Amnesie

Bei einem totalen oder teilweisen Gedächtnisverlust handelt es sich um eine Amnesie. Sie kann entweder dauerhaft sein, oder nach einiger Zeit wieder verschwinden. Der Verlust des Gedächtnisses tritt plötzlich auf. Für den Betroffenen ist es darüber hinaus auch nicht möglich, sich Neues zu merken. Das Wissen um die eigene Identität geht aber nur sehr selten verloren. Amnesie ist eine komplexe Krankheit, die in vielen verschiedenen Formen auftritt. Auch die Ursachen einer Amnesie sind sehr vielfältig.


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Zuletzt aktualisiert: 5. August, 2020



ICD-10-GM-2020 F04, F44, R41 + G45.5

Was versteht die Medizin unter einer Amnesie?

Als Amnesie bezeichnet die Medizin einen Gedächtnisverlust. Je nach Art, Ursache und Verlauf der Krankheit unterscheiden Mediziner zahlreiche verschiedene Formen von Amnesie. Jede Form hat eigene Charakteristika und Symptome, die sich vielfach aber auch überschneiden. Je nach Schweregrad und Auslöser wirken sich die jeweiligen Formen sehr unterschiedlich auf den Patienten aus. Manche Formen von Amnesie sind nicht heilbar. Bei anderen Formen verschwinden die Symptome innerhalb einiger Zeit von selbst wieder oder sobald der Auslöser erfolgreich therapiert wurde.

In vielen Fällen liegt die Ursache einer Amnesie in einer Störung im Hirn.

Welche Formen der Amnesie gibt es?

Die Medizin kennt zahlreiche verschiedene Formen von Amnesie. Als Unterscheidungskriterien gelten der Zeitraum, der vom Gedächtnisverlust betroffen ist, die Ursache sowie Form und Umfang der Amnesie.
 
Bei einer anterograden Amnesie kann der Betroffene neue Informationen nur noch minimal oder gar nicht mehr speichern. Sie ist die am häufigsten vorkommende Form von Amnesie. Besteht keinerlei Erinnerung mehr an die Zeit vor dem Gedächtnisverlust, handelt es sich um eine retrograde Amnesie.
 
Bei einer globalen Amnesie sind weit zurückliegende Erlebnisse und neue Inhalte schwer abrufbar. Fertigkeiten wie Radfahren bleiben aber erhalten. Diese Form der Amnesie ist meist nicht heilbar.
 
Eine transiente globale Amnesie betrifft sämtliche Gedächtnisinhalte, unabhängig davon, ob sie lange zurückliegen oder erst vor Kurzem passiert sind. Erlernte Fertigkeiten bleiben erhalten. Im Normalfall verschwindet diese Form des Gedächtnisverlusts innerhalb von 24 Stunden von allein wieder.
 
Bei einer kongraden Amnesie beschränkt sich der Gedächtnisverlust ausschließlich auf das auslösende Ereignis, zum Beispiel ein Unfall. Die psychogene Amnesie bezeichnet den Verlust der Erinnerungen an traumatische Erlebnisse. Ursache ist das unbewusste Verdrängen der Erinnerung daran.

Wie äußert sich die anterograde Amnesie?

Diese Form der Amnesie kommt am häufigsten vor und wird auch vorwärtswirkende Amnesie genannt. Für den Betroffenen ist es kaum möglich neue Gedächtnisinhalte zu speichern oder abzurufen. Während das Langzeitgedächtnis bei dieser Form meist stark beeinträchtigt ist, funktioniert das Kurzzeitgedächtnis ohne größere Probleme. Somit kann der Patient den Alltag im Normalfall seinen Alltag allein bewältigen. Die Patienten können sich außerdem an die Zeit vor dem Ausbruch der Amnesie erinnern.

Woran erkennen Ärzte eine retrograde Amnesie?

Bei einer retrograden Amnesie handelt es sich um einen rückwirkenden Gedächtnisverlust. Das heißt, dem Betroffenen fehlen die Erinnerungen an die Zeit vor der Amnesie. In den meisten Fällen ist der Auslöser einer retrograden Amnesie ein Hirntrauma. Eine retrograde Amnesie verschwindet oft nach wenigen Sekunden oder Minuten von selbst wieder. Sie kann aber auch für mehrere Wochen oder Monate bestehen bleiben.
 
Das Ausmaß der Hirnschädigung hat keine Auswirkung darauf, wie lange die Symptome bestehen bleiben. Viele Patienten vergessen Ereignisse, die kurz vor der Verletzung stattfanden schneller als Ereignisse, die schon länger zurückliegen. Auch, wenn die Erinnerungen mit der Zeit zurückkommen, kehren häufig nicht alle Gedächtnisinhalte zurück. Bei vielen Patienten zeigen sich neben einer retrograden Amnesie auch Symptome einer anterograden Amnesie.

Was ist die globale Amnesie?

Die schwerste Form der Gedächtnisstörung bezeichnen Mediziner als globale Amnesie. Für die Betroffenen einer globalen Amnesie ist es nicht mehr möglich Erinnerungen an Ereignisse, die jahre- oder jahrzehntelang zurückliegen, abzurufen. Darüber hinaus ist es für sie auch nicht mehr möglich neue Inhalte in ihrem Gedächtnis aufzunehmen und zu speichern. Das Erlernen neuer Inhalte ist nicht mehr möglich.
 
Jener Teil des Gedächtnisses, der für Fertigkeiten zuständig ist, das prozedurale Gedächtnis, bleibt allerdings intakt. Betroffene können also weiterhin ohne Probleme ein Auto bedienen, allerdings fehlt es ihnen an Orientierungsfähigkeit. Diese Form der Amnesie ist meist nicht heilbar.

Wie äußert sich die transiente globale Amnesie?

Die transiente globale Amnesie (TGA) tritt plötzlich auf und verschwindet im Normalfall genauso schnell wieder. Es bleiben keine Folgeschäden bestehen. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome innerhalb von 24 Stunden von selbst. Mediziner sprechen in diesem Fall auch von einer episodischen Amnesie.
 
Diese Form wirkt gleichermaßen vorwärts- und rückwärtsgerichtet. Das heißt, für den Betroffenen ist es nicht möglich, sich neue Inhalte zu merken. Sie wissen nicht, wo sie sich befinden, oder welches Datum ist. Vergangene Inhalte sind für Betroffene ebenfalls nicht mehr abrufbar. Auch diese Form der Amnesie betrifft das prozedurale Gedächtnis nicht. Fertigkeiten, die vor Eintritt der Amnesie erlernt wurden, kann der Betroffene weiterhin ausführen.
 
Der überwiegende Teil der Betroffenen einer transienten globalen Amnesie ist zwischen 50 und 70 Jahren alt. Bei etwa drei Viertel der Betroffenen sind emotional-psychische oder körperliche Belastungen, ein Sprung ins kalte Wasser oder Sex die Ursache einer transienten globalen Amnesie.

Was sind die Anzeichen für eine kongrade Amnesie und für eine psychogene Amnesie?

Bei einer kongraden Amnesie verschwindet lediglich die Erinnerung an das Ereignis, welches die Amnesie ausgelöst hat. Das kann zum Beispiel ein Unfall oder ein kräftiger Schlag auf den Kopf sein. Der Betroffene hat dabei weder Probleme sich an Geschehnisse vor dem auslösenden Ereignis zu erinnern noch neue Inhalte im Gedächtnis abzuspeichern. Ähnlich verhält sich eine psychogene Amnesie. Dabei verdrängt der Betroffene die Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis.

Der übermäßige Konsum von Alkohol und Zigaretten begünstigt das Entstehen einer Amnesie.

Welche Ursachen hat eine Amnesie?

Es gibt zahlreiche Auslöser, die zu einer Amnesie führen können. Darüber hinaus kann eine Amnesie auch eine Begleiterscheinung unterschiedlicher anderer Krankheiten sein. Im Allgemeinen unterscheiden Mediziner zwischen psychogenen und organischen Ursachen.
 
Als psychogene Ursachen gelten Psychosen oder extreme seelische Belastungen, die auf ein traumatisches Erlebnis zurückzuführen sind. Der Patient verdrängt das Erlebte, bis er sich irgendwann nicht mehr daran erinnern kann.
 
Organische Ursachen hingegen sind entweder eine Störung im Gehirn oder einer Schädigung des Hirngewebes. Eine organisch bedingte Amnesie kann durch Unfälle mit Schädel-Hirn-Trauma oder einer Gehirnerschütterung ausgelöst werden. Ebenso kann eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) zu einer Amnesie führen, ebenso wie ein Schlaganfall oder Migräne.
 
Aber auch Vergiftungen, langjähriger Alkoholmissbrauch und bestimmte Medikamente, wie Psychopharmaka oder Barbiturate, können zu einem Gedächtnisverlust führen. Zu Erkrankungen, die zu einer Amnesie führen können, zählen zum Beispiel Demenz, Alkoholismus, Schädel-Hirn Traumen, Epilepsie, Schlaganfälle oder dissoziative Störungen.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Amnesie?

Gesundheitsschädigende Verhaltensweisen begünstigen die Entstehung einer Amnesie. Dazu zählen in erster Linie der Konsum von Alkohol und Rauchen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Zum Arzt solltest Du gehen, wenn es häufiger vorkommt, dass Du Dich an Vergangenes nicht mehr erinnern kannst. Selbiges gilt, wenn Dir auffällt, dass Du des Öfteren Probleme dabei hast neuere Informationen abzurufen. Die Ursache einer Amnesie kann eine Erkrankung sein, die einer Behandlung bedarf. Umso früher Du zum Arzt gehst, umso besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Amnesie?

Wie bei jeder ärztlichen Untersuchung findet auch hier zu Beginn ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt statt. In diesem klärt er ab, wann Du die Gedächtnislücken zum ersten Mal bemerkt hast. Er befragt Dich zu möglichen anderen Krankheiten, an denen Du leidest, welche Medikamente Du einnimmst und ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen der Amnesie und einem bestimmten Ereignis, zum Beispiel einem Unfall, gibt. Bei der Diagnose einer Amnesie sind auch die Beobachtungen von Freunden und Angehörigen wichtig. Oftmals kann der Arzt erst dadurch zweifelsfrei feststellen, um welche Form der Amnesie es sich handelt.
 
Erhärtet sich nach diesem Gespräch der Verdacht auf eine Amnesie, folgen verschiedene Gedächtnistests. So muss der Betroffene zum Beispiel immer länger werdende Zahlenreihen aus dem Gedächtnis nachsprechen, um die Funktion des Kurzzeitgedächtnisses zu überprüfen.
 
Auch bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) können bei der Diagnose einer Amnesie zum Einsatz kommen. So kann der Arzt überprüfen, ob ein Bluterguss, eine Hirnblutung, ein Tumor oder eine andere Verletzung vorliegt, die möglicherweise den Gedächtnisverlust ausgelöst hat.
 
Mit einem speziellen CT-Verfahren, der Single-Photon-Emissions-Computertomographie, kann der Arzt testen, ob alle Gehirnbereiche mit ausreichend Blut versorgt werden. Dafür bringt der Arzt ein Kontrastmittel in das Gehirn ein und bekommt so ein klares Bild vom Zustand des Gewebes. Durch ein Elektroenzephalogramm (EEG) misst der Arzt die Hirnströme und kann so feststellen, ob eine Epilepsie die Ursache für die Amnesie ist.

Welche Therapie kommt bei einer Amnesie zum Einsatz?

Die Therapie einer Amnesie richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Grundstein der Behandlung ist die Therapie des Auslösers, zum Beispiel Epilepsie, ein Schlaganfall oder Demenz. Bei einem Schädel-Hirn Trauma als Ursache muss der Arzt dieses entsprechend behandeln.
 
Handelt es sich um eine seelisches Trauma als Auslöser ist eine psychotherapeutische Behandlung empfehlenswert. Je nach Patient und Vorgeschichte kommen entweder verhaltenstherapeutische oder tiefenpsychologische Verfahren zum Einsatz. Als hilfreich bei der Therapie einer Amnesie haben sich auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga erwiesen.

Wenn ein Trauma die Ursache für eine Amnesie ist, kommen verhaltenstherapeutische oder tiefenpsychologische Verfahren zum Einsatz.

Was kann ich selbst bei einer Amnesie tun?

Einer Amnesie vorzubeugen, ist leider nicht möglich. Allerdings gibt es einiges, das Du bei einer vorliegenden Amnesie tun kannst, um zu einer Besserung der Symptome beizutragen. Besonders hilfreich sind Aktivitäten, die das Gedächtnis trainieren. Spezielle Übungen mit denen Du das Gedächtnis trainieren kannst stehen heute zum Beispiel als App fürs Smartphone zur Verfügung.

Auch Entspannungsübungen, soziale Kontakte, Bewegung und Musik wirken sich positiv auf das Gehirn und die Gedächtnisleistung aus. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Betroffene.
 
Eine Amnesie kann auch mit der Verkalkung von Arterien im Gehirn zusammenhängen. Aus diesem Grund solltest Du auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Iss viel frisches Obst und Gemüse und verzichte möglichst auf den Verzehr von tierischen Fetten. Achte darauf, ausreichend ballaststoffreiche und vitaminhaltige Lebensmittel zu verzehren. Verzichte so gut wie möglich auf den Konsum von Alkohol und Zigaretten.

Welche Folgen hat eine Amnesie für Betroffene?

Ein plötzlicher Verlust des Gedächtnisses wirkt erschreckend und bedrohlich. Der Betroffene verliert seine Orientierungsfähigkeit und weiß nicht mehr, wo er ist oder welches Datum wir schreiben. Das wirkt beängstigend auf den Betroffenen. Komplexe Fertigkeiten, wie zum Beispiel Auto- oder Radfahren, gehen jedoch nicht verloren. Auch die Persönlichkeit des Betroffenen bleibt im Normalfall unverändert.
 
Vor allem Menschen, die an einer retrograden Amnesie leiden, zeigen häufig keine Gefühle. Manchmal wirken Patienten auch leicht depressiv oder gleichgültig. Das liegt daran, dass sich die Patienten unsicher sind, wie sie sich in gewissen Situationen früher verhalten haben. Für Betroffene ist der Austausch in Selbsthilfegruppen oft eine große Stütze.

Welche Folgen hat eine Amnesie für Angehörige?

Auch auf das soziale Umfeld eines Betroffenen kann eine Amnesie Auswirkungen haben. Betroffene erzählen oft immer wieder das Gleiche, weil sie sich nicht mehr daran erinnern können, es bereits gesagt zu haben. Es ist wichtig, nicht die Geduld zu verlieren und sich darüber bewusst zu sein, dass das Verhalten des Betroffenen durch die Erkrankung bedingt ist. Eine verständnisvolle und liebevolle Umgebung, ist wichtig, damit die Therapie möglichst erfolgreich verläuft.

Wie ist die Prognose bei einer Amnesie?

Der Verlauf einer Amnesie unterscheidet sich je nach Form und Auslöser sehr stark. Bei schweren organischen Schäden, wie sie zum Beispiel bei einer Demenz auftreten, ist eine Heilung nicht möglich. In diesem Fall ist es lediglich möglich, das Fortschreiten der Symptome zu verlangsamen. Bei anderen Ursachen verschwinden die Symptome häufig, sobald die Grunderkrankung erfolgreich therapiert wurde.
 
Somit ist die Prognose einer Amnesie nach einem Unfall besser als jene bei einer Demenzerkrankung. Umso mehr unterstützende Angebote der Betroffene in Anspruch nimmt, um Erinnerungsprozesse zu fördern, umso besser ist auch die Prognose.

Eine Amnesie steht häufig auch in Verbindung mit Demenz.

Auf welche Krankheiten kann Gedächtnisverlust hinweisen?

Eine Amnesie ist häufig ein Symptom einer anderen zugrunde liegenden Krankheit. Mögliche Krankheiten, die zu einem Gedächtnisverlust führen sind zum Beispiel Demenz, Epilepsie, ein Schlaganfall, Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen, dissoziative Störungen oder das Korsakow-Syndrom.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Amnesie?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Amnesie. Je nach Versicherungsträger kann ein Selbstbehalt anfallen. Genauere Informationen dazu erhältst Du direkt bei Deinem behandelnden Arzt oder der Krankenkasse.
 
Ist eine Operation nötig, ist auch ein Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich. Die Kosten für einen Krankenhausaufenthalt übernimmt die Krankenkasse nur zum Teil. Auch für eine Psychotherapie fällt im Normalfall ein Selbstbehalt an. Über die Höhe des Selbstbehalts kannst Du Dich beim behandelnden Arzt oder der Krankenkasse informieren.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Einen zeitweisen oder dauerhaften Gedächtnisverlust bezeichnet die Medizin als Amnesie. Je nach Symptomen und Ursachen gibt es verschiedene Formen.


Ursache für eine Amnesie können Erkrankungen sein, die sich auf das Gehirn auswirken, wie eine Hirnhautentzündung oder Demenz. Oft ist auch ein Schädel-Hirn-Trauma der Auslöser. Ebenso kann der Konsum bestimmter Medikamente und Alkoholmissbrauch zu einer Amnesie führen.


Die Therapie einer Amnesie richtet sich in erster Linie nach dem Auslöser und besteht im Wesentlichen darin, diesen zu behandeln.


Zusätzlich kann der Betroffene selbst mit Gedächtnistraining und Entspannungsübungen einen positiven Beitrag leisten.

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