Anpassungsstörung

Die meisten Menschen reagieren auf Veränderungen in ihrem Leben angemessen und passen sich gegebenenfalls an. Menschen mit einer Anpassungsstörung haben jedoch Schwierigkeiten mit der neuen Situation klarzukommen, denn die erforderliche Anpassung gelingt nicht. Hinzu kommt, dass sie sich von der Veränderung so emotional oder verhaltensbezogen überfordert fühlen, dass dies zur Beeinträchtigung ihrer alltäglichen Verpflichtungen führt. Wie eine Anpassungsstörung entsteht, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und was Du als Angehöriger tun kannst, erfährst Du im nachstehenden Beitrag.


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Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020



ICD-10-F40–F49.

Was versteht die Medizin unter einer Anpassungsstörung?

Unter Anpassungsstörungen verstehen wir deutlich belastende und beeinträchtigende emotionale beziehungsweise verhaltensbezogene Symptome, deren Ursache in einem bestimmten Stressauslöser liegt. Eine Anpassungsstörung tritt nach belastenden Lebensveränderungen auf, zum Beispiel nach einer Trennung, einem Unfall oder sogar nach der Geburt eines Kindes. Denn lebensverändernde Ereignisse erzeugen Stress, ungeachtet dessen, ob es sich um positive oder negative Veränderungen handelt.
 
Unter Anpassungsstörungen verstehen wir deutlich belastende und beeinträchtigende emotionale beziehungsweise verhaltensbezogene Symptome, deren Ursache in einem bestimmten Stressauslöser liegt
 
Sie fordern Menschen heraus, sich an die neue Situation anzupassen. Der Stressauslöser kann ein einzelnes, einmaliges Ereignis (der Verlust des Arbeitsplatzes), mehrere Ereignisse (Rückschläge in Liebesangelegenheiten) oder dauerhafte Probleme (Versorgung eines stark behinderten Angehörigen) sein. Auch der Tod einer geliebten Person kann der Auslöser einer Anpassungsstörung sein.
 
Bei Patienten mit einer Anpassungsstörung gelingt die erforderliche Anpassung nicht und somit haben die Betroffenen Schwierigkeiten ihren alltäglichen Verpflichtungen nachzukommen, da sie unter Ängsten und depressiven Verstimmungen leiden. Menschen mit Anpassungsstörungen fühlen sich von dem verändernden Ereignis überfordert und sind oft traurig, wütend oder anderweitig verärgert, wenn ihnen unangenehme Dinge passieren.
 
Ein Arzt oder ein Therapeut stellt erst dann die Diagnose der Anpassungsstörung, wenn sich die vorliegenden Symptome über einen längeren Zeitraum ausstrecken und ausgeprägter sind als bei einer normalen Reaktion auf Belastungen. Dabei muss er jedoch die breite Vielfalt an Trauerreaktionen berücksichtigen, die typisch für unterschiedliche Kulturen sind und darf nur dann eine Störung diagnostizieren, wenn die Trauerreaktion über das zu erwartende Maß hinausgeht.
 
In der Regel ist eine Anpassungsstörung, im Unterschied zu anderen psychischen Störungen, zeitlich begrenzt, meistens hält sie Wochen bis einige Monate an. Wenn die Belastungsreaktion jedoch auf traumatischen Erfahrungen beruht und eine längere Zeit bestehen bleibt, so kann auch eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vorliegen. Diese tritt nach schweren Traumata auf, wie zum Beispiel bei Kriegsflüchtlingen.

Welche Subtypen der Anpassungsstörung lassen sich unterscheiden?

Abhängig davon, welche Symptome im Vordergrund stehen, teilen Mediziner die Anpassungsstörungen in verschiedene Unterformen ein. Dazu gehören Anpassungsstörungen mit einer depressiven Grundstimmung, wobei die Ärzte zwischen einer kurzen depressiven (einige Wochen) und einer längeren depressiven Reaktion (bis zu zwei Jahre), unterscheiden. Weiter gibt es Anpassungsstörungen, bei der Angstgefühle im Vordergrund stehen, aber auch Störungen, bei der sowohl depressive Reaktionen, als auch Angst gemischt sind. Außerdem unterscheiden Spezialisten zwischen Anpassungsstörungen mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen, mit vorwiegender Störung des Sozialverhaltens, mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (zum Beispiel gestörtes Sozialverhalten und Depressionen) und zwischen Störungen mit sonstigen vorwiegend genannten Symptomen.

Wie häufig ist eine Anpassungsstörung und wer ist davon betroffen?

Ärzte und Therapeuten vergeben die Diagnose einer Anpassungsstörung sehr häufig. Dies liegt daran, dass es relativ schwierig ist, die Störung von anderen psychischen Erkrankungen abzugrenzen. Dies bedeutet aber auch, dass die krankhafte Reaktion auf belastende Lebensereignissen, je nach Belastbarkeit des Betroffenen, sehr häufig sein muss. Allerdings streuen die Daten erheblich, zum einen wegen der schwierigen Abgrenzung der Diagnose, zum anderen, weil nicht jeder mit einer solchen Reaktion gleich einen Arzt aufsucht.
 
Derzeit gibt es keine eindeutigen Zahlen dazu, bei wie vielen Betroffenen eine Anpassungsstörung auch tatsächlich vorliegt. Experten nehmen jedoch eine hohe Dunkelziffer an. Schätzungen zufolge sind etwa 0,6 Prozent der Frauen und 0,3 Prozent der Männer von einer Anpassungsstörung betroffen. Das entspricht in etwa fünf bis zwanzig Prozent jener Patienten, die sich in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befinden. Die Störung kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei alleinstehende Personen gefährdeter sind, eine Anpassungsstörung zu erleiden.
 
Ärzte und Therapeuten vergeben die Diagnose einer Anpassungsstörung sehr häufig. Dies liegt daran, dass es relativ schwierig ist, die Störung von anderen psychischen Erkrankungen abzugrenzen

Was sind die Symptome einer Anpassungsstörung?

Nach der ICD-10-Klassifikation müssen bestimmte Symptome für die Diagnose der Anpassungsstörung vorliegen. Zu der Klassifikation gehört, dass die Betroffenen eine psychosoziale Belastung erlebt haben, die allerdings nicht katastrophal oder außergewöhnlich war. Darauffolgend müssen die Symptome innerhalb eines Monats nach dem Erlebnis auftreten.
 
Patienten mit einer Anpassungsstörung haben Symptome und Verhaltensstörungen, wie sie auch bei affektiven Störungen (zum Beispiel Depression), bei neurotischen Störungen, bei Belastungsstörungen, bei Störungen des Sozialverhaltens oder somatoformen Störungen (= körperliche Beschwerden ohne erkennbare physische Ursache) vorkommen. Die Symptome unterscheiden sich je nach Art und Schwere der Belastung. Dazu gehören Trauer, Sorge, Ängste und Verlust von Freude.
 
Gewissermaßen sind solche Symptome eine normale Reaktion auf belastende Ereignisse, bei einer Anpassungsstörung sind sie jedoch stark ausgeprägt oder halten eine längere Zeit an, sodass sie das Leben des Betroffenen beeinträchtigen. Das führt dazu, dass Patienten mit einer Anpassungsstörung große Schwierigkeiten damit haben, ihren alltäglichen Aufgaben nachzugehen. Die meisten Betroffenen ziehen sich aufgrund der Symptome aus dem sozialen Leben zurück. Ein weiteres Symptom der Störung ist, dass sie sich schnell überfordert fühlen und häufig Anzeichen von Depressionen und Angststörungen entwickeln.
 
All diese Symptome wirken sich auch auf den Körper an sich aus. Bei Betroffenen treten oft körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Verspannungen oder Herz-Kreislauf-Probleme auf. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Selbstmordversuch und einen vollendeten Selbstmord.
 
Die Symptome der Anpassungsstörung dauern nicht länger als bis zu sechs Monate nach dem Ende des belastenden Ereignisses an. Eine depressive Anpassungsstörung kann auch länger andauern.

Wie äußert sich eine Anpassungsstörung bei Säuglingen?

Eine Geburt ist in der Regel nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Baby belastend, da die Situation für beide mit Stress verbunden ist und nicht immer ohne Komplikationen verläuft. All dieser Stress und die Belastung kann dazu führen, dass sich sowohl bei der Mutter, als auch bei dem Kind, eine Anpassungsstörung bildet.
 
Bei Säuglingen zeigen sich Anpassungsstörungen zum Beispiel durch exzessives Schreien, Schlaf- und Essensstörungen. Diese Probleme bezeichnen wir auch als frühkindliche Regulationsstörungen, die auch auf eine Störung in der Eltern-Kind-Beziehung hinweisen können. Wenn Eltern mit der Betreuung des Kindes überfordert sind, kann es leicht passieren, dass sie und auch das Kind schnell frustriert sind.
 
Säuglinge sind vollständig auf die Versorgung durch ihre Eltern angewiesen, kriegen sie jedoch nicht die erforderliche Aufmerksamkeit und Verpflegung, so reagieren sie mit vermehrter Unruhe und Schreien. Dadurch verstärkt sich wiederum die Verzweiflung der Eltern. Aus diesem Grund sollten Eltern schnell professionelle Hilfe bei Kinderärzten oder speziellen Kliniken aufsuchen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie mit der Situation nicht zurechtkommen.

Wie zeigt sich eine Anpassungsstörung bei Kindern und Jugendlichen?

Bei Kindern und Jugendlichen tritt eine Anpassungsstörung meistens im Zusammenhang mit schulischen Problemen auf. Die Symptome einer Anpassungsstörung äußern sich bei jüngeren Kindern meist durch starkes Daumenlutschen und Bettnässen sowie durch einen Rückfall in solche Verhaltensweisen.
 
Bei älteren Kindern und Jugendlichen ist ein gestörtes soziales Verhalten ein wichtiger Hinweis auf eine Anpassungsstörung. Betroffene ältere Kinder und Jugendliche reagieren auf eine belastende Situation unter anderem mit Aggressionen, Lügen, Schwänzen, Stehlen und mit weiteren dissozialen Verhaltensweisen.
 
Bei Kindern und Jugendlichen tritt eine Anpassungsstörung meistens im Zusammenhang mit schulischen Problemen auf

Welche Ursachen hat eine Anpassungsstörung?

Im Vergleich zu anderen Störungen gibt es bei Anpassungsstörungen eine eindeutige Ursache. Auslöser der Anpassungsstörung sind keine schwer traumatischen Erlebnisse, sondern Krisen und belastende Lebensveränderungen. Ohne diese belastenden Situationen würden die Symptome einer Anpassungsstörung nicht auftreten. Zu den Ursachen gehören Veränderungen im Lebensalltag, wie zum Beispiel Schwierigkeiten in der Arbeit, Trennung vom Partner, Verlust einer geliebten Person, der Übergang in den Ruhestand, aber auch körperliche Erkrankungen, die eine Veränderung des Alltags des Betroffenen erfordern. Welchen Anteil Gene und biologische Faktoren an der Entstehung einer Anpassungsstörung haben, ist zurzeit noch unklar.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Anpassungsstörung?

Nicht jeder, der einer großen psychischen Belastung infolge einer großen Lebensveränderung ausgesetzt ist, erleidet gleich eine Anpassungsstörung. Hierbei wirken verschiedene (Risiko-) Faktoren zusammen, die letztendlich zu einer Anpassungsstörung führen. Die individuelle Anfälligkeit spielt eine wichtige Rolle. Menschen mit einer ängstlichen Tendenz erleben bestimmte Situationen schnell als Bedrohung und fühlen sich überfordert.
 
Manche Menschen haben sich jedoch im Leben bereits gewisse Strategien angeeignet, um erfolgreich mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Daher fällt es ihnen leichter, mit Problemen klarzukommen und diese zu bewältigen. Darüber hinaus ist zudem entscheidend, wie die Betroffenen das Erlebnis bewerten.
 
Einen großen Einfluss haben auch die Intensität und die Dauer des Ereignisses, sowie das soziale Umfeld des Betroffenen. Denn die Unterstützung durch Freunde und Familie trägt dazu bei, dass eine Person sich wohlfühlt und eine gesunde Psyche aufrechterhält. Wenn jedoch mehrere Stress-erzeugende Ereignisse auf einmal auftreten, können auch sonst widerstandsfähige Menschen in eine Krise geraten. Depressive Symptome erhöhen zudem das Risiko, langfristig unter einer Depression zu leiden.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Im Laufe des Lebens kommt auf uns eine Reihe von negativen und belastenden Lebensereignissen zu, die wir jedoch in der Regel adäquat verarbeiten und mit Würde bewältigen können. Starke Gefühle wie Ärger, Trauer, Betroffenheit und Hilflosigkeit, die als Folge von verschiedenen Belastungssituationen oder Schicksalsschlägen auftreten, sind normale Reaktionen. Normale Reaktionen zeichnen sich dadurch aus, dass wir uns weiterhin situationsangemessen verhalten können und uns verschiedene Freiheitsgrade erhalten bleiben, sodass nicht alle Lebensbereiche unter dem Eindruck der Belastung stehen.
 
Ab wann jedoch professionelle, therapeutische Hilfe nötig ist, ist mit einem Arzt abzuklären. Wenn Du den Verdacht hast, unter einer Anpassungsstörung zu leiden, so kannst Du Dich zunächst an Deinen Hausarzt wenden. Dieser kann Dir einen geeigneten Psychiater oder einen Psychotherapeuten empfehlen. In einer Therapie sucht der Facharzt schließlich mit Dir den besten Weg, wie Du Belastungen abbauen solltest, und wenn dies nicht möglich sein sollte, wie Du mit Belastungen besser umgehen kannst.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Anpassungsstörung und deren Ursache?

Bevor der Arzt die Diagnose einer Anpassungsstörung stellen kann, muss er sich nach den Ursachen der Belastung erkundigen und einige Untersuchungen durchführen.
 
Als allererstes fragt er nach der Anamnese (= Krankengeschichte) des Patienten. Er fragt, ob die Symptome auf eine bestimmte Ursache zurückzuführen sind, und ob sie innerhalb eines oder weniger Monate nach dem einschneidenden Erlebnis aufgetreten sind. Dieses Zeitfenster ist wichtig, da ein Arzt die Diagnose nur vergeben kann, wenn die Störung nur innerhalb von ein bis drei Monaten nach dem Erlebnis aufgetreten ist.
 
Bevor der Arzt die Diagnose einer Anpassungsstörung stellen kann, muss er sich nach den Ursachen der Belastung erkundigen und einige Untersuchungen durchführen
 
Zunächst führt der Arzt einige Untersuchungen durch, damit er ausschließen kann, ob es sich um eine körperliche Ursache handelt. Je nach Beschwerden macht er beispielsweise ein Elektrokardiogramm (EKG) des Herzens, tastet den Bauch ab oder untersucht das Blut. Im weiteren Verlauf stellt er Fragen zu den psychischen Symptomen. Dabei erkundigt er sich, ob den Betroffenen in den letzten Wochen ein Erlebnis belastet hat, ob er seitdem wenig Freude oder Interesse an seinen Alltagstätigkeiten hat, ob er sich traurig und antriebslos fühlt, ob er das Gefühl hat, dass ihm alles zu viel wird, und ob er Schwierigkeiten beim Konzentrieren hat.
 
Sieht der Arzt mehrere Hinweise auf eine Anpassungsstörung und bestätigen sich diese sogar, so vermittelt er den Patienten an einen Psychotherapeuten oder einen Psychiater. Dieser kann dann eine genaue Diagnose stellen und kann weiter auch ausschließen, dass es sich um eine andere psychische Störung handelt. Die Diagnose stellt er schließlich anhand von Kriterien, die in der 5. Ausgabe des diagnostischen und statistischen Leitfadens psychischer Störungen (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Edition, DSM-5) aufgezeichnet sind.
 
Um die genaue Diagnose einer Anpassungsstörung stellen zu können, muss der Betroffene an emotionalen oder Verhaltenssymptomen leiden, die innerhalb von drei Monaten nachdem er dem Stressauslöser ausgesetzt war, auftauchen. Diese Symptome müssen klinisch bedeutend sein. Dies stellt der Arzt anhand gewisser Punkte fest. Dazu gehört, dass der Betroffene eine deutliche Belastung verspürt, die nicht im Verhältnis zum Stressauslöser steht. Dabei berücksichtigt er auch die kulturellen Faktoren. Darüber hinaus müssen die Symptome die soziale und berufliche Funktionsfähigkeit des Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Eine korrekte Diagnose ist besonders wichtig, um eine weitere Behandlung am geeignetsten zu gestalten.

Wie wird eine Anpassungsstörung behandelt?

Je nachdem, wie schwer die Anpassungsstörung ist, schlägt der Therapeut verschiedene Hilfsmaßnahmen vor. Bei einer leichten Anpassungsstörung hilft in der Regel bereits die Unterstützung durch Familie und Freunde. Bei stärkeren Symptomen empfehlen Experten Maßnahmen wie eine Verhaltenstherapie oder eine Psychoanalyse. Im Rahmen der Therapie von Anpassungsstörungen haben sich vor allem die Gesprächstherapie nach Carl Rogers sowie die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Ziel von beiden Varianten ist die vollständige Heilung.
 
In der Gesprächstherapie nach Rogers spielt die Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten eine entscheidende Rolle. Rogers ging davon aus, dass jeder Mensch nach Wachstum und Reifung strebt. Aus diesem Grund versucht der Therapeut ein besonders positives Klima für den Patienten zu schaffen, in dem er sich selbst verwirklichen kann. Außerdem orientiert sich der Therapeut an den Ressourcen des Patienten, um zu einer Lösung der Probleme zu kommen.
 
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie liegt der Fokus vor allem am Umgang des Patienten mit der Situation und auf dessen Fehlinterpretationen. Im Rahmen der Therapiesitzungen lernt der Betroffene neue Strategien, um seine Probleme zu bewältigen und Situationen realistischer zu interpretieren. Außerdem strebt der Therapeut an, dass der Patient wieder Kontakt zu seinem sozialen Umfeld herstellt. Deshalb bindet er auch Angehörige in den Therapieprozess mit ein, sofern dies möglich ist.

Wann ist der Einsatz von Medikamenten bei einer Anpassungsstörung angebracht?

Bei einem sehr schweren Verlauf der Anpassungsstörung verschreibt der Therapeut in einzelnen Fällen für eine kurze Zeit Medikamente. Diese setzt der Arzt zur Behandlung von Symptomen wie Schlaflosigkeit, Angstzuständen und Depression ein. Im Rahmen der medizinischen Behandlung kommen zum Beispiel Schlafmittel, Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine sowie Antidepressiva zum Einsatz. Bei einer leichten depressiven Verstimmung hilft die Heilpflanze Johanniskraut, ansonsten verschreibt der Arzt ein chemisches Antidepressivum.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Anpassungsstörung?

Eine Anpassungsstörung tritt nach einem belastenden Ereignis auf und dauert in der Regel nicht länger als ein halbes Jahr an. Der Krankheitsverlauf kann sich bei langfristigem Stress jedoch auch auf bis zu zwei Jahre verlängern, zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, und im Zusammenhang mit einer weiteren Störung, zum Beispiel Depression. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome einer Anpassungsstörung jedoch nach einiger Zeit entweder allein oder mithilfe einer therapeutischen Behandlung. Der Verlauf der Anpassungsstörung hängt jedoch auch vom Ausmaß der Belastung und der sozialen Unterstützung ab.

Wie ist die Prognose bei einer Anpassungsstörung?

In der Regel haben Betroffene einer Anpassungsstörung eine gute Prognose, da die Symptome entweder von selbst verschwinden oder mithilfe einer Therapie mit der Zeit vergehen. Entwickelt sich die Anpassungsstörung jedoch bereits im Kindes- und Jugendalter, so hält diese in der Regel länger an und hat auch eine schlechtere Prognose.
 
Familie und Freunde leisten einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt einer gesunden Psyche und zum Wohlbefinden des von einer Anpassungsstörung betroffenen

Was können Angehörige bei einer Anpassungsstörung tun?

Nicht immer sind Patienten mit einer Anpassungsstörung gleich therapiebedürftig, in leichteren Fällen kann bereits die Unterstützung durch Angehörige einen wesentlichen Impuls zur Genesung geben. Familie und Freunde leisten einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt einer gesunden Psyche und zum Wohlbefinden des Betroffenen. Die Ermutigung und Unterstützung zu einer Therapie sowie die Beteiligung der Angehörigen an der Behandlung ist für die Betroffenen immens wichtig. Wichtig ist jedoch auch, dass Familie und Freunde nicht zu sogenannten Co-Therapeuten werden.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Anpassungsstörung?

In der Regel übernimmt die Krankenkasse die Kosten der ärztlichen Untersuchung bei einer Anpassungsstörung. Für die Behandlung in Form von Psychotherapie ist ein Selbstbehalt zu leisten. Du kannst jedoch einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung stellen, wenn Du eine Therapie bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten oder Psychiater machst. Bei einer Genehmigung des Antrags erstattet Dir der Krankenversicherungsträger einen Teil des an den Psychotherapeuten oder den Psychiater bezahlten Honorars zurück.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Anpassungsstörungen verstehen wir deutlich belastende emotionale genauer gesagt verhaltensbezogene Symptome, die den Alltag des Patienten beeinträchtigen


Die Störung tritt nach belastenden Lebensveränderungen auf (Trennung, Arbeitslosigkeit, Tod eines geliebten Menschen), an die sich der Betroffene nicht anpassen kann


Eine Anpassungsstörung hält meisten Wochen bis einige Monate an, sie verschwindet entweder von selbst oder durch eine therapeutische Behandlung


Die Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten der ärztlichen Untersuchung, im Rahmen der Psychotherapie ist jedoch ein Selbstbehalt zu leisten, bei dem Du einen Kostenzuschuss beantragen kannst

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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