Steißbeinfistel (sinus pilonidalis, pilonidalsinus)

Eine Steißbeinfistel ist eine chronische Entzündung des Gewebes in der Pofalte. Hervorgerufen wird sie in den meisten Fällen aufgrund einer Störung der Haarentwicklung. Die Haare wachsen unter der Haut und können sich dort entzünden. In manchen Fällen verursacht eine Steißbeinfistel keine Beschwerden, eine Behandlung ist dann nicht notwendig. Kommt es allerdings zu einer Infektion, ist eine Operation unumgänglich. Aufgrund des stärkeren Haarwachstums sind Männer häufiger von Sinus pilonidalis betroffen als Frauen.


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Zuletzt aktualisiert: 9. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Steißbeinfistel?

Die Medizin spricht bei einer Steißbeinfistel auch von einem Sinus pilonidalis. Die Steißbeinfistel eine Entzündung des Fettgewebes unter der Haut der Gesäßfalte. Meist wird sie durch eingewachsene Haare oder Haarwurzeln verursacht. Wenn ein Haar nach innen anstatt nach außen wächst, verbleiben abgebrochene Haare und Keratinschuppen unter der Hautoberfläche. So bilden sich Granulome, kleine Knoten, die sich entzünden können, wenn sie mit Bakterien in Kontakt kommen.

Die Steißbeinfistel eine Entzündung des Fettgewebes unter der Haut der Gesäßfalte

Welche Formen der Steißbeinfistel gibt es?

Es gibt drei Formen der Steißbeinfistel:
 

  • Blande Fistel: Der Patient hat keine Beschwerden. Solange das so bleibt, ist eine Therapie nicht nötig. Es ist aber ratsam, die Entwicklung der Fistel unter Kontrolle zu behalten.
  • Akute Fistel: Diese Form tritt plötzlich auf und verursacht starke Schmerzen. Sie sollte operativ behandelt werden.
  • Chronische Fistel: Wie der Name verrät, besteht diese Form der Fistel über einen langen Zeitraum hinweg. Von Zeit zu Zeit zeigen sich Symptome, die Betroffenen finden dann Wundflüssigkeit, Eiter oder Blut in der Unterwäsche. Auch diese Form sollte operativ behandelt werden.

Wie sehen die Symptome einer Steißbeinfistel aus?

Eine Steißbeinfistel führt zu Schmerzen, Rötungen und Schwellungen am Steißbein. Außerdem ist die betroffene Stelle druckempfindlich. In besonders stark ausgeprägten Fällen verursachen Sitzen, Laufen und auch das Liegen auf dem Rücken Schmerzen. Symptome, die gemeinsam mit einer Steißbeinfistel auftreten können, sind Entzündungen, Dellen in der Haut, Schmerzen im Kreuzbein, ein unangenehmer Geruch der von eitrigen Fisteln ausgeht und in manchen Fällen auch leichtes Fieber.
 
Je nach Form der Fistel sind auch die Symptome unterschiedlich intensiv. Bei der blanden Fistel verspüren die Betroffenen meist keinerlei Symptome. Manche haben leichte Schmerzen, wenn sie auf harten Stühlen sitzen oder beschreiben ein Gefühl, wie bei einem Pickel oder einer Prellung. Die blande Fistel wird oft nur zufällig entdeckt.
 
Bei einer chronischen Fistel zeigen sich über einen langen Zeitraum hinweg Symptome in unterschiedlicher Intensität. Meist sind die Schmerzen nur leicht und der Betroffene bemerkt die Fistel nur aufgrund von Blut oder Eiter in der Unterwäsche. Aufgrund der ständigen Besiedlung mit Bakterien kann sich auch ein unangenehmer Geruch bilden. Die Fistel fühlt sich hart wie ein Knorpel an. Das kann bei langem Sitzen starke Schmerzen verursachen.
 
Die akute Form der Steißbeinfistel ist mit den stärksten Schmerzen verbunden. Sie entwickelt sich oft innerhalb weniger Tage. Es bildet sich eine gerötete, schmerzhafte Beule am Gesäß. Oft ist äußerlich nur wenig sichtbar, es lässt sich jedoch eine Verhärtung ertasten. Vor allem nach langem Sitzen kommt es zu starken Beschwerden. Aus einer kleinen Hautöffnung (Fistelöffnung, Porus) am oberen Ende der Gesäßfalte kann Blut und Eiter austreten.

Welche Ursachen hat eine Steißbeinfistel?

Häufigster Grund für die Entstehung einer Steißbeinfistel ist ein gestörtes Haarwachstum.  Dabei wird ein neu wachsendes Haar nicht richtig aus der Haarwurzel geschoben. Keratin – das Baumaterial des Haares – wird in Form kleiner Schuppen in der Haarwurzel (Follikel) abgelagert.
 
Aber auch, wenn die Haarentwicklung nicht gestört ist, kann es zur Bildung einer Steißbeinfistel kommen. Haare können abbrechen, dabei in die Wand des Haarfollikels stoßen und infolge diesen mit abgebrochenen Haaren füllen. In manchen Fällen sind auch lose Haare von Rücken oder Kopf, die durch ständige Bewegungen des Gesäßes in die Gesäßfalte eingerieben werden und sich dort verwachsen können, die Ursache. Grund dafür ist die Oberfläche der Haare, die an einen Widerhaken erinnert. Manchmal bildet sich auch in bereits entfernten Fistelgängen erneut eine Fistel. Das sieht dann aus, als würden die Haare unterirdisch wachsen.

Haare können abbrechen, dabei in die Wand des Haarfollikels stoßen und infolge diesen mit abgebrochenen Haaren füllen

Welche Folgen hat eine Steißbeinfistel für den Patienten?

Eine Steißbeinfistel kann sehr unangenehm für den Patienten werden. Während sie in vielen Fällen keinerlei Beschwerden verursacht, kann sie auch mit so starken Schmerzen einhergehen, sodass Liegen, Sitzen und Stehen zur Qual werden. Das geht mit entsprechenden Einschränkungen im Alltag einher.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Männer sind rund vier- bis zwölfmal so häufig von Steißbeinfisteln betroffen wie Frauen. Die hohe Schwankungsbreite hängt enorm mit der Ethnizität zusammen, da starkes Haarwachstum und auch die Beschaffenheit der Haare ein prädisponierender Faktor sind. In Europa erkranken pro Jahr etwa 46 von 100.000 Menschen an einer Steißbeinfistel. In den Mittelmeerländern ist sie am höchsten und in Asien und Afrika ist die Erkrankung nahezu unbekannt. Die meisten Erkrankten sind zwischen 16 und 30 Jahre alt. Es gibt noch einige weitere Faktoren, die die Entstehung von Steißbeinfisteln begünstigen. Dazu zählt starkes Schwitzen und zu enge Unterwäsche, ständiges Sitzen, Übergewicht, ein geschwächtes Immunsystem und nicht ausreichende Hygiene.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Steißbeinfistel?

Der Verlauf der Steißbeinfistel ist sehr unterschiedlich. Bei manchen besteht eine Fistel ein Leben lang und sie bemerken sie nicht einmal, weil sich keinerlei Symptome und Beschwerden aufweisen. Wenn die Fistel keine Schmerzen verursacht ist auch eine Behandlung nicht notwendig.
 
Bei einer akuten oder einer chronischen Steißbeinfistel ist eine medizinische Behandlung allerdings notwendig, da sich die Fistelgänge nur selten von selbst zurückbilden. Zudem entwickeln sich in bis zu 20 Prozent der Fälle zusätzlich tief liegende Höhlen, die mit einem Haarknäuel gefüllt sein können und damit namensgebenden für die Erkrankung sind. Je nachdem, wie stark die Fistel ausgeprägt war und welche Behandlung durchgeführt wird, dauert die Heilung einige Wochen oder Monate. In diesem Zeitraum können Schmerzen auftreten. Bei vielen Betroffenen ist auch die Mobilität eingeschränkt.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Steißbeinfistel?

Der Arzt erkennt die Steißbeinfistel in den meisten Fällen bereits aufgrund des typischen Aussehens. Ebenso betastet er die betroffene Stelle. Eine chronische Steißbeinfistel sondert bei Druck ein blutig-eitriges oder klares Sekret ab. Mit einer Knopfsonde, einem stabförmigen Instrument mit einem stumpfen, verdickten Ende, kann der Arzt den Fistelgang bis zur entzündeten Zyste untersuchen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Du Schmerzen im Steißbein hast, solltest Du diese unbedingt von einem Arzt abklären lassen. Nicht immer ist eine Fistel die Ursache. Aber auch im Falle einer Steißbeinfistel ist die Behandlung einfacher, umso früher die Diagnose gestellt wird.

Wie wird eine Steißbeinfistel behandelt?

Solange eine Steißbeinfistel keine Schmerzen verursacht ist eine Therapie nicht zwingend notwendig. Allerdings sollte die Fistel regelmäßig ärztlich begutachtet werden, um ein unkontrolliertes Fistelwachstum zu vermeiden. Andernfalls ist eine Operation unumgänglich. Mit der Pit-Picking Methode steht dafür eine minimal-invasive Technik zur Verfügung, die der Arzt ambulant durchführen kann.

In bis zu 20 Prozent der Fälle kommt es in den ersten zwei bis drei Jahren nach dem chirurgischen Eingriff zu einer erneuten Fistelbildung

Bei der Operation färbt der Spezialist die betroffenen Stellen zuerst ein, sodass der Fistelgang sichtbar wird. Anschließend wird das Fistelgewebe komplett entfernt. Danach vernäht der Arzt die Wunde und verbindet sie, um eine möglichst schnelle Wundheilung sicherzustellen. Bereits nach einer Woche können üblicherweise die Fäden gezogen werden. Bei dieser Methode hat man im Gegensatz zur klassischen radikalen Variante einen geringen Gewebedefekt mit im Idealfall einer vollständigen Entfernung des Fistelgangs und einem marginalen Risiko für Wundheilungsstörungen.
 
In bis zu 20 Prozent der Fälle kommt es in den ersten zwei bis drei Jahren nach dem chirurgischen Eingriff zu einer erneuten Fistelbildung. Aufgrund der hohen Rezidivrate kann das entzündliche Gewebe zusätzlich mit einer radikal abstrahlenden Glasfasersonde (Lasertherapie) behandelt werden. Moderne Laser-Operationstechniken, die das entzündete Gewebe veröden, bieten, in Kombination mit einer Operation, die beste und schnellste Heilungschance und bringen ein besonders geringes Risiko mit sich.

Was muss ich vor und nach einer Operation beachten?

Die herkömmliche Operation einer Steißbeinfistel erfolgt unter Vollnarkose. Daher muss Dein Magen nüchtern sein. Gegebenenfalls musst Du vor der Operation blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Von Deinem Arzt erhältst Du alle Informationen darüber.
 
Auch nach der OP solltest Du dich strikt an die Anweisungen Deines Arztes halten, um eine bestmögliche Heilung sicherzustellen. Nach der Operation solltest Du darauf achten, Haare regelmäßig zu entfernen und die Steißbeinregion sauber zu halten. Falls Du übergewichtig bist, solltest Du daran arbeiten, dieses mit ausreichend Bewegung und gesunder Ernährung zu reduzieren. Zudem solltest Du Deine Zeit im Sitzen minimieren. Wenn es nach einer Operation zu Beschwerden, wie zum Beispiel Fieber, kommt, solltest Du schnellstmöglich einen Arzt konsultieren.

Welche Komplikationen können auftreten?

Nach der Behandlung einer Steißbeinfistel können bei manchen Patienten erneut Fisteln auftreten. Bei manchen kommt es auch zu einer Wundinfektion. Blutungen und Nachblutungen sind ebenfalls möglich.

Was kann ich selbst tun?

Wenn Du weißt, dass Du eine Steißbeinfistel hast, diese aber keine Beschwerden verursacht, solltest Du darauf achten, die Stelle möglichst sauber und trocken zu halten. Eventuell ist auch eine Haarentfernung mit einem Laser sinnvoll. So kannst Du das Risiko einer Infektion eindämmen.

Wie kann ich eine Steißbeinfistel vorbeugen?

Meist sind eingewachsene Haare die Ursache für eine Steißbeinfistel. Wenn Dein Haarwachstum stark ausgeprägt ist, kann es daher sinnvoll sein, die Haare vorsorglich mit einer Lasertherapie im Steißbeinbereich einzudämmen. Musst Du lange sitzen, dann achte darauf, öfter mal aufzustehen. Sitze wenn möglich auf gepolsterten Stühlen. Achte außerdem darauf, atmungsaktive und nicht zu eng anliegende Unterwäsche zu tragen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Du dazu neigst, stark zu schwitzen.

Achte darauf, atmungsaktive und nicht zu eng anliegende Kleidung zu tragen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Steißbeinfistel.


Dauer Dauer

30-60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 4 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 7 Tage

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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Steißbeinfistel ist eine chronische Entzündung des Fettgewebes unter der Haut der Gesäßfalte


Ursache ist in den meisten Fällen eine Störung des Haarwachstums. Die Haare wachsen unter der Haut und können dort eine Infektion auslösen


Nicht immer ist eine Steißbeinfistel mit Schmerzen verbunden. Eine Behandlung ist dann nicht zwingend nötig


Wenn die Steißbeinfistel Beschwerden verursacht, ist eine Operation oder eine Lasertherapie notwendig

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