit dem Bakterium Clostridium botulinum treten charakteristische Symptome auf. In erster Linie kommt es bei der Vergiftung zu Übelkeit und Erbrechen. Zudem treten häufig Lähmungserscheinungen auf, da das Gift die Funktion der Nervenzellen schädigt. Dadurch kann es auch zu Schluck- und Sprechstörungen kommen, wobei die Lähmungen dann auch auf den ganzen Körper übergreifen.

Wie ist der Verlauf von Botulismus?

In der Regel beträgt die Inkubationszeit bei Botulismus nach Aufnahme des Giftes zwischen 12 und 36 Stunden. Wobei die Vergiftung schwerwiegender ist, wenn die Symptome gleich auftreten. Bei Säuglingsbotulismus hingegen kann es einige Tage dauern, bis die ersten Symptome auftreten. Dabei kommt es vor allem zu Verstopfung, Erbrechen und Muskelschwäche. Erst im weiteren Verlauf machen sich Lähmungen und ein Reflexverlust bemerkbar. Bei einer Botulismusinfektion handelt es sich um eine schwere, lebensbedrohliche Vergiftung, die infolge von Atemlähmung zum Tod führen kann. Wird Botulismus jedoch rechtzeitig erkannt und behandelt, so ist die Prognose ziemlich gut.

Was sind die Ursachen für Botulismus?

Botulismus wird von dem Gift Botulismustoxin verursacht, das von dem Bakterium Clostridium botulinum produziert wird. Durch das Bakterium wird die Signalübertragung zwischen den Nerven und Muskeln des Körpers gehemmt und so kommt es auch zu Lähmungserscheinungen. Eine Infektion ist in den meisten Fällen auf eine Lebensmittelvergiftung zurückzuführen. Besonders in Fleisch- oder Fischkonserven können sich die Keime sehr gut vermehren. Auch Gemüse, welches in Öl eingelegt ist, begünstigt die Vermehrung der Bakterien. Clostridium botulinum ist äußerst widerstandsfähig gegen Hitze und Frost, denn das Gift selbst lässt sich erst durch 15-minütiges Kochen bei 100°C inaktivieren. Säuglinge dagegen können sich mit Botulismus durch den Verzehr von Honig infizieren. Dabei wird das Gift vom Darm aufgenommen und gelangt so in die Nervenzellen.

Welche Formen von Botulismus gibt es?

Bei Botulismus unterscheiden Ärzte vor allem zwischen drei verschiedenen Formen. Dabei ist der lebensmittelbedingte Botulismus die häufigste Form.
 
Lebensmittelbotulismus
 
Lebensmittelbotulismus wird durch die Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln, vor allem Konservendosen und Fertiggerichten, verursacht. Dazu kommt es, wenn die Sporen des Bakteriums nicht abgetötet werden, weil die Sterilisierungsmaßnahmen unzureichend waren oder die Lebensmittel während des Konservierungsprozesses schlecht erhitzt wurden.

In erster Linie kommt es bei Blotulismus zu Übelkeit und Erbrechen

Wundbotulismus
 
Bei Wundbotulismus kommt es in den jeweiligen Wundbereichen zur Vermehrung der Erregersporen. Erst im weiteren Verlauf schädigen sie auch die Funktion der Nervenzellen.
 
Säuglingsbotulismus
 
Säuglingsbotulismus hingegen kann nur bei Kindern unter einem Jahr auftreten. Dabei wird der Darm mit dem Neurotoxin besiedelt und löst so aufgrund einer unzureichend kompetitiven Darmflora Botulismus aus. In vielen Fällen steht Säuglingsbotulismus mit der Gabe von Honig in Verbindung. Da Honig von Natur aus mit den Sporen belastet ist, kann er vor allem bei Säuglingen lebensbedrohlich werden. Bei Säuglingen bewirkt Botulismus eine Lähmung aller Muskeln und schon eine kleine Menge des Bakteriums reicht hierbei aus, um zu einer Lähmung zu führen.

Wie lässt sich Botulismus diagnostizieren?

Der Arzt stellt an erster Stelle eine Verdachtsdiagnose anhand der Symptome und Deinen Angaben. Dabei ist es für den Arzt besonders wichtig, ob konservierte Produkte verzehrt wurden und ob in Deinem eigenen Umfeld ähnliche Symptome aufgetreten sind. Zudem erfolgt zur Diagnosestellung ein Erregernachweis aus einer Probe. Dabei untersucht der Arzt das Blut, den Stuhl und eventuell den Mageninhalt bei Erbrochenem. Bis das Ergebnis feststeht, vergehen in der Regel ein bis zwei Tage. Daher beginnt der Arzt bei klarem Verdacht gleich mit der Therapie, auch wenn das Testergebnis noch nicht vorliegt.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Von einer Botulismusvergiftung kann grundsätzlich jeder betroffen sein, der häufig Fertiggerichte und Fleisch- bzw. Wurstkonserven isst. Dabei kann es zu Einzelfällen oder zu Ausbrüchen kommen, bei denen mehrere Personen durch den Verzehr des gleichen kontaminierten Lebensmittels betroffen sind. Wundbotulismus dagegen tritt fast ausschließlich bei Personen mit häufigem Drogengebrauch auf.

Welche Folgen hat Botulismus für den Betroffenen?

Botulismus ist eine Vergiftung, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann. Denn wenn Symptome wie eine Lähmung der Atemmuskulatur oder ein Herzstillstand auftreten, so kann die Erkrankung tödlich enden. Folglich ist eine sofortige Therapie lebenswichtig. Erkennt und behandelt der Arzt die Vergiftung frühzeitig, überleben mehr als 90 Prozent der Betroffenen.
 
Die Auswirkungen des Botulismus können bei den Betroffenen noch lange spürbar sein. Viele erholen sich meist nur langsam von einer Lebensmittelvergiftung, manchmal erst nach Jahren. Denn in vielen Fällen bleibt noch eine körperliche Schwäche zurück. Auch die Atmung kann noch für einige Zeit beeinträchtigt sein. Zudem bilden sich die Lähmungserscheinungen auch erst nach Monaten zurück, da sich die Signalverbindungen zwischen den Nervenzellen nur langsam erholen können.

Botulismus kann zu einem Herzstillstand führen

Wie lässt sich Botulismus behandeln?

Besteht bei einer Person der Verdacht auf Botulismus, so muss sie umgehend intensivmedizinisch behandelt werden. Dabei verabreichen die Ärzte vor allem ein Gegengift. Dies neutralisiert jedoch nur das Gift, welches im Blut frei zirkuliert und welches bereits an die jeweiligen Nervenstrukturen gebunden ist. So muss das Gegengift so früh wie möglich verabreicht werden, da innerhalb von 24 Stunden schon ein Großteil des Gifts gebunden sein kann. Liegt die Vergiftung noch nicht lange zurück, so versucht der Arzt das Gift mithilfe einer Magenspülung oder eines Abführmittels aus dem Magen-Darm-Trakt zu entfernen. Ist die Atemmuskulatur durch das Botulismusgift schon gelähmt, muss der Patient sofort künstlich beatmet werden.
 
Bei Wundbotulismus hingegen ist eine Antibiotikatherapie sinnvoll, wobei das Antibiotikum gegen Botulismus selbst wirkungslos ist. Vielmehr soll es eine anschließende Wundinfektion durch Bakterien verhindern (Superinfektion). Die infizierte Wunde säubert der Arzt zuerst chirurgisch und anschließend erhält der Patient Antibiotika. So können zusätzliche Wundinfektionen vermieden werden.

Was kann der Betroffene selbst dagegen tun?

Sobald Du einen Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung hast, solltest Du sofort zum Arzt gehen. Eine direkte Behandlung von Botulismus gibt es dabei nicht, jedoch kann der Arzt ein Gegengift verabreichen, um eine Vermehrung des Gifts in Deinem Körper zu verhindern. Dies wirkt jedoch nur, wenn die Vergiftung früh genug entdeckt wird.

Welche Komplikationen können auftreten?

Da es sich bei Botulismus um eine lebensbedrohliche Vergiftung handelt, ist die am meisten gefürchtete Botulismus-Komplikation eine Lähmung der Atemmuskulatur, da sie unbehandelt auch zum Tod führt. Aber auch ein Herzstillstand kann im Zuge eines lebensmittelbedingten Botulismus entstehen und für den Betroffenen somit lebensbedrohlich werden.
 
Wie kann ich Botulismus vorbeugen?
Botulismus entsteht hauptsächlich durch den Verzehr von konservierten und vakuumverpackten Nahrungsmitteln. Um Nahrungsmittelbotulismus vorzubeugen, solltest Du Folgendes beachten:
 

  • Du solltest keine aufgeblähten Konservendosen verzehren bzw. gar nicht öffnen.
  • Achte immer auf das Verfallsdatum.
  • Im Zweifelsfall kannst Du die Lebensmittel ca. 15 Minuten auf 100° C erhitzen, denn so tötest Du die giftigen Keime ab.
  • Kindern unter einem Lebensjahr solltest Du grundsätzlich keinen Honig geben, denn Honig kann Sporen von Clostridium botulinum enthalten und so Botulismus bei Säuglingen auslösen.

Kindern unter einem Lebensjahr solltest Du grundsätzlich keinen Honig geben, denn Honig kann Sporen von Clostridium botulinum enthalten und so Botulismus bei Säuglingen auslösen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten der Behandlung von Botulismus werden in vielen Fällen von der Krankenkasse übernommen. Jedoch erfolgt die Kostenübernahme nicht immer vollständig. Am besten informierst Du Dich sicherheitshalber bei Deinem zuständigen Versicherungsträger.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Botulismus ist eine Vergiftung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum ausgelöst wird


In erster Linie kommt es bei der Vergiftung zu Übelkeit, Erbrechen und Lähmungserscheinungen


Der lebensmittelbedingte Botulismus ist die am häufigsten auftretende Form


Besteht bei einer Person der Verdacht auf Botulismus, so muss sie umgehend intensivmedizinisch behandelt werden

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